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Neue jüdische Presse · 1916-04-14 · Heft 15 (14.4.1916) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
14 (1916)
Issue
Heft 15 (14.4.1916)
Date
1916-04-14
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 ffranffnrtei FKrselitischeS diamilieMatt. Nr. 1k>. moderne Vorhangini Möbelstoffe, Tischn. Divan decken etc. Carl Bisehoff 19 Neue Hlafnzerstrasse 19 am Schauspielhaus. mit gefalteten Händen und lächelnden Lippen schlich er wiederum ein. Zweimal sah ihn Mendel, der herabgeschlichcn kam, in der Nacht so schlafend. Als er zum dritten Male früh morgens kanr, fand er Saline mit dem frischen, alten Antlitz, das chn freudig begrüßte, bereits am Herd, um sich das Frühstück zubcreiten. Die drei Wochen gingen hm. Bon einem Einschreiten des alten Rabbi gegen Mendel ließ sich nichts hören. Reb Abbcle hegte im Süllen den Verdacht, daß der alte Rabbi, der den Streich der lustigen Talmudschülcr in der Angelegenheit.des Hahnes ruhig hingenommcn hatte, vielleicht gar ein Neider seines witzigen Kopfes sei und nur, um ihn bloszustellcn, Mendels Bruch seines Handschlages nicht bestrafen wolle. Mendel wurde mit etwas mehr Vorsicht, aber keineswegs mit Unfreundlichkeit behandelt. Er war arbcitssam, munter und zeitweise sogar fröhlich; eine gewisse Wortkargheit war man bei ihm gewohnt,. sie konnte also jetzt nicht aufsallcn. Er hatte sich vorgenommen, nach Nowo auf das Grab des Vaters zu wandern; allein Malkohs Gebot, in der Khille zu bleiben, veranlaßte ihn, die kleine Reise bis nach Sabbat Nachmu aufzuschiebcn. Als Gencndel Malkoh in die heilige liebe Schul' führte, lag ein Strahl besonderen Lichtes über diesen beiden, der alle» wohl tat, die sie sahen.' Handele, die daheim blieb, schwelgte iu Träumen, in unausgesprochenen und unaussprechbaren Hossnungcn. Niemand als sie wußte es, daß die Großmutter seit dem Abend, an dem sie Mendel gesprochen hatte, von einer überaus zärtlichen Stimmung gegen sic beherrscht ivurdc. Sic hatte cs auchgemerkt, wie die Ungeduld, die ihr Herz mehr und mehr bewegte, je näher der heutige Tag kam, von der Großmutter geteilt wurde, und obwohl seit jener Zeit nicht ein einziges Bsort mehr über Mendel zwischen ihnen gewechselt wurde, ward es ihr doch immer mehr und mehr zur Gewißheir, das; besondere geheimnisvolle Bande vorhanden sei» mußten, die das Herz der Groß? mutter ihm geneigt machte». In der Ahnung, daß diese Bande heute enthüllt werden sollten, wagte sie zum ersten Male, in der Einsamkeit ihr eigenes -Herz zu befragen, welchen Anteil es hieran nähme. Das Herz aber antivortcte mit einem so lebhaften Poche», daß sich Handele sehr bewegt ans einen Stuhl niedcrließ. Träumerisch flog ihr Blick hinaus aus die Gasse, durch die sich die Scharen der geputzten Männer und Weiber auf ihrem Gang in die heilige, liebe Schul' bewegten. Unter diesen sah sie Mendel und Salme, und in dem Gruße beider nahm sie hinreichend eine gleich rege Erwartung ans die Stunde der Zusauiincnknnft am heutigen lang ersehnten Nachmittage wahr. tFortsetzung' folgt.) Kunst und Literatur. Was sind O st jude »? Zur ersten Information von D r. Nathan B i r n b a u m. 25 Pfg. Wien I, R. Löwit Verlag. Das Schriftchen erfüllt seinen Zweck, einen Einblick in das Wesen und an die Knlturwclt der Ostjndenheit zu geben, die „eine' grosch geschlossene, von jüdische» Lebensformen sich realisierende eigene Kulturgcmeinschajt" darstellt. - _ Speudeu. Bei der Nationalfondskommissiou (I. Hcimann, Zeit 21, ginge» ein: für die P a l ä st i n a - Ro t st a n d s - A k t i.o n: R. N. 10.— Mk.: Louis «iegel anl. Jahreszeit 5.— Mk.: Herin. Federlein 10.— Mk.: Ine. Kaufmann 2.— Mk. Sammlung Hamburger anlässt. Vortrag Frl. Tirämer i» Iugendgruppe 8,50 Mk. 9t ationalfond s. Frau Sclina Goldschmidt auf den Name» des sei. Elia Goitcin, Mannheims b Oelbauni 6.—Mk. Spende » buch. Julius Kranenberger und Frau 'anlästl. der Verheiratung ihrer Tochter 15.— Mk. Eiugesaudt. Markus Bcrgsohn, Krakau, Skalirznigasse 7, sucht seinen 12 jährige» Sohn Isaak. Der Junge verschwand am 18. Februar 1015 aus Oswiecim (Galizien) und ist seitdem verschollen. Es liegt die Möglichkeit vor, das er nach Deutschland gekommen ist lind ddrtnn einer mitleidige» Familie Aufnahme gefunden hat. Der Junge hat blondes Haar, schwarze Augen und zwei Narben an beiden Seite» der Stirn. So oft Gcnendel Mendel begegnete, lag in ihrem stillen Gruß ein Ton der Teilnahme, der sein Herz erquickte.' Am Hause Malkohs vorüberzugchen, mied er nicht gerade, aber cs schritt jedesmal mit stiller Andacht daran vorbei. Ein paar Mal sah er auch Handele am Fenster und segnete ihre „gebenschte Händ". Salme war unverändert der stille Mcnnist, der auch mit Mendel kein übriges Wort sprach. Aber die lvenigen Worte, die sie austauschtcn, waren immer durchleuchtet von dem Licbestrahl treuester Seelen. Der Wachtmeister, wenn er nicht im obrigkeitlichen .Hausflur schlummerte, ergötzte sich als Zuschauer an Mendels Kraft bei jeder Art von schiverer Arbeit. Nur Jankele, den die Langweile der stillen drei Wochen Plagte, verfolgte Mendel mit kleinen Neckereien; aber sie waren alle so gutmütig, daß Mendel sie stets mit stillem, verschämten Lächeln hiunahm, wodurch Jankele nicht nur zum Fortfahren ermuntert, sondern auch in seinen Vermutungen bestärkt wurde. Die treuherzige Genendel fuhr fort, Malkoh fleißig zu besuchen, und sic fand sie jetzt ausfallend milder, ja sogar zärtlicher. Auch .handele kam ihr in ihrer stillen Weise reger, ihr Verhältnis zur Großmutter ganz besonders inniger als sonst vor. - Die drei Wochen gingen dahin. Der Tischo b'Aw, der auf einen Donnerstag fiel, hatte die männlichen Glieder der Gemeinde heimgerufen, um bis nach dem trostvollcn Sabbat Nachmu in der Khille zu bleiben. Ein neues Einbringen eines Hausierers fiel glücklicherweise nicht vor. Der verhaßte Gensdarm war zwar noch einmal erschienen, aber er brachte nur für Mendel eine Vorladung zuni Landrat, und der Wachtmeister, der ihm die Vorladung abnahm, übcrhbb ihn der Mühe, in dem Städtchen, wo er sich unheimlich fühlte, zu verweilen. Man erfreute sich dieses Umstandes, und es ging das Gerede, daß der Gensdarni wegen des Einfangcns der Koronower Verbrecher sich weniger mit dem Auflaucrn der jüdischen Hausierer befassen wolle. Die tröstliche Aussicht, die hierin lag, trug nicht wenig dazu bei, den guten Sabbat Nachmu für die ganze Gemeinde vergnüglicher und trostreicher als sonst zu machen. Aber die Erwartung, mit der alle Helden unserer Erzählung diesem Tage cntgegensahen, erhöhte in ihren Augen seine Weihe noch in bedeutenderem Maße. Deutscher Palästinatag! Jeder Jude gedenke am kommenden Pessaclifeste durch eine Spende der Not in Palästina. Aus Felvbrtefeu. Nun zum Gottesdienst. Arinecrabbincr Dr. S o n d c r - ling war bereits da. .Ein sehr feiner, netter Mann. Wir verrichteten zuerst das Mvrgciigebet, und alsdann hielt der Herr Rabbiner eine sehr ergreifende. Rede. Der Regiiiientstoniiiiandeur und sein Adjuvant waren auch zugegen. Was Pefsach anbetrifft, so hat uns der Herr Rabbiner folgendes niitgeteilt: Wir erhalte» durch Divisionsbefehl zwei Tage Urlaub nach M- Znm Scdcr sind wir beim Herrn Rabbiner eingeladen. Zwei Feldküchen iverden zu I diesem Zweck gckaschert, und ein Ochse wird rituell geschlachtet. Für Wein wird in reichlichem Maste gesorgt ebenso sür Rauchinaterial. Ich freue mich sehr auf diese beiden Tage. Es ist doch herrlich, wie für uns hier gesorgt ist. . Alfred M. aus Fraiitsnrt a. M. Wocheu-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Busch.) Samstag, den 15. April {= 12. Nissan.) Sabbat-Anfang in Frankfurt a M. 6 Uhr 45 Min. Sabbat-AnSgang in Frankfurt a. M. 8 Uhr 05 Min in Berlin 7 Uhr 46 Min. Wochcnabschnitt: Acharei in a n s. — Die Opfer des Hohenpriesters am Jauinkipper. Verbot des Btutgeniisses. Warnungen vor den Unsitten der heidnischen Ureinwohner. Verbotene eheliche Verbindungen. T ch a b b o s H a g o d a u l. ' Pefsach, Feslesbeginn: Montag, 17. April, abends 7 jlhr 5 Min. (Franlfurter Zeit). Samstag, 22. April (— 10. Nissan) Sabbat-Anfang in Frankfurt l! Uhr 55 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt 8 Uhr 20 Min., Berlin 8 Uhr. Festesende: Dienstag, 25. April, abends 8 .Uhr 30 Min. (Fraiiksurter Zeit), 8 Uhr 00 Min. (Berliner Zeit). O in er t a b e l l c: Dienstag abend (i8. April) 1. Omer: Mittivoch % Omer: Donnerstag 3. Omer: Freitag 4. Omer: Samstag 5. Omer: Sonntag 0. Omer; Montag 7. Omer: Dienstag abend (25. 9lpril) 8. Omer: Mittwoch 0. Omer: Donnerstag >0. Omer. frankfurter Familieuuachrichte«. Barmizlvos. Jacob Wildberg, Schwaiieiistr. 22: Beniii Taffra, Windeckstr. 33, Synagoge Friedb. Anlage. -- Am 22. April: Rudi Haas, Bauiiiwcg 32; Moritz Nenniaiiii, Klapperfeldstr. 14; Artur Israel, Wittelsbacher Allee 84, Synagoge Börneplatz. Gestorben. Leopold Rothschild, 01 I., Börneftr. 28. — Julie Gordon gcb. Wolfs, 7t I., Oberinaiii-Anlage 20. Auswärtige Familienuachrichten. Geboren. E. Sohn Isidor Wreschner (Steinberg:, Hannover. Verlobte. Erna Schwarz mit Hugo Nordhcinier, Leipzig. — Betty Eonitzcr mit Fritz Jacobh, Berlin. — Gestorben. Adolf Ruschin, 23 I., Schocken, im Feld. ~ Baruch Möddel, Eainter, i. Feld. — Ad'ois Manasse, 71 I., Obcrsitzko. Siegfr. Kwilecki," 40 I., .Herrn. Misch, 70 I., Julius Jacobinski, 72 I., Posen. — .Herrn. Brasch, 75 I., Schiieideiuiihl. — Felix Levi, 52 I., Dorothea Prob gcb. Broh, 73 I., Hugo -Lesser, 50 I., Amalie Halle geb. Ratz, Elsa Bvdo^ geb. Putter, Berlin. — Jsak Mayer) 80 I., Worms. — <-ara Stern gcb. Levi, 03 I., Mccrholz. — Sind. »icd. Ernst Rohlninn», Rirckiheiin a, Ech, i. Feld. -4 Egon Sommerfeld, Alfred Marens, 24 I., Berlin, i. Feld. — Minna Zucker geb. Schoen. 73 I., Berlin. — Briefkasten. L. In Amerika hat alles einen praktischen Grund. Wilson und Roosevelt käinpfc» nur die Präsidentschaft. Roosevclt gebärdete sich kriegerisch, schnell machte es ihm Wilson nach: jetzt erklärte Roosevelt, man müsse sich des unierdrückteu jüdischen Volkes aniiehineii, schnell erhob auch Wilson die Stimme für die Inden. In Wirklichkeit: bei aller politischen Freiheit des Juden gibt es nirgends einen schärferen gesellschaftlichen Antisemitismus als in Amerika. R. Görz hat eine -uralte jüdische Gemeinde. Vor dem Rriege zählte die Stadt unter 30,000 Einwohnern etwa 300 Juden. W., Antwerpen. Senden «ie das Geld durch den Jüd. Nationalfoiids, Haag, Bierkade 8:i. D. in Frankfurt. Mau darf am Montag früh mit bis 9 Uhr 10 Min. Choinez genießen. Vereins-Kalender. Samstag -Me'kor Chaj.im, 12 Uhr: Metochini (Prof. Wehl); 4 llhr: Ahikroh-Bortrag (Michael Kohu). Montag R. P. Bet h - H a in k dr«s ch, hinter bei schön. Aussicht 17 I., morgens 7 und 7's Uhr: Sijui». Lsger in Scbubuaren Reparaturen und Maßarbeiten. 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