Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 45 (19.11.1915)
- Date
- 1915-11-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Frankfurter Israelitisches FamilienAE. Nr. 45. ir StratLSSfe «lern. 1raufesa. Tl-ieu. Zitaten, «owte'Xnapf»i toi linma StUut Stalls, fuult .n. H#fsl. Seidgn, JüraiMdtes, noia-abtaiea'ii. &wu{eitice8 tfältahi Ttism- -£oU:ete, un'-Btft. Gt*grünaet l 85. GareBfeld-BahB, Römerberg 34,U. Telephon BUlir, 3 75. keinWensdarm sich blicken ließ — mit de« Bauern Handel und Wandel.zu treiben. Die Frauen und Kinder, die eigentliche Besatzung des Städtcherrs an - den Wochentagen, walteten oder ruhten.im Schatten ihrer kleinen * Wohnungen, wo beim Mangelaller Mündlichkeitzu dieserheißenSinndö'mindestens offene-Türen üÄöffene Fenster den Geist unbedingter Oeffentlichkeit hinreichend bekundeten. ' Selbst die Hühneräufdem Marktplatz, der gesegneteil Stätte Hier erfolgreichen Nachgrabungen von -einem.Markttage zum anderen, ruhten stillem Sonnenbrand, ein jegliches im aufgewühlten Sandbettc des ungepslasterten Erdbodens. . Sogar der Hahn des guten Wachtmeisters, sonst ein Bild unbestechlicher obrigkeitlicher Wachsamkeit in der ganzen Gemeinde, drückte heute, schlummermüoe vor dem Hanse des Herrn Bürgermeisters liegend, ein Auge zu nnd begnügte sich, mtt dem anderen Auge zuweilen den Adler anzuschauen, der höheren obrigkeitlichen Charakters wegen über der offenen amtlichen. Eingangstüre schwebte. ■’... Ein Blick aber .in eben diese offene Eingaugstürc konnte jeden, der es bezweifelte, überzeugen, daß. die wahre Obrigkeit, wenn sie auch zur Zeit gerade nicht über die Gemeinde wachte, doch nicht gar so fern sei, daß man für das Gemeinwohl hätte fürchten. müssen. ' Rechts im Schatten des Eingangs nämlich ruhte sie in der würdigen Gestalt des guten Wachtmeisters und nichtetwa ungesellig und allein, sondern in Gesellschaft seines besten Freundes-Jankele KlHmcr (Musikarrt), Der links inr Raume des Einganges sein Lager aufgeschlllgen hatte. rv?\; Wem? es wahr ist — woran wir gewiß nicht zweifeln —, daß das Gedeihen der Obrigkeit nur ein Abglmrz des Gedeihens aller Regierten ist, so brauchen wir uns um die Wohlfahrt der Gemeinde küner Sorge hinzugeben. Das Antlitz des guten Wachtmeisters blüht; von.dem hervorragendsten Telle dieses Antlitzes dürfen wir sogar sägen, daß das Blühen einem Glühen' gleichkommt. In Heuidsärmeln, ohne den Zwang zivilisierter Hosenträger, mtt gelüftetem Hosengurt und offenem Hemdskragen sitzt die gute Obrigkeit schlummernd mtt .dem Rücken gegen die Wand gelehnt. Gegenwärtig hat sich das blühendste Gebilde chres Antlitzes auf die naölle Brüst niedergesenkt und bestrahlt diese mll einem Rosenrot, dessen Wärme der Kunstwerke eines Paul Veronese-spottet. Erwägen wir, daß bereits der dritte Tag in -dieser Woche dahingeht, seitdem unsere gute Obrigkeit ihr 'Sabbatschiräpschen als Tribut wahrer Religions-! freihell und echter Gleichberechtigung aller Bekenntnisse in Judenhäusern genossen hat, so deutet die Voll-, blüte dieser Obrigkeit sicherlich auf die Blüte der Gemeinde selber uttb' legt Zeugnis davon ab, daß sogar die ,^)'rei-Wochen" nicht imstande sind, die glückliche Har-? monie zu stören, die immer in guten Regierten und guten Regierern waltet. -■ -“ . Säet weitem weniger harmonisch ist die Lage seines Gegenübers. — Jankele Klesnchr, , links im Hausflur Uchend, verrät schon auf den ersten Blick dem kundigen Beobachter, daß. er keineswegs dauernd ein Insasse diesD 'obrigkeitlichen Raumes ist. Und in der Tat: er sst nur ein Gast unter dem Schatten dieses Daches, wie er 'überhaupt sein ganz Leben lang nur auf Gast aus Mden ist. Seinem Berufe nach von Gemeinde zu Gemeinde wandernd, um auf Hochzeiten aufznspielen, ist er selbst in unserer guten Gemeinde, seinem Ge- ' burtsort, nur als Gast in den drei Trauerwochen ein- . gekehrt, da dann keine Hochzellen begangen werden, und so sein Sallenspiel, seine Fiedel, gleich ber Harfe an den Weü>en Babylons verstummt und verstimmt in der Stube seines besten Freundes, des guten Wachtmeisters, aufgchängt ist. Jankele Klesmer schlummert ebenfalls an die Wand, gelehnt. Wer sein Kopf häntzt bald über der rechten, bald überder linken Schulter; seine Arme liegen eingeknickt aw.sxinem mageren Leibe, als hätte er selbst im Schlafe in:-den dry. Wochen Bogen und Fittiel in Händenj; mS> von seinen, zwei Keinen — er hat zwei und zwar von verschitt»ener Läi^c — ist das kleine gestreckt und das große eingeknickt, ein wahres Bild der Disharmome gegenüber dem sicheren harmonischen Schlummer seines' Freundes, des guten Wachtmeisters. Die Sonne des Hochsommers geht eben in majestätischer, achtungsvoller Stille um den Giebel-des obrigkeitlichen Hauses herum, als wolle sic recht geflissentlich'dprtun, wie sie nicht schuld sei, wenn die Schläfer bald aufgestört werden sollten. Aber der Hahn desWachtmeisters läßt sich von dieser, .Ruhe nicht täuschen. Er erhebt den Köpft wirft ihn rechts, forscht und lugt nach dem Sandberg vor dem Städtchen, wirst'.ihn links, um mll den Sinneswerkzeugen dieser^zweiten Seite sich zu. überzeugen, daß keine Täuschung obwalte. . Als er dann merkt, däß ein Feind wirklich im Anzuge sei, erhebt er sich auf seine Beine, lüstet die Flügel, schüttelt den Kamm und gluckt in aufgebrachtem Tone. Da jedoch sein Protest unbeachtet bleibt, macht er sich auf und eilt in den obrigkelllichen Hausflur, stellt sich zwischen die schmächttge Gestalt Jankeles und die mächtige Gestalt seines Schutzherrn und stößt mit gestrecktem Halse, geschlossenen Augen und eingezögenem Schwanz! ein so nachtönendes, herausforderndes Kikriki aus, daß der gute Wachtmeister den müden Kopf erhebt und der flinkere Jankele mit einem Satz. auf seinem langen Beine steht. Und Zell war es, daß die Obrigkeit wache! Denn in den Häusern, die dem Sandberg näher lagen, vernahm man schon deutlich das Trappen eines Pferdes, mtd alle Köpfe, die in Türen und Fenstern ^erschienen, sahen'zu ihrem Entsetzen, wie wirklich die Drei-Wochen Unglückswochen für Israel sind. Erkannten doch alle auf den ersten Blick trotz des blendenden Sonnenlichtes/daß der Reiter auf dem Pferde kein anderer <lls der Gcnsdarm und der gewaltige, breitschultrige Mensch, den er als Gefangenen vor sich her führte, kein anderer als Mendel Gibbor sei. Hatte der obrigkeitliche Hahnenruf zwei Schlummernde ermuntert, so hätte wohl der Schrei des Entsetzens, der bald durch die Gassen lief, einen Toten erwecken können. „Der Schandar bringt Mendel Gibbor!" Dieser Ruf ging wie ein Sturnr. durch alle Häuser. Die Frauen unb Kinder 'eilten, .zum Teil sogar in den verfänglichsten Sommerkleidungen, aufdie Straße. Und in solcher Hast strömten sie herbei, daß der Pantoffel der schwarzen Nucho well vorauf dem Ziele zuflog, bevor der eilige Fuß der so lebhaften Besitzerin ihm Nachfolgen konnte. _ - ' .. (Fortsetzung folgt.) Milindi MV.WM SohlllBi'mtn,18. lAepYmji I, 8630. Seifen, Uchte, Kammand Bfirstenwaren, Lesen etc. Gosnretische' Spezialitäten. I |OhF8flJoIdwaPEn,TFaui4flgB^tt?^.^ MT* Trauring-Eck -MW Frankfurt a. M , Trlerisobe Guss 81 Beke Tö>geigaase,vls-i-Tls d. Hasengasse. Fr. PletzscbIunÄSSter. Eck I ftnitfl rmd Ltteramr. . Unser Garten. Nr. 14/17. Stuttgart, Frauckh'sche Verlagshandlung. -Bei einigermaßen geschickter Einteilung und Bearbeitung selbst des kleinsten Hausgärtchens kommt immer etwas heraus, das auch ohne , die jetzige Teuerung im Haushalt nützlich wird. Was aber herausgezogen werden kann, geigt ein Aufsatz der Nummer >15 der bekannten illustrierten Halbmonats-Zeitschrift „Unser Garten'!. Hier ist eine^Aüfftellimg der: Ernten an Rhabarber, Salat, Mangold, Spinat, Tomaten, .Frühkartoffeln, Kohl<-lksw. «veröffentlicht, die von 150 gm Gemüseland entstammen. Es ist geradezu erstamienswert, was dort gemacht worden ist und regt zur Nacheiferung, an. Kaiser Friedrich Quelle —— Ottenbach a. JL —— Segen Sieht and Bheamatlmnag bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stahl, Frukf.s.X- Gflntherab.-Allee 37. Tel Han8a259D.714. Woche»-Sale«der. lZeitangäven nach dem kwaoh.) Samstag,-dm 20. November. 18 Kielew.) Sabbat-Anfang in Frmüfurt a. M. 4 Uhr 05 Min. Sabbat-AuLgang in Fromfurt a. M. 5"llhr 20 Min. - in Berlin 4 Ubr 54 Mn. Wochenabschnitt:Wajischlach. Jakobs Zusammentreffen MU Esäu. RähelsTod. Esaus Äd. Esans Staminfürsten.' ' 1 ' Das Verbot des Genusses der Spännäder den Nachkommen Jakobs «ckler Zeiten dürfte sicherlich nicht in dem' geschichtlichen Vorgang des nächtliche» Kampfes Jakobs mlleinem göttlichen Wesen seine Begründung haben. Zwei für das Abrahamhaus bindende göttliche Verordnungen nennt -das. 1: Buch Möses: Die Beschneidüng und..das Verbot des Genusses her Spännäder. Keide Verordnungen scheinen Uns. in .Beziehungen zu einander zu stehen.. Das Symbol der Beschneidung dürfte wohl ' dirzügellösc 'Entwicklung ' dös. Tvicblc.bens hemmen und dieses einer Gott, genehmen Veredelung unterstellen wollen. Das Verbot - der 'Spannader dagegen erinnert an die Hemmung des ungehinderten Vorwärtsschreitens Jakobs und untiLstellt so nach.dem Fühlen auch das Wollev einer höheren Macht. Jakob stand, bevor' er mit seinem Bruder, Esau zusammentraf, an einem Wendepüntte seines Lebensweges. Als mächtiger Fürst tritt ihm Esau entgegen, — doch er sschlägt ein Zusammengehen - mit ihm ab; geht seiner Wege und blaut -7? einem Altar für Gott- Schon S e m , der Urvater-der seinittscheii Rasse,-hatte seinen besonderen Wesenszug in einem, höheren - Streben. Sem -7-- Name. Er-suchte nach dem Namen, .d - h. nach der'Bedeutung der Dinge, — und so herrschte auch unter seinen Nachkommen, den semitischen Völkern, eine höhere Gottesausfassung (Henotheismus). So zieht z. B, dem Abraham nach seiner Besiegung des Kcdyrloauniers und dessen-Verbündeten Malki Zedek, „der Priester des höchste» Gottes, der Erde unh Himmel geschasfcn", entgegen. Deni Semite» Abraham nun Erschien Gott in seiner 'reinsten Auffassung für unÄ Menschen, „als 'Alleiniger, Ewiger und als allgerecht er» Herrscher und allliebcnder Vater". Deshalb lautet auch die Bestimmung des Abrahamsvolkes „zutn Segen 'zu werden". Der Weg zu dieser Bestimmung verlangt Unterbindung ' eines - schrankenlosen, egoistischen Fühlens und Woltens, wie es die Beschneidüngs- und Spännader-Berordnuilgen versinnbildlichen dürften. ° Wochengottesdienst in Frankfurt a. M. Morgens: 6s/i Uhr in den meisten Synagogen (7 llhr Bockeuheim und Unterlindan, 7Ve Uhr Hauptshnagoge und Königsteiuersllaße). Abends: 4 Uhr in den meisten Synagogen. (Häuptsynagoge 4 Uhr, Königsteknerstrt 7 Uhv,) : , H. Wiere, Optiker, LieVrauenstr. 1. Brillen, Plncenez, Operngläser, Feldstecher) in jeder opt.>mechan. Spielwaren I Preislage Esenbatnian, .Dampfmasehinen, Laterna-Hagica, Kinematoarap&sn etc. Speuve«. 2. Ausweis für die Dr. Jakob Möller-Spende für die Tachkemoni-Schule. Carl Bing uiidArau,- Hamburg 6.— Mk.; Alfred Cohn, Hamburg 20.— Mk.; Dr. A- Chwolles, Bahrenfeld 3. — Ml,; W. David, Berlin 20.— - Mk?; S. Dürlachcr, Hamburg 3.— Mk.; Mbert Ellern, Nürnberg 8,— Mk.: Hermann Elkeles, Hamburg 5.— Mk.; L. Esterman», Hamburg 5.— Mk.; Max. Flörsheim, Hamburg 20.— Mk.; Julius Flörsheim, Hamburg 20.— Mk.; Salomon Flörsheim, Hamburg Ist— Mk.; Dr. Fink, Hamburg 10.— Mk.; Sal. Goldschmidt Wive., Hamburg 3.— Mk.; A. Goldschmidt, Hamburg 3.— Mk.; Abr. Gärcia, Ältona 5.— Mk.; Julius Holländer und Frau, Altona 100.— Mk,; Familie Abraham Holländers Altona 25.— Mk-; Dr. med. Henri Hirsch, -Hamburg 50.— Mk.; stud. -Phil. Betty Heimann, Hamburg 10.— Mk.; I. Hagcnow, Hamburg 5.— Mk.; Max Halberstadt, Hamburg 10.— Mk.; Ed. Joel, Hamburg 5.^- Mk.; Louis Koppel, Altvna >20.-- Mk; Siegsried Koppel, Altona '20.— Mk.; Alfred Lisser, Hamburg 20.— Mk.; Js. Levy, Altona 50.— Mk,; Siegfried Levy, Hamburg 30.— Mk.; Dr. S. Levy, Hamburg 5.— Mk.; Dr. A. Löwenthal, Hamburg 5,— Mk.; Familie Jacob Lübkc, Hamburgs.— Mk.; I. Lichterstädter,'Hamburg Z.— Mk.; Hugo Mainz, Hamburg IM.— Mk.; Zahnarzt Möller. Hamburg 25.— Mk.; Frau Rosa Masse, Altona 20.— Mk.; N. N., Hamburg 3.— Mk,; N. N, Altona 20.—. Mk.; W. 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Frauen vereinig n n g, 4' Uhr: Kursaal Mrlani: Handarbeitsnachmittag, ( - : Mittwoch. Jüd. Frauenveereinigung, 8V4 Uhr: Gedankentvelt der Gebete (Schachnowitz). 7 , 7 ,, Krankstzrter AinnMeimBchrtchle» G,e b ör ee n? E.'Söhn Max Wimpsheimer' (Darinstädter), Mauerweg 20. . ,? E.'Tochter Hugo Mosees (Posen), Sandweg 3. , Barmizwös. Manfred Dcchenstein, Langestr. 25, Synagoge Friedberger Anlage. — Äbr. Nogäz,- M» Schützenbrunnen 9, Synagoge Börneplatz. — Joseph Kli bmisky, Trutz 47, Synagoge Unterlindau. . ' < : 70. Gebnrtstag. Fränlein Olga Stranh, Uhla„dstratze 52 ,(23. November.). .' - . 7 - Gestorben. Dr. Perez^Hirsch, 36 Je, Friedberger 7 Landstraße i23.^ — Karl'Siegle, 36 I-., Angestellter vo»