Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 49 (17.12.1915)
- Date
- 1915-12-17
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 WanHart« WrueMschsl FmMieMittt. Nr. 49 dMrrch — so . li«! man «wischen Len. _ . ^.JrSsn.'iBt fax; @^e?e m B€f '$imb »S/lviif- Uinrr) «rMmÄistikchen ZeWr rftcht zt^ggt, einfach weg- Nqch der augenblicklichen Auffassung des Herrn Prourüffke «tt sä z. B.' die GWÄte SSiitS und llstsest, H aM «wer gleich fn LeprseÄen Buche der' Genesis' M HizShlustg tzom" Mgnihäfttw' Abtähmn und Liwr ,^Setüig«" Jäkob strerchen,die schöne Geschichte Josefs berücksichsigen,dgsür abex wieder dies und jenes «och perhorxesKieren. Die„Noh«K Ruth", das Buch Hiob «rw die'Propheten besehen münahmslos — so scheint es ■.'rr' ins Wohlgefallen des Herrn Professors, mit den Psalmen hingegen "scheint es nicht ganz so.bestellt zu sein. Schön, Mer Ruth, Kiob und Hie Propheten enthalten Loch mich nicht immer und durchmls lauter ,Mebreiz" und MnmMßiges, wcch er so nennt. Dur Propheten rufen nicht Hmner bloß He» zitierten Sech: „Barmherzigkeit will ich «ich nicht Opfer". Sie fordern zumindest Äenso oft auch Mit Wucht' und Donnerstimme zu Zorn und Strenges Krieg und Bernichtüng auf, wenn dies ihnen Interesse ihrer großen Ideen gelegen zu sein schien. Ader wie in der Zeit unseres Professors, so Hat es schon in früheren Zette» viele Bibelkritiwr gegeben, die twm rein wissMchäMichW pdxx^ soMigey «ylfgellörten Standpunkte dies und jenes gestrrchen wissen wollten. Denn die Anschauungen und Wertungen der Menschen, Insbesonbere der Herren Gelehrten, wechseln wie der Wind such such ungeheuren Wandlungen unterworfen. Wie, wenn fö itbeg Jahrhundert oder Jahrzehnt, den augenblicklichen, »ft ganz subjektiven Eingebung«, gehorchend, an dem «utghrwWckigen Buche gerupft und gezupft hätte? Es stünde Heute unt der Bibel wie mit jenem Türken, dem sein pmgeS Weib die grauen und sein alles die schwarzen Haare «ms Hem -Kopfe 13?!};:' •. . r Rein» in unserer Bibel ist auch' nicht ein Wort ento Hehrlich und bedenklich. Jeder Sich, jeder Buchstabe ist Lochverehrungswürdig und der absowten Schätzung wert. WO alle Stürme der Jahrtausende nicht zu erschüttern -vermochten, wird auch Hw Wissenschaft nicht berühren. Aach wie vor wird die Bibel in chrer Gänze: das heiligste, sicherste Erziehungsmittel her Menschheit bleiben. Statt der J;age aber: , ,Mas bleibt vom alten Testamente?" sollt«, suh die'Herren Kritik«' die Krage vorlegen:,Mäs verstehen wir vom alten Testamente?" Und die -'Antwort müßte läuten: „Wenig u. z. am wenigsten das, was wir bekntteln". ' Bor einiger Zeit ist vom Oberrabbiner^Dr. Güdem ann in Wien eine Betrachtung erschienen mit dem Titel: »Wie sollen'wir die Bibel lesen?" Es.wäre xu wünschen, daß alle, die sich mit ihr beschäftigen, der Belehrung GÜLemanns — die übrigens seit unvordenklichen Zetten bei dest . Inden üblich ist, weßhalb es diesen vorenthalten blieb,die Erhalter der Bibel in der originalsten Form zu bleiben — folgten. Mit Mvcht sagt der Talmud von dex. Thora: „Manchem erscheint sie als ein Gewürz des LÄens. Und manchem als ein solches des Todes". Wer ihre Wege zu gehen versteht, ihren lieblichen Pfaden zu folgen, dem tun sich die Augen auf, und er sieht den Gottesfrieden ruhen auf den scheinbar gewundenen Stegen, die in Wahrheit zur Geradheit führen. Wenn die Mb« nach dem Grundsätze: „Die Lehre spricht die Sprache der Menschen" Menschen mit Sünden und Fehler erziehen will, sie läutern am Beispiele anderer, die vor ihnen gelebt, wie sollte, wie könnte sie anders, als diese Vorbilder in ihrer Stärke und in ihrer Schwäche zu zeigen. Gerade der Umstand, daß Abraham, daß Jakob als Menschen mit Schwächen vorgeführt werden, die sich aber dennoch zur höchsten Höhe menschlicher Bollkommenheit entwickelt«,, macht das edelste Moment erzieherischer Wirkung aus. Jdealgestalten von außerirdischer Unfehlbarkeit könnten doch unmöglich aneiMüdd-auf Menschen aus dem Reiche von dieser Erde wirken, denn ,Mer steigt auch so hoch, ohne mehr Menschliches zu schauen". „Die Dhvra ist nicht im Himmel", ruck» Abraham und Jakob hüben wie Moses und Ahron nsw. zweifellos auch gefehlt. Aber gerade weil die Schrift dies nicht diskret verhehlt, sondern freimütig schildert, das sichert ihr den Wert erzieherischer Uefehlbarkeit. Uebrigens folgt stets 'hem Berichte vom Fehl in' irgend einer Weise der Hinweis auf Strafe. Abraham, der des geliebten Weihes Sarah, wegen zu einer List greift und eben aus demselben Grunde sich seinem Kebswerbe gegenüber hart Heizt, muß .die betrübte Ehehälfte bald durch den Tod verlieren, Jakob, der gegen .Bruder und Pater unrecht handelt, 'muß arm und ' in FlMt. has.' teuere Mschchasts' ÄMsM «M 'wirdi bym Onkel hiiftergangen .pyd hetrqgen nsw. --^Jst das etwas anderes als erzieherische Lehze? .Auch seine Frommen schützt Gott nicht, wenn sie sich vergehen Aber von allem abgesehen, ist es denn wahr, daß . Abraham ganz einfach gelogen und Jakob betrogen hat? ''Pur ein flüchtiger Blick nach dem Rezepte: »Wie soll«,? wir diä Bibel sesen?" und man jieht, daß es sich 'denü doch nicht so verhält, wie die Herren Bibelkritikerdie Sache darstellen. Hier hxwätzt sich..so recht ein Morl uns««: alten Weisen: „Die Worte der Lehre mögest «äi einer Stelle arm erscheinen, an der änderen erweisen sie sich reich".- Man lese z. B. die Geschichte vom Linsengerichts im Zusammenhänge mit der Vorgeschichte vom Berkastch der Erstgeburt, um» man wird, wenn'auch' nicht entschuldigen, so doch gewissermaßen begreifen, wie Jakob sich dem' blinden Bäter als sein erstgeborener Sohn vorswllcn konnw. Er war es doch geworden. Frmlich es ist und bleibt ein Unrecht. Und siehe da, selbst dies stellt die Schrift an den Pranger, brastdmarkt -und verurteilt es und läßt Jakob die Sttafe ee«len. ': ' . Daß es sich auch mit dem Buche- Esther so .verhält, braucht kquist gesagt zu werden. »Mer-iem«« anderen eine Grube gräbt, fällt .selbst hinein", das ist ein so oft gebrauchtes deutsches Sprichwort, daß man es doch wahrlich d«: Bibel nicht versagen sollte, wenn es sich auch seiner bedient und den Untergang eines schadenfrohen Bösewichts dramatisch darstellt. Das «her und mch« anderes enthält die Purim-Geschichte. Oder mag..es ein deutscher Professor nicht leiden, wenn ein. altes Judenbüch schon soviel früher es gewagt haben soll, sich eines urdesttschen Sprichwortes zu bedienen? Nun denn, der Spruch ist gar nicht so urdeutsch, ein viel älterer Dichter noch als der Dramatiker des Esther Buches hat ihn' geprägt, — der Psälmist. „Eine Grube höhlt er -lnb gräbt sie aus. und fällt in den Abgrund, den er gemacht" (Psalm (VH 16j„ Ebenso Sprüche Salamons 26/27 ,Mer eine Grube gräbt fällt selbst hinein". . Nach alledem, wenn gefragt wird: »Mas haben wir am alten Testamente?" so antwortest wir: Alles! ✓ - v F. Ehrenfeld lOQZett ZeillOO. LederwareB - Ihainenta^ehen Metallwaren. Frankfurter Brenten. Loelckmkchtzs Depertgebäek von vorzüglichem Geschmack, ^tmserBeiiebtheifcn. Haltbarkeit. Sehr geeignet fiir Präsente, / «mHDchlt die - Atltiit* IiankfnrUr Brmtinf&brlk S«arflndBtl65g. fimtaillinn Frankfurta.il. T«1.I,7963. . COBthBStr. 18, Poatvasani Eretes'Sp^sial-Oeschäft am Platse. 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