Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 30 (4.8.1916)
- Date
- 1916-08-04
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 30. Seite 6 Frankfurter Israelitisches Familienblatt. noch dumpf „guten Abend", — und den Hut tief über dje Augen gedrückt, stürzte er in die Nacht hinaus. „Armer Karl", sprach Max bewegt. „Die Sache ist nicht ganzso melodramatisch, wie er sie da ausmalt", meinte Hans gleichmütig. „Offenbar Hat er sich heute mit seinem süßen Weibel fürchterlich gezankt und cs zur Strafe diesen Abend allein sitzen lassen. . Es ,ist jetzt halb zwölf, er kommt spät nach Häufe, ein unglaubliches, kühnes Wagestück bei ihm. Die Frau Hat vor lauter Langweile sich zu ängstigen mrgefangen, es wir dein kleines Nachspiel mit den obligaten Tränen, Vorwürfen und Aussöhnungsvcrsuchcu geben, inan küßt sich und verträgt sich wieder. Morgen girrt mü> züngelt es den ganzen Tag gleich den Turteltauben, um vielleicht übermorgen aufs neue wie Hund und Katze aufeinander loszufahren." „Aber das ist ja abscheulich!" rief der Doktor aus. „Nein, das ist die Ehe!" Hans zuckte die Achseln. „Glaubst Du, der Amtsrichter könnte sich aus dieser Sackgasse nicht recht gut Heraushelfen, wenn er nur ernstlich wollte. Dieser Schönreder, der Dich so bedauernswert dünkte, ist Epikuräer durch und durch, für ein gelungenes Diner, ein -paar Fklschen Deutz-Goldermann läßt er sich von Frau urck Schwiegervater ruhig weiter quälen, soviel sie nur Lust dazu verspüren. Doch was kümmert uns dieser Mann? Ich Habe mit Dir zu reden." ,Kch auch!" Es siel Hans auf, daß der Doktor eine ihm ganz frencke, gerührte Miene zeigte und seine Stimme außerordentlich weich Rang, als er sprach. * ,Zans, lieber Hans, warum zürnst Du mir? Warum., können wir uns nicht vertrauen wie ehckem?" „Du fragst mich?" brauste der Sekretär auf. . „Sy ruhig, Hans, höre mich, ich bedarf heule doppelt Deines Rates und Deiner alten Freundschaft. Es ist wahr, ich habe Dir in letzter Zeit oft wehe getan, ,iiü>em ich Bich scheinbar vernachlässigte. Das wird jetzt anders werden, ganz anders, alle Sorge, alle Unruhe ist «mir hinweggenommen. Du und ich, wir wollen Nsiü»er sein, wie wir als Kinder waren." Mit einer wilden Freude preßte Hans den Doktor jn seinen Arm. „Ach Max, endlich kehrst Du zu mir zurück. Gottlob, Du hast Dich also mit Marien wrtzweit." Erschrocken blickte Max ihn an: „Was sprichst Du da? Ich Habe mich heute mittag mit Fräulein von Mühlenfell) verlobt." „Verlobt!" Hans öffnete seine Arme und gab sofort den Doktor frei. „Sprachst Du nicht von Rat geben und Vertrauen!" sagte er kalt. „Mein Bester, wer die Leute um Rat fragt, nachdem er auf's Eis tanzen gegangen,ist, der erträgt's schlecht, wenn man ihn einen Langohr nennt. Du hast Dich verlobt. Abgemacht. Ich Wunsche Dir Glück, Du wirst es brauchen können." Max biß sich auf die Zähne, daß sie bluteten. „Dein GÜickwunsch ist eine alte Brotrinde", sprach er bitter, „yn Almosen bleibt's immerhin, aber der arme Bettler karm sich die Zähne damn ausbrechen. Warum mißhandelst Dü mein junges Glück mit dieser Feindseligkeit, die, wenn Dü konsequent bleiben willst. Deine ygenen Herzcnswuüsche schonungslos zerstören muß. Syt Jahr und Tag weiß ich, daß Dü meine Schwester Hanna liebst und ..." . Hans war sehr bleich geworden. Aber mit schneidender Schärft fiel er jetzt dem Doktor ins Wort: „Ich will Dir sogar noch etwas mittellen. Deine Schwester liebt mich wieder. Ich weiß cs, obwohl sic mjr niemals ein Wort darüber gesagt oder geschrieben hat." „Nun also", jubelte Max. „Was hindert Dich, wie ich den Rinnstein törichter, abgestandener Vorurtelle zu überschreiten. Hans, lieber alter Hans, Dü fürchtest Dich vor Tod und Teufel nicht, warum hast Du nicht den Mut, glücklich sein zu wollen?" „Warum?" Der Sekretär nmr ihm näher getreten und warf ihm einen Blick zu, so voll Zorn und Trauer erfüllt, daß Max die Augen vor ihm senken mußte. „Und Du scheust Dich nicht, von mir auf Dyne Frage eine Antwort zu verlangen, wagst cs, mich zum Bundesgenossen zu erwerben auf die Gefahr hi», die Seelenruhe Deiner Schwester für ewig zu vernichten?" „Warum?" „Weil Deine Schtvester wahrscheinlich lieber sterben wurde, ehe sie um meinetwegen Vater und Mutter ließ. Und gesetzt den Fall, ich wäre undankbar und nichtswürdig genug, sie dennoch an mich zu reißen, glaubst Du, ich möchte mein Weib hinsiechen sehen, losgelöst und verstoßen von den Ihren, schmachtend nach ihrer Eltern Segen und ihrem allen Gott. Max, Max, nur wer wahrhaft liebt, weiß zu entsagen. Und darum höre mich ein letztes Mal. Was Dich zu Marien zwingt, ist gar nicht Liebe, ist nur ein Zerrbild des heiligen Gefühls..." „Sprich Dü mir nicht von Marien", rief der Doktor wutend, schon die Türllinke in der Hand. „Schlimm genug, daß sie mein Urteil nicht auszuhalten vermag", versetzte Hans traurig. „Aber geh' nur, geh', Du beklagenswerter Narr. Denn wenn Du mir auch in Deinem Innern vielleicht recht geben möchtest: so, wje ich Dich kenne, wirst Du ja Dein Wort einlösen und solltest Du auch tausenmal zugrunde gehen," , (Fortsetzung folgt.) Bunte Chronik. Der velzer Rebbe in Marienbad. Einer Plauderei aus der Feder von Julius Elias im „Berliner Tagebl." entnehmen wir folgende Sätze: Das wesentlichste Interesse jedoch zieht ein sonderbarer Fremdling auf sich der im Mund der Völker nur der Wunderabbi von Belz 'heißt: ein riesengroßer, starker, merkwürdiger Mann, mit einem Fabelbärt und rätselhaften Augen. Er ist wie ein Fürst unter seinen Gesippen. Dieser Magus aus galizischen Gauen soll in seiner Heimat weite, reiche Ländereien besitzen, und nicht durch seine Wortgewalt und 'durch' seine Gelehrsamkeit nur, auch durch die suggestive Art, wjie er die Seelen der Menschen behandelte, soll er sehr berühmt sein. Er ist mit großem GPfolge von Famllie und Schülerschaft hier und hat in einem Hotel einundzwanzig Zimmer gemietet. Fährt er aus, so müssen die Lehrlinge suhl Mit dem Rücksitz begnügen; er aber thront allein und mit großer Würde im Fond des Wagens, die kostbare Pelzkappe auf dem eisgrauen Kopf. Der Mann hat viel durchgemacht — versichert mir einer seiner Adepten —, Und königlicher Wohltätigkeitssinn ist seine erste Charaktereigenschaft. Er wird hier heimgesucht von allerlei ekstatischen und gemütlich-b resthaften Leuten: seine „Wunder" aber bestehen .nicht etwa in Visionen, Prophezeiungen, Gebetsmystik oder in Vo.,chriften der Laienmedizin, sondern in seinem „Rat". Der Rabbi ist ein Wissender und Begabter; er kennt die Menschen und spricht — spricht aus einer des Gottes vollen Seele und wirkt unmittelbar auf die geistige Verfassung derer, die sein Wort mit ihrem Herzen suckftn. Paul Schlenther, der Marienbäd liebte, doch der Marieichader Gesellschaft entschieden widerstrebte, hätte eine Schwäche für die gockizischen und polnischen Juden, diese Stillen im Lande. Er suchte in ihren sonderbaren und komplizierten Physiognomien zu lesen, wenn er ihnen begegnete, und wählte nicht selten seinen Weg durchs' Ghetto. „Diese hier sind viel viel besser," pflegte er zu sagen, „als die sogenannte erstllassige Well dort unten an der Kaiserstraße." _ ._■ lOflfanbaeher Dnicklnft-4iilae«>| I Offanbach a. ■. Telefon 183. (Anschluss mit Frankfurt) I I nwfihrteste TanDlehpalnlmraa (100.000 qm jährlich) I I sowie unUbartroffana Battanu. Bettfadernralnl-1 gung mittelst Druckluft nnd Wasserdampf. Wochen-Kalender. (Zeitangaben nach dem Loacb.) Samstag, 5. August (— 6. Aw.) Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 8 Uhr — Win. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 9 Uhr 5ö ün. in Berlin 9 Uhr 43 Min. Wochenabschnitt: Habeworim'. — Moses Rückblick auf die Wüstenwanderung. Aus dem Prophetenwort des Sabbats: ' „Ich ertrage nicht Gewalttat und Festesseier! Eure Neumonde und eure Festzeiten hasset ineine Seele; zur Last sind .sie mir geworden; ich! bin esinüde, sie zu ertragen. , ■ t Wenn ihr eure- Hände ausbrcitet, berge ich meine Augen vor euch!. Auch wenn ihr noch soviel betet, höre ich! nicht: eure Hände sind voll Blut! ' Waschet euch; läutert euch; schaffet -hinweg die bösen Folgen eurer Taten; höret auf, das Böse zu tun! Lernet, das Gute zu >tun; erforschet, was .recht ist; bringet zum Heilesfortschritt das Gährende; vertretet das Recht der Waisen; kämpfet fstr die Witwe! Dami wird Gott sprechen: Kommt, wir wollen uns zu Rechte setzen! Wenn auch eure Sünden wie Kariuosiu.sind, werden sie weiß, wie Schnee wxrden; wenn sie rot wie Purpur sind, wietveiße Wolle werden sie sein. . Wenn ihr cinwilliget und gehorchet, so werdet ihr das Beste des Landes verzehren." Tisch'o-b'Aw. Beginn: Montag übend 9 Uhr. Ende: Dienstag abend 9 Uhr '42 Min. Frankfurter Zeit. Wochengottesdienste in Frankfurt a. M. Morgens: 6>h Uhr in den meisten Synagogen (Bockenheim, Unterlindau 6%, Königsteinerstr.?Ve, Hauptsynagoge 7 Uhr). Abends: 8 jflhr in den meisten Synagogen, (Königsteinerstr. 7 Uhr, Hauptsynagoge 4 Uhr).' Montag abend: 9 Uhr 50 Mich Dienstag abend: 8 Ähr 530 Min'. Spende«. Bei der Nationalfondskomiiiiffion (I. Heimann, Zell 21, Postscheck 1833) gingen ein: Büchsenleerung. W. Steigerwald —,7ß Ml.; S. Kaplan 2.64 Mk.; I. Wolf 3.— Mk.; Frl. Kraemer 4.06 Mk.; Rud. Hartwig 2.39 Mk. Vereins-Kalender. Samsta. Talmud Thora, nach! Schluß Morgengottes- . dienst Börneplatzsynagoge: Vortrag (Hl Schwab). Mittwoch Agudas Jisroel-Jugendgruppe, 9 'Uhr: Newiim (Lehrer Unna). Frankfurter Familiennachrichte«. Geboren. Ein Sohü Berthold B. Cassel, Friedbergerlaichstr. 21. — Carl Frankel (Mai), Leerbachstr. 26. Eine Tochter Julius Jekel (Heinemann), Mendelssohnstr. 53. — Paul Pfefferkorn (Spangenthäl), Eppsteinerstt. 3. Gestorben. Henny Levi geb. Elkan, 40 I., Cronöergerstr.' 23. — Eduard Schild, 54 I., Liebigstr. 31. — Emma Lehmann geb. Loewengard, 60 I. ,Feuerbachstt. 45. — Bertha Sommer .geb. Wohl, Wwe., 64 I., Kettenhofweg 97. — Adolf Speier, Willi Stern, Angestellte von Altheimer, Speier & Co., i. Feld. — Ernst Collin, 28 I., Hansa-Allee 7: — Ludwig Simon, Teilhaber von Gebrüder Simon, Mittelweg 10. Auswärtige Familiennachrichte». Geboren!. Ein Sohn Julius Goldmann (Leven), Köln. ( Gestorben. ,cand. Phil. Unteroffizier Jsak Nobel, Halberstadt, i. Fell». — Isidor Kahn, 72 I., Mannheim. — Melanie Moos geb. Guggenheich 67 I., Zürich Hugo Adler, 32 I., Teilhaber von Karl Enders, Offenbach!, i. Feld. — Berichard Braun, 32 I., Posen, i. Feld, f— Heinrich Kaufmann, Mannheim. — Max Wollmann, 51 I., Breslau. — Gg. KronheiM; Alexander Neumann, 32 I.; stud. med. Hans Cohn, 23 I.; Rechtsanw. Dr. Fritz Rahmer, Berlin, i. Feld. —Joseph Wachtel, 73 I., Erfurt. — Marcus Honig- 83 I., Berlin. — Walter Gottschälk, Leipzig, i. Feld. — ,Pauline Szafranski geb. Levy, 67 I., Berlin (Magdeburgs. — Raphael Selinger, Mannheim. Frankfurter ISTacbbilfeknroe! Schere Förderung, gewissenhafte Beaufsichtigung der Schularbeiten, Srfindlicber Unterricht in den erforderlichen Fächern Vorbereitung für file Klassen. Beste Erfolge nnd Referenzen. Anmeldungen Werktags -4—7*1 und 3—4 Uhr. Im Hofmann, afaadem. geb. Lehrer, Rossmarkt 14a II Antiq «i i I ä t e 11 Möbel und Dekorationsstücke in allen Stiletten 4- Frankfart am Main. Buchgasse 6. Telephon: Römer 4181. DaoidSchächter Ostendstrasse 8. T e I e f o n: Hansa 7884. . 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