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Neue jüdische Presse · 1915-10-04 · Heft 38 (4.10.1915) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 38 (4.10.1915)
Date
1915-10-04
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Bezwinge Deine Wehleidigkeit, ich möchte -Achtung vor Dir haben. Aber jetzt das Wichtigste — trinke Kaffee." Sie strich flinke Butterbrote, und als Karl Günther sah, wie sic cs sich so gut schmecken ließ, dazwischen vergnügt plauderte, vergaß er auch sein Unglück und hieb tüchtig ein, so daß es ein ganz gemütlicher und munterer Kaffee wurde. , Da klopfte es an, und eine ältere Dame, gefolgt von einem jungen Bauernmädchen, trat ein. „Ach liebe Frau Doktor" — und Jenny eilte in die Arme ihrer mütterlichen Freundin, die sie herzlich küßte und dann, vergnügt betrachtete. Jenny stellte nun ihren Vetter vor, der sich von den Abituriumsstrapazcn erholen wolle. Währenddessen zog Frau Dr. Mehler das Bauernmädchen heran. „Hier Jenny habe ich Dir für Deinen Haushalt ein Mädchen besorgt. Lina ist ein braves, arbeitsames Kind, mit dem Du zufrieden sein wirst. — Jetzt aber will ich Dir bei Deiner Einrichtung nicht im Wege sein, - heute abend seid Ihr, Du und Tein Vetter, unser Gast." Sie nickte freundlich und entfernte sich, ohne eine Antwort abznwartcn. „Karl Günther, jetzt bringen wir die Zimmer in Ordnung, was fange ich da mit Dir an?". „Ich mache einen Spaziergang und bin in zlvci Stunden wieder hier. — Ob ich wohl eine Zigarre rauchen darf?"; „Aber gewiß, frage doch nicht so dumm, und Ivenn Du ein Glas Bier trinken willst, so kann ich Dir die Wirtschaft von Dommes, zwei Schritte von hier, empfehlen." Karl Günther kam Pünktlich zurück, mit der brennenden Zigarre im Mund. „Jenny, komme ist zu spät?" „Sieh Dich einmal um, Karl Günther." Er sah mit Vergnügen die sauberen, aufgeräumten Zimmer. „Jetzt ist es. noch gemütlicher hier als vorhin. Ich habe einen, ordentlichen Spaziergang gemacht und mich bei Dommes ausgcruht, aber etwas müde bin ich doch noch." ' ■ „Das ist nicht schlimm. Aber von morgen ab brauchst Du nicht mehr allein herumzulaufcn, ich zeige Dir'den Wald denn, ich darf es ja sagen, mir tut die frische Luft und die Erholung not, so gut . wie Dir. Dein Zimmer ist in Ordnung, bemühe Dich hinein und mache ein wenig Toilette. Dann gehen wir zu Doktors" Er sah sic mißtrauisch an. „Sage einmal Jenny, bin ich dem Mann als ein Patient geschildert, soll er mich in Behandlung nehmen?" Sie lachte. „Beruhige Dich. Wen» Tu auch mein lieber Vetter bist, so" bist Du' doch nicht so wichtig, daß Du im Voraus angcmeldet und geschildert wirst. Er weiß nichts von Deiner Existenz, es sei denn, daß seine Frau, die vor ihrem Besuche bei uns auch nichts davon wußte, ihm die denkwürdige Tatsache mitgeteilt hat." Er atmete auf. „Es freut mich, daß er mich nicht als Objekt, sondern als Menschen kennen lernt. Da kann man doch also ein offenes Wort reden." „Aber sicher. Der Herr Doktor ist ein hervorragender Mensch, mit dem Du gerne verkehren wirst, so oft seine Zeit es erlaubt. Aber jetzt fort, aus den Reisekleidern heraus." Nach einer halben Stunde gingen sie zu Doktors, und Karl Günther, sah mit Behagen, wie der alte Herr Jenny umarmte und küßte. »Ja junger Herr", sagte er, Karl Günther die Hand schüttelnd, „das ist noch aus meiner Jugendzeit übrig geblieben, daß ich hübsche Mädchen gerne küsse und zumal eine, die ich immer als wie eine Tochter betrachtet habe." Es war ein sehr fröhlicher Abend. Jenny schilderte ausführlich ihr Leben in der Stadt, aber hauptsächlichst das Wichtigste, ihre Verlobung und von ihrem Bräutigam, der so gar wenig auf die Ausbildung in die Humaniora bei seiner Braut sieht. Der Doktor meinte: „Ja Kind, wenn er Deine Bildung, die Du nun einmal hast, nicht hochachtet, was verlangt er denn von seiner Zukünftigen?" „Er beansprucht sogar viel. Ich soll ihm sein Haus "behaglich machen, den Haushalt streng koscher führen und sein Interesse an der Literatur, an der Musik teile». Mit meiner Leitung des Haushalts, der Küche soll er schon zufrieden sein, und unsere Ansichten über Kunst und Wissenschaft sind auch die gleichen, — die Muse soll unser Leben begleiten, nicht leiten." (Fortsetzung folgt.) | Offenbach er Druckluft-Anlage I Oflsnbach ». 88- Telefon 123. (Anschluss mitFrankfurt). I Bewährteste TipplChralnlOUng (100,000 qm jährlich) I sowie unQbertrofiene Bettenn. Bettfedernrelnlflung mittelst Druckluft und Wasserdampf. Kunst und Literatur. Das „Jüdische Kriegsarchiv" setzt als Doppelnummer II/II1. seine „Mitteilnngc n " „Jüdisches Archiv" fort. Das im ersten Heft veröffentliche Tatsachenmaterial wird in überraschender Weise erweitert. Die russische Greclelchronik weist leider nur allzu viel Neues und bisher Unbekanntes auf, darunter die Darstellung des Vizepräsidenten des Ukrainischen Bundes über die Vorgänge in Sniatyn, die wohl geeignet ist, einen Einblick in das Systematische der Judenverfolgungen und der Tätigkeit ihrer galizischen Mitanstifter zu gewähren. Die Behandlung dev Juden in England und Frankreich, besonders das Schicksal der vielgenannten russisch-jüdischen Legion, die ihit tragisches Ende im Drama von Carency findet, ist erörtert und durch Beweistatsachen belegt. Bon aller- .größtem Interesse aber ist der photographisch wiedergegebene Brief des österr.-nngarischen Botschafters in Washington in Angelegenheit der galizisch-jüdischen Flüchtlinge, insbesondere der Advokaten,, ein wahrhaft-wertvoller Beitrag zum Kampfe um die «eele der Neutralen, für die' österreichische Judenschaft umso wichtiger. Das sür den ungewöhnlichen Mut und die strenge Pflichterfüllung jüdischer Krieger beigebrachte Material, sowie die Liste der ausgezeichneten und gefallenen jüdischen Offiziere ist der' kräftigste Beweis gegen schon austauchende Verdächtigungen. Dieses sind nicr Andeutungen derreichen Fülle dessen, was dieses Doppelheft des „Jüdischen Archivs", das zum Preise von 1 Kr. oder 80 Pfg. im. Verlag R. Löwit, I. Rotenturmstraße 22 erhältlich ist, bietet. Harm lein von Reifenberg. Ein Taunus-Roman von Robert Fuchs-Liska. 378 Seite»: 3 Mk., geb. 4 Mk. Frankfurt a. M., Gebrüder Knauer. Den Roman werden wir nicht nur deshalb lieb gewinnen, weil er uns die so vertrauten Taunuswege führt und sie uns so zeigt, wie ein Dichter sie sieht, —" er wird uns auch wegen der Romanhandlung fesseln. Es sind die derben, einfachen Menschen des Mittelalters, in denen das Gute und das Böse ungekünstelter und offener lebte, als es heute unter uns lebt. Kaiser Friedrich Quelle - Ottenbach a. M. ■. Gegen Sieht and Rheumatismus bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Frledvloh Stahl« Frankf.a.M., Günthersb.-Allee 37. TeLHansa259u.714» Wochett-KalerrLer. Freitag und Samstag: Ransch-Chaudesch. Frankfurter FamMeunachrichte». Auswärtige FamUiennachrichte«. Geboren. E. Sohn Enrjl Altschul (Lachs), Ofsenbach. — Sigmund Hirsch (Sender), Genua z. Zt. Zürich. E. Tochter Julius Marxheimer (Neumaier), Wiesbaden. W> ■m •I -■S >1 Geboren. E. Sohn A- S. Wohlfarth (Straus), Bettinastraße 48. E. Tochter Eugen Weil (Birk), Tiergarten 38. — Dr. Albert Sondheimer (Cohn), Eschersheimerlandstr. 12. Gestorben. Clementine Hirsch, geb. Tedesco, Wwe. — Rabbiner Samuel Heyum Schüler, 71 I., Bergweg 13. — Isaak Scharff, 83'I., Eppsteinerstraße 35. — Alfred Heinemann, 23 I., Bergweg 8, im Feld. — Siegfried Rosenberg, 70 I-, Bockenhcimerlandstraße 72. Gestorben. Jakob Heymann, 73 I., Idstein. — Saly S. Metzger, Gailingen, 20 I., im Feld. — Leopold Bermami, Lausannne. — Meyer Dreyfuß, Oehringen. — Fanny Allmayer, geb. Haas, Biebrich. — Sara Kuhn, 73 I., Mannheim. — Siegfried Laqueur, Breslau. —- Hermann Frank, 71 I., München. — Nathan Schloßt 77 I., Tauberbischofsheim. — Theodor Jarecki, 25 I., Posen, im Feld. — Sophie Friedlaender, geb. Malachowski, 77 I., Posen. — Henriette Joachimczyk, geb. Pietikovosky, 78 I., Zeskow. — Juda Bachrach, 78 I., Hamburg. — Aug. Brille, Dieuze: Jul. Levy, Ersdorf; Arm. David, Jnsmingen, im Feld. Die Nächste Rümmer erscheint — wieder ordnungsgemäß — Freitag, den D. Oktober. "Z '.7 »er war nst fort, und Die gt. Ich :c allcr- Mehler en Frau >ung." bc nicht, id habe. Mutter ich, was m 2,011: leid mit n junge» bin ver- Schaclitel erweisen st. tel gegen sts tillend. il minder- Orthopädisch-Chirurgisches Institut Dr.Lk».88L»i»vF -früher fast 9 Jahre hei Hofrat v. Hessing-Göggingen ietzt Bockeillieillier Laildstr. 18, Eingang Oberlindati. Heilgymnastik u. 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