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Neue jüdische Presse · 1915-12-10 · Heft 48 (10.12.1915) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 48 (10.12.1915)
Date
1915-12-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Frankfurter FSraeÜtischeS tzamilienAatt. Nr, 48 Ifi'ankiiui'lki'^ileKKunLNZlait I ' nnter Lontrolls. dos ärztlichen Vereins I SdurauadburgstY« Ä—6 JeL Hsiws 1168 einzige Anstalt Frankfurts, ^selche apsschHesslloh ksimarme Kurmiloh nur ans Hfleh der eignen Btaltang liefert. stall> IBM islloli t. H AM sic vollkommen glüMch zu machen. Da jedoch bei Der WandclKatkeit aller Dinge in der Welt auch Wien kommen könnten, »vo man meinen möchte, daß Untertanen auch ohne immerwährende väterliche.Regierungs- Sorgfalt glücklich sein könnten, so müssen Wir zur Belehrung der Zukunft ein »vcnig in die Vergangenheit: zurückgreisen. _ Zn Den menschenfreundlichen Zeiten des Wohlwollens Der Regierer, in welchen diese Vorsehungen aller Unter- 'tmlen der festen Ucb'crzcugung lebten, daß den nnrnündigcn^Mcgicrten jedes Licht der Erkemrtnis ihres Heilst ausgehe, sobald ihnen nicht auf Schritt und Tritt Wie LeWte.. einer ewig wachsamen Gesetzgebung zur Seite wandele, — in jenen Zeiten war die Gesetzgebung auf den »verseil Plan verfallen, lvic man nicht nur um des Glückes der ländlichen und.der städtischen Bevölkerung, stuckern auch um des Heils der -Juden willen — dieser unerschöpflichen Fundgrube gesetzgeberischer Genies — eine neue soziale Ordnung der Dinge einführen müsse.... Man ging hierbei volkswirtschaftlich von dem Gesichtspunkt aus, daß esein großes, sehr großes Uebel sei, wenn man den Bauern Kattun, Taschentücher, Bänder, Stecknadeln, Propfenzieher, Federmesser, Bleiknöpfe, Hosenträger, Kämme, Spiegelchen, Kleiderbürsten und dergleichen ins Dorf bringe und sie dadurch des zivilisierenden Vergnügens beraube, nach solchen Dingen in die Stadt zu fahren und sie den dort angesessenen Herren Bürgern und Meistern abzukaufen. Ferner war man fest überzeugt. Daß es ein nicht minder trübseliger Umstand sei, tvenn der Bauer sich nicht im Betrieb seiner Wirtschaft zu stören brauche. Um drei Pfund Schweineborsten und ein Kalbfellchen zu verwerten, sondern ihm dergleichen Dinge von Hausierern äbgekauft werden, die olles, was seine Wirtschaft hervorbringt, »vie Wachs, Talg, Federn, Wolle, Honig oder Pclzwerk ihm aus dckr Hause holen. Und da es eine unleugbare Tatsache war, daß vornehnrlich die Juden kleiner Städte ^dergleichen verderbliche Hausiergeschäfte, die nmn mit dem Name „Schacher" bezeichnete, betrieben und die Verbreitung städtischer Fabrikationsprodnkte aufs Land und ländlicher Produkte nach den Städten vermitteltest^ so war es klar, daß diesem Umvesen in vollster Menschenliebe gestepert mü> Verordmmgen erlassen werden mußten. Die dem Einhall täten. Der staatswirtschaftlichen Einsicht der Herren .Chausseeeinnehmer würde cs freilich am meisten entsprochen' haben, tvenn die Juden, welche das Fahren Der Bauern nach der Stadt behinderten, mit einem Zoll am Chausseehaus belegt tvocken wären. Die Herren Kammmacher unb-inc Herren Tuchmacher nebst verwandten Gewerbsgenossen in^rovinzialstädten hätten sicherlich eine Weltverbesserung darin erblickt, wenn den Bauern der Direkte Befehl zugegangen wäre, ausschließ- . lich in ihren Läden und Werkstätten ihre Bedürfnisse einznkaufen und die Produkte zu verkaufen. Die damaligen hohen Behörden jedoch-begnügten sich mit weit mWeren Maßregeln; sie verboten das Hausieren ohne obrigkeitllche Genehmigung Mck Erteilung ejnes Hausier-. Scheins und MrSMen'Me-'^Erteilung^ der- Haüsterschcine seitens der Herren Pürgernieister auf eine kleine Zahl alter, schwacher Famllienväter ein, wodurch in väterlichenr Wohltvollen nicht blos die obenerwähnten volks- »virtschastlichen schweren llebel vermindert,- sondern auch die Juden kräftigern und jüngern Alters angehälten »necken solltev, dem althergebrachten Schacher zu entsagen und ganz neue Lebensberufe zu ergreifen. Wenn dieser wohlwollende Rcgierungsplan sich trotz aller Verordnungen nicht verwirklichen wollte, so müssen wir sagen, daß es keineswegs Schuld der B.c- " hocken »var. Die Bürgermeister zwar »varen tvcnig ge- ,leigt, die Hausierscheine zu versagen; allein Ländratsämtcr und die landrätlichen Gendarmen, die auf Jude»» ohne Hausierscheiuc Jagd machten, die letzteren namentlich, weil ihnen ein Antell cur. der konfiszierte» Ware zufiel, legten der laxen Handhabung der Gesetze Hindernisse in den Weg. — Esschcllcrtcn die edlen Absichten dieser Borord- . -nuAgen auch keineswegs an dem Widerstande und den Bemühungen einflußreicher Juden in den Hauptstädten. . .Deyn unter diesen reichen Juden tvar damals auch die ir Straussfeaern i Wasotsa, Hrtea, Statute, sowie Sallpta raFlratmura. Ssttst Stades, fas asb n. Kflad. Ssldgra, AnUitdles, HodgiBUnn Tu SeouIarUges sfantlloMr Pelera- 3oag etc. Grösstes Geschäft am Fiats,. Gegründet lb8S. .. “ “ ‘ T,3475. CareBfeld-BaliiijBömerbergM, n. feste Uebcrzeugultg,. daß der rege -Zivischenhandcl und Alchtausch laichlichcr und - städtischer Erzeugnisse ein Staatsübcl sein müsse. Auch <sie nannten verächtlich im lleinen „Schacher", was inan iin Großen stolzierend „Handel" nennt. Der weise -Ausspruch, daß die Juden nicht emanzipiert wecken könnten, solange die Mehrzahl Schacher treibe und sich höchst-empörend vorn Prolctarierdasein fern halte, dieser tveise Ausspruch tvurdc dazumal von reichern Juden tvicüerholt, die zwar aus Mode über die Vermehrung des christlicheil Proletariats, aber denrwch aus Sehnsucht nach Emanzipation über den Mangel eines jüdischen Proletariertnins seufzten. Ja, viele von ihnen waren so schmerzlich davon berührt, daß chr wohlgebildcten Söhne nicht Leutnants »necken koimten, wozu Talent und Taille sic offenbar berechtigten, daß sie schwere -Anklagen gegen die ärmeren Glaubensgenossen in kleinen Städten erhoben, welche sich höchst eigensinnig sträubten, zur Ausgleichung aller sozialen Unterschiede ihre Söhne zu Steinllopfern auf der Landstraße zu erziehen. An der Behörde und den reichen Juden in großen Städten lag es also keipeswegs, tvenn die weisesten volkswirtschaftlichen Maßregeln fruchtlos blieben. Wenn wir aber. durchaus Gründe hierfür angeben sollen, so müssen wir offen sein und sagen, daß sie näher lagen, als man^. vermuten möchte; sie lagen nämlich an den jüdischen Hausierern und Bauern selber, für deren Wohlergehen man die ' Verordnungen, diese papiernen .Gendärmen der Menschheit, erfunden hatte. Was die jüdischen Hausierer in den kleinen Städten betraf, so wiesen sie vorweg die erwähnte erhabene Steinllopfertheoric zur Ausgleichung aller sozialen Unterschicke zwischen Christen uird Juden mit großer Entschiedenheit zurück. Unser Reb Abele, der für alles das richtige Wort wußte, gab es auch hierüber zum besten, „Wir" frommen Khillekinder", sagte er in der» lebhaften Beweglichkeit seines Körpers, „können garnicht Steine an der Landstraße klopfen". Warum? — Der Midrasch erzählt: tvie unser Altvater Jakob son Berseba^nach -Haran ist gegangen, ist er gekommeir nach Bethel bei Nacht und hat sich gelegt viele Steine unter, seinen Kopf, um darauf zu schlafen! Da Laben die Steine angefangen ' zu zanken miteinander, auf wein der fromme Kopf ruhen soll, und da hat Gott, gelobt sei er, gemacht aus all den Steinen einen Stein, den unser Altvater am Morgen aufgerichtet hat zueinem Altar. —: Wenn wir nun unsere frommen Khillekinder auf die Landstraße schicken, Steine zu klopfen, und eines sich niederlegt, um ein bischen zu schlummern, kann ihm ein Wunder passieren »vie unserni Altvater und aus allen kleinen Steinen »stick wieder ein Stein, und die Landstraße wird gar nit fertig. Wenn nun die reichen Juden "in Berlin wirklich meinen, daß die Christen allein nit können die Steine klein kriegen, mögen sie ihre Kinder, die nit fromm siick, hipschicken, um den Christen zu helfen; die sind vor einen» solchen Wunder ganz sicher." Nach einem solchen.mit großem Beifall dargetänen und mit noch größeren» Beifall aufgenommenen Wörtchen konnte natürlich die schöne Steinklopferthcorie nicht einschlagcn. - - > (Fortsetzung folgt.) _ flf. SA I NT - DE NIS. ALLE REPARATUREN an UHREN Gold und Sllberwaren, Brillen und Zwicker.;: Woche»-Saleir-er. lZeitangaben nach d^l I,v»eb.» Samstag, den 11. Dezember (— 4 'I'^wes.) Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr — Min. - Sabbat-AuSgang in Framfmt a. M. 5 Uhr 15 Min. in Berlin 4 Uhr 45 Mn. , WochcnabWlitt: Wajigasch. — Josef gibt sich seinen Brühern tzn erkennen. Jakob und sei»» Haus ziehen nach Egypten. Jakob vor Pharao. Fortdauer der Hungersnot.' . Josef zeigt sich i»r allen seinen Worten und Hand-. lungeiL als ein sehr kluger Mensch. Manj i stutzt. unwillkürlich, Jücmi man liest, »vie er die Brüder,als feindliche Kundschafter hinstcllt. Und Doch »var das das Klügste, weil er dadurch verhinderte, daß sie Grkindiguugen Aber' seine Persönlichkeit ciuzichen konnten. ,Man fragk sich, »varnm er den Brüdern die Geivissensangst verursachte »ind sie so länge in," ihr liest. Aber auch das »var das Klügste. 9kur so konnte er ihnei» zu Bcivusttsein bringdi, dast er der unumschrmiktc Herrscher Egyptens ist, also seine' Träuinc, »vegen derer sic ihn gcfürchtct und gehaßt hatteii, bereits ihre Erfüllung stniden. Auch mnstteir sie so all' das ' was er später in Ägypten für sie iat,-a{S reine Bruderliebe empfinden. Wcitschauend wären a»ich seine Mästnahmen, Durchs die er die Eg»)pter tzu Hörigeii Pharaos iilachteund ihre Wohnsitze austäuschen liest. So koitute den Kindern Israels nie der Borwurf gemacht lverden, daß sie nicht bodenständig seien. Freitag, 1.7. Dezbr.:' As o r o h be-Tewes.- Äochcngottesdienst in Frankfurt a. M. - . Morgens: 7 Uhr in pen meisten Synagogens llh Uhr -Hauptsynagoge uild lkönigsteincrsträße). und Königsteinerstraße). ' > Abends: 4 Uhr in den ineisten Synagogen. (Hauptsynagoge 4 Uhr, Wnigsteinerstrr 7 Uhst.) - . NEUE ESAKE 30. TeL Hansa 1128. Nr.12 Souch -Peko-Congo-Miachg.Mk.4.40 „ 7 Ceylon-Oronge-Peckoe „ 3.40 Java-Bruch-Tee- . . . Mk. 2.70,3.20 Kakao Soma Hk. 2 SO, 3.—, stA>. Krankfurter Kamittetmachrichte«. Geboreu. Ein Sohn Eli Posen (rPinz). Eine Tochter Dr. B. May (Meyer), Ostendftr. 62. -— Leo Hirsch (Rosenthal, Körnerwiese 1. > G esto r b en. Max Rothschild,_Sohn von Räsa Rothschild Wwe., Wallgraben 7, im Feld. — Adolph LöJvensberg, 65 I., Jähustr. 9. — Rosa Strauß «eb. Horch, 61-I-, Röderbergweg 24. — Jda Schild geb. Nordschild, "?4 I-., Wöhlerstr. 8. — Albert Frank, 55 I., Gagernstr. '36. — Göttlich Müuzesheimer, 71 I. Mm. Trauringe jed. Ari n. Preislage kauft man gnt nnd preiswert im EcK ■T Tpaurlng-Eck 'VI Frankiert &. 9C.,Trlerlsche Gasse 31. Ecke TdDge8gasse,Tls-k-Tis d. Hasengasse. Fr. PletBSCb,raÄS$5ter. AttswSrtige FamUiermachrichte». Geboren. Ein Sohn Zahnarzt. Aschkoivitz (Rosengarten), Breslau. Dst: Karl Birnbaum (Kempner), Berlin. - Ber-lobte. Klara Kaufmann, Krefeld mit Fritz Mendel, Recklinghausen.— Anna Oppenheimer mit Dr. Fritz Liebmann, Wiesbaden. 80. Geburtstag. Flora Gosliner geh. Giballc, Posen. Gestorben. David Loeb, 72 I., ,Bonn. — Fritz Pollak, 24 I., Berlin, im Feld, — Hans Guthmann, 19 I., -Ehvmikitz, i!m Feld. — , Leopold Saudberg, Freystadt. — jLina Orgler geb. Besser, 66 I., Oppeln. — Professor Dr. med. Wirach, 62 I., Posen. —» Gustav Buxbaum, 65 I., Rendel. — Kurt Muhr, 28 I.; Rudolf Spielmann, 20 I., Breslau, im Feld. — Marie Neumann geb. Wiener, Breslau. — Samuel Flesch, 73 I., Preßburg. — Frieda Lissauer, 38 I., München. . Sie erweisen unseren tapferen Soldaten einen wenn Sie Ihren Sendungen ins Feld 1 bis 2 Schachteln ächte Soden er, Mneral-Pastillen beifügen. ■■’S-'.*- 'L ' - Bereins-Kalender. Freitag. Montefiore, 9 Uhr: gesellige Zusamnienkunft. — Chewras Tehillinr, Sys, Schwanenstr. 8: Thora-Bortrag (Herz Halperin). — Tal mu d T h,o r a-^iiach Schluß Shnagoge Börueplatz: Bortrag §. 'Schwab), —r Mekor CHajim, nach Schluß ynagoge Friedb. Anlage: Vortrag (Paul M. Aron). Saiilstag. Moutefiore, 11 Uhr: Schiur (Dr. May). — Mekor Chajim, 12^Uhr: Borlesung(Professor Weyl). . . ' '. Sonntag. Talmud Thora, 6 Uhr, Börneplatz: Bor- .. trag (Rabb. Dr. Nobel). — M e kost Chäjim, 6 Uhr: Jinnijohu (Dr. Breuer). —-Jüd. Wand erbund, 2Vi Uhr,' Lokalbähuhof: Wanderung nach Buchschlag (Führung: Adele Rothschild; Kosten: 50 Pf). Dienstag. Moutefiore, 9 Uhr:' Karrikatur in"der Kunst (Prof. Dr. Hülsen). — Jüd. Fraueuvereinigung, 4 Uhr, Kursaal Miläni: Stricknachnachmiitag. Mittivoch. Jüd. Frauenvereinigun g, 83U Uhr, Hörsaal: Gckankemvelt der Gebete (Schachnoivitz). — - Berein für Statistik der Inden, 8^/i Uhr, Franksiirt-Loge: Vortrag - (Nachinn Goldniann). . 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