Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1915-12-10 · Heft 48 (10.12.1915) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 48 (10.12.1915)
Date
1915-12-10
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2692297-2692924-2692971--09247-2704446
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 2. sobald die Errichtung der Schule von ,deu Polen abhängig fern sollte, die Juden überhaupt Teilte Schule haben würden. Man kann natürlich zwangweise die Juden als-Polen anerkennen, aber das Ergebnis wird sein, daß die Juden in .allen gesellschaftlichen Einrichtungen überhaupt nicht vertreten werden und daß ihre bürgerlichen Rechte, beeinträchtigt werden. Das wird eine Verarmung der Juden hcrbeiführen und sie inständiger Unwissenheit bewahren. Jede Verteidigung der jüdischen Interessen, würde als jüdischer Nationalismus betrachtet werden,, jede Flucht an die Oeffentlichkeit als Aufruf zur „fremden Intervention^ Und je weniger die Juden geschützt werden, desto Heftiger wird der polnische Antisemitismus - wüten. Mes ist keine Theorie. Das hiesige alltägliche LAeck liefert zahlreiche Beispiele dazu. Die Zudenfrage in Polen kann nur folgendermaßen gelöst, werden: Man muß von dem Gesichtspunkte aüsgehen, daß nach der event. Annexion das eroberte Land nicht als Nationalstaat, sondern als Nationalitätenland betrachtet wird. Das muß ja selbstverständlich geschehen, denn vor allem * werden^ doch die Deutschen nicht sich selbst, zur Assimilation durch, die Polen, Litauer und Ruthenen preisgeben. Auch werden ja die Polen, Litmier und Ruthenen sich unter einander nicht' assimilieren wollen. In der ersten Reihe werden die Polen nationale Rechte nicht nur in Kongreßpolen, sondern auch in Litau und Ruthenien auf dem historischen Boden vvn'anderen Völkern beanspruchen »Warum sollten dann die Juden eine Ausnahme bilden und auch nicht als eine Nationalität anerkannt werden? Die freiwillige Assimilation wird dann auch nicht ausgeschlossen -sein. Bei der freien Enüvickelung der Kulturen von den einzelnen Nationalitäten kcuin natürlich diese oder jene Kultur siegen und Anhänger bei einer anderen finden. In der ersten Reche kann darauf die in dem Staat herrschende Kultur rechnen. Es ist nicht unmöglich, -daß, wenn die Deutschen imstande sein werden, bessere Schulen einzurichten, billigere Bücher zu liefern und überhaupt ihre kulturelle Tätigkeit höher zu stellen als die sonstiger Nationalitäten, sie für das.Deutschtum nicht nur unter den Juden sondern auch unter anderen Völkern im eroberten Gebiet mehr oder weniger Proseliten gewinnen werden. ' : ' Aber dies sind nur Vermutungen, welche 'sich bestenfalls in unabsehbarer Zeit verwirklichen können. Die Losung muß lauten-: gemeinschaftliche Bürgerpflicht für den Staat bei. freier Entwickelung der national-kulturellen Eigentümlichkeiten. Nur auf diese Weise kann .zur allgemeinen ^Befriedigung die Völkerfragc in den neu erworbenen Ländern gelöst werden und folglich auch die Judenfrage in Polen. Brief aus Amerika. Die Stadt New Hork beabsichtigt, in ihren öffentlichen Schulen die Gary-Methode einzuführen, die Studium, «Arbeit und Spiel vereinigt und . so die - Schüler einen großen Teils des Tages in der Schule hält. Während 55 IlHm-' ten sollen die Schüler die Schule verlassen, «um sich zu der Religionsstunde ihrer Glaubensgemeinschaft zu begeben. Diese vorgesehene Bestimmung nun beansprucht die Aufmerksamkeit der jüdischen Kreise. - Von rund 300000 jüdischen Schulkindern in New Jork besuchen nur etwa^50000 die Talmud -Thora-Schulen oder haben sonstwie jüdischen Religionsunterricht, dieanderen — 250000 — erhalten nicht die geringste Unterweisung in iha>em Judentum. Eine geradezu ungeheuerliche Tatsache, — aber eine Tatsache. ' . Die Einführung der Gary-Methode würde uuu eine Umwälzung Hervorrufen. Es würden dann sämtliche jüdische Kinder Religions- und Wohl auch hebräischen Unterricht erhalten. Dazu wären -aber noch einige tausend jüdische Lehrer erforderlich und außerdem noch eine Anzahl jüdischer Schulhäuser in der Nähe von öffentlichen Schulen. Wie ' diese gewaltige Aufgabe durchgeführt werden soll, ist vorläufig ein Rätsel. Selbst wenn Frankfurter.Israelitisches FmnilienAatt. Ar. 48 Ich "das HeU „aufhmngen ljeße, bleibt die^Frage imchideinGci st,in dein .der Unterricht zu - erteilen ist/, eine schwer zu lösende. Gerade die . Reichest die große-Summen-geben könnest huldigen einem religiösen Radikalismus, -von dem man sich in Europa keine Vorstellung macht. Gibt es doch z. B.- grundsätzlich in keiner von 'ihnen gegründeten Anstalt koschere Verpflegung! / Zu bedenken bleibt -auch, daß die Talmud- Thora-Schulen nach Einführung der Gary-Methode ihre Unterrichtszeit beschränken müßten. Das wäre schon deshalb bedauerlich, weil in den öffentlichen Schulen des „freien" Amerikas ein ausgesprochen „christlicher" Geist herrscht, und es gerade deshalb das jüdische Interesse verlangt, die Unterrichtszeit in den Talmud-Thora-Schulen nicht zu beschränken, sondern zu erweitern, damit der „christlichen" Lust der öffentlichen Schulen genügend „jüdische" Luft der Talmud-Thora-Schulen entgegengesetzt werden könne. Erinnert sei bei dieser Gelegenheit an deck Streik von 36,-000 jüdischen Schülern gegen die christlichen Gesänge. Das war vor 9 Jahren. Seitdem sind die christlichen Gesänge „offiziell" abgeschafft. Die Gary-Methode sieht also für unsere jüdischen Interessen nur in der Theorie günstig aus, in der Praxis jedoch türmen sich große Schwierigkeiten auf. Bei dieser Sachlage sind denn auch die Ansichten in den traditionstreuen Kreisen geteilt. So ist Rabbiner Dr. Drachmann, der Präsident der Vereinigung der orthodoxen Gemeinden Amerikas,- optimistisch, Dr. Albert Lukas, der Sekretär der gleichen Organisation, dagegen pessimistisch gesinnt. Dtzr Zeitpunkt für die Einberufung des A m e-, rikanisch-Jüdischen Kongresses.ist noch nicht bestimmt. Das Einberufungskomitee vertritt bereits 14 große Organisationen, darunter die Orden „Brith Abraham" und „Brith Sholem", die Föderation der amerikanischen Zionisten, .die Vereinigung der orthodoxen Gemeinden. Daneben besteht ein Komitee der nationalen Arbeiter. Die Konfcrenzidec des gegnerischen Amerikanisch-Jüdischen Komitees dürfte gegenstandlos geworden fein. „Haibri", die offiellc hebräische Zeitschrift des Misrachi, wird vorn 1. Januar ab in New Work erscheinen und zwgr unter der Leitung ihres früheren Redakteurs- Mcir Berlin. Das Amerikan.-Jüd. Hilfskomitee teilt mit, daß die Beiträge für die durch den Krieg notleidenden Juden am 23. Oktober die Summe von 1,185,000 Dollar, erreicht haben. Hervo über „-Frankreich und die russische« Juden". Gustav Hcrve hat' in seinem „Le g u c e r c soziale" auf die Nachricht hin, daß der Pariser Stadtrat den Wunsch aussprach, die nicht dienenden Angehörigen verbündeter Staaten — lies: russische Juden — n u s'F rank - reich ausz uw eisen, einen Leitartikel geschrieben. Er meint, für övs Rußlands der Pogrome könne ein Jude nicht freiwillig dienen- Uird fiir das Frankreich der Menschenrechte? Zehntausend 'russische Juden ' seien, bei Beginn des Krieges freiwillig ins französische Heer eingctreten, um zun» Dank dafür in die Fremdenlegion, gesteckt zu werden. Hervs fährt dann wörtlich fort: „Und da wollt Ihr sie mißhandeln, weil sie nach Kenntnis der Leiden der : ersten - Kriegsfreiwilligen das nicht auch ihrerseits durchwachen wollen?' Um im besten Falle einige hundert Freiwillige schöne „Freiwillige" — zu bekommen, wollt Ihr Tausende von armen Leuten, Greisen, Frauen und Kindern nach Am erikm schicken, damit sie dort erzählen, daß sie aus dem freien, republikanischen Frankreich ausgewiesen sind? Es gibt in der großen amerikanischen Republik drei.. Millionen russischer Juden, davon eine Million in New Jork, die dort einen ungeheuren Einfluß ausüben. Diese drei Millionen amerikanischer Juden verabschcücn Rußland, nur eins hält sie zurück, die Liebe zu Frankreich. Und nun wollt-Jhr, um einigen Ladenbesitzern im vierten Arrondissement eine Freude zu machen,^ Euch die drei Millionen amerikanischer Juden e n t f re m d e n? Ihr wollt unsere Ehre aufs Spiel setzen, wollt, daß wir Gemeinschaft m.it Antisemiten machen, die^die armen Verbannten, die unglücklichen Opfer der russischen Pogrome, verfolgen? ' Aber selbst die größten Antisemiten ays dem vierten Bezirk würden Euch desavouieren, wenn sie wüßten, was uns eine derartige Maßnahme kosten .kann! -; In dem Augenblick, als ich diesen . Artikel schrieb, telephonierte .mich^ eine junge Pariser- Jüdin an: _ „Sie glauben also nicht, daß man uns auswcisen'wird?? ... ... ' „Nein, gnädige Frau, der Minister des. Innern . hat'es schon vor mehreren Monaten gesagt, daß er es nicht zulassen wird, daß man den Verbannten etwas zuleide tut." ', „So kann man also ruhig auf die Kriegsanleihe zeichnen?" „Aber ja, mit beiden Händen." „Und wenn man uns doch ausweist?" „Niemals! Nie wird die französische Republik eine solche Schandtat begehen." „Ist das sicher?" , ''„Nicht nur das ist sicher, sondern ich verspreche Ihnen sogar, wenn die Milliarden' der Anleihe nicht für den Krieg ausgegeben werden, dann wird die Republik vom lieberschuß einen Strick kaufen, um . - ." Da wurde leider die telephonische Verbindung unterbrochen, sooaß diese junge russische Jüdin niemals erfahren wird, zu welchem Zwecke.ich diesen Strick von dem sieberschuß der Siegesanleihe kaufen wollte." ■ , / Friedrich Naumann über die Jndeufrage. In seinem Buche „Mitteleuropa" meint Friedrich Naumann hinsichtlich des „Antisemitismus", daß mit diesem nach dem Kriege Schluß gemacht werden müsse/ „denn im Hintergrund liegt der gemeinsame Schützengraben. Das ist politisch ebensoviel wert, >als die Taufe." Er kommt dann auf die Judenfrage zu sprechen. Er schreibt hierüber: „Die Judenfrage ist mehr soziale Frage als Nationalitätenfrage im engeren Sinne des Wortes, denn'nirgends in Mitteleuropa kann der Jude für sich allein staatbildend austreten wollen. Mag seine zionistische Richtung auch das Judentum im ganzen als politische Macht innerhalb der Weltpolitik erfassen und in Palästina einen Mittelpunkt jüdischer Gesamtwirkungen suchen, so berührt doch dieses den inneren Zustand der mitteleuropäischen Großstaatcn nur sehr -indirekt. Wir können und werden diese internationale Erscheinung in unsere politischen Berechnungen einsetzen, wenn wir an den türkischen'Orient Herangehen, vielleicht - auch,, jvenn >vir, -.der' westlichen Gebiete Rußlands gedenscn, aber svehcr im, .Deutschen Reiche noch in Oesterreich-Ungarn handelt es^sich um jüdische Sprachenfragen, Herrschaftsfrägen/und Parteifragen im größeÄM Stil. Das ist alles örtlich, höchstens provinziell. Washier der Jude mit Recht verlangt, ist -bürgerliche Anerkennung, nicht mehr!" Aus dem Türkische« Reiche.*) Die durch Erlaß des Snltaps eingesetzte Kommission zur Förderung national-türkischer Studien (Milli Tetebbulew) hat ein äufgefundenes, bisher; unbekanntes, t ü r k i s ch - a r a b i s ch e s W ö r t e r b üch (Diwani Lugati turk) herausgegeben, daß Mahmud' Kaschgari um 1058 verfaßte. Abgesehen davon,' daß dieses Werk eines der ältesten Denkmäler der türkischen Sprache überhaupt ist, enthält es inen reichen Schatz geschichtlicher und volkskundlicher Aufzeichnungen, dm ein neues Licht aus die ——————. *) Da man in der. Judenheit für die allgemeine innere Entwicklung ,des türkischen Reiches, fiir seine kulturelle und wirtschaftliche Gestaltung, ein besonderes jüdisches Interesse hat, so werden wir für die Folge derartige Berichte bringen. Man fühlt in den bewußt jüdischen Kreisen, daß sich, innerhalb des türkischen Reiches hasLukunftsschicksal des jüdischen Kolkes entscheiden wird, — und dort wo Man bei uns Inden nicht jp" weit henkt, begründet sich, HM besondere jüdische .Interesse auf der Ansicht, daß das türkische .Reichnach dem' Kriege' ein Einwänderungsländ für die Juden des Ostens werdemwird. - ' ... :.Die Redaktion. Nr. 4k Geschichte früheren i ... Dr.'. § Konstantin für die s geben. — .Die 51 aiMzwei zeit der b 1. Haupta Schulen ei solventen, die frcinds Lehrgänge angestelltc Bcy Esend - Unter A.-G. hat Älticngefel Kiazim E Dr. Otto 1 Die S vorrägendc heute 5—' für ein tü gegen Mk. Für b besteht fas Seidenspin ivarcn, fir So liegen von 10 P fallensind Der jj; Haft. Bist Säcke Sn Rosinen, i wird auf rechnet. — Dank gcnieure is ertragreich! ist. der Rul der Kohle Arbeitsfeld 1 Die R gicrungsbe Namen T wurde pro «»vertraut ist dieser £ Lina ernai Cigari Uet ck Berlin (Vorsitzende leitnng Fri lerstr. >16) f 1. Ben chen Bui 2. Untr b en 4 Pr . a> c) ä) i 3. STurc; wird aufge in dc seine aussck 5. Die abgeli 6. Der l die sr meind 7. Die 1 leitun geschb Aufgc

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.