Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 41 (22.10.1915)
- Date
- 1915-10-22
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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J _ Seite 2. Fr«nkfi«ter Israelitisches FamiNenAatt. Nr. 41 geffen wir nicht, daß auf Len - ersten Blick hin, ja auch Lei' tieferer Betrachturm doch sehr stärke Unter-' schiMichleiten, ja' selbst? scharfe Gegensätzlichkeiten Deutschtum und Judentünr kennen,, was bei der Lurch Rasie, historische Entwicklung, innere Wesensanlage und vieles andere bedingten Verschieden- , heit beider Völker nur natürlich ist. Will man aber über alle diese Differertzeir hinweg eine Wesens- Parallelität beider Kulturen aufweisen, so muß dies Lurch Beweise geschehen, die an Wucht und Ge- ‘ rechtMeit diejenigen, die Hermann Cohen vorbringt, doch sehr, sehr übertreffen; durch Beweise/ die nicht die zartesten Auszweigungen des Kulturschaffens betreffen, über die sich in llaren, präzisen Worten überhaupt'nur schwer reden läßt, und die zu unnpderlWlicher? Argumenten aber gar nicht zu verwenden sind, sondern aus dem innersten Wesen ^beider Hultursysteme, aus den tiefften Fundamen- / ten dü: Weltanschauung und Äebenskönzeption beidär Völker geschöpft sind. Solche Beweise ist uns Hermann Cohen schuldig geblieben, und der Grund , dieser Schwäche seiner Schrift ruht eben in der eWartgs/ besprochenen falschen Grundauffassung btS Juderchams als nur Weltanschauung und RÄigioü; -. dadurch ward es Cohen ' unmöglich/. seine Argumente aus - der blut- > warmen/ koNkrÄn WiEichkett, aus her - .Wesens-.. anlage beider Völker, aus ihrer Denk- und Schaffensweise, aus .ihrer historischen Entwicklung, aus.' den großen Tendenzen ihres.kulturgeschichtlichen Wirkens zu holen, und er blieb so ganz in - .jener lufü>ünnen Sphäre metaphysischer Spekulation und zartester Gefühlsverästelung, in der dann schließlich statt solider, wuchtiger Beweise nur feine und blutarme Spekulationen, statt überzeugender •, Tatsachendarstellung nur gekünstelte Konstruktionen möglich sind. Daß über alle Differenzen hinweg eine tiefe WesenZverwandtschast Deutschtum und Juden- "tum verbindet, daran glauben wir fest und innig. Hermann Cohens Schrift jedoch hat uns diese Ueberzeugung. kaum kräfllgen, geschweige denn als berechtigt beweisen können. : Doch diese Darstellung. der allgemeinen, ideel-; ,ly^HHodü«n. - Wesenszusammenhänge zwischen' Deutschium und Judentum bildet nur den.einen, lleineren Teil der Schrift. Daneben tritt der zweite, der von., den Höhen metaphysischer Wolkengebilde zur konkreten, historischen Wirklichkeit herabsteigt, - undiHe Periode behandelt, „in welcher nach, langen Borversüchen^endlich die Verbindung beider Völks- ' typen im deutschen Geiste zu einer Tatsache der modernen Kultur wird", also im wesentlichen die Zeit, die. durch Moses Mendelssohn eingeleitet wird. Sehen wir. zu, ob die Beweise, die Hermann Cohen äps/ dieser historischen Betrachtung herbei- ' bringt, überzeugender und wirklichkettshalliger sind als jene, "die er aus der Well der Ideen und Empfindungen herhölli Darüber im folgenden Aufmachen 16 Prozent der gesamten Bevölkerung Polens aus und sollten, demnach über zwei Millionen i Rubel erhalten, sie erhielten jedoch ~mnT e t w a 2 P r ozc nt d e r ganz c n S u nt nt c. In den Warschauer orthodoxen Kreisen ist man darüber ungehalten, haß die Vorstandsmitglieder der Agudas J'isro el-Org anisa tio n „bei ihrem Besuche Warschaus,hauptsächlich mit den chassidischen Rabbis Fühlung nehmen und angesehene Führer der Warschauer Orthodoxie und sogar Führer der Agudas Jisroel-Ortsgrupe — wie Hersch Grohmänn, Leibusch Davidsohn, Süskind Maler, A.. Kirschbraun, M. I.'Schwarzstein, Elieser Pritves — nicht zu Rate zogen. Ihre Arbeit war. hauptsächlich folgende: sie gründeten eine „Agudas Rabbonim" und versprachen Geldunterstutzung für notleidende Rabbonim."" Flavins Josephus und seine Zeit. -in. —n. 5“ f:' " Brief ans Rutzland. > . Nach.Meldung des „Rjetsch" wird in Peter s - bu rg unter dem Namen „Die Volksstimme" eine jü8ische Zeitung.erscheinet. Gründer ist eine Grupe jüdischer Journalisten wie CH. D. Hurwitz, Sch. Niger, Esron, A. Perlrnutter. Beim Petersburger jüdischem Hilfskommllee ist ein Informationsbüro für jüd. HUmlose errichtet worden, das Listen über den Aufenthalt der Heimlosen führt. ' Der Stadthauptmann von Petersburg Fürst Obolenski hat vier Juden mit 2000 Rubel oder 4 Monaten Gefängnis bestrasH, weil sie.auf der Straße — jüdisch sprachen/ - Die beiden Wischen Dumaabgeordneten, Triedmänn und Bd m a s ch^Haben bei der Regierung Beschwerde wegen der Nichtzulassung jüdischer Studenten zu den Ösfizierschulen eingereicht. Diese Verweigerung widerspreche den Grundsätzen, der nationalen Toleranz/ die die Regierung jetzt zur Richtschnur genommen habe. Wie^der „Moment" berichtet, hat das W a r - schauer Bürgerckomitee von den 13 Millionen Rubeln, die cs zu Gunsten aller durch .denErieg Geschädigten ohne Unterschied der Nation ustd'dcsGlaubensgcsammelthat,den In beit b l o ß '42,877- R ub el g e geb eit Außerdem girtgen von diesem Gelde etwa 50,000.R Ub'el deu j üdrs ch en Hi l fsko m it e es der Urovinz zu- Die Juden Bon AhronMarcus - . / (Fortsetzung.) Man ersieht daraus, wie tief seine chronologischen Daten unter dem Niveau des S e d e r O l a m des Tanaiten R. Jose den Chalafta mit seinen wunderbar scharfsinnigen Interpretationen der schwierigen Widersprüche stehen, nachdem die Frage der Perserkönige gelöst ist, die ja auch erst der Chronologie des zweiten Tempels angehört! ' Auch in der Königs-Epoche erneuern sich (Seite 671) Widersprüche, indem er die Zeit vom 'Auszüge aus Aegypten bis zum Tempelbau mit.612 I., die Zeit des" ersten Tempels bis zur Zerstörung Mit 466 I. 6 ,M. 10 T. und die Zeit von da bis zur Absetzung des Onias durch Antiochus Eupator mit 412.1. angibt. Ebenso ungenau istXseine Angabe des Bestandes des zweiten Tempels mit 613.1. Man muß da immer im Auge behalten, unter welchen Verhältnissenin welcher Umgebung und in welcher Zeit dieser „großarttge Schriftsteller" mit seiner klaren, lebendigen, eleganten Darstellung" geschrieben hat, „Immer Freund 'seines Volkes und kein Kriecher vor Caesären, tief religiös, keine Wahrheit preisgebend.'" Auch die Priestcrannalen in Jerusalem, aus denen er beim Schreiben wohl nur aus dem Gedächtnisse geschöpft hat, werdbn schwerlich eine zusammenhängend^ Chronologie geboten haben. ' ' Daß er seine Zuflucht zu einer Notlüge genommen, kann in dem. heutigen Europa der Träger der reinen Wahrheitsliebe ihm gewiß nicht verziehen werdeft, man darf aber nicht vergessen, daß er den unwissendenfeindlichen Massen gegenüber/ sich esne gehörige Portion Menschenverachtung Ungeeignet hattet UÄrigens finde ich den Lehrsatz tausend- ,mal unerträglicher, heneiner der sittsamsten und gemäßigsten Reformer, 'S. D. Lu z z a t o, aufgestellt hat, daß eine Religion nicht gerade wahr zu sein brauche, wenn sie nur -aesthetisch ist, d. h. wohl im Stande ist, den für Religion unentbehrlichen Gefühlsdusel zusammenzulügen. Was nun J o s ep h u s Erklärung der ethnographischen Tabelle der Genesis (Noa, Kapitel 10) anbelangt, so erreichte er, der auf der Höhe der damaligen Bildung und Wissenschaft, stand, das hohe Niveau der Talnmdlehrer nicht. Während er die Namen der SöhneJaphets größtenteils mit denen zu seiner Zeit den Römern bekannten, heute der /Vergessenheit verfallenen kleinasiatischen Völkerschaften erklärt, muß man den Weitblick jener Weisen bewundern, von denen gesagt wird: Wenn sie ,anch keine Propheten sind, so sind sie doch Nachkommen 'der Propheten.. Ich. ergreife hier die Gelegenheit, De - , litzsch's Behauptung zu beleuchten, Moses hätte willkürlich als Semite den Sem als Erstgeborenen an die Spitze der Noachiden gestellt. Man hat trotz aller Voreingenommenheit, die Rassen doch noch nicht anders einteilen und benennen können als die Bibel in Semiten, Hamiten und —.um wenig- ' stens bei der eigenen Rasse das semitische Joch abzur schütteln, — Japhetiten Arier, was persisch blos Herren" odev arabisch El Arisch,, die Deichsel am Völkerwagen i bedeutet. Aber grade der Name des- Mesen Japetos -; ist selbst in der eilten griechischen Bolkssagc noch pls Vater von: 4 Söhnen, den Stammvätern der. griechischen . Völkerschaften erhalten: Und dieser loird in der Genesis » als der Erstgeborene Noa's angeführt,'wie jedes Chederkind aus Raschi's ^Kommentar zu Gen. 10,21: weiß. Dort heißt es nämlich nach Aufzählung der Familien Ham's: Und auch dem Sem wurden Söhiie geboren, dem Stamm-? Vater aller am Eufratufer Wohnenden, dem Bruder des Japhet's, des Größten. Daß .es Nicht „dem Größten" . heißen kann, beweist Raschi aus ber Erzählung, daß die anderen Söhne. bereits im 500. Lebensjahre Noa's: aeboren waren (Gen, ß,32) .und Sem erst 2 Jahre später. Nachdem es üämlich speziell bei Sem/ heißt (11,10): „Sem war 100 Jahre alt im Lweiten Jahre nach , der' Sintflut (die im 600. Jahre Noa's stattfand)", soll diesa ausnahmsweise gegebene Altersmigabe eben darauf 'aufmerksam machen, daß nicht er, sondern Japhet'der Erstgeborene war. Delitzsch hat sich, diirch die Reihen- . folge Sem, Ham, Japhet 'zn feiner oberflächlichen- Be-X - hauptüng verleiten lassen, die ganz andere Gründe hat. Nun erUärt der Tülmud den Namen Gomer, des Erstgeborenen dieses Erstgebornen. mit „sn Germania schcl Edom (darunter sind die^Germanen zu verstehen):": Das ist nun um so mcrdoürd.iger, als sonst, die Germanen im Talmud wegen ihrer /ausfallend weißer. Hautsarbe zu- ' sammwi mit. den r anffällend schwarzen Negern als Abnormitäten der Natur behandelt werdeie (Berachot 58,2 wo - unter Leukon (griech.. weiß), der Germane verstände» wird, vergl. Mischnah Negaim II, 1). Der Name Gomcr bedeutet der „Vollendete", „Ausgewachsene", auch., der „Großmütige" (Psalm 57,3). Außerdem wird ihm in der Thora selbst die Auszeichnung zu teil, daß' auch die Namen feiner Nachkommen, drei Stämme-mitgeteilt werde», deren ^ältester Askanas nach uralter jüdischer- Traditio» der Stammvater der Deutschen ist. (Vergl. Askania,' Ilsen). Nur noch dem Jawan, Stammvater der Griechen, de», kulturell hochstehendsten Stamme -wird dieselbe Aufmerksamldit durch Angabe seiner 4 Söhne gewidmet. Jnr-Magog dem -2. der Stammtafel hat.- bereits Humboldt i», Kosmos die Mongolen festgestellt,' laut arabischen Schriftstellern, Welche die chinesische Mauer, die von Al madjudj (g — dj arabisch) nennen, wovon Mongol uüd. Mandschu . nur Verstümmelungen .sind. , Der^Name) M ä g o g bedeutet im Hebräischen das Gegenteil vom Gomer: klein, eingeschrumpft (Amos 9,13), die Hügel schrumpfen ein. Der. Dritte M a d a i, die Meder, von Middah, das Mittlere' -zwischen den Vorhergehenden, auch^ das Land - der Mitte Asiens. .Der Name Perser kommt in den alten . Büchern nicht vor, amh nicht .in den assyrischenXDenk- , schriften, erst bei C y'r üs , der ihn überhaupt erst i» oie Geschichte einfnhrt. Der vierte. „Jawan",->,Jowon" in norojüdischer Aussprache als Jonier^rhalten, bedeutet ebenso wie Jajin (oinos) Wein — der Betrüger. Charakteristischer kann das griechische Wesen nicht geschildert werden als in dem einen Worte. seine Aestethik, seine Mythologie, seine Philosophie ist Trug, Nichts ist originell, alles Babylon,. Phönizien und Aegypten entlehnt, auch , seine Baukunst nsw. Tubal, nach Josephus Tiberier, heute' verschollen. Meschech, die Moschoi der Assyrier, Massageten der Griechen, vor der Völkerwanderung die Stammväter der Polen Holen nur von Pole,- Feld, Flachlandschaft), erhalten in den Namen Moskau, Masuren, Masoven. Der siebente und letzte ist der besonders merkwürdige Tiras. Ach. Stelle von Josephus nichtssagender Erklärung hat der hebräisch umgearbeitete Josippon, den bereits Raschi und Rabed von Toledo zitteren, der. also jedenfalls nicht jünger , ist als 900 Jahre, merkwürdig genug die Erklärung „Russeit". Diese dem alten Gesenius unbekannte Erklärung (sonst hätte er sie gewiß bekämpft) ist von ihm mit Mezug auf die altarabischen.Geographen bestättgt worden, welche xhie Russen Al-Ras uennen. Die spätere Herleitung vo» norwegischen Rodze» ist Faselei. Es gibt aber noch eine weit merkwürdigere Bestättgung. In der Prophezeiung Jvcheskeel's (38) wird Gog mehrmals d'er^Fürst^ von Rosch, Meschech. und Tubal genannt. Das ist nichts anderes als Tuben, Meschech und Tiras der' Völkertafel in umgekehrter Reihenfolge. Daß. Rosch ün sMunde des Propheten als Völkeruame, nicht als Fürst identisch mit Nesi gemeint war, hat die wunderbare Massora durch 2 Trennungszeichen (Sakes gadol auf Nesi und DipM-auf Rosch)- festgesetzt.-, ,Däs,-wird noch .besonders bestättgt, durch das Äutwortschreiben des Chasaren- ~ Königs Joseph aw., den spanischen Minister Chasdai ben Schaprut, (um 4700), .dessen /Echtheit Harkavy gegen jeden -Zweifel, nachgewiesen./hat. Dort heißt es: Es kamen zn mir die Gesandten ausiCyew (Kiew) des Fürsten von Rosch Meschech und Tubal: Tiras und Rosch sind soweit identtsch, in BÄieutung „Herrschaft", daß es aramäisch im Talmud heißt: tefüsch amta tirosa bechada machtarta lehewi. Lasse-die Magd nur Herrschaft treiben, mit einer Tracht.Prügel wird es beglichen.. D« steht die ganze EntwickelnngXder Weltgeschichte in der Tvrah vorgezeichnet! Die Söhne Japhets, denen Noah'in seinem Segen die Ausbreitung über die Welt verheißt, beginnen ihre Herrschaft mit den Ioniern, ihre eigentlich,« Weltwandernng mit den Germanen (Gomer, Kimbern, Kimmerier), an deren Schlüsse erst fast 2 Jahrtausende später die. Russen (Rosch petanim ächfor der Prophezeiung in Haasinu, das grausame Otternhanpt) ans die Mltbühne treten. (Noch vor 250 Jahren/wurde am persischst Hofe der russische Gesandte erst nach den Eseltreibern zur Mtbienz zugelassen.) So schlißt der arische Kreis wie die Schlange /des Aeskulap, die -sich in den Schwanz beißt, was die Germmten hosfentlich gründlich besorgen werden. Josip- , pon ergänzt den Josephus in glänzendster Weise. (Fortsetzung folgt.) . | Liepma» Philip Prius. | ' Liepman Philip Prins. — Eine eigenartige Erscheinung, wie man sie sin Westen Europas kaum noch, findet. Man fühlt sich zurückversetzt in die Glanzzeiten unseres jüdischen Volkes, 'bcr das „Kenaäni"-Sein, der nach dcai Verdiene» strebende Kausmminsstand itnr als eine Notwendigkeit empfunden wurde und das Lernen'und' Lehre», das Streben üach geistiger Erkenntnis auch als des für die Familie sorgenden Mannes höchstes Ziel galt. Mit seinem 40: Jahre fegte Liepman PhilipXPrins die Feder des. Geschäftsmannes hin und ergriff die Fedcr Gelehrten, um nun weitere 40 Jahre in den Goldadern - der jüdischen Lehre zn forschen. -Hätte er dic zweite Hylfte seines .Lebens benutzt, um seinen Kindern das doppelte und dreifach« .Hab und Gut zu hinterlasse», -man müßte heute, da er pon nus geschieden' ist, i»it des Psälmisten Worte sagen: „Ein Morgen, — und ihre Gestalt verwest,, da die -Gruft ihre Wohnung geworde» " So aber, bleibt seine Gestalt ewig frisch; er-lebt' für dic Dauer der Zeiten tti seiner geistigen Arbeit, die -in zahl> reichen Büchern, 'des jüdischen, Schristtüms r^iniedergelcgk ist, fort.