Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 46 (26.11.1915)
- Date
- 1915-11-26
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Frankfurter Israelitisches Familienvlakt. Nr. 46 I Fr an kf i rterMilchkuranstalt iinter.Kontrolle d*s ärztlichen Verein« SebmirzbnrgHtr. 2—6 . ' . Tft Ham« 1148 emsige Anstalt'Frankfurts, welche »nasohlie-dlch — k*im*rme K rinilch ... ' ’ ' nur aaR Wii*h der «lenen 8Ul*nn| liefert. I „Monteflore"-Berein. Am Attttwoch, Len 17. d. M. vermrstaltete der M.-B. einen musikalisch-literarischen Abend, der durch ein von Frl. Cillh Rapp gesprochenes Wechgebet eingeleitet wurde. .Darauf trug Dieselbe.'in äußerst kunstvoller Weiseden „kranken Knaben" von Perez vor und verstand es, alle psychologischen Feinheiten, mit denen Die Perez'schen Novellen erfüllt sind, herauszubringen. Aber noch größeren Beifall — Len größten — erntete sie durch Len Bortrag dreier Mörike'scher Gedichte. Auch Die ' beiden wundervollen Diolinvorträge des Frl. Aenni Rosenthal wurden vom Publikum gchührend gewürdigt, und für die von Frl. Rupp und Herrn Surkau gemeinsam vorgetragene Szene aus dem „Nachtlager von Granada" zeigten sich die Zuhörer nicht minder dankbar. Lentralverein Israel. Semeindemitalle*er. In der am 20. Novbr.. stattgehabten Mitgliederversammlung bildete den ersten Gegenstand der Tagesordnung die demnächst vorzunehmende ffiafl für den Ausschuß der isr. Gemeinde. An Stelle der in diesem Jahre ausscheidenden drei Mitglieder Dr. med. Arnold Bärwald, Dr. jur. S. Katzenstein und Julius Schopflocher wurden als, gemeinschaftliche Kandidaten des Zentralvereins und des Vereins für Freisinniges Gemeindeleben vorgeschlagen und durch die Versammlung genehmigt: Handelsrichter Arthur Forchheimer. Rechtsanwall Dr. Richard Merzbach und Eli Michael.' Außerdem fand eine interessante und lebhafte Aussprache über die verschiedensten Fragen des Gemeindelebens -statt. - Es wurde beschlossen, aus Len Mitteln des Vereins 150 Mk. dem Hilssonds für unsere notleidenden Glaubensgenossen in Polen und 100 Mk. dem Komitee für Volksküchen in Palästina zuzuwenden. Verein für jüdische «eschichte und Literatur. Der Verein veranstaltet in diesem Winter eine Reihe von-Borträgen über besonders aktuelle Themata, wie sie dem Ernst der Zeit entsprechen. Es ist dem altbewährten Verein gelungen, eine Reihe namhafter Redner zu gewinnen. Nähere Mitteilungen über das Programm erfolgen in diesen Tagen. Personalien. Vor kurzem verschied hier der Buchbindermeister I. Jakobsohn. In.bescheidenen Verhältnissen lebend, war der Dahingegangeue reich an altjüdischen. Sitten wie auch an Fähigkeiten. Friedliebend, wahrhaftig, ergaben und bescheiden war sein Charakter, und durch hervorragende Geschicklichkeit zeichnete sich seine Begabung aus; er war ein wahrer „llmanjad", ein Künstler in den verschiedensten Handfertigkeiten. " Geboren zu Jakobstadt brachte er seine Fugend auf der Jeschiwoh zu unb ewanderte später mit seiner Familie nach Argentinien aus, wo er sich eine sichere Existenz gründete. Wegen der Unmöglichkeit einer guten jüdischen Erziehung seiner Kinder verließ er Argentinien und zog nach unserem Frankfurt. Hier ernährte er sich als Buchbinder und „Baal--magieha"-Korrektor. Er war „medakdek bemizwaus" und lernte viel und gern. So war er wegen all seiner, guten jüdischen Eigenschaften allseitig geschätztimd bliebt. All dies rühmte ihm auch an der Bahre Rabbiner Dp. Horovitz nwchs' Cafe Ka1sergarten am Opornplati ErNlklagiiisfw Famillen-Caf$ Jeden Uachmlltag von 4 W« 7 Uhr. nnd Abend von 2«/* UHr ——" WM" K-ä.ULSt> er-K.onzert. Meuvel Gibbor. Novelle von Aron David Bernstein - (Fortsetzung.) Wer die Eile war auch nötig, um zu sehen, was Hier vorging. Denn so folgsam der Gefangene den Sanoberg zur Seite des Pferdes hinanging, so fest stand tti an dem Boden gewurzelt, als er unten das Weichbild, der Stadt, das Gasthaus mit der.Traube vor der Tür, erreicht hatte. So gutwillig er seinen heißen Kopf bisher gesenkt gehalten hatte, so zornig erhob er ihn jetzt - aus das barsche „Vorwärts!" des Gensdarms und rief mit eurer Löwcnstimme voll innerer Aufregung, die fast das Pferd scheu machte: „Kommt rmtcn herum an -der Weichsel!" I Erlanger Maebf. lalserbofsir.M Waschen, Färben und Faponnlenen eilen Ant Hennen- und DamenhOtem —— Abholung nnd Lieferung frei ins Hans. --- I Da in diesem Augenblick auch bereits der Vortrab der Besatzung unseres Städtchens,. die Kinder und die neugierigsten, flinksten Weiber, den Schauplatz, des Vorganges erreicht hatten und im Chor ein Geschrei, erhoben, das jeder-parlamentarischen öffentlichen Ordnung Hohn sprach, so hatte der Gensdarm zunächst nichts zu iun, als sich hoch im Sattel aufzurichten urrd, mit einem kalten Blick über den blonden Schnurrbart die herbeigeströmte Gesellschaft anzusehen. Nachdem er dies eine Weile rechts und links getan hatte, während inzwischen auch schon der Nachtrab herbeigeströmt war, rückte er mit großer Ruhe seinen Säbelgurt zurecht, warf dann einen kalten Amtsbljck auf den Gefangenen herab und rief noch einmal und zwar mit lauterem Kommando: „Vorwärts!" Diesmal drohte nicht die Löwenstimine Mendels, sondern der Chor der Weiber und der Kinder, das Pferd scheu zu machen. •* „Er will nit durch die Gass! Reitet unten an der Weichsel!" war die hundcrtstinunigc kreischende Antwort, gemischt mit Verwünschungen, die dem Gensdarm entgegenscholl und ihn wiederum nötigte, den Kopf im Nacken rechts und links zu drehen und die Gesellschaft noch einmal zU mustern. Als aber hierauf das Amazoncngcschlccht keineswegs erschreckt die Waffen streckte, sondern in Stachelreden innerster Empörung nur noch heftiger gegen' den Gewalthaber zu Pferde die einmal gelösten Zügel schießen ließ, schien das Pferd selbst die Intervention beginnen zu wollen. Es fing an, anstatt vorwärts, ein wenig seitwärts, ja sogar rückwärts zu wandern-und schlug mit dem Schweif so böswillig um sich, daß der Kreis nach der einen Seite sich unter schreienden Protesten erweiterte.. Dasselbe Manöver nahm das bösgesinnte Pferd auch ans der andern Seite vor, wodurch es Geschrei und Empörung in noch größerem Maßstabe erzeugte, aber auch zugleich bewirkte, daß der Gendarm mit seinem Gefangenen inmitten eines Kreises von größerem Umfange verblieb. Nachdem dies geschehenfaßte der Gendarm, hinter sich, um sich zu überzeugen, daß der Packen, den er Mendel abgenommen und' dem Pferde aufgcschnallt hatte, noch da sei. Hierüber beruhigt, schob er noch einmal den Säbelgurt zurecht, stemmte die linke Faust auf die Hüfte und wandte sich zu Mendel, der wieder den Kopf hatte sinken lassen, mit den Worten: „Willst Du vorwärts?" Aber auf dieses Solo des Reiters siel nun der Chor der Frauen mit verdoppelter Kraft ein, und es erhob sich ein Geschrei des Protestes in so verschiedenen Variationen über das eine Thema: „Nein," daß selbst . das ungeübteste Ohr nicht Mehr über den Stand der , öffentlichen Meinung in unsrer guten Gemeinde im Zweifel sein konnte. Da in diesem Augenblicke der Reiter , sich noch höher aufrichtetc, das Pferd sich auf die Hinterbeine stellte und biss gewaltige Gestalt Mendels plötzlich eine Haltung annahm, die hart an den Paragraphen des Landrechts übep' tätliche Widersetzlichkeit gegen obrigkeitliche Gewalt anstreifte, so erhob sich das Geschrei bis zum Zeter und würde wahrscheinlich nur die Einleitung zu einer tragischen Szene gewesen sein, wenn sich nicht plötzlich, wie in einem guten Melodrama, der Zeterchor in einen Jubelchor verwandelt hätte, der alle Spannung in den einen Ruf aufgehen ließ : „Der Wachtmeister, der gute Wachtmeister." Und in der Tat, es kam der gute Wachtmeister. Voran der Hahn mit gestrecktem Hals, erhobenen" Flügeln und gesenktem Schwanz. Hinterher Jankele, von einem kurzen und einem langen Bein in sanfter Wellenlinie dahingetragen, und inmitten-der Wachtmeister, der gute Wachtmeister, schon von fern mit der einen Hand durch die Lust fechtend, während die andere Hand die Pflicht der fehlenden Hosenträger , an dem einzigen obrigkeitlichen Kleidungsstück verrichtete, das er heute glücklicherweise, in der Hitze des Tages nicht abgelegt hatte. . - Der Weiberchor empfing ihn mit fliegenden Armen, racheschreiend und ihm entgegenjnbelnd wie einein Siegesgott. Der Kreis öffnete sich vor ihm nnd dem Hahn und schloß sich hinter ihm, den Freund Jankele. in seiner Wellenbewegung in sich aufnehmeiü), Das Pferd senkte sich vor Respekt wieder auf die Vorderbeine. Mendel nahm wieder die duldende Stellung ein> die einem guten Untertan ziemt. Nur der Gendarm behielt seine Haltung bei, und — die Gemeinde vergaß. dies in Jahren und Jahren nicht — sah auch den guten Wachtmeister mit seinen blauen kalten Augen, über seinem blonden Schnurrbart an. Straussfe dern Wus»«». fl-tra. £-nin,*owie Katpftwon Plnwuea. 8-Umt Bladn, Fuula tl Plügsl. Brfnlgan, Atrarcei-M, llete-slitnaa o. H.m.(artigen »in Ueh't-Tetai- Bou flto. <4 Ö-». Gm rbäft 'um Plit- . (}t-grün<let lt-BS. Gareufeld-Rabn, Lomerdvi-eS4, II. Tefephon Rdn0r, 3 75. Aber der gute Wachtmeister war /licht der Marin, sich nur auf einen Augenblick, durch ^dergleichen imponieren zu lassen. Er wußte so sicher, was er zu tun hatte, daß er nicht einmal eine Erklärung über die Vorgänge forderte, welche in solchem Grade die Milch der frommen Denkungsart dieser guten Gemeinde in düs gährende Drachengift einer plötzlich erwachten öffentlichen Meinung umzuwandeln vermochte. Er kani, er sah. lind wußte mit einem Blicke alles, was vorgegangen; und im selben Augenblicke dekredierte er auch schon mit einer Sicherheit Friedensbestimmungen gleich einem Feldherrn auf sieggekröntem Schlachtfelds 7 „Schon gut? Gendarm", rief er,- „schon gut Gendarm! Es ist der fünfte, den ihr einbringt, — schon gut! Aber hier ist er mein Gefangener, und nun köni^t ihr , aus der Khille reiten!" - Mit diesen Worten, im höheren Pathos gesprochen, in denr es ihm zuweilen vorkam, daß er statt der gewöhnlichen deutschen Sprache der Behörde sich zur gehobenen Redeweise der jüdischen Gemeinde vcrstieg, reichte er seinem jetzigen Gefangenen die Hand wie zum Bewillkommnungsgruß „Friede sei mit Euch" und würdigte den Gendarm nur deshalb eines zornigen Blicks, weil nunmehr auch der Hahn seine Siegerlanne kund tat und mit einem zornigen Ruck dem Pferde zwischen die Hinterbeine fuhr, worauf dieses die Entgegenung durch einen Hieb mit dem Schwänze keineswegs schuldig blieb. Diese Frechheit des Pferdes verfehlte nicht, die Empörung der Zuschauerinnen aufs neue zu erwecken. Die lebhafte Stimme der schwarzen Nucho im Mezzosopran des Zornes machte sich besonders im Chorgeschrei durch die Behauptung bemerkbar: „Sein Pferd ist auch so Risches wie er!" _ Da jedoch der Gendarm keineswegs, wie man mit Ungeduld erwartete, Anstalt traf, aus der Khille zu reiten, sondern im Gegenteil die linke Faust auf den Schenkel aufsetzte und den Kopf dem Wachtmeister zuwandte, als wolle er Einsprache erheben, so verbreitete sich plötzlich eine erwartungsvolle Stille in dem lebhaften Zuschauerkreis: denn war es auch unzweifelhaft, daß jedes Wort, das der Rosche spricht, entsetzlich sein muß, so wissen wir dennoch, daß die menschliche und namentlich die zarte -weibliche Seele einen gewissen Reiz für entsetzliche Dinge empfindet — und sich selten den Genuß versagen mag, Aeßerungen zu hören, über welche sie dann Zeter schreit, daß man dergleichen habe anhören müssen. ° .. Was der Damcnchor zu hören bekam, war,, objektiv betrachtet, so überraschend nicht, aber es hatte, seinen -guten Grund, daß es Schauder erregen mußte. , (Fortsetzung folgt.) Sie erweisen unseren tapferen Soldaten einen wenn Sie Ihren Sendungen ins Feld 1 bis 2 Schachteln KVy»* ächte Sodener Mineral-Pastillen beifügen. Bunte Chronik. Jüdische Ritter -es Eiserne» Kreuzes I. Klasse. In dem gegenwärtigen Kriege haben bisher die folgenden 24 Juden Eiserne Kreuze 1. Klasse erhalten:. , 1. Andre Rueff-Mühlhausen i./E. 2. Leutnant Gottfried Sender-Berlin. 8. Brieger-Hohensalza. ' 4. Fritz Meyer-Stettin. ü. Kurt' HirphfeÜnBerlüi. ' ' 6. August Michelbacher-Crefeld. 7. Ludw. Levhen-München. 8. Ludwig Levy-Segeberg. 9. I Basch-Berlin. 10. Wilh. Frankl-Frankfurt a. Ai. 11. Abg. Dr. Ludwig Haas-Karlsruhe. < 12. Josef Julius Gerstl-Wien. 13. BerthoD Lewin-Berlin. V < 14. Dr. med. Max Samnel-Cöln. 15. Georg HerzogÄerlin. ' . 16. Joseph Kühnberg-Breslau. . 17. .Fritz CharigHirschberg. 18. Dr. med. Arthur Bornstein-Hainburg. . . c Nr. 4 19. 20. '21: .22. 23. 24. Luzz Drechsln Rab Kach eir beit, ab« 1865, Luzo lchrter. ( Diwan i »ich als Wie 'Hofes 3 chreibt: ur Nati eicht ent Zmpuls putschen mifasseni eicht, v k sec Gefc Lietteicht Sissensch iwße T uh in 1 atze zu Iniversui ion.übe! eschen i 5 k Jes jubentut in N: 2 wie der ils Syn Es s uähli/h illte feil Vor lksonderi mcm Ki f." nach (idenden mrde. ( Mg NU lnfruf h et wer Ein iccchod Kaden n Mar jio nisten -ilmmen llpkedie, saeiitSu i letailvi esaäsän. Le fankfdi a. M. J itzt (ilgynus Eigeni