Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1916)
- Date
- 1916-01-07
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1. Frankfurter Israelitisches Famiiienblatt. Seite 5. düngen, die prophetische Stiinmen in Israel einst verkiindeten, so habeir wir die Lösung dieses weltgeschichtlichen Wundcrs in'der Geisteshöhe und Scclcntiefc jener Stiinmen zu suchen, deren Gepräge den Stempel ewigen unverlierbaren Wertes in sich trägt. Wenn aber die Stimmen der Klagen vornehmlich jenen tiefen Wiederhall in den Herzen der Nachkommen gefunden hatte, so gibt ein kleiner, kläglicher Teil der Geschichte selber die klarste Lösung dieses Rätsels. Die Geschichte der Judengesetzgebungen aller Staaten, gleichviel ob vom Glaubenshaß oder vom verkehrten Wohlwollen diktiert, sie trug die Quelle ewig frischen Schmerzes in sich; sie war es, die innerhalb der Judenheit den ältesten prophetischen Klagen den Stempel steter Erinnerung und Verjüngung verlieh. Wohl sind andere Prvphetenstimmcn in Israel zu frühe schon verhallt. Es sind dies die Stimmen' und Stimmungen frohen Lebensmutes, die den Psalmensänger "einst erhoben, der. sprechen könnte: „Ich freue mich des Ewigen." — Er, der Glückliche, sah nicht, ahnte noch nichts von deni erst nach ihm nahenden nationalen Fall. Vor seiner frohen Seele jubelte noch das Getier des Waldes seinem Schöpfer -entgegen. Sein Auge sah noch den Himmel „als Lichtgewand des Herrn, wie ein Teppich auZgebreitet". Er jauchzte noch mit den \ Bergesqucllen, „die zu Bächen znsammensließen und ' von den Höhen nicderstürzcn, um die Herden der Flur zu tränken.". Ihm sind die Zedern Libonons noch der Kögel Wohnsitze, die Gott gepflanzt". Vor seinen Augen „zog der Mensch noch froh am Morgen aus an sein Werk und an seine Arbeit, bis der Abend fonutit". Er freute sich noch „des Meeres, so groß und weitarmig nach allen Seiten, in dessen Tiefen Leben wimmelt, klein und groß". Er konnte den Wein noch preisen, „Ivcil er erfreuet des Menschen Herz", und des Odems sich erfreuen, der schaffend cinherweht und „verjüngt das Angesicht der Erde". Aber nur ein wunderbares Geschick scheint diese Stinunc vollen ungetrübten, frommen Frohsinns noch erhalten zu haben, die sicherlich nicht die einzige ihrer Gattung war. Der Reigen gleich hoher Freudenlieder ist dahin, und ihr schwacher Rest ist überdeckt von Klagen, die sich durch Jahrtausende verjüngten mit jedem Morgen, durch Jahrtausende erneuerten mit jedem Abend. Und von dieser Erneuerung uralter Klagen gab auch die heutige Nacht Kunde. Wie klein das Mißgeschick des Tages, das Mendel Gibbor betroffen hatte, auch erscheinen mag, in der Gemeinde, wo fast alle Familienväter gleichem Ungemach ansgesetzt ivaren, hatte es tiefe Sorgen und Betrübnis erzeugt. Vor Mendels heutigem Schicksal ivar niemand von den Männern dieser Frauen von den Vätern all der Kinder, von den Kindern all der armen Greise sicher. Wie konnte es anders, sein, als daß die Stimme, die vor dritthalb Jahrtausendeir zur Klage aufgerufen und die in den drei Wochen der Trauer regelmäßig allnächtlich erscholl, heute tiefer als sonst ihren Nachhall in den Herzen fand! Als vom Marktplatz her der getreue - Hahn des guten Wachtmeisters seine weise Stimme erhob, um anzukündigen, daß die elfte Stunde hin und die zwölfte, die Mitternacht, nahe, als zum wunderbaren Wicderhall dieser Natnrstimme, die weniger natürliche Stimme des heisernen Shnagogendieners von oben, der Gasse her. im sehr lang gedehnten, singenden Klageton zur „Mittcrnachtstraucr" rief — da Ivar es heute, als rufe noch einmal der klagende Jeremias über die Kinder Israels ans: „Erhebe Dich und wehklage in der Nacht beim Beginn der Wachen!" — als spräche er zu dem svrgenbednickten Franengeschlccht: „Schütte wie Wasser ans Dein Herz vor dem Angesicht Deines Gottes." — Und als mahne er die Greise: „Hebt empor zu ihm die Hände wegen des Lebens der Kinder, daß sie nicht vor Hanger verschmachten ans den Straßen!" — __(Fortsetzung folgt.)_ Fügen Sie Ihren Sendungen ins Feld eiue Schachtel Fays ächte Sodener Miueral-Pastillen bei. Sie erweisen damit unseren tapferen Kriegern einen doppelten Dienst Erstens sind „Fays ächte“ ein vorzügliches Mittel gegen alle Erkältungen und zweitens wirken dieselben durststillend. Verlangen Sie aber ausdrücklich „Fays ächte“, weil minderwertige Nachahmungen bestehen. Bunte Chronik. Mußestunde« jüdischer Krieger. In Königgrätz (Böhmen) haben die jüdischen Soldaten des 39. Regiments, die aus Ungarn stammen, sich ein Lokal gemietet, in dem sie, soweit sie dienstfrei sind, sich morgens und abends zum Gottesdienst versammeln. Hierbei spendet jeder einige Heller für die Armen Palästinas. Auch wem, es sonst ihre Zeit erlaubt, finden sie sich in dem Lokal Än, um Talmud zu lersten oder Tehillim zn sagen. Spende«. Bei der Nationalfondskommission (I. Heimann, Zeil 21) gingen ein: '■ Durch Herrn Gotcin: R. N. anl. des 89. Geburtstag der Frau Emma Stranst 0.— Mk. Palästina N o t st.a nd s -- A k ti o n. H. R. 10.— Mk.; N. N. 1.— Mk.; N. N. 2.— Mk. B ii chs e}i Le e r n n g. G. I. Rapp 5.60 M.; Prins 2.10 Mk.; Dr. Gans I. 20 Mk.; R. R. —.45 Mk.; M. 'Levigard 4.80 Mk.; Pension Kohn 2.35 Mk.: Wochen-Salender. (Zeitangaben yach dem Losch.) Samstag, den 8. Januar (= 3 Schwat.) Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr 20 Min. Sabbat-AuSgang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 35 Min. in Berlin 5 Uhr — Min. Wochennbfchiütt: Ban. — Die letzten der zehn, Plagen. Auszug der Kinder Israeli Vorschriften für dass Pesachfest. Das Gebot der Tefillin zur Erinnerung an die Erlösung ans Egypten. Die Weihe der Erstgeborenen von Menschen und Bich zur Erinnerung an ihre Schonung bei der Tötung der egyptischen Erstgeborenen. Wochengottesdienst in Frankftirt a. M. Morgens: 7 Uhr 10 Minuten in den meisten Synagogen (Bockenheim, Unterlindan 7 Uhr, Hauptshnagogc, Königsteinerstr. llh Uhr). Abends: 4 Uhr in den meisten Synagogen (Königsteinerstr. 7 Uhr). x . Frankfurter Familieuuachrichte«. B a r m i z w o s. Martin Knobloch, Braubachstr^ 25; Heinrich Rosenblnm, Gnnterburgatlee IS; Alfred Sterns Zeil 1, Synagoge Börneplatz. G e st o r b e n. Meier Levisohn, 02 I., Hebelstr. 4. — Gottfried Schloß, 77 I. Auswärtige Familieunachrichte». Gestorben. Babctte Herz gcb. Gottschalk,-Mainz. — Samuel Landauer, Augsburg. — Rosalie Levi geb. Nathan, Wve.. 74 I., Mair^. — Jenny Kan orolvicz gb. Kantorowicz, 83 I., Posen. — Adolf Läufer, 71 I., Borek. — Auguste Brodtmann geb. Kadisch, 81 I., Schrimm. -- Moritz Heimann, <4 I., Schroda. — Bertha Cohn geb. Saphra,' 75 I., Posen. — Adolf Ziirndvrfer, 68 I., Ehrenbürger von Rexingen, Stuttgart. — Geh. Justizrat Jul. Heymanir, 97 I.) Altona. — Snsanna Gottschalk geb. Michel, 05 Jo, Kirn. — Frau Dr. Biberfeld geb. Deutschländer, Berlin. Bereius-Kaleuder. Freitag M e k o r C h a j i m, »ach Schluß Synagoge Fciedberger Anlage: Vortrag (Oberlehrer Kaufmann). — T a l in uj> Thora, nach Schluß Synagoge Börneplatz: Vortrag (Dr. May). Samstag M e k o r C h a j i m, 12 Uhr: Melochim (Prof. Weyl). Sonntag Me kor Chajim, 0 Uhr: Midrasch (Rabb. Rottenberg) — I ii d. W a n d e r b n n d, 7 Uhr 45Mir»., - Hptbhf.: Messeler Park (Führung Frl. Kassel, Kosten 90 Psg-)- Dienstag I ii d. F r a n e n v e r e i n i g n n g, 4 Uhr, Kursaal Milani: Stricknachmittag. Mittwoch J ü d. Fr an e nv ere in i g n n g, S3/i Uhr, Hörsaal: Vortrag (Schachnowitz). Frankfurt a. H. Privat - Lyzeum u. Pensionat von Frau Dp. Heinemann Theobaldstrasse 6. Aufnahme von Schülerinnen vom 6. Lebensjahre an. Wissenschaftliche und praktische Fortbildungskurse. Aufnahme von Pensionärinnen jederzeit. Prospekte durch die Vorsteherin. Sprecbst. Montag bis Freitags 11-1 u. 3-4. Philanthropin Hebelstrasse 15—19 Realschule n. Lyzenm der israelitischen Gemeinde mit Vorschulen sowie Binführungsfclasse (Kindergarten für Knaben u. MSdehen i. Alter v. 4—6 Jahren) ' Die Aufnahme neuer Schüler und Schülerinnen erfolgt von Montag, den 10.,' bis Donnerstag, den 13. 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