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Neue jüdische Presse · 1915-09-21 · Heft 37 (21.9.1915) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 37 (21.9.1915)
Date
1915-09-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr 37. Frankfurter Israelitisches FamilienAatt. Veite 5 v. Ein letztes Gold:• am Himmel glüht/ Mn über Hügeln. " •'* DutA die. dunkelnde Luft ein Köglein zieht träumenden Flügeln. Durch die ganze Natur ein Säuseln geht sanftem Winde, Ms wandele Gottes Majestät Ueber bist Erde linde. Willi Eilbott. : Es sei übrigens bei dieser Gelegenheit - noch mitgeteflt, daß das Kriegsministerium in den letzten Tagen! die beteiligten Kömandostellen aus unseren Antrag besonders auf das bevorstehende Laubhüt teufe st hingewiesen hat-, um die Erteilung von Heimaturlaub oder Die nst b e s r e i u n g für diejenigen Mannschaften anheimzustellen, denen diese Vergünstigung an den voran gegangenen Festtagen ausmilitärischen Grunden nicht gewährtwerden konnte. MygesarHt. - (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion-) Zu den auch in ihrem geschätzten Matte,-verösfentlichten Mitteilungen der „Freien Bereinigung" betreffs Jomtow-Beurlaubung jüd. Soldaten kann man wohl sagen: Dunkel ist der Rede Sinn." Denn schon lange Jahre, bevor nach, die „Freie Bereinigung" existierte, bestand jene kriegsministerielle Bestimmung, Soldaten israelit. Konfession an 'den höhchr jüd. Festtagen so weit wie tunlich vom Dienste zu dispensieren, und sie wurde, wie sich selbst älteste jüd. .Veteranen noch, recht gut erinnern, stets 'in toleranter Weise gehandhäbt. Sicherlich aber wäre es zweckentsprechender und weit segensreicher gewesen, wenn die „Freie Vereinigung^ gemeinschaftlich mit den verschiedenen Rabbinerverbänden und auch den etwa sonst nach in Betracht kommenden größeren jüd. Verbänden zusammen ein Urlaubs- Gesuch eingereicht und dieses unter entsprechender Darlegung des Sachverhalts nicht nur auf die beiden Tage Rausch-haschonoh, sondern auch auf den darauf folgende» Sabbat ausgedehnt und eine dahin gehende generelle Bewilligung der obersten Militairbehörde herbeigeführt hätte. Es wäre dadurch vor allem dem ethischen und religiösen Moment entsprochen und den nicht allzufern von den Garnisonen beheimateten jüd. Soldaten ermöglicht worden, die Tage im Kreise ihrer Familien zu verbringen. Daß dies nicht geschah, ist sehr bedauerlich und hat wahrscheinlich, hei vielen jüd. Soldaten Unwillen erweckt und das Vertrauen zu einer zielbewußten, energischen und sachlichen Vertretung ihrer religiösen Interessen gefährdet. Es liegt, unter diesen Umständen im eigenen Interesse der „Freien Bereinigung", in dieser Angelegenheit öffentlich Stellung, zu nehmen und den ihr gemachten Vorwurf zu entkräften. Denn es muß doch endlich einmal Klarheit darüber geschaffen werden, welche Instanz — sei es „Rabbiner-Verband", -„Freie Vereinigung" oder hjVerband deutscher Juden" bi4 Veräntwortung. für Äeses bedauerlich^ Borkoiümnis aufsich 'zü nehmen hat, zu Nutz und Frommen für spätere derartige Fälle. Mso . u. A. w. g. n. r. Das Büro der „Freien Bereinigung für die Interessen des orthod. Judentums", der wir die vorstehende Einsendung zur Aeüßerung vorlegten, erwidert.darauf. Folgendes: Seit Jahrzehnten ruht die Vertretung der religiösen Interessen der jüdischen Soldaten gegenüber dem Kriegsministerium in der Hand der „Freien Vereinigung", ohne daß ihr der Borwurf maugelnüer Energie oder Zielbewußtheit von irgend einer Seite gemacht worden wäre. Ein solcher Vorwurf würde auch an der überzeugenden Macht der zahlreichen von der „Freien Vereinigung" erwirket» ministeriellen Verfügungen scheitern. Auch im vorliegenden Falle jst von unserer Seite bereits Ende Juli alles vom religiösen Standpunkte Notwendige und vom militärischen Standpunkte Mögliche beantragt und in persönlichen Besprechungen warm vertreten worden. Dazu gehört in erster Linie Heimaturlaub, selbstverständlich mit Berücksichtigung des anschließenden Sabbats, in zweiter Linie Dienstbefreiung an Ort und Stelle und drittens Möglichkeit zur Veranstaltung von Gottesdiensten. Daß im Kriege nicht allen Anträgen in jedem einzelnen Falle entsprochen werden kann, sollte jeder einsehen, zumal das Kriegsministerium in der Regel nur die wohlwollende Behandlung der verschiedenen Wünsche generell empfiehlt, die Entscheidung aber von Fall zu Fall den einzelnen Generalkommandos oder Truppenkommandeuren überlassen bleibt. Gerade mit Rücksicht auf diesen letzteren Umstand sind, neben der Vertretung der religiösen Interessen bei der Zentralstelle die Bemühungen der einzelnen R a b - biuate bei ihren lokalen Kommandobehörden von großer Wichtigkeit, woraus wir durch Zeitungsnotizen und Rundschreiben immer wieder hinzuweisen pflegen. Wir glauben nach .alledem nicht, daß die jüdischen Soldaten Ursache haben, mit der Vertretung ihrer Jntnessenunzufrieden zu sein. Bunte Chroqik. j .'o Der Wiluaer G-Sms. A. -- " Von Dr. med. Rainer, Wiesbaden. Mit dem Namen Wilna eng verknüpft ist .der des Wilnaer Gaön oder, wie er allgemein genannt wird, Rabbi Ejah Wilna. Er war seit Maimonides "Zeiten das größte jüdische Genie! Neben der phänomenalen Beherrschung aller jüdischen Disziplinen war er unstreitig der hellste Stern am Firmamente des .Judentums im achtzehnten Jahrhundert. Und was das Besondere an ihm war: er beherrschte auch die sog. profanen Wissenschaften damaliger Zeit mit ebensolcher Genialität! In: Gegensatz zum' damals-.auftauchenden Chaszidismus wirkte er dahin, daß die jüdischen Gelehrten die allgemeine Wissenschaft nicht vernachlässigen. Er hat auch Werke darin verfaßt, wie seine „Ajil Meschulaß" über Algebra, Geometrie und-Astronomie. Er veranlaßte auch seinen berühmten Zeitgenossen Rabbi Baruch Doktor, den „Eullides" zu diesem Zwecke ins Hebräische zu übersetzen. Bekannt ist sein 'lapidarer Ausspruch: „Je mehr es einem von der profanen Wissenschaft abgeht, umso weniger versteht er die Tauroh"! Groß ist die Zahl seiner Werke: 58! Sogar eines über hebräische Granrmatik verschmähte er nicht zu schreiben. Groß ist die Zahl der Anekdoten und Erzählungen über sein Leben. . . Aber ein Wunder Mer Zeiten war er unstreitig. Mit 8 Jahren war er bereits im ganzen „Schaß" bewandert. . . Seine Commentarien zu Bibel und Talmud usw. zeichneten sich durch Prägnanz und Sachlichkeit aus und trugen den Stempel origineller Genialität an der Stirn. ,..Jn einer Zeit der sog. sophistischen Pilpulistik war er der Erhalter und Wiederbeleber der jüdischen Wissenschaft.... Er bleibt daher unvergessen für alle Zeiten als „Gaön haamiji"! :r .„> Ut ,j. ,tb; 3 h: -f d- Kulturbilver aus dem Oste«. Die Lodzer „Deutsche Post" bringt unter der Ueberschrift: „Die russische Kultur auf dem Abmarsch," Aufzeichnungen eines deutschen Kolonisten. In diesen Aufzeichnungen heißt es u. a. - „Die aus der Nachbarschaft von P l o ck weggeführten Kolonisten hatten aus ihrem Wege nach dem -Osten viel unter der Ungunst des Wetters zu leiden. Ms sie in einem Marktflecken Rast machen mußten und im Freien übernachten sollten, erbarmte sich die jüdische Gemeinde ihrer und öffnete das Bethaus. Hier sollen, nach,der Erzählung der polnischen Fuhrleute, die durch die furchtbaren Strapazen erschöpften Frauen und.Kinder sich auf den Boden geworfen und den Gott Israels angerufen haben, er möge sich ihres Elends erbarmen, da sein Sohn Jesus sie den unmenschlichen Kriegsknechten preisgebe. Für die Einzelheiten dieses Berichts kann ich nicht einstehen, da ich keine unmittelbaren Ohrenrmd Augenzeugen des Vorfalls fand. Wie behauptet wird, soll diese Begebenheit in Blonie stattgefunden haben." Und weiter: „Furchtbar sind auch die Leiden der Juden in den Weichselflecken gewesen. Der Rabbiner in G o m b i u erzählte mir grauenerregende Taten des russischen Mordgesindels. Raubüberfälle und Frauenschändungeu kamen täglich vor. Reichere, vom polnischen Pöbel der Spionage verdächtigte Juden: Zielonta, Weingronr, Wojdyslawski und drei Knaben wurden verschleppt und ermordet. Polnische Bauern bestätigten später: „Diese Juden sind Me ermordet worden!" — Dasselbe Schicksal widerfuhr dem Juden Kanarck aus Sanniki. Holzmann und Weingarten wurden unter Anwendung von Torturen gepeinigt und zuletzt erschossen. Der bei seiner Arbeit auf dem S.chneidertisch sitzende Jtzek Silbermann ist ohne Grund erschlagen worden. In Kiernosia wurden drei jüdische Frauen ermordet. Bei Kiernosia fand man acht Gräber getöteter Juden: In einem in der Nähe gelegenem Sumpf wurde der entblößte Leichnam einer alten Jüdin hineingeworfen. Auch ein jüdischer Soldat, der gegen die Schandtaten protestierte, ist von seinen eigenen Kameraden erschlagen worden. Sein nackter Körper wurde mit einem unflätigen 'Scherzwort auf Hie Lerche der alten Jüdin geworfen." Die gleiche Zeitung brachte folgende Notiz: l „Ein alter 108-jähriger Rabbiner aus einem Städtchen des von den Russen okkupiert gewesene» Galiziens wurde nach der Einnahme von Przemysl durch die Russen gezwungen einen Dankgottesdienst abzuhalteu. Er weigerte sich. Für seine standhafte Haltung sollte er gehängt werden. Er bat sich' als Gnade aus, vor seinem Tode eine Zigarette bis zu Ende rauchen zu dürfen. Sie würde ihm gewährt. Die Zigarettenasche häufte erauf einem Knie. Neugierig sahen OffizieK'und Mannschäften seinem sonderbaren Tun zu. Er blies die Asche auseinander, erhob seine Stimme und sagte: „So wird es auch ganz Rußland ergehen!" worauf er entseelt zu Boden fiel. Die Russen waren außer sich, sie hängten die Leiche des Rabbiners an einen Baum." Inserate als Kulturbilder. I. (Aus einem Wiener Tagblatte): Heiratsvermittlung für ungarische Oberstuhlrichter gesucht aus guten vermögenden (israelitifch.) Familien. Derselbe ist 43 Jahre alt, Christ, adelig. Gefl. Offerten unter „Ideal"." D. ,/Der Kaiser hat mit allerhöchster Entschließung aus besonderer allerhöchster Gnade ^gestattet, daß der Sektionschef im Eisenbahnministerium Siegmund Sonnenschein Ritter v. Solvis .sich künftighin mit Weglassung seines bisherigen Geschlechtsnamens .lediglich nach dem Prädikat „Ritter v. Solvis" nennen und schreiben dürft:." Habwr iFrledricli Quelle --: Offenbaeh s. M. ■ fiegn Mailt ud Bknmtlmu iiewSkrt» Alleiniger General -Vertreter: Friedrich Stahl* Frankf.suM,, Günthers!».- Allee 37. Tel Hansa259u.714. WocheN-Lale«Äer. S ukk aus. Beginn: Mittwoch, 22. Septembur, abens 6.10 Uhr Frankfurter Zeit. Schabbos Chaul-ha-maued. Beginn: 53A Uhr Frankfurter Zeit. Ende: 7 Uhr Frankfurter Zeit, 6.42 Uhr BerlieNer Zeit. Schemini' Azeres. Beginn: Mittwoch, 29. . September, abends Z.55 Uhr ,£ Frankfurter Zeitz, ,,, Tr Schabbo,s Bereischis:- > Beginn: 5¥s Uhr Frankfurter Zeitz Ende: 63/4 Uhr Frankfurter Zeit, 6.25 Uhr Berliner Zeitz Wochengottesdienst in Frankfurt a. M- Morgens: 6 Uhr in den meisten Synagogen (Bockenheim, Unterlindau 6¥a Ahr, Hauptsynagoge 7 Uhr, Königsteinerstr. TV» Uhr). Abend: 5Vr Uhr in den meisten Synagogen (Hauptjynagoge 4 Uhr, Königsteinerstraße 7 Uhr). H. Wlere, Optiker, Liehfrauenstr. I. Brillen, Pin eenes, Operngläser, Feldstecherl in jeder optL-mechan. Spieliraren 1 Preislage Eissnbalwefl, Datnpffflaseliineo, Latema-Iagiea, Kmalagrapbon sls Fra«lfnrter Ksmittemrachrichte». Geboren. E. Sohn Dr. Forschmann (Aronsohn), Obermain-Anlage 26. Barmizwos, Samstag, 25. September: Jacob Gans, Schützenstr. 8; Aron Maliniak, Waldschmidtstr. 13, Synagoge Friedberger Anlage. — Julius Strauß» Elkenbachstr. 9; Adolf Bunewitzky, Obermain-Anlage 1, Synagoge Börneplatz. Verlobte. Alma Wolf, Zeil 14 mit Jacques Tersitz, Bern. Gestorben. Therese Löwengard, geb. Gumpert, 84 Jahre, Friedrichstr. 15. — Siegfr. Albert Berberich, 26 I., Bettinastr. 17, im Feld. — Martin Bamberger. — Berta Oppenheimer, 39 I., Röderbergweg 62. Auswärtige Familiermachrichte«. Geboren. E. Sohn Jacob Wechsler (Goldschmidt), Nürnberg. — Gustav Reimann (Wilczinsky), Gnejen. — Dr. Ernst Salomon (Mendelssohn), Swinemünde. Verlobte. Maria Haas mit Fred Weil, Stratzburg. » Gestorben. Siegfried Kempner, 30 I., Schwer-, senz, im Feld. — Erich Ettinger, 23 I., Posen, im Feld. — Rechtsanwalt Dr. Stanislaus Heimann, Hohensalza im Feld. — Professor Dr. Georg GMand, 58 I., Charlottenburg. — Friedrich Ganzmann, Surgpreppach, .im Fell». — Amtsgerichtsrat a. D. Max Friedländer, Redakteur des Kladderadatsch, Berlin. — Karoliue Adler, geb. Flörsheim, Alsfeld. — Carl Gimbel, 56 I., Ludwigs Hasen. — Dr. med. Herrn. Rosenkranz, 66 I.; Meta

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