Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 19 (19.5.1916)
- Date
- 1916-05-19
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sttit 6. Bconffnctet g-raekttsches FaMtenNüt. Nr. 19. % i!: IV Zerstörung der wirtschaftlichen Grundlagen der dortigen Juden ein. Gut situierte Leute wurden eine Seltenheit, und, so konnten, im Gegensatz zum ganzen Mittelalter hindurch, da nur Talmidc-Chachamim an der Spitze der jüdischen Gemeinde standen, unwissende Parvenüs zur Macht gelangen. Diese Protzen nun waren Autokraten schlimmster Sorte und übertrugen die Methoden Nikolaus in die Gemeindestubc. Sie knebelten förmlich die Gcmcindcmitgliedcr und schreckten auch nicht vor Körper- und Gcsängnisstrasen zurück. Das geringste sittliche oder religiöse Vergehen wurde mit drastischen Strafen geahndet. So wurden gar häufig die Kinder aus den Chedarim befreit, um einen „Sünder" hei seinem Umzug durch die Stadt mit Kot und Steine zu bewerfen. Kurzum, — die Lage von außen und von innen war völlig unerträglich. Daß diese Zustände auf Map», der ein ausgesprochenes Rcchtsgefühl besaß und der die Unterdrückten über alles liebte, — daß diese Zustände schwer auf ihn drückten, braucht nicht gesagt zu werden. Und je größer er wurde, desto mehr wuchs in ihm Abneigung, Haß und Abscheu gegen dieses düstere Leben. Er mußte also zu eine»! anderen Leben Zuflucht nehmen, uird cs wäre gar nicht verwunderlich, wenn er sich auf die allgemeine „Haskalah" geworfen, und das Judentum hinter sich gelaffen hätte. Nun konnte aber Mapu auf Grund seiner Erziehung, auf Grund seiner Beobachtung seines armen, aber sittlich so reinen Milieus eher aller andere, als vom Judentum lassen; denn von früh auf wurzelte in ihm eine tiefe 'Liebe zum Judentum. Da er diese Liebe aber nicht auf das Judentum von damals ausdchnen konnte, suchte sein Auge nach einem Judcntuni, auf den: er seine Liebe übertragen konnte, und dieses fand er im alten, wahren, echten Judentuin, in dem Judentum, wie cs vor ungefähr 3000 Jahren bestaich. Nicht wenig allerdings trug dazu auch sein Vater bei, der seine begeisterte Liebe für die Bibel schon früh in das Herz seines Sohnes pflanzte, der sich auch nachher derart in die Bibel vertiefte, daß er bis auf den heutigen Tag ihr bester Kenner geblieben ist. Gar vollends über' wurde seine Liebe zum alten jüdischen Leben durch seinen Aufenthalt im Dorfe geweckt nick» gesteigert. Dort lernte er die Einfachheit und Natürlichkeit des Dorflcbens kennen und lieben. Er sah das friedliche, sorgenlose Leben der Hirten und dachte an die.Vergangenhell des jüdischen Volkes, an die Zeit, da wir iwch ein gesundes, urwüchsiges Bauernvolk waren und viele unserer Söhne die Schaf- und Vicherdcn auf den Feldern des Karmel und Scharon weideten. Besonders auf ihn mußte das stlllc, natürliche Dorflcbcn einen tiefen Eindruck machen; denn er liebte sehr die Natur, wie überhaupt alles Wahre und Echte, — eine Liebe, die er von seinem Vater geerbt hatte. Nicht allem aber das Hirtcnleben reizte unseren Dichter, sondern auch das nationale Leben. Er besaß ein tiefes Verständnis für das Leben der Nation und bewies dies in seinen Werken zur Genüge. Auch dies ist bewundernwert, wenn man bedenkt, dass Mapu im Zcllalter der Aufklärung lebte, ini Zeitalter, das noch unter dem Einfluß Mcndelsohns und des Rationalismus stand, in.einem Zcllalter, da man für die Nation nichts, für die allgemeine Menschheit dagegen, alles übrig hätte. Um hier Mapus Werdegang zu ver- Statt Karten stehen, müssen ' wir > uns abermals -nur eines kleinen Zuges aus. seinem Leben erinnern. Wir haben crwähill, daß seine Mutter durch eine schwere; Krankheit oft an..das Bett gebunden war, daß an solchen Tagen Mapu die Mutterstelle an seinen jüngeren -Geschwistern mit großer Liebe vertrat, daß überhaupt durch die steigende Not und Entbehrung die Liebe zwischen Eltern und Kindern an Umfang und Innigkeit zunahm. Dieses alles trug aber dazu bei, daß sich in Map» schon früh der Sinn für das Familienleben entwickelte. Was aber die Familie im kleinen, das ist die Nation im großen, und jetzt kann maucs ohne weiteres verstehen, warum Mapu ein so ausgeprägtes Verständnis für' das Nationale besaß. Nunmehr können wir zur Bewertung der. Werke; des Dichters und seiner Kunst übergehen, was wir in einem weiteren Artikel tun werden. (Schluß.folgt). 7 , , Kunst und Literatur. Monatsschrift für Geschichte und Wisse»-, sch a ft des Judentums. Herausgeber: Prof. Dr. Braun. 60. Jahrgang, 1. und 2. Heft. Breslau, Koebncrschc Verlagsbuchhandlung. Inhalt: Ans meinen Erlebnissen bei den Juden in Jtujsischf-Polen (Sali Levi). — Die Vorgeschichte Israels und seiner Religion (I. Hirsch). — Schecini, oder Scheani, t. Laible). — Die Wiederherstellung der Kommentare n Esras (S. Ochs)- — Ehcziffcrn der Bcrl. jüd. Gemeinde (Julius Rothholz) usw. Levis Erinnerungen verzeichnen eine Anzahl Tatsachen, auf die die Judenheit Polens stolz sein darf, und die es verdienen, bekannt zu werden. So, daß selbst in den schlimmsten Zeiten des Krieges die jüdischen Schulen an keinem Tage den Unterricht aussÄtzten. So) daß die 100 000 Juden Wilnas m o n a t eck a mg 10 0 0 0 0 jüdische F l ü ch tlinge bei sich aufgcnomrnxn und vordem Hungertode bewahrt haben und dies berhihrcr wirtschaftlich selbst-sehr ungünstigen Lage. - 7 Ferner sei hier auf Rothholz Arbeit cingcgangcn. Er stellt fest, daß infolge der stets zunehmenden Mischehen und des Geburtenrückgangs „die Vorbedingungen für eine stark entsetzende Volkserneuerung nach, dem Kriege für die Gemeinschaft derJusden.insDeut.schland gerade;it tro stlos" sitw. So wurden in Berlin Pn Jahre 1913/14 470 jüdische und '270 jüdisch-christliche Ehen uich im Kriegsjahre 1914/15 325 jüdische und 347 jüdisch-christliche Ehen geschlossen. Was sagen unsere Führer dazu? Kricgsgärten. Es wird wohl viel von der erhöhten Kriegsausnützung der Schmnckgärten gesprochen, aber inWirklichkeit geschieht recht wenig, da man fürchtet, die licbgewordene. Schönheit des Gartens zu verlieren. Vielleicht würde sich mancher zu einer anderen Ansicht bekehren, wenn er die Schmuckformeu verschiedener Gemüse kennte, die das Angenehme mit dem Nützlichen vcrlinde ' ... binden, z. B. den-Palmenkohl, die blutrotblätlerige Melde, den japanischen Mais usw. Diese Schmuckformeu der Gemüsewerden in ausführlicher Weise behandelt in.Hest9 von „Haus, Garten, Feld" (Franckh'schss Verlagshandlung, Stuttgart, vierteljährlich 6 Hefte Preis 75 Pfg.). Vereins-Kalender. Samstag. Me kor Chajim, 4hr Uhr: Mikroh-Vortrag (Redakteur.Schackjnowitz). — sT a l m u d> Thora, nach Schluß des Morgengottesdienstcs, Börnevlatz: Vortrag (H. Schwab). — Montefiore, 5Vs Uhr: Zusammenkunft (Sidrah-Vortrag, Rabb. Dr. Horovitz). Sonntag. Tifercs Bachurim', 7,40 Uhr: Portal Hauptbahnhof: Därmstadt, Jugenheim, . Bickenbach (Führer: Jsi Kahn). 7 Wochev-Kalender. (Zeitangaben nach dem lwacb.l Samlttag, den ÄlMai k- 17. Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 8 Uhr '4L Min. > Sabbat-AuSgang in Frankfurt a. M. 10 Uhr 0h Wn. .in Berlin 9 Uhr 55 Min. - *7-4 - Telel Wochenabschnitt: B e ch uka »fei. — Die große Strafpredigt. („Tauchvcho"). Aus dem Prophetenabschuitt des Sabbats: „Fluch lastet aus dem Manne, der auf den .Menschen vertraut und sterblichen Atuskel zu seinem Arme macht, und dessen Herz sich von Gott entfernt. ... Gesegnet aber her Mann, derauf Gott vertraut, und dem Gott der^ Quell" seiner Zuversicht bleibt. . . ." „Der Kuckuck ruft und hat nicht geboren. So ist,- wer Reichtum schafft, doch nicht mit Recht. In der Hälfte seiner Tage verläßt er ihn, und an seinem Ende steht er als Nichtswürdigeri-da." - . Sonntag: L ag h'Omer. -7 ..; Om crt ab e l le: Freitag a b e n d 32. Oiner; Sams-, tag 33. Omer; Sönntag 34. Omer; Montag 35.Omer; Dienstag 36. Omer; Mittwoch 37. Ocher;- Donnerstag 38. Omer. _ . Wochengottesdienste in Frankfurt a. M. . Morgens: 6>/> Uhr in den meisten Synagogen (Bockenheim, Unterlindau 6»/,, Königsteinerstr.'7V-,-HanPtshnagoge 7 Uhr. *. Abends 8i,4 Uhr in den meisten Synagogen (Bockenheim,. Untcrlindan 8- Uhr, Königsteinerstr. 7 Uhr, Hauptsynagogc 4 Uhr).. Eahre und Bei Spende«. Bei der Rativnalfondskommissioii (I. Heimann, Zeih 21) gingen ein: P a l ä st i n a - N o t st a n d s - A k t i o n. L. Rothschild, Hänauerlandstr. 44 '50.— Mk.; Julius Schloß L Cie. 10.— Mk.; Frau S. Regensburger 10.— Mark; H. K. 3.— Mk.; Nathan Rothschild, Mosbach 10.— Mark. Büchsenleernng. Sanitätsrat Dr. nrcd. Goldberg, Heddernheim 50 — Mark. ' »iiiiiiiiiii I i P Krankfnrler Familiennachrichten. Geboren. Eine Tochter Simon Kahn (Ullmann), Windmühlenstr. 3. B a r m i z w o s. Manfred - Lcvisohu, Elkenbachstr. 18, Synagoge Börneplatz. Verlobte. Johanna Wolfs, Pestalozzistr. 7 mit Jacob Rubinstein, Loetzen. Gestorben. Gertrud Hahn geb. Fürth, 68 I., Lcipzigcrstr. 10. — Dr. Eduard Posen. — Salomon Bindefeld, 80 I., Röderbergweg 97. — Hermainr Epstein, 53 I., Friedbergerlandstr. 40. — Carl Oppenheim, 54 I., Teil- Haber von I. Benjamin in Hanau, Königsteinerstr. 18. iiiiiiiiiii Sicher grfind! alle fi 11 -V L.I «nswärtige Familiennachrichten. Geboren. Ein Sohn Max Steuer (Bry), Breslau. — Dr. Bernhard Wolfs (Wolfs), Kopenhagen. G e st o r b e n. Moses Rychjewski, 92 I., Tirschtieget. — Johanna Goldschmidt geb. Friedländer, 73 I.; Jette 5iobliner geb. Baer, 94 I., Posen. — Caroline Sondheimer geb. Lötvenstein, 65 I., Bürstadt. — Zerline Königsberger geb. Oppcnheüner, 65 I., München. — Leopold I. Bernheimer, 81 I., Stuttgart. — Röschien Meier geb. Behrens, 82 I., Fricdrichstadt. — Ferdinand Wolfs, 55 I., Hamburg. — Samuel Ascher, .Herm. Landauer, München. — Jonas Weil, Landau a. Isar. — Max Hayum, Prokurist von Jacobs & Gramm, Köln, s. Feld. — Pauline Nenmark geb. Ermann, Püttlingen. — Julius Salmony, 57 I., Bad Ems. " In dem vorwöchentlichen Aufsatz „Die jüdisch-deutsche -spräche": muß cs Spalte 2 «Zeile 38 und; Zeile 68 heißen: „Diphtonjc a.i und e-. 4.--- «TuliuLS Sictiel Verlobte. Enbigheim (Baden). Frankfurt a. M., Zeil 13. Empfang findet nicht statt. Verden nach den» t neuesten Modellen elegant und! \billig umgeändert. Zutaten! verwendet. jAnny Wienand. Oedarwafl 14.) Gemälde alter freister Ufid feine ÄötiQUitäten AN- UND VERKAUF. Adolf Klein, Frankfurt am Aain t»i. Bfaer 7099 11 Grosser Hirschgraben 11 Ist. rrm-r 7099 Haus „Zum Hirschgrabenhof“. Pi St Wi g Bc s* wn Of fenbacher DrncklnftanlageCi.nl. b. H. ~aunusstra>8e 77 Offenbach am Hain Fernsprecher 123 — Unüberiroßene Tepplchreinigung mittelst Druckluft. — Qualität: Smyrna und Perser . Velours nnd Axminster Brfissoler und Tapestry Manilla nnd WoUe Preis pro «m SO Pfg. 40 i> ff i» w . — DnObertrolTene Bettennnd Bettfedern-Belnignng — mittels Druckluft und Wasserdumpf. 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