Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 34 (1.9.1916)
- Date
- 1916-09-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr £eiie 2-- gegenüber dem tJeneral-Anzeiger Vornehmstes Familien-Kaffee Eröffnung Samstag, den 2. September. und „demokratisch" hatten übrigens nicht viel zu sagen. Eigentlich umfaßte das nationale Komitee die ^,Paffivisten" und das demokratische die „Aktivisten" oder — wie man sic anders bezeichnet — die „Russophilen" und.die „Anhänger der Zcntralmüchte". Die Alt-Affimilanten erließen eine Erklärung!: die Juden als „Polen mosaischer Konfession" hätten die patriotische Pflicht entweder für die Kandidaten des „nationalen" oder des „demokratischen" Komitees zu stimmen. Ganz anderer Ansicht waren die Juden, die sich als „Bereinigung der jüdischen Wähler" zusaminengeschlossen haben. Sie führten mit Recht aus, daß in hezug auf die Judenfrage die Demokraten nicht weniger — oder jedenfalls nicht viel weniger — antisemitisch gestimmt seien als die Nationalisten!; um die Müschen Rechte gehörig zu verteidigen, müßten daher die Jüden jüdische Ratsmänner wählen. Dies verstoße übrigens auch nicht gegen den polnischen Patriotismus, denn in der praktischen Arbeit erst, würden die Inden zeigen können, daß sie nicht schlechtere Bürger des Landes sind als die Grnndpolen. Unter dieser Losung haben die „Bereinigten" die Mische Bevölkerung aufgefordert, sich in die Wahllisten einzuschreiben, und dank dem hat sich erwiesen, daß die Juden — trotz aller Schwierigkeiten, die man ihnen in den Weg gÄegt hat — etwa 50 Prozent der zum Stimmen berechtigten Wähler haben. Nebenbei gesagt, beträgt jetzt die Zahl der Juden im, eigentlichen Warschau ungefähr 50 o/o, in Großwarschau (d. h. nach der kürzlichen Einverleibung der Vorstädte) etwa 42 o/o'; vor dem! Kriege betrug die 'Zahl der Juden in Warschau auch nicht weniger als ein Drittel. Die Juden waren deshalb nicht nur imstande, sondmm auch berechtigt, wenn nicht 45, so wenigstens 35 Ratsmänner von der G^amtzahl 80 durchzubringen. Und mindestens auf diese letztere Zahl rechneten die jüdischen Wähler, als Je sich in die Listen esntrggen ließen. Mötzlich jebbdj erfolgte seitens der „Jüdischen Vereinigung" eine .sonderbare SchwenÜrng. Ms die jüdische Bevölkerung bereits* das Stimmrecht sich gesichert hatte und somit ihre Kilfe schon nicht mehr nötig war, erklärten die . Führer der „Bereinigung"» daß sie sich mit den Polen „verständigt" hätten, und .zwar mit ällen Polen, denn noch vorher hatten sich die beiden polnischen Komitees zusammengeschlossen, um'eben gegen die „jüdische Gefahr" zu kämpfen. Zuge- WMrrffe haben tzie ,Mereinigten Wischen Wähler" seitens der Polen nicht erlangt. Die „Berstündigstng" mit den Polen bestand vielmehr eigentlich üur darin, daß sich die „Jüdische Vereinigung" einverstanden erklärte, sich' mit 15 Mandchen in den ersten 4 Kurien Zu begnügen und das. Recht zu haben, in Ler sechsten.Kurie nicht mehr als noch 5 Mandate zu erkänrpfen. Von diesen 15 Mandaten verpflichtete sich dabei die „Vereinigung" 3 an die Orthodoxen und 3 .an die Alt-Assimilanten abzugeben, die im ersten Stadium mit der „Bereinigung" infolge ihres ^„separatistischen Charakters" nicht Zusammengehen wollten, sie vielmehr auf das heftigste bekämpft hatten. Auf die Frage, was sie durch die „Versöhnung" mit den Polen erzielt und um welchen Nutzen Je die Hälfte der jüdischen Mandate prcisgcgeben hätten, erwiederten sie, sie wüßten! Wohl, daß die neue polnische „Konsolidation" nach wie vor judenfeindlich sei. Für den Sall, daß die Juden gesondert von den Polen zur Wahl gegangen wären, hätte man ihnen gedroht, eine heftige antisemitische Wahlaktion zu entfalten, die mit Boykott oder mit nM schlimmeren Gewalttaten enden könnte. Anders gesagt: während man der Orffentlichkit die schönsten Worte Mer Frieden, und Einheit als Wechllosung auftischte, Ersuchte FrawffurterJfraelitisches"Fannlienblatt.' Nr. 34 Gesa, >ich > aus Denn tzältn sonde auch man, den jüdischen Wähler im Namen der altbekannten „Fensterscheibentzolitik" zu gewinnen. Die Mischen Wähler-hat man übrigens nun gar nicht mehr zu gewinnen brauchen, denn laut Wahlordnung ist es zulässig, gar nicht zu wählen, falls eine einheitliche Liste besteht. Anders gesagt: nachdem zum ersten Male der Bevölkerung die Möglichkeit gegeben ivurde, einen gewählten Stadtrat zu haben, betrachtete man .es als Pflicht des Patriotismus, eben nicht zu wählen und wiederum einen selbsternannten Staditrat zu schaffen, wie es das Bürgerkomitee unseligen Andenkens gewesen war. So sieht die Idylle aus, die das V o l k s k o m i t e e z c r st ö r e n wollte. Aber nicht dies allein hat das Volkskoinitee erstrebt. Die sogenannte „JWsche Vereinigung" hat nicht nur die jüdischen Interessen verraten, sondern sie selbst hat gar .keine Vertretung der polnischen Judcnheit dargestellt. - ' Wie bekannt, gibt cs bei uns keine politischen Parteien, die sich auf Grund von Wahlen bilden und mit dem Publikum immer in Fichlung stehen. Me „Bereinigung" bildete sich, indem einige Leute zusammenkamen und sich ganz willkürlich als Vertreter aller Richtungen airgaben. Am ehesten konnten als Vertreter die Zionisten gelten, aber glich sie wurden von ihren Anhängern nicht als Ratsmänner gewählt, sondern nur zur Leitung des zionistischen Komitees berufen, welches ganz andere Zwecke verfolgt und Menschen von.ganz anderer Beschaffenheit erfordert. Me wirklichen politischen Führer der Zionisten sind zur Zeit in Warschau nicht -anwesend, .pnd deshalb gelang es ganz zufälligen Personen, das Ruder in die Hand zu nehmen. Jedenfalls hat die „Vereinigung" Vertreter der national-jüzdischen Richtung gar nicht ausgenommen, dieser Richtung, die wie die letzte Volkszählung in Lodz bewiesen Lat, .Mer 98y20/o der Judenschaft umfaßt, welche als Muttersprache das Jiddische und als Nationalität — die Jüdische angegeben hat. Auch! von einer Verständigung mit den Nationaljuden wollte die „Vereinigung" nichts wissen; sie schlug ihnen einfach vor, den Platz zu räumen, — und als einzigen Grund führte sie die Furcht vor „eingebrochenen Fensterscheiben" an. In Wahrheit war aber auch eine Programm«-, tische. Einigung beider Gruppen kaum möglich, denn es handelt sich im Grunde um zwei entgegengesetzte politische Programme: Die Nationaljuden wollen die jüdische Fahne hoch halten, und meinen, daß eben jetzt in diesem geschichtlichen Atoment die richtigste Zeit sei, die Mischen nationalen Forderungen zu verkünden und um ihre Erfüllung zu kämpfen. Sic wollen der ganzen Welt sagen, daß die polnische Judenheit sich wohl politisch als Polen Mit, als Bürger des Landes, und um sein Wohl und sein Gedeihen nicht minder als die Grundpölen sorgen. Sie wollen-aber zugleich betonen, daß die polnische Jndenheit sich n a t i o n a l j ü d i s ch fühlt, daß ihr also die national-kulturellen Rechte verfassungsmäßig zugesichert werden muffen. Sic sagen, daß diese Bedingung eben zum besten Zusammenleben der Polen mit den Juden führe, weil sic den Ueberlieferungen der Vergangenheit im unabhängigen Polen entspreche. Sie meinen, daß ohne die Zusicherung der jüdischen Rechte in Polen überhaupt keine Autonomie, sondern eine der schrecklichsten Gewaltherrschaften einer Nationalität über die andere herrschen werde. Sie sagen schließlichdaß cs auch im Interesse der Polen liegt, den Juden Minderheitsrecht zu gewähren, denn dieselben Rechte wie die Juden in Kongreßpolen müßten die Polen in Litauen und Der Ukraine fordern, um der Gewaltherrschaft der Litauer und Ruthenen nicht zu verfallen. Hingegen fühlen sich die Assimilanten als Polen mosaischer Konfession. Sie wissen sehr wohl, daß sie die.Massen nicht vertreten, und daß für das Häuflein Kapitalisten, die der Assimilation angehören, tatsächlich die nationalen Rechte unnötig und sogar schädlich sind. Sie werden sich sehr leicht immer an den Stärkerey. assimilieren können: an die.Polen, die Russen oder die Deutschen. Die Richtung, .welche man die Orthodoxie nennt, ist politisch überhaupt nicht organisiert. Die breiten jüdischen Massen sind religiös, aber je mehr sie politisch reifer werden, je emsiger sie die Mischen Zeitungen lesen, desto stärker werden sie für den jüdisch-nationalen Gedanken gewonnen uns desto weiter Entfernen 'sie sich von'den „offiziellen" ortho doxen Führern, die eine kleinliche Sonderpolitik be treiben und' oft mit den Assimilanten zusammengchen. - Die Zionisten sind p r o g r a m m ä ß i g derselben Meinung wie die Nationäljuden. Sie könne» allerdings in. manchen Fragen nicht ganz mit den Nationaljuden übercinstimmen, da sie in erster Reihe die hebräische, ein Teil der Nätionaljnden hingegen vor allem die . jüdische Sprache betonen. Aber das ist telinc Frage, in der man sich ganz leicht einigen kann, und die praktisch nicht zu Differenzen zu führen braucht. In der allgemein jüdischen Politik jedoch kann von einer Meinungsverschiedenheit gar nicht die Rede sein. Ter Zionismus hält die Judcnfrage für eine internationale Frage und nicht für eine interne Frage der polnischen Nationalität. Aber wie gesagt, haben die zeitweiligen Warschauer zionistischen Führer ihr ganzes Programm in Stich gelassen und haben sich mit den Assimilanten vereinigt. Das Volkskomitee hatte somit nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, gesondert aufzutretcn. In den ersten vier Kurien war es. jedoch zurückgetretcn. Es erlag einerseits dem Terrorismus, und andererseits wollte cs selbst keinen Anschein geben, daß es den Frieden und die Einigkeit gestört hatte. Lediglich in der sechsten Kurie ist es selbständig aufgetreten, und das Ergebnis hat gezeigt, auf wessen Seite die polnische Judenheit steht. Als es zu tatsächlichen Wahlen kam, erwies es sich, daß trotz aller Hetze und falschen Losungen die Vereinigung kein einziges Mandat zu erhalten vermochte, 'hingegen erhielt das Volkskomitce vier und der ebenfalls nationalistische Bund ein Mandat; — d. h. alle Mandate, über welche die Juden verfügten, haben die Nationaljuden erworben. Die Notwendigkeit einer tatsächlichen Volksvertretung ist am deutlichsten bei der alltäglichen Arbeit des Stadtrates ersichtlich. Die „Vereinigten" hüben damit angefangen, ^eine gemeinsame Deklaration mit den Polen abzugeben, welche wirtschaftlich und kulturell die Stadt im national-polnischen Geiste zu führen verhieß. Die „Nationalisierung der Wirtschaft" ist uns aber als eine alte Losung der Boykottisten bekannt, die gegen die Juden gerichtet ist. Die Polonisierung der Kultur bedeutet die Unterdrückung der jüdischen Kultur durch Zwangsmittel, über die der Stadtrat verfügt. Es sind dieselben Losungen, die die echtrussischen Leute in Kongreßpolen und teilweise die Hakatisten in Posen gepredigt haben, und Mer welche die Polen vor der ganzen Welt Klage führten. Die Zionisten haben keine besondere Deklaration abgegeben, sondern sie ließen sich durch den polnischen Vorsitzenden vertreten, der ihre „Hoffnung" zum Ausdruck gebracht hat, daß im k ü n ft i g cm rrn a b h ä n g i g e n Polen die jüdischen Rechte berücksichtigt würden. Das bedeutet, daß sie die Juden- , frage in Polen als eine.'int er ne Frage der ' polnischen Nationalität hinstellen. In der weiteren Tätigkeit sieht man überhaupt, daß sowohl die Assimilanten'- wie die Zionisten den Mund nicht öffnen. ' Die Wahriwhmung der jüdischen Interessen ruht ausschließlich auf den Schultern der jüdische» Volksgruppe. Daraus geht klar hervor, daß die Volksgruppe keine leichte Aufgabe hat. Ob es ihr gelingen wird, für die polnische Judenheit etwas' zu erreichen, hängt von vielen Umständen ab, über die sie nicht bestimmen kann, weil sie eng mit den Weltereignissen Zusammenhängen. Sie kann aber entweder siegen oder zusammenbrechen, — ihre Prinzipien preisgeben wird sie nicht! oiott zeige, sozial Men! tönni ■3 s beiten die 8 wie C aualp dein i tiattei leidig vor d chen i Paed« über (das Äesetz 2 sckycht Copis Zieh« sie di streckt Satz» Leute sich a Satz» Mens als a der a cmen In c richte unsick vereh suchei schön vcrsck Bold gewei Zerei man welch ist tr vielei die 2 durch Hebe die s »der judei vhus Fühl „Sol Völk. enig« den Ovit Lab anzu Ild Die Spende der Fra« Fels. Wie wir bereits niitgeteilk haben, speildete Frau Joseph Fels, Mitglied des Exekutivkomitees der Föderation. der amerikanischen Zionisten, eine Million Dollar für die Errichtung einer jüdischen Kolonie in Palästina. Frau Fels hat nun an ihre fürstliche Gabe eine Bedingung geknüpft, die vom jüdischen Standpunkte pus aufs froheste zu begrüßen ist. Die Kolonie soll sich nämlich auf den Grundsätzen der Henry George'schen Bodenreform aufbauen, deren Anhänger ihr verstorbener Gatte war. Henry George hat an dem Bodenreformgedanken der Bibel, daß der Boden Eigentum der »ui halt, uisv iuirs lenei Oste DM „Bic die « keit irichi üeug dara liegt Clen Don auf' letzt« richt der des ivoh Caej Fern ivir, dehu Jud, Aug Heb« sich ang,