Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 51 (31.12.1915)
- Date
- 1915-12-31
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Srttr 4 . fSrmtfflittet Israelitisches FamitteMÄt. Nr . 51. I M -VW IlM, v. WM Sohli/ormln. 18m Telephon 1, 8630. Seifen) lichte, Kaimig und Bürstenwaren, . Besät etc. CosnretlBche Spezialitäten. , dem Geschrei der Weiber zweimal mit diesem in die Runde, worauf Rcb Abele mit Recht sein gleich Wörtchen ausrief: „So steht es im Bibelvers: In der Runde wandern die Bösewichter." — ' Wie während dessen in der Amtsstube das Aussuchen der Leibwäsche aus dem konfiszierten Paket Mendels von Seiten Jankeles und des guten Wachtmeisters vor sich ging und endlich dahin abgeschlossenwurde, daß ungefähr-die Hälfte der Ware bei Seite gebracht und deren Lücke mit andern, mühsam herbeigeschafften unnennbaren Raritäten ausgefüllt wurde, das brauchen wir denkenden Lesern nicht näher zu schildern. Die ^s wissen, wie weltbeglückendc Reskripte im Großen immer zur Ausgleichung solche Gegenlvirkungen im Kleinen zur notwendigen Folge chaben. Nur das Eine wollen wir nicht unerwähnt lassen, daß alles, was amt- .lich und außeramtlich um Mendel vorging, wie ein Traum auf ihn zu wirken schien. Er saß auf der Ofenbank tief in sich gekehrt, dm Kopf auf die Brust gesmkt und bat schließlich, als der Wachtmeister und Jankele alles abgetan hätten und ihn ermunternd auf den Rücken klopften, daß sie ihn in der Amtsstube lassen möchtm, bis cs dunkel sei und er unbeachtet Heim gehen könne. - Man gewährte chm den Wunsch. Der obrigkeitliche Hausflur nahm wieder die beiden Freunde in seinen Schatten auf. Der gute Wachtmeister lehnte sich wieder an 'die . Wand und rüstete'sich zum Schlummer; in welchmr die heutige Katastrophe ihn überrascht;^ der treue Frmnd, zu erregt, um schlummern zu wollen, leistete ihm dennoch Gesellschaft und nahm sein Lager vis-a-vis ein. Nur der Hahn blieb bei Mendel und flog chm auf die Hand, die er chm hinhielt. Als das kluge Tier^ihm mit dem rechten und dann mit dem linken Auge ins'Gesicht sah, sagte Mendel wehmütig zu demselben: „Nit wicht, seit dem lichtigm Pfingstfeiertag bin ich gar'kein Gibbor mehr. Ich mein, ich Hab nicht Kraft gmug in meiner Hand, um Dir. weh zu tun \‘r Und in der Seele tief cmiattct, legte er sich auf Bank, hi», um die Stunden bis zur Dunkelheit zu. verträumen. (Fortsetzung folgt.) I Lomler & Lait§ch Te).Hansa 3148. Frankfurt a.M., LlebfranenbergSS. Specialhaus für Unterkleider und Strümpfe. Niederlage echter Dr. Lahmann-Wäsche. I A«s Feldbrtefett. El« Chanuka-Abend im Westen. - Eine freudige Stimmung erweckte in uns die Kunde von der Veranstaltung einer Channka-Fcier in einem , etwa 3 Stunden von unserer Feuerstellung entfernt liegenden Ort, und so machte ich nnich-denn mit noch einem jüd, Kameraden schon mittags auf, um rechtzeitig einzutreffen. Unser Weg führte, bei strömendem Regen an tiefen Granatlöchern vorbei, und wir beeilten uns, aus dcnr feindlichen Feuerbcrcich zu kommen. Ist doch! die nähere Bekanntschaft mit den französischen großen Kalibern nicht gerade angenehm' . Die Dunkelheit brach schon herein, als, wir JUt . . . ein- - trafen. Wir strebten zunächst dem Versammlungsort, der . Kirche, zu. Anscheinend waren wir aber doch etwas zu früh eingetroffen, denn in der stockdunklen Nacht war niemand zu sehen. Zn unserem Glück fanden wir jedoch den Weg zu unserem Kameraden Goldschmidt aus Frankfurt, dem wir auch an dieser Stelle nochmals unseren Dank für seine gastfreundschaftliche Aufnahme aussprechen möchten. Wir fanden hier nicht nur Labung nach dem mühseligen Weg, sondern zu unserer größten Freude , auch einen richtigen Chamrka-Leuchter, an dem wir, wie auch andere anwesenden Kameraden die Lichter entzündeten. Wehmütige Erinnerungen weckten die gekannten Melodien in mir. Stieg doch das Bild vergangener Zeiten vor mit auf, da Mein seliger-Vater die Lichter entzündete und die 5 Söhne folgten. Wie anders heutL Der Vater leider schon 20 Jahre tot, die Brüder im Felde, ich selbst in ärnilichcr Stube, unter Postsäcken und Utensilien, beschmutzt von oben bis unten, — und , doch welches Ge? fühl der Zufriedenheit, Mr die Chanuka-Lichtcr leuchten zu sehen! . ‘ Nach der kleinen Vorfetcrlbegaben wir uns nach dem Versammlungsort. Da die Teilnehmerzahl leider infolge dck ungünstigen Witterung nicht groß war, saird cher Gottesdienst anstatt in der Kirche im Schlachthaus statt. Ein großer, peinlich sauber gehaltener Raum, der uns nichts von der Weihe nahm/die den kleinen Kreis jüd. Kameraden unrgab. - Freudig begrüßt, erschien Feldrabbincr Dr. Salz-, b erg er und leitete die kurze, aber eindrucksvolle Feier, b! durch das Entzünden der Chänuka-Lichter ein. Nach der feierlichen Melodie des Chamcka-Liedes, das mit voller Inbrunst von uns gesungen wurde, ergriff-Herr Dr. Salzbergcr das Wort, um auf die Bedeutung des'Festes hinzuweisen. Das Gleichnis der tapferen Makkabäer rnit unserer heutigen Lage entsprach so recht, der Wirklichkeit. So wie diese tapferen Vorfahren gelöbten auch "wir, unsere Pflicht, gegen das Vaterland zu erfüllev und-nicht nachzulasse» in dem Bestreben, durch Mit und Tapferkeit zu beweisen, daß wir hinter niemanden zürü.ckstehcii, und daß alle Angriffe, die in hieser Beziehung von unseren Gegnern im eigenen Lande leider noch immer erfolge», gänzlich Unberechtigt sind. - ' , . Eine kleine Beschenkung mit nützlichen Gegenständen imd willkommenen Sachech wie Bücher und Zeitschriften, bildete den. Schluß der kurzen und-schlichten Feier, und nachdem noch das Kaddisch-Gebet verrichtet war, begaben wir uns mit Kamerad Goldschmidt in dessen Wohnung zurück, um ini Kreise gleichgesinnter Kameraden noch einige Stunden gemütlich zu plaudern. . Am folgenden Morgen kehrten wir wieder in,unsere Feuerstellung zurück, diesmal allerdings mit erheblichen Schwierigkeiten, da durch die andauerndem Regenfälle die Niederungen alle unter Wasser gesetzt waren, und wir uns nur mit Mühe einen Weg bahne» konnten. Mer der "feste Willerechtzeitig wieder einzutrefseu, überwandt alle Schwierigkeiten. Des Mittags zur festgesetzten Zeit waren wir wieder in Unserer Feuerstellung. Der mühselige Weg hat uns nicht verdrossen. Die Feier wird noch lange in uns nachwirken und uns den Mut geben, weiter äuszuharren bis zu einem ehrenvollen Frieden. ' Gefr. Voremberg. dH. Wlere, Optiker, Liebfrauenstr. 1. Brillen, Pincenez, OpernglSser, Feldstecher) in jeder opt.*mechan. Spielwaren ,J Preislage Eisenbahnen, Dampfmaschinen, Laterna-Ilagica, Kinamatographan etc. Woche«-Sale«der. , ^Zeitangaben nät^dem Lnach.) SamStag, den 1. Januar H. 25. Tewes.) Sabbat-Anfang in Frankfurt a. Uhr 10 Mtn . Sabbat-AuSgang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 25 Min. . in Berlin 4 Uhr 52 Min. Wochcnabschmtt: Woeiro. — Die zehn Plagen., Vor Beginn der zehn Plagen wird der geschichtliche Fortgang unterbrochen und der Stammbaum von Moses nnd Ahron, die im Aufträge Gottes dem Pharao die ,zehn iPlagen ankündeteii, gegeben. Es sollte damit offenbär die Möglichkeit einer Vergöttlichung dieser beiden Männer verhütet werden. ,,, R a n sch - C h audesch S^hj w(a t:' Donnerstag. Montag, den 3. Januar beginnt unser grosser Vr