Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 13 (31.3.1916)
- Date
- 1916-03-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2692297-2692975-2692988--09399-2704613- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
r Erscheint wöchentlich am Freitag. -eplgsprris pr» jlirrtrljahr: In Frankfurt a. M. Mk. I — fr« ins HauS. Bei der Post abonniert SO Pfg-, frei ins HauS 4 Pfg.' pro Monat mehr. — Bei Zusendung durch . Streifband für Deutschland und Qesterrrich-Ungarn Mk. 1.50, für Rußland l Rubel, für alle übrigen Länder Mk. 2— V Einzel»Nummern kosten 10 Pfg KedaKtian und GrpeLition: Frankfurt a. M. rr Langestr. 7. Fernsprecher Amt Hansa 2903. Keransgever: Kalg cheis. Fnsertiaasprri» für die fünfgefpoltene Pelitzeilr Z5 Plg.. für die Reklamezeile Mk. t.—. Bei Wiederholungen erUfprechender Rabatt. Etellen-Angebote und -Ersuche, WohnringSinjerake. HeiratS» Annoncen 15 Pfg. die sech^gespaltene Petitzeile ohne jeden Rabart. Platz- und Datum-Borfchrist ohne Verbindlichkeir. Annoncen-Annahme bei der Exped. und in a.Annoncen-Bureaut. Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Nr. 4384. 14. Jahrgaug. Freitag, den 26. ^äar 8vLtzL»i 8676 (LI. März 1916) Rr. 18. ■ ' - ' rr ~ ■■ —. Der Weltkrieg im Lichte des Judentums. . Der Krieg , hat eine» jeden, der denkend und wachend das Geschehen und Werden um sich herum' miterkebt, genötigt, seine gesamte bisherige Lebensanschauung einer Revision und in vielen Fällen einer Korrektur zu unterziehen. Diesenr ungeheuren Geschehen, das seit 20 Monaten um uns^heruin die gesamte Knlturwell in ihren Grundfesten erschüttert, das mit. elementarster Wucht und Rücksichtslosigkeit altheilige Werte vernichtet und Paradoxe von gestern zu Selbstverständlichkeiten von heute macht, diesem Geschehen vermöchte nur ein geistiger Kretin indifferent gegenüberzustehen, und unberührt aus feinem Erleben hervorzugehen. Wer hingegen auch nur eine Spur geistiger und nroralischer Energie besitzt, wer vor allem nicht gewillt ist, in diesem Sturm, der über uns hinwegbraust, sich zu verlieren und unterzugehen, sondern darum ringt, ,seinen Halt und seine Art allch irr diesen Monaten sich zu bewahren, der ist zu einer Stellungnahme zu dem.Kriege gezwungen. Und so groß und gewaltig ist das gegenwärtige Geschehen, daß eine solche Stellungnahme eine generelle Rechenschaftsablegung über unsere bisherigen Meinungen, Prinzipien und Forderungen notwendig nach sich zieht. Was so für den Einzelnen gilt, besitzt für die aroßen Kultnrsysteme, Parteirichtungen undLebens- Anschauungen erhöhte Geltung. Auch sie müssen vor "-Mm Forum des Krieges einer erneuten Prüfung Mud Kritik .unterzogen werden, und auf der anderen -Seite müssen ihre Vertreter sich darüber klar werden, jvie der Krieg in die.Systeme und Richtungen, . die sie vertreten, eingereiht und eingeordnet werden kann. Daher die zahllosen Schriften aus allen Lagern, in denen die sterotype Schlußformel im Titel „und der Krieg" immer wiederkehrt. Sie sind — wie viele wähnen — nicht pedantische und kleinliche Versuche, den Krieg von allen nur möglichen Gesichtspnnkten zu beurteilen, sondern entspringen der tief inneren Notwendigkeit, die eine jede Gedankenrichtung heute zlvingt, zum Kriege Stellung zu nehinen. Dr. I. Wohlgemuth hat es unteriwmmei\,~ vom jüdischen Standpunkte zum Kriege Stellung zu nehmen und hat ein Buch von 165 Seiten veröffentlicht: „Der Krieg im Lichte des Indent um s" (Berlin,. Verlag des Jeschurun). Wenn ich sage vom jüdischen Standpunkt, so darf dies nur rein geistesgeschichtlich und ideologisch verstanden werden, nicht im geringsten aber politisch. Dr. W. will in seinem Buche nicht etwa untersuchen, welche politische Lage der Krieg für uns Juden von heute herbeigeführt hat,, will nicht die großen.politischen Folgen Prüfen, die er für unsere Schicksalsgestaltung nach sich ziehen kann. Er sieht' von dieser «Seite der jüdischen Betrachtungsweise des Krieges vollkommen ab. Er will mehr; nicht Wortführer des jüdischen Volkes von heute, sondern Herold des Judentums in seiner. ewigen, die Jahrtausende überschattenden Dauer sein; will nicht die konkrete, reale 'Gegenwart . betrachten, sondern verlegt seinen. Standpunkt hoch in das Reich der Ideen und versucht, von der Warte-der großen jüdischen Weltanschauung Stellung zu gewinnen zu den Ereignissen dieser Monate. , Man wird zugeben, daß das Unternehmen von hoher Bedeutung^ ist; denn wohl ausgeführt, . muß es zweierlei bezwecken: dem Juden, dem sein Judentum Quelle seiner Anschauungen und .Taten j ist, die Richtlinien ^seiner ..Stellungnahme zum Kriege zu rveiseu, dem Mchtjudcn aber, der großen europäischen Welt um ,-uns die Ansichten, des. Judentums über die weltümstürzenden Ereiguisse dieser Zeit zu künden; ein Unternehmen, also, das dein, der sich daran lvagt, eine doppelte Verantwortung auserlegt: die eines Wegweisers seinen jüdischen Brüdern, die eines Wortführers des Judentums der nichtjüdischen Oeffentlichkeit gegenüber. Es ist nicht zu bezweifeln, daß Herr Dr. Wohlgemuth viele Qualitäten besitzt, die ihn ermutigen dürften, an dieses große, stolze und schwere Unternehmen zu schreiten: eine gediegene Kenntnis des Judentums, tiefe Liebe zum jüdischen Volke und seiner Lehre, hohen idealistischen Schwung und eine wohlfundierte schriftstellerische Begabung. Und so sei denn gleich zu Beginn betont, daß er uns mit seinem Buche eine wertvolle Gabe geschenkt hat, für die ihm jeder, der sie kennen lernt, gewiß. Dank schtUden muß. Sein Buch ist reich an bedeutsamen Gwanken, interessanten Gesichtspunkten und fruchtbaren Anregungen, und mit tatsächlichem Geschick und Verständnis hat er cs .verstanden, so manche der wich?- tigsten Erscheinungen und Ereignisse dieser Monate vom Standpunkte des Judentums klar und eindringlich zu beleuchten. Was neben den gedanklichen Vorzügen des Buches am stärksten wirkt, ist auch der große sittliche Ernst und reine Idealismus, von dem Dr. W. in jedem Worte getragen ist, und der beweist, daß er im Gegensatz zu so vielen der Kriegsschriftsteller sich der Würde und Bedeutung seines Themas und der Ereignisse, die er beurteilt, voll bewußt ist und selbst stark und ernst genug ist, sich aus dem hohen Niveau des Themas zu halten. So wird denn das Buch zweifellos jedem Juden, der es. liest, zu größerer Klarheit über manche iwtwendigen Richtlinien seiner Haltung als Jude in diesem Kriege verhelfen und wird jeden nichtjüdischen Leser in vielen Dingen in glücklicher Weise über die Anschauungen und die Eigenart des Judentums aufklären. Dennoch wird man trotz der gerechten Anerkennung und Würdigung all dieser Vorzüge des Buches kaum sagen können, daß das Buch den Zweck, um dessetwillen es geschrieben ward, wirklich erfüllt. Es enthält vieles Richtige, Treffende und Bedeutsame über „den Krieg im Lichte des Judentums"; das Buch aber, das wirklich uns Juden und den Nichtjuden die Stellungnahme des Judentums' zu diesem Kriege künden würde, ist es nicht. Und der Gründe, die zu diesem Urteil zwingen, sehe ich. vor älleu^ zwei; der eine betrifft Dr. W's Auffassung vom Kriege, der andere seine Auffassung vom Judentum. In aller Kürzegesagt, ist es dies: Dr. W. ist einmal deutscher Jude, und ist sodann nur religiöser Jude. Beide Eigenschaften aber mußten ihn der Fähigkeit berauben, das Buch über die Stellungnahme des Judentums-zu diesem Kriege zu schreiben. (Schluß, folgt.) Die Berücksichtigung des Peffach-Festes im deutschen Heer. Das. preußische Kriegsministerium hat hinsichtlich des Pessach-Urlaubs, soweit mit den dienstlichen Interessen vereinbar, verfügt: i.Für die in heimatlichen Garnisonen oder in festen Standorten in den Etappengebieten befindlichen Mannschaften Heimatsurlaich oder, wo dieser un-. möglich, Dienstbefreiung au den vier Hauptfeiertagen (18., 19., 24., 25. April' und deren Vorabenden). An den beiden ersten Vorabenden Stadturlaub bis 12 Uhr nachts zur Teilnahme am Gottesdienst und her häuslichen. Andacht (Seder.) \ 2. Für die Mannschaften an der Fronte soweit die Kriegslage nicht weitergehende Er- ' leichterungen gestattet, die Möglichkeit zu ge-' meinsamer gottesdienstlicher Feier in Gruppen an den beiden Seder-Abenden. 3. Für diejenigen jüdischen Mannschaften im Felde, denen ein Heinlatsurlaub ohnedies ins nächster Zeit gewährt ioeröen würde, dessen möglichste Erteilung zum Osterfeste. . Außerdem wird die Weiterleitung etwaiger Wünsche der in Etappenlazaretten und Reservelazaretten befindlichen Verwundeten wegen österlicher Verköstigung an die nächstgelegenen Rabbinate bezw. Synagogengemeinden empfohlen. Palastiuatag der jüdische» Gemeinde« Deutschlands. Angesichts der Berichte über den noch immer sich verschärfenden Notstand im heiligen Lande hat die „Deutsch-holländische Palästina-Verwaltung" auf Anregung führender Persönlichkeiten aus allen Kreisen der deutschen Judenheit beschlossen, die jüdischen Gemeinden wiederum wie im vorigen Jahre zur Veranstaltung eines P a-l ä st i n a t a g e s am bevorstehenden Pessachsestes — und zwar insbesondere an den beiden letzten Festtagen — aufzufordern. Ein Rundschreiben nebst "Ausruf wird Rabbiuaten,, Gemeinde- und Synagogenvorstehern und Lehrern noch im Laufe dieser Woche zugehen. Die Rabbinerverbände haben wie im Vorjahre das Protektorat der Veranstaltung überübernommen, deren Ergebnis hoffentlich wiederum die Möglichkeit gewähren wird. Tausende vom Seelen in den noch kommenden Monaten schwerer Not vor dem Aeußersten zu bewahren. Der deutsche Palastiuatag iu Baden. Die neueste Nummer des „Verordnung sdest Großherzogl. Oberrates der Israeliten" enthält eine warme Empfehlung, des beabsichtigten „P a l ä st i n a t a g e s der j.ü bischen Gemeinde n". Die Synagogenräte werden ersucht, am 23. April Listen zur Zeichnung von Beiträgen in Umlauf zu setzen und sämtliche an den beiden letzten Tagen desPessachfest.es eingehenden Shnagogenspenden dem Palästina-Hilfswerk zuzusühren. Es wird mitgeteilt, daß in den Gemeinden! Karlsruhe, Mannheim und . Heidelberg bereitst größere Beiträge zur Steuerung der palästinensischen Not-gezeichnet worden sind, daß jedoch umfassendere Leistungen, wie sowohl die Konsularbehörden in Palästina als die kaiserlich deutsche. Botschaft iu Konstantinopel mitteilen, notwendig seien. . . Einander würdig! Sie sind sich einander würdig: England und Frank-s reich einerseits und Rußland andererseits. Jüngst hatte der kaukasischeAbgeordnete Tscheidse, der Führer der sozialistischen Gruppe in der. russischem