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Neue jüdische Presse · 1915-10-19 · Heft 42 (19.10.1915) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 42 (19.10.1915)
Date
1915-10-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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?,..■£ Erscheint wöchentlich am Freitag.? -rn»g»prri» Pr» Vierteljahr: In.Frankfurt a.M. Mt 1 — fr«: inS Häü8. Bei? der.Post abonniert SO Pfg.) frei.?in8 tauS. 4 Psg. pry Monat mehr. — Bei Zusendung durch treifband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn Mt 1.50, füt Rußland 1. Rubel, für alle übrigen Länder Mt 2.— ' .i Emzel.-Aummernkosten 10 Pf-: . Redaktion und Erpedition: Frankfurt^ IHi rr Cangeftr. 7. Fernsprecher Amt Hansa 2903. j -usrrti-nsprei» für die fünfgespaltene Petitzeile 25 Pfg:, für die Reklamezeile Mt 1.—. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Etellrn-Lngebote und -Besuche, WohnungSinserate. HeiratS. Annoncen 15 Psg. die sechsgespaltene Petitzeile ohne jeden Rabatt Platz-und Datum-Vorschrift ohne Verbindlichkeit. Annoncea-Annahme beider Exped. und incuAnnoncen-Bureaut. Konto bei dem Postscheckamt inFrankfurt a. M. unter Nr, 4864. 13 Aahr-Mg. Freitag, den 21. 6Il086li>vaii 5676 (2S. Oktober 1915) Rr 42 Wir «ud die Alliance.? Wir und die Alliance! — Das heißt: wir deiitsche Juden und tmser Verhältnis-zur Alliance Jsraelite Universelle."? ■ ' - ~ Denn dieses Verhältnis bedarf jetzt der ernstesten Prüfung. Die leitenden Persönlichkeiten unter den deutschen Mitgliedern der Alliance freilich sind der Ansicht, . daß erst einwandfrei fcstgestellt werden müsse, ob die Versendung des gehässigen,.unwahren Aufrufes des Zentralkonsistoriums der französischen Israeliten gegen die Zcntralmächte auch wirklich seitens der Alliance Jsraelite Universelle erfolgt sei und halten-eine Verwechslung mit eiüer Aufrufe versendenden Organisation Alliance, Lranxaise für wahrscheinlich. . Unseres Erachtens liegt keine Veranlassung vor, die Wahrheit der Nachricht zu bcztveifeln. Aber man-kann ruhig die Frage offen lassen, denn sie ist von nebensächlicher Bedeutung. Es. kommt hier garnicht darauf an, oh sich die leitende Körperschaft der Alliance, deren Sitz Paris ist, eines schweren Mißbrauchs ihrer Vertrauensstellung als Leiterin" einer internationalen jüdischen Organisation, schuldig gemacht hat oder nicht. Auch ohne dieswäxe-es' längst-- an der Zeit getvesen,' gewisscnhast^zn untersuchen, ob wir als Deutsche und als Juden mit 'den Dingen m der Alliance einverstanden sein können, Hb die Leitung der Alliance sich nicht zu sehr als cine- .'Trägerin- -französischer Kultur und zu wenig als Trägerin der7'Jnteressen. der großen jüdischen Gesamtheit begreif! ' Für die-Beantwortung dieser Frage gibt es keine Zweifel. Wolangr-Adolphe Cremieux, der -Gründer >ec Alliance, an ihrer Spitze stand,-.Lrar sie eine Organisation für'die Solidarität der Gesamtjudenheit; nach einem-Tode nahm sie, Anfang der 80er Jahre das üogramm her Schulgründungen auf, und damit trat ihr bisheriger Zweck immer mehr in den Hintergrund. Ae gründete ein Lehrerseminar (Ecole normale); dieses Leininar war in dem unjüdischen Paris nie eine Pflegelötte jüdischer Gesinnung, und so stellte es sich ganz »on selbst ein, daß die Lehrer der Alliance vom^französischen Geiste stärk beeinflußt wurden. So sind auchdie Klagen verständlich, die von diesen Lehrern erzogenen Schüler der Orientschulen'der Alliance seien in ethischer Hinsicht ihrer überwiegenden Mehrheit nach Zerrissene, jalbe Menschen; wurden sie doch nicht nur dem Elend, vndern,.^auch der religiös-sittlichen Tradition .ihres Vaterhäüses 'entzogen,' 'ohiie -daß chic Halbbildung der Echule .ihyen Ersatz, dafür bieten konnte! Der Schüler er Allianceschule , sieht in dem französischen Volke das tulturvolk der '.Welt, und seine Sehnsucht strebt nach; der Lichtstadt an der Seine. ' . Ihre, große Tradition, . dort, wo die Juden , leiden, im . Namen der Mischen Gesamtheit hilfreich herbeiueilen, hat -die - Alliance, seitdem sie eine Schulorganiation geworden ist, so gut wie aufgegeben. Sie ge--, währte seitdem nur noch ihres Namens halber und in Erinnerung ihrer ehemaligen Ziele Beiträge für unterdrückte-Juden. -- Aber auch mit jedem Rest von Tradition hat die Leimg in Paris in dem Augenblick gebrochen, als das politiche Interesse Frankreichs .es, nur zu verlangen -schien. Die russischen?Hoü>en haben in- Polen und Galizien zehntausenden Juden. das Hab undGutgeräubtund viele Hunderts', wehrlose? Greise) Frauen und Kinder gemartert, verstümmelt uiw hingemordet,,nicht, weil der Krieg es erfüchette, sondeM nur, well sie, Juden sind, und die Alliance, die die Einheit der Mischen-Gesamtheit »ernMen -soll) hat geschwiegen, geschwiegen, well die »ssischen Bestien? ^Verbündete der' großen - französischen kulturnqtion such, und ein Eintreten für 7 die unschuldigen 2pfer)Ker?Regier'ung??du:ser Mllturnatchn? vielleicht, mch't Mz geu^M.?sein könnte. Sie hat sogar geschwiegen, als die große französische Kulturnation die jüdischen Untertanen des russischen Verbündeten, die seit Jahren infolge der politischen- Entrechtung seitens des Heimatlandes in Paris, dem Kultursonnenball des großen Kulturvolkes, eilt Weilen für ihren flüchtenden Fuß gefunden hatten, feindselig der Stadt verwies, unter eine . feindselige Bauernbevölkerung verteilte und die Wehrpflichtigen in die Fremdenlegion, in die zweite Klasse des'Soldatenstandes, preßte. Die -Führer der Alliance haben geschwiegen; sie hätten aber nicht schweigen können, wenn noch ein Funken wahres jüdisches Brudergefühl in ihnen gelebt?,hätte. Aufschreien, aufschreicn hätten sie müssen, nicht hätten sie ruhen dürfen, bis die nackten Menschenrechte ihrer jüdischen Brüder sichergestellt waren. Wir wundern uns nicht! — Eine jüdische Körperschaft in dem Pariser Milieu, eine jüdische Körperschaft, die einen Hasser und Verächter der jüdischen Religion . wie Salomon Reinach in ihrer Mitte duldet und sogar bestimmenden Einfluß gewährt, muß alle jüdischen Erwartungen enttäuschen. Doch die leitenden deutschen Herren der Alliance »mindern, sich"; haben sie sich doch stets in einer nebelhaften Vorstellung über das tatsächliche Wesen der Alliance-Arbeit sicher gefühlt und die Versicherungen der geduldigen Drnckschwärze der Jahresberichte vertrauensvoll hingenommen. Der" Krieg hat uns Deutsche furchtlos klares, bewußtes Einsetzen unserer Persönlichkeiten. gelehrt. Getvinnen die leitenden deutscher Herren der Alliance die Tapferkeit der Selbstprüfung über sich, arbeiten sie sich zur Klarheit eines zukunftssicheren jüdischen Standpunktes hinauf, — dann werden'sie auch die Kraft zu einem furchtlos klaren, bewußten Einsetzen ihrer Persönlichkeit in diesem für die einst so viel verheißende Organisation kritischen Augenblicke erhalten. Der Weg ist^ vorgczeichnet. . Die deutschen Mitglieder haben die Majorität, und sie müssen es erzwingen, daß die Leitung der Alliance von Paris nach Berlin gelegt wird. In Deutschland herrscht noch jüdisches Leben; in Deutschland haben selbst die liberalen jüdischen Kreise den Willen zum Judentum, — und in Deutschland wird die Alliance wieder eine Organisation.werden, in der die jüdischen Interessen die grundlegenden sind! Bereits vor fünf Jahren) schrieben wir: „Nicht §aus'Frankreich?holk die Alliance ihre Mitglieder, sondern aus Deuischländ,st»o noch jüdisches Leben anzutreffen ist. Ürw'nuir erkläre uns, wer es kann, weshalb die LeitPig der Alliance gerade in Paris sein muß und nicht in Berlin." Hätte man uns damals gefolgt, man hätte) wie sich jetzt erweist, nicht nur im Interesse des Judentums, sondern, auch unseres deutschen Vaterlandes gehandelt. Aber noch jetzt gilt es für uns - als Juden und als Deutsche, die Situation in der Alliance zu retten, indem wir ihre Leitung nach Deutschland bringen. Brief Ms Amerika. Die Konferenz der jndi.sKen - Arbeiter-Organisationen gestaltete sich zu einer außerordentlich wirkungsvollen Kundgebung.- Ihre Beschlüsse werden von der gesamten Presse als ein neue^Abschnitt in der Geschichte, der Mischen Arbeit . terbewegung Amerikas gewürdigt) Die^. Tragweite des Ereignisses ist daraus zu ersehen, daß der Kongreß gegen 400,000 organisierte jüdische Arbeiter vertrat, also etwa die Habste der jüdischen Bevölkerung Amerikas,>hie auf-.3 Millionen geschätzt wird.. Die' Konferenz beschloß:•;? ... ^Mn?gMeimlMles^8orgehen-berfüdisiAü; organisierten : Arbeiterschaft mit - andemn Gruppen und SMchten des jüdischen Volles: ist auf/dem Boden einer Platt-sorm möglich, die ein Maximum der jüdischen gesellschqstlichen Kräfte zu vereinigen vermag. .Ein derartiger Kongreß soll aus demokratisch gewählten Vertretern jüdischer Lokal- Organisationen zusammengesetzt werden. Die Plattform dieses Kongresses muß lauten: Bürlliche, pwlitischa Ujird national» Selbstbestimmung für alle Juden in allen Ländern, inr denen - in ihren Rechten beschränkt sind. Die genauere Umschreibung, der Forderung nationaler Rechte und nationaler Selbstbestimmung wird den Juden der betreffenden Länder überlassen: Rußlands, Galiziens,' Rumäniens, Palästinas nsw. . Falls die Konferenz der» Nationalen Körperschaften unsere Tagesordnung nicht akzeptiert, wird sich das Nationale Arbeiter-Komitee an dem Kongreß nicht beteiligen und von der Konferenz zurückziehen. Die einzelnen Organisationen,' ans denen sich das Komitee zusammensetzt, haben dann die Freiheit, nach ihrer Einsicht und nach ihren Grundsätzen zn handeln." Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, und die amerikanische Oeffentlichkeit aufzurütteln, wollen die jüd. Arbeiter-Organisationen das Mittel des politischen Massenstreiks anwenden. Zum Zeichen des Protestes gegen die an den „Juden verübten Grausamketten und als Kundgebung für die Rechte des jüdischen Volkes" soll am Tage der Eröffnung derFriedensVerhandlungen^ im ganzen Lande, wenn möglich auch in anderen,' Staaten, ein allgemeiner Ansstand der jüdischen Arbeiterschaft proklamiert werden. Auch die amerikanischen nichjüdischen Arbeiter sollen um die Organisation eines Sympathiestreiks gebeten werden. Die Veranstaltung des Generalstreiks wurde dem Rat. Arbeiterkomitee im Einvernehmen mit den Gewerkschaften überttagen. — Die nationale Executive der sozialistischen Partei Amerikas (SP) hat in ihrer Sitzung Ende Septeulber zu der Bewegung für jüdische Rechte Stellung genonnnen, indem sie sich verpflichtet, ,>die jüdischen Arbeiter in ihrer gerechten Sache voll und ganz zn unterstützen." Der sozialistische Abgeordnete der Stadt New Jork M e i.r London wurde aufgefordert, in der Dezember- Session des Kongresses eine Reihe von"Resolutionen für die jüdische bürgerliche und Nation a l e G l e i ch b er e ch t i gu n g einzubringen. Die Vertreter der sozialistischen Parteien der Vereinigten- Staaten im Internationalen Sozialistischen Bureau und ihre Delegierten zu dem künftigen Inter-?? nationalen Kongreß werden die Beschlüsse der Ar- < beiter-Eonvention diesen Körperschaften befürwortet vorlegen, „damit die sozialistischen Parteien 'aller Länder gemeinschaftlich eine internationale Aktion unternehmen, um dem jüdischen Volke in seinem Kampfe um volle und gleiche Rechte mit den anderen Völkern in den Ländern, wo die Inden siedeln und dieser Rechte beraubt sind, zu Helsen." Die Bewegung für einen jüdischen Kongreß in Amerika hat bereits nach Canada üb er gegriffen. Die Leitung der zionistischen Förderation Canadas hat in einer Ende September stattgesundenen Beratung beschlossen, für den 7. November eine allgemeine Konferenz aller jüdischen Organisattonen des Landes nach Möntteal einzuberufen, um über das Zusammengehen mit der Judeenheit der benachbarten 'großen Republik zu beraten. Der Führer der Kongceßbewegung in Amerika, der bekannte Zionist L ouis Br an deis, wird an der Konferenz teilnehmen. - Zur polnisch-jüdische« Frage. Kriegsberichterstatter -Wilheln» Düwek - schreibt in der Wiener „Arbeiter-Zeitung": .„Die P ölen schwärmen von einem neuen, tuallständig selbtzstäudigeu poluisL»w

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