Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 15 (14.4.1916)
- Date
- 1916-04-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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April 1916) Nr. 15. 14. Jahrgang. DM" DeS Pessachfeftes wegen erscheint oie nächste Nummer am 28. April. Hilfsverein der deutsche« Jaden. Berlin, 10. April. Ter Mitgliedertersnmmlilmj ging eine Tistung de» ftentralkoniitee» voraus,, in der Juli»» S) n r i v g Mnnnheiin in das ftentrakkomikre und And' inner Tr. Nobel-Frankfurt in de» geschästsfnh eenden Ansschns; gewählt wurden. Tr. ft a in es 2 i in o n eräsfnete die Mitglieder reriainnilnng. Tr rühmte die Tpserivilligleii der deutschen ftndcnheik, die es ermöglichte, den Ans gaben de» Hilfsvereins im Trient, in Palen und in Litauen einigerinaszen gerecht zu werden. Tr. P a u l A a t lj a n erstattete den B e r i ch t, dein da» fvlgende Wesentliche enlnainnien sei: Ta» 2 ch n l iv e r k i ui T r i e u l ist trat; der erheblich erhöhten Lasten durch Tinbernsnng van Lehrkräften, Tenernng, graste limmechsel-Tisferenz siir da» deutsche Geld, Fürsarge für arme Tchnliinder - völlig aufrecht erhalten geblieben. Ten Forde rnngen der 'seil entsprechend, ivurden in >ion stantinapel deutsche und türkische Tpraehliirse er richtet. Tie Unlerrichlspläne der Hilfsverrinsschnl.'!! iannlen nngeändrrt gelassen werden, da sie stet» türkisch beziv. arabisch als Landessprache und d. ntsch als Weltknltnrjprache enthielten. Für das Hilf s iv e r k i n P a t ä st i n a wurden ran Mai bis seht l-10 000 Fr», ansgegeben. Für die H i l f s t ä l i g t e i l in ,ü v » st a n t i n a p e l!,,»>. siitd 7,7, 000 Alk. verausgabt worden. Bei Ausbruch des .Krieges gründete der Hilf:- verein in Berlin ein i n t e r k a n f e f f i a n e i l e s U n l e r ft ü st n n g s k v in i t e e f ü r b e d ü r f t i g e A n s s e n nnter Bvrsilt van ft listig rar B r e s l a u e r. Tr beförderte über 10 000 Aussen in 17 2vnderzägen in dir Heimat, darunter .4024 Familien, die mit 4S0 7,7,7) Mark unterstütit ivurden. Bei der Abreise weiterer 4000 Aussen mit sahrplanmästigen Fügen ivurden 142 (iS.-» Mark verausgabt, ftm Büro des Komitees erhielten vam 20. August 101 I bis 20. ftuni 1017, russische Bittsteller iu raud 7!)000 Tinzelzahknngen rund 1000 000 Marl. Tie Unter stültiingen werden iu tleinerem Maststabe auch heute noch fortgesetzt. Mit dem e r a b e r t e n r u s s i s d; e ii d>> e biet e erstand ein neues 'Aufgabenseld. Tin Trittel der in Aalen verbliebenen jüdischen Bevölkerung, äuge fahr 47)0 000 2eeleu, hungern und frieren. 7,0 004 von 'ihnen sind, aus der Front vertriebe», ohne eigenes Heim. ft» Litauen blieben van 700OCX) ftnden ,400 000 zurück, von denen mindestens 27,0 000 sich in änsterster Avt befinden, ftn Jim laud sind von 7,0 000 ftnden nur etwa 10 000 - meist iu Libau zurückgeblieben, die anderen sind in rohester Weise van den Aussen vertrieben worden. Tas vom .Hilfsvevein errichtete Hilfst a m i lee für Polen, das sich ivieder in Trlskami iees gliedert, verausgabte nahezu 2 Millionen Mark. Austerdeiu kamen de» ftnden zugute: 7-7000 Mark vam Tcutschen fteniralhilfskomitee, 110 000 Al 1. von der ftca, 7,00 000 Mark aus Amerika und 100 000 Mark ans anderen neutralen Staaten. ftn den kommenden Monaten werden monatlich 7,00 000 Mark notwendig sein, die das ftüd. Hilfs komitee zu verausgaben hat. Tamil werden monatlich 227, Ttädle und Trtschaflen in den besetzten töebiete» unterstützt, in denen sich zusammen an 00 Volksküchen, 27, Teehalien und zahlreiche sanstige öfsenkliche Tinrichknngen befinden. Alle rutsch.-idenden 2:ellen innerhalb der M i- 1 i l ä r u u d ft, i v i l v e r iv a l t n n g haben dem Wirken des Tiisse. reins volles B e r st ä n d n i s cnlgegengebrachl, was von austerordentlichem 7egen gewesen ist. Ta ivar auch eine A » ch r i ch i e u und 0; e l d v e r m i t t t u u g zn>ischeu den ftndenin Amerika nsw. und ihren Berivandteu in Polen »sw. möglich. 220 000 Briese sind seil dein 17». Tkt. 1017, vermittelt, b.zm. Anfragen erledigt worden. Tas Büro des Hilisvereins ivar dabei die ftentral stelle auch für Briese von Aichtjiiden: die Botschaft ten, Skansulate nstv. bedienen sich seiner. Tine gewaltige Arben hat das Büro zu leisten, denn die Briese dürfen nicht im Triginal weirergegeben werten, sondern die nnbcdcuklichen sachlichen Aachrich ten werde» ansgezageu und weilergegeben. Tie 2nimm' der zu vermittelnden Tcl-sciidnugen beträgt monatlich durchschnittlich >00 000 'Mark. Bczüglich de.- 2! n s iv a n d e r n n g s p r o b l e. in s fand am 2l. Februar in Aowno unter Bars in des 0-euerals v. L » d e n d v r j f eine Tihung statt. Ts dürfen utinmehr Personen nach 'Amerika hinüber gehen, die van ihren Berivandteu in 'Amerika Tchissskaeteii erhalte» haben. Tie .Hilfsleistung konnte nur durch die allster ordentliche llnterstünnug der ftnden 'Amerikas er möglicht werden, ftm ganzen sind durch das Büro des .Tftssvereius ivährend der .Triegszeit dl Milk. Marl zur Berteiluug gelaugt. Tie gelösten 'Aufgaben bilden nur einen kleinen Teil der nach nach dem Kriege zu lösenden palilischer Aarnr. Tee chilssverein ist ein Wohltätig kcitsverein, die rolitischen Aufgaben ivird die von scinem Borsir.enden gegründete „Teursche Bereinignng für die ftnteressen der ostcurvpäischen ftnden" zu lösen haben. Aach einer kurzen Tebatle ergriff der Bor sitzende nach einmal das Wart. Tr wendet sich gegen den Gedanken der Abwanderung der ftnden nach der Türkei, da sie sich in grösterem Maste nicht verwirklichen lasse i?-, und spricht für die Hinüber führnng eines Teiles der ftnden Polens zum Ackerbau. Eine neue Phase, der Ostjudeusrage. Tie graste Rede, die de r R e i ch » k a u z l e r jüngst im üieichsiag gehalten hat, besitzt auch vom indischen Tiandpunkt die allergrösttc Bedeutung. Barras da.S, jl,r ivichtigstee Teil, derjenige, in dem der Aeichskanzler am klarsten und deutlichsten sprach, diese 4 riegsziele im Mampf gegen R instand, also die Frage, die schon seil Beginn de» Krieges im Mittelpunkt des jüdischen ftiueresse« stehr. Und was der weiter der deutsche» Politik in dieser Hinsicht gesagt har, ist für die Tröriermig der Tstjndenfrage von entscheidender und grundlegender Bedeutung, ftum ersten 'Male seit der Trvberimg der westrussischen läebieie durch die siegreichen Heere der ftemraluiächie ist vom veraiirworrliä'eu leitenden Tiaaismanne Teniseiilands Pie Tutschlassenheii fitnP geian ivarden, diese Niebieie nicht ivieeer an Austland znrücksallen lassen. Bislang ivnstie man nicht» t'teivisses dari'wer, und gar viele har e» gegeben, die belianp-eten, die aemsche Regierung erstrebe gar nicht die dauernde Laslrennnng Dieser Westvrovinzeu von :stustland. T» ist klar, dast solange darüber ftiveifel herrschte, alle Trörierung der Tstjudcnfrage in der Luft schivebie und von Boranssevnngcn ansgehen innsttc, deren t'-ültigkeir »och keinesfalls festftand. Tiefe Ungewistheil lastete schwer auf der gangen Tebarle über die Tstjudensrage in Teiilschland, sie lästere noä, schwerer aber aus der Tstjndeiilieii der okkuvierien tüebiere selbst, für die die völlige lkngelvistheir über das Tehicksai geradezu gn einer seelischen Qual werden »mstre. 'All dein ist durch die OiePe de» .»anzlees ein Tilde bereitet ivarden. ftn klaren und nnziveidenrigen Sorten bar er den Tnrschlui; Teniiel'- land», die eroberten Tebieie nichl ivieder russisch iverden zu tassen, knndaegcben, und für den, der von dem schliestlichen inilitärischen Tieg Tenlschtand» überzeugt ist, ist damit schon in einem gewissen Tinne die Tnischeidnng über das Schicksal dieser Gebiete gefällt. Tamil geivinnr die Tstjndensrage erst ihre sichere Basis, und das Problem, das bisher zu in Teile lmvotheiischer Aauir ivar, ivird jein real und aktuell. Tarnm glauben wir, das; nach der Rede de» Reichskanzler» die deutsche Oefsenttichkeir der Tstjudensrage noch stärkere und intensivere 'Ansmerksamieit zmvenden »inst, als dies schon bisher der Falt geivefen ist. Bor allem aber für die deutsche ftndenheit ergibt iicu nnninehr die Pflicht, mit doppelter Tnergie sicb um diese Frage zu bekümmern und die bedeutsamen Aufgaben, die man bei der Lösung derselben erfüllen kann und must, iu Angriff zu nelnueu. T» bat bisher zu viele gegeben, die unter Hinwci» ans den provisorischen und unsicheren Tharakrer der kriegerische» Tkkupaiivn der westrussischen Gebiete es für das ratsamste hielten, beiseite zu sieben und zunächst einmal die Tiilwicktuug der Berhältuiise abzuwarreu. Wir haben diese Politik von 'Anfang au iür falsch gehalten, und glauben, dast ibr jepi. nach den Teklärnngen Bethmann-HaUiveg» jegliche Begründung entzogen ist. Ta» 'Argnmrnt, dast inan ja gar nicht iveist, ob die ftentralmächte die eroberten Gebiete behalten wollen nnd es daher müstig sei, schon jepr Pie Tstindenfrage zur vssenrlichen Tebatte zu stelle», kann nun nichi wehr angebracht iverden. Tast es aber von grvstter Bedeutung ist, mit der Aufklärung der deutschen öffentlichen Meinung nnd der mastgebenden politischen üreife über das Wesen und die politischen Forderungen der Tstjnden schon ja» zu beginnen nnd die Richtlinien für die Regelung ihrer politischen Ttellung innerhalb der eroberten Gebiete womöglich schon während der Okkupation dnrchznsenen, braucht nicht erst bewiesen zu iverden. Wie nötig eine solche Ausktürnngsarbeit ist, har gerade die Rede des Reichskanzlers ivieder gezeigt. Tr hat von den verschiedenen Bölkcrschaften gesprochen, die von der russischen Herrschaft befreit iverden sollen, und hat die ftnden dabet nicht geuanni. Wir wissen nicht, ob diese 'Aichkiiennititg beabsichtigt oder unbeabsichkigl war: in jedem Falle ist sie eine bedanernsiverte Tatsache, die zeigt, dast da» Berständnis für die graste Bedeniung, die eine Ticherstettnng der national knltnrellen Tnuvickliingsmöglichkeir der Tstjndea f iiv Teiltschtand besipi, noch nicht innerhalb der inastgebenden politischen Kreise Tentschland so durchgedrungcn ist, wie es zu wünschen wäre. Und ivir sind überzeugt, dast dnrcb eine kluge und intensive Aiifkläruitgsarbeil gerade in dieser Hinsicht noch sehr viel geleistet iverden kann. Allerdings kann diese Anfkkäriingsarbeir nicht genügen. Tin ziveiies, wichtiges must lstuzulreieu: die T st inbe u heit ui u st f i ch i e t b st ü b e r i h r e v o - litis ch e u F o r d e r u u g e u klar u u d ei n i g n> e r - den nnd sie mit Tnergie vertreten. Tie darf nicht die Berirenmg inrer wichtigsten Asvirationen den deutschen ftnden überlassen, lind die» nicht nur aus Ttvlz und Telbstachtuug berau», sondern vor allem auch deswegen, weil ihre Forderungen weitaus wehr 'Achtung nnd 'Anerkennnng finden werden, wenn man meist, dast sie selbst geschlossen und einig dabimer steht und bereit ist, mit ibre Turchseuiing zu kämvse». Geschlossen nnd einig. Tamit rühren wir an den loimdesten, iraurigften Punkt in der ganzen Frage: an die bes ch ä in e n de und l r a u r i a e ft e r k I ü sinn g n n d 2 p all» ii g d e r T st > u d e n h e i!. Wer iu diesen