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Neue jüdische Presse · 1916-01-21 · Heft 3 (21.1.1916) · p. Seite 6

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
14 (1916)
Issue
Heft 3 (21.1.1916)
Date
1916-01-21
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Frankfurter Israelitisches, ZanülieMati. Nr. 3 zum Opfer gefallen, smb müssen,jetzt sehen, wie sie ihr Brot verdienen. Mer die meisten, die hier abends, bis 9 Uhr ' gjL; dreien. Liereu. spazieren gehen, auch, mit , Soldaten, sind 'ehrbare Mädchen/ die nurgcr» ihrr'Schönheit zeigen wollen und mjt den guten Deutschen flirten. Auch das ist ja für unsere Anschauungen etwas. zu weit gegangen,-zeigt aber im allgemeinen doch nur, daß die Frau eben nur Frau isti — Und nun will ich Dir noch von mir. erzählen. Ich lebe seit 3 Tagen herrlich, -jda ich! in Wilna, im Hotel streng loschen essen kann. Die Freude, die der Hotelwirt gehabt hat, als ich ihm, erzählte, daß ich noch immer streng toschcr gelebt habe, kaimst Du Dir kaum denken. Gestern abend hätte ichs fast geglaubt, in Frankfurt zu sein. Da saßen wir gemütlich! im Kaffee und schlürften mit übergeschlagenen Beinen unser» Tee, den Klängen der schmeichelnden Musik horchend, die ein Orchester uns spendete. Während ich Dir schreibe, schaue ich manchmal durchs Fenster, dessen Brett mir als Schreibtisch dient. Gegenüber ist ein Haus mit starkvergitterten Fenstern. In dem Hause liegen gefangene Russen. Ein Posten geht davor auf und ab. Auf dem, Trottoir gehen viele Leute, die oft stehen bleiben, um sich! nlit den Russen zu untcrhalteii. Der Posten ist meiires Wissens, da, um dies zu verhindern. Er sieht aber gMächlich zu, wie hie Leute den, Gefangenen darin Geld und Brot austellen. — Mir drängt sich! die Frage auf, ob denn unsere Gefangenen auch! solch gemütliche Wächter haben? — Siich. wir Barbaren? —• Aus der holprigen Straße, die für einen deutschen Fuß kaum gangbar ist, da er im kleinsten Neste bessere Straßen gewöhnt ist, zieht eben nach den lustigeng Klängen eines kräftigen Marsches ein Landsturm-Jnfanterie-Regiment gegen die Front &u. ßn schönster Ordnung, geschlossen, die Kompagnien mit allen Bagagen, ein prachtvoller Anblick. — Lieb Saterland, magst -ruhig sein!' Freitagabend in Feindesland. Kein Tag ist wohl inehr geeignet, bei nns jungen Juden in Feindesland Heimatserinnerungen zu erwecke», wie der Schabbos. Die manche Freitag Nacht in vorderster Linie auf Posten oder aus Patrouille, während rechts und links laut krachend die Granaten einschlugen, stiegen die wehmütigsten Heimatserinncrungen in mir aitf. Gerade eben kommen sie nach Hause aus der Schal, jetzt benscht mein Vater meine Geschwister, und dann sitzen wir um den elterlichen Tisch im.sanften Schein der Sabbatkerzcn. llnd wir jetzt hier draußen? Unser Feldprediger .hat 3 Divisionen-zu versehen. Um nun jeder Division ihren wöchentlichen Gottesdienst zu geben, muß er jetzt immer leinen am Freitag Abend abhalten. So hatten wir letzten Freitag Abend die Freude, diesen Gottesdienst bei uns, zu haben. - 71: v A Ein halbes hundert Kameraden hatte sich! zur angc-" gcbcneimZeit in der Kirchß -unseres Ruhequarticrs, des Dörfchens D., cingefunden. Die Kirche prangt noch i>n Tamrenschmuck der vergangenen christlichen Feiertage. Rechts und links des Altars' stehen zwei mächtige, schön geschmückte Tannenbäume. Aber man merkt auch so recht den Krieg. In einer Ecke stehen allerhand Kisten und Fässer. Hier ist .gleichzeitig ein Lebensmitteldepot. Gegenüber dem Altar zwischen den Tannenbäumcn nimmt unser Prediger Aufstellung, Unvergeßlich wird mir dieses Bild sein: Die schlicht in hen Mannschaftsmantel gelleidet, mit eurem Tallis versehene ^Gestalt im Angesicht des prunkvoll, mit. allerlei Heiligenbilder, versehenen Altars. Wir beginnen mit dem Minchägebet und den Mismaurim. Machtvoll, ans rauhen Soldatenkehlen schallt dann das L-echodaudi durch die Kirche. Sonst etwas ganz undenkbares: Synagoge und Kirche.' Aber hier gibt es keinen würdigeren Ramn. Synagogen gibt es in unserer Gegend leine, und so Hilst die Kirche dann uns. Nach dem Mismaur- Shir-leschaobos ergreift unser -Prediger dann das Wort. Er erzählt uns vom Freitag ^Abeud zu Hause, von der morgigen Sidra, jenem machwollen Frciheitsgesang des aus egyptischer Sklaverei befreiten Israel und schließt mit dem Kaisergebet. - Gespannt lauscheu wir alle seinen Worten. Selbst der Feldgendarm, der hie Stelle eines Küsters versieht,' hört diesen für ihn ganz unbekannten Dingen aufmerksam zu. Dann folgt das Maarwgebet. „Gut Schabbos" schallt cs dann durch die Kirche. Man begrüßt alte und', neue Bekannte und tauscht Erinnerungen aus. Der Prediger bittet uns, noch einen Angenbllck zu verweilen; er Hat uns mancherlei mitgebracht. Zwar sind cs nicht wie am Chanuka Liebesgaben,; Lie^Mns ,die'-UgudaZ-i.Jiß^el- Jugendgruppe Frankfurt sandte, aber ebenso begehrte geistige. Limesgaben. Zuerst erhält jeder einen der. schöllen Feldbriefe der Agüdas Jisroel-Jngcridorganisation. Dann-- verteilt der Prediger Zeitungen. Am begehrtesten sind die Frankfurter Blätter-: Familienblatt und Israelit, denn die Angehörigen unserer Division sind hauptsächlich aus dortiger Gegend. Dann folgen noch Spezialwünsche. Der eine will sein Berliner, der andere sein Kölner .Matt haben, und fast immer kann der Prediger den- Wunsch erfüllen. Mit nochmaligem „Gut Schabbos" und „Auf Wiedersehn" trennten wir nns.! Einige Kameraden und ich versammeln sich dann noch in der Wohnung eines Kameraden. Einer von uns ist erst vor ein paar'Tagen vom Urlaub zurückgekommen. Er hat Datschcr und Koscherwein mitgcbracht, und so hören wir noch, ganz wie... zu Hause, Kiddusch. Zu später Stünde trennen wir nns, alle beseelt von dem Gedanken, recht bald' diese schönen Freitag Abende wieder .ini trauten Kreise unserer Angehörigen zu feiern. Hugo Weingarten.. Elektr. Lickt*, Kraft-, Schellenand Telefon-Anlagen. Tel. Taunus 4389. ff. Referenzen. Savlgny»tra88e 61. Bunte Chronik. Zeitbilder. Die Wiener „Jüd. Ztg." verzeichnet unter dein Titel „Auch aus der jüdischen Welt" folgende Anzeigen: 1. Hugo v. Hoftuanusth'al. gibt im eigenen,. Namen . . , von dem Hinscheiden seines Vaters, des hoch w o h l g c - ' b o r e n e n Herrn .... der Sttststtrche bei 'den Schotten aufgebahrt ..... Seelenmessen werden.... in der obengenannten Kirche sowie in der Pfarrkirche zu Rodaun gelesen." („N. Fr. Pr.") (Und da sage inan, dein. Juden fehlt der Sinn für wahre Frömmigkeit!) 2. „Hübsches israelitisches Fräulein .erbittet vom Christkind seriösen, charaktervollen Maniw 9tur.ernstgemeinte Anträge unter „Glück" an . . ." („N. Wr. Tgbl.") Eingesandt. Lasse» Sic mich einen kleinen Irrtum berichtigen. Der gelehrte Hprr U. Marcus ierwähitt in Nr. ^6 i»i Namen des Ma.imonidcs, daß der Hohepriester^tznr Befestigung des Ziz (unter diesem) -ein Käppchen (Kephas % getragen habe, von dem in her heiligcil, Schrift nicht die Rede ist. Dieses K. fehlt aber bei-Maimonides, worüber sich Kesscph luischiieh (Hilch. Klä hämiqdasch 10,3) wundert, steht vielmehr bab. Elhulliu 138 a. Berlin Nabb. Dr. B. Kocnigsbcrgcr. Ein Gedächtnisschlcr, der aber an der Sache nichts ändert, um die cs' sich handelt. Aron Marcus. Wocheu-Kaleuder. . , '.^-. ^eMtgaben nach hem Laach.)... SäEaß,^en 22. Januar D. 17. Lostvat.) Sabbat-Anfang in Frankfutt a. M. 4 Uhr 49 Mn. Sabbat-AuSgang in Frankfutt a. M. 5 Uhr 55 Mn.' in Berlin 5 Uhr 29 Min. Wochenabschnitt: I i s r a a. — Der. Besuch Jisrau'K bei Moses. Die Verkündung der zehn Gebote. Der Erdaltar. , ' Die zehn Gebote geben in kurzen Zügen die Grundlagen des Judentums:- das Verhältttis des Inden zu seinem Gottt, den Sabbattag, das Verhältnis des Inden zu seiner Familie, und zu seinen.Mitmenschen. Die zehn.- Gebote bewußt erfaßt, führen zur Betätigung und zmls' Verständnis aller, weiter». Gebote des Jlldentums- 'Wochengöttesdienst in Frankfurt a. M. Morgens: 7 Uhv in den meisten Synagogen (Hauptsyna- . goge, Köiiigstcincrstr. 71/® Uhr.)' . Abends: 4Vs Uhr titihen meisben Synagogen (Hanptsynagogc, 4 Uhr Königsteinerstt. "7 Uhr). Asrankfarter ^amiliennachrichte«. Verlobte. Lina Michel mit Emil Lehrbergcr. — Fwrentine Peichert mit Carl Rehsuß, Lehrer an Hochs Konservatorium, - Auswärtige Familieuuachrichteu. Geboren. Eine Tochter Alfred Wiener (Benjamin), Oppeln. 70. Geburtstag. Stadtältester Hermann Mottek, Wronke. . . G e st o r b e n. Moses Grünebauin, Groß-Karben. Hcrminc Mayer geb. Bär, 51 I., Karlsruhe. — Moses Aron Grunwald, 80 I., Helder (Holland). — Semy Gurt Löwinski, 40 I; Stabsarzt Dr. Leopold Friedmann Ritter d. Eis. Ko. 42 I.; Fxau Justizrat Sophie Guh- »aucr geb. Jacob, Wwe., Berlin. Kalo Lewczyk, 63 I., Pieschen. — Jnstizrat Dr. Friedr. Nissen, 59 I., Hirschjberg. — Jacob Leeser II., 57 I., Dülmen. — Emma Hirschseld geb. Liepman», Zehdenick. Louis Bauer, 84 I., Brünn. . t 1 Als Leserin Ihres Blattes gestatte ich mir, auf den Leitartikel vom 14. Januar meine Meinung zu äußern. In Ihrem Artikel beanstanden Sic den hohen Prozentsatz Mischehen. Michwundert das nicht, da doch ein geringes Mädchen so gitt wie gar keine Aussichten auf Ehe hat. Ei» geringes jüdisches Mädchen hat ebenso An-' recht ans die Ehe, wie Pas reiche, aber unsere jüdischere junge» Herr», wenn sie einigermaßengilt dotierte Stellung einnchmen, haben derart hohe Ansprüche, daß ein Mädchen ans der geringeren Klassd Nicht zur Versorgung kommt. Ich glaube, daß die Zahl der Mischehen nach bcntj Kriege noch bedeutend zunehmen Ivird, da die Ansprüche unserer jüdischen Herrn bei den großen Verlusten, welche der Krieg gebracht hat, ins Fabelhafte gehen werden, und daher erkläre ich mir ganz 'gut das..Eingehen von Mischehen. Briefkasten. K. Einstein, der amerikanische Gesandte ist. Jude. . > \ ' in Sofia, Spenden. Beim Franks. Jsr. Familienbl. gingen ein: 9t. 9i'. für Nationalfonds —.50 -/L, Frau Grünewald für gute Zwecke . 5.— ',, S, H.'Goldmann Matuliert Dr. S. Adler zur - Verlobniig - _ - 1.— „ Bereins-Kalendeki Freitag. Mckor E h a j i m, Schluß Synagoge FriedN Anlage: Bortrag .(Professor Weyl). — Talmud- Thor a, Schluß- Synagoge Börneplatz: Vortrag (H. Schwab). — Samstag. Mckor Chgjim, 12 Uhr: Vorlesung (Professor Wehl). > Sonntag. Me kor Chajim, 6 Uhr: Unsere Kricgsgc--. bete (Schchh!nowitz).U— Jgü d. Turnv e r e i n, 1»/,, Sandhof: Waldausflng. — Jüd. Wanderbnnd) 2Vs, Bockenheimer Warte: Bicgwcild. —.Verein sür jüd. Geschichte und Literatur, 8Vs, Frankf.-- . Loge: Der Weltkrieg in der Dichtung der Bibel (Dr. Simchowitz, Dramaturg des. Stcwtthcaters Köln). Dienstag. Jüd. Turnveretir, 8Vs, Selellenschnler Herrenturnen. — Jüd. Fraucnvereinigung, 4 Uhr, Kursal Milani: Handarbeitsnachmittag. Mittivoch. Jüd. Tnrnvtr*cin , Sl/s, Herderschule: Damenturnen. Wir bitte« unsere Leser, ihren Bedarf unter Bezugnahme aus unser Blatt bei uusrreu Jusereuteu zu decken. Frankfurter Israel. Samllienvlatt. Schüler, deren Versetzung zweifelhaft ist, w>rden energisch gefördert and erreichen das 'Klassenziel in den Frankfurter Jaehhilfekursen von Ei. Ho’mann, ak. geb. Lelirer, Rossmarkt 14a!1 Anmeldungen Werktags 11—1 Uhr. Frankfurt a. M. Privat - Lyzeum ix« Pensionat von Frau Dp. Heinemann Theobald^trasse G. Aufnahme von Schülerinnen vom 6. Lebensjahre an. Wissenscha'tüche und praktische Fortbildungskurse. Aufnahme von Pensionärinnen jederzeit. Prospekte durch die Vorsteherin. Spreclst. Montag bis Fieitags 11-1 u. 3 4. — Kochkurse — ~~ zur Einfühlung in die knegsgemäße rituelle Küche für. im Erwerb stehende Frauen und Mädchen finden an 8 aufeinander folgend:» Sonntag-Vormittagen statt in den Voknraumen dev tyeibl. Jücsorge, fischecfßldstc. 1811 ■ — — Annieldungen rbcndasclbst. - Obst-und Cremüsehalle SLolonialwaren Brot, Flaschenbier, Fier, Butter etc. Versand frei ins Haus.- Fr. 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