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Neue jüdische Presse · 1915-09-17 · Heft 36 (17.9.1915) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 36 (17.9.1915)
Date
1915-09-17
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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ibfc Seite 4. Frankfurter MraeÜtisches.FaMlienNE. Nr. 36 „VICTORIA“ Erste Berliner Wäscherei 4ind Glanz-Plätterei Hansa Tel. 2002. || finflMfStfRSSO 18. Hanta Tel 2002. Spezialist i Kragen, Manschetten and Hemden. Um das Glück. Novelle von Jacob Levh. (Fortsetzung.) ImÜIetoa Karl Günther, der unermMich fleißig gewesen, sah dem Abiturienteuexamen mit Ruhe entgegen und bestand es glänzend, unter Befreiung des mündlichen. Jetzt war er aber auch erschöpft. Wenn er es auch nicht emgestand, vielmehr mit Stolz von seinem ersten Semester sprach, mit seinen Conabiturienten Ausflüge und dergl. plante, entging doch'der an Erschöpfung grenzende Zustand des Jünglings der scharfen Beobachtung Jennys nicht. Sie sagte seinen Eltern, daß der Mulus einer längeren Ausspannung dringend benötige; sie riet, den Arzt zu Rate zu ziehen. Gini schrieb allerdings die sichlliche Ermattung des Jungen dem Wachsen zu, er möge sich nur ruhig immatrikulieren lassen und nur wenig arbeiten, das erste Semester sei ja nicht so sehr anstrengend. Viktor hörte das alles an, besah seinen Jungen und ging zum Hausarzt, dem alten Doktor Lambert. . „Herr Doktor, ich komme Ihren Rat erbitten für meinen Karl Günther, der jetzt sein Witurientenexamen gemacht hat und Medizin studieren will. Sie kennen ihn seit seiner Geburt und können am besten beurteilen, ob er kräftig genug für diesen Beruf ist." „Herr Kurz, ich werde Ihnen genauen Bescheid geben. Dieser Tage komme ich einmal zu Ihnen, dann macht sich die Prüfung von selbst." ,And noch eine Bemerkung, lieber Herr Doktor, die wohl überflüssig ist, die Sie mir aber als Vater nicht verübeln werden. Wenn Sie meinem Sohn abraten müssen, so —." Der Arzt unterbrach ihn. „Beruhigen Sie sich. Wenn ich Ihrem Sohn vom ärzllichen Studium abraten muß, werde ich es in einer Weise zu tun wissen, die ihn nicht lleinmütig macht. Ich glaube Ihnen schon heute aber sagen zu können, daß dieser Berus nicht, geeignet für ihn sein wird. Ihre heutige Frage habe ich als guter Freund Ihres Hauses erwartet. Auf Wiedersehen." Der Bescheid des Doktor Lambert lautete für den armen Karl Günther niederschmetternd, wenn er auch auf die liebevollste und schonendste Weise gegeben wurde. „Der ärzlliche Beruf beansprucht einen Mann, der körperlich stark und von eisenfester Gesundheit ist. Ein Arzt hat im Beruf größere Strapazen als ein Lastträger. Und Du bist dem nicht gewachsen, lieber 'Karl Günther. Wähle einen Beruf, der keine Anforderungen au große körperliche Ausbildung stellt; — Deinen Geist darf er schon in Anspruch nehmen. Ich habe Deinen Werdegang von Deiner Kindheit an verfolgt und darf Dir sagen. Du wirst hervorragend in der Laufbahn, die Du ergreifen wirst, und Denn Du verständig, gesundheitsgemäß lebst, kannst Du!in Gesundheit ein alter Großvater werden. Schone Dich nach den Schulstrapazen einige Monate, überlege mit den Deinen über Deine Zukunft und — was sehr wichtig ist, — sei vergnügt; unter eine Glasglocke brauchst Du Dich nicht zu stellen. Ich habe nichts dagegen, wenn Du auf Eurem Kommers Dir einen oidenllichen Schwips holst. Hast Du mich verstanden?" In Karl Günthers Auge perlte eine Träne. „Herr Dollar, ich muß mich also damit abfinden, ein Krüppel zu sein, denn wenn man in meinen Jahren sich zu schonen hat —." Der Arzt unterbrach ihn utib polterte: „Unsinn. Mit Deiner, nun ja, mit Deiner zarten Konstitution kannst Du mehr aushalten. als mancher Bärenmäßige.- Ich sage Dir, Du wirst als Mann unter Männern stehen, und das Mädchen, das Du einmal haben willst, wirst Du heiraten. Du gefällst ihr, und sie nimmt Dich. Und daß Du Dich nicht als zartes Männchen zu schonen brauchst, das beweise ich Dir, ich komme auf Euren Kommers und will sehen, ob Du Deinen Mann stellst.' krankfül'lvi'üülloklillpLNülLlt unter Kontrolle des ärztlichen Verein» Sdnnnbiugsfer. 2—« TeL Hains 1168 einzige .Anstalt J-rsnkfnrts, welche «nssnhllesslloh - kalnarrae Kurmileh .- ' .... nur ans Hileh der eignen Stellung liefert. Und ich gebe Dir gar keine Verhaltungsmaßregeln. .Siehst Du?" Karl Günther lächelte trübe, dann aber, halb trotzig, halb selbstbewußt raffte er sich auf. „Herr Doktor, ich danke Ihnen. Ich hoffe. Sie werden noch Freude an mir haben." — Karl Günthers Eltern gaben dem Doktor das Geleit. 'Gini, die zu gern einen studierenden Sohn ge°t habt hätte, fragte noch einmal: „Sollte es Karl Günther' nicht möglich sein, doch zu studieren, wenn er vielleicht eine Kur gebraucht, die seine Augen und seine Brust stärkt!" „Frau Kurz, ich habe eine solche Kur vor etwa fünfzehn Jahren verordnet, ich erinnere mich ganz genau. Wenn Sie damals nach meinen Vorschriften die Lebensweise Ihres Knaben geregelt und überwacht hätten, sq brauchten Sie mich heute nicht zu befragen. Ihr Sohn tut mir sehr leid, aber was sich in der Kindheit bessern' konnte, ist jetzt nicht mehr gutzumachen. Adieu." Das Ehepaar ging ins Zimmer zurück, das Karl Günther inzwischen verlassen hatte. Kurz stellte sich ans Fenster und blickte in den lachenden Frühlingstag. Er schaute auf einen freien, von Bäumen umgebenen Rasenplatz, auf dem sich zahllose Kinder tummelten. Aufs den Bänken saßm Kindermädchen, aber auch jungij Mütter, die mit glänzenden Augen ihre Lieblinge beobachteten, die in der von der Sonne durchwärnttett herben jFrühlingsluft jauchten und spielten. Hier wap Freude, Leben, die hoffnungsvolle Zukunft des Volkes) — und bei ihm, über die Zukunft seines ältesten Sohnes ist soeben der Stab gebrochen worden, denn er kann sich nicht darüber täuschen: Karl Günther ist geistig hervorragend, aber körperlich ein armer Schwächling. Die Mutter hat die Pflege des Kindes vernachlässigt, der Gedanke drängt sich ihm mit elementarer Wucht auf. - Da wendet seine Frau, die schluchzend auf einen Sessel gesunken war, sich zu ihm. „Viktor, ich kann und darf es Dir nicht ersparen. Du hast früher den Jungen nicht so beaufsichügt, wie es nötig war. Es hätte heute vieles anders sein können, und ich brauchte meine Hoffnungen nicht zu Grabe zu tragen." Und sie seufzte tief auf. Da drehte der Mann sich um, und die Bitterkeit, die schon lange stumm, aber stets wachsend an ihm genagt, brach los. „Du wagst mir Vorwürfe zu machen! War cs nicht Deine Aufgabe als Mutter, die Haltung, die Pflege des Kindes unausgesetzt zu bewahren. Ich habe den ganzen Tag zu arbeiten und darf meinem Geschäft keine Stunde entziehen, aber Du, wofür hast Dü Deine Pflichten versäumt!" Er zwang sich zur Ruhe und..sprach weiter: „Ich bin auch schuldig, weil ich. Dir gegenüber zu schwach, ja blind war, aber ich werde Dimer das quälende Bewußtsein haben, daß unser Sohq mll seinem scharfen Geist, mit seinem guten Herzen von der Berufswahl, von den Freuden der gesunden, krässttgen Menschen ausgeschlossen ist." Und dem Mann rannen Tränen in den ergrauenden Bart. (Fortsetzung folgt.) ICi- I Cigarren ■ Uebfrai Partien garren garetten erstklassigen Ursprungs. Cigarren-HQUer, gr.Eschenheimerstr. 31. Uebfraaenstr. 1/3. Tannnastr. 47. I Zum Jahresanfang. ’ Und leise öffnet sich das dnnlle Tor, Vor dem wir alle harren sttll und bang. Und ernst und schweigend tritt aus ihm hervor Das neue Jahr und rüstet sich zum Gang. Wir schau'n ihm stille in das.Angesicht, Um zu enträtseln seiner Züge Spur. Umsonst! Die vielverschlung'nen deut'st Du nicht. Und Hoffnung bleibt und Wünsch und Bitte -nur. Die tiefe Bitte, daß des Ew'gen Macht Zerbrech' das blutbefleckte Schwert dem Tod, Und -aß nach all des Grauens langer Pacht Sich strahlend heb' das lichte Morgenrot. Willi Eilbott. Bunte Chronik. Der Herzlwald. Der konservative „Reichsbote" bringt in seiner Nummer vom 29. August aus der Feder des Palästinaforschxrs Eberhard in Graz einen Arttkel mit der obigen Ueberschrift, der nicht nur wegen seines Inhalts, sondern m£3j wegen des Organs, in dem ererscheint, bemerkenswert ist. Eberhard schreibt u. a. „Alljährlich^ wenn um die Höhe des Sommers die „Jahrzeit" Theodor Herzls wiederkehrt, häufen sich aus den zionstreuen Kreisen, denen Herzl das nationaljiwische Lebensideal gegeben, die Bausteine zu dem Denkmal der Lomler & Laitschl TeL Hansa 3148. Frankfurt a.M., LiebfrauenbergSS. I Specialhaus für Unterkleider und Strümpfe. I Niederlage echter Dr( Lahmann-Wäsche. | Treue und des Dankes, das die stammesstolzen Juden ihrem Führer in dem Lande seiner Sehnsucht errichten. In dem fernen Palästina, auf jungfräulichem Boden, wächst seit Kahren ein Heldenhain heran, der für große Kreise Ziel der Wallfahrt und Zeichen der Hoffnung geworden ist: der Herzlwald. . . . Herzl träumte von einem starken, freien Volk auf fruchtbarer Schalle. Er wies auf den Weg» diesen Traum der Verwirklichung nahezubringen, denn Herzl war trotz aller Romantik seines Wesens doch ein Mann der Tat. Und in Jungjuda wenigstens fand er, wie in den Reihen der „Intellektuellen", Gefolgschaft. Er erlöste durch seinen sittlichen Ernst, durch seine grenzenlose Selbstvergessenheit, .durch seine begeisterte und opferfreudige Dahingabe, durch seine charattervolle Männlichkeit den Willen vieler jüdischer Akademiker aus Verzweiflung und müdem Verzicht, aus den Ketten des Mammonsdienstes und inaterialistischen Sinnes zu hohen Idealen und tatfroher Arbeit. Der Dichter des „österreichischen Reiterliedes", Hügo Zuckcrmann, war einer seiner Getreuen, und in dem echten und schlichten Geist dieses Liedes, in der entschlossenen Opferbereitschast seines Dichters tlebt ein Stück 'Herzlichen Geistes> - Eberhard schließt: „Gerade aber auch aus dem Felde, wo -neben den anderen Söhnen des Vaterlandes auch die Zionisten freudig mit ihren Leibern der Heimat Grenzen schirmen, wo in froher Hingabe ein adliger Jude wie Hügck Zuckermamr den Blutzoll gezahlt hat, ergeht immer aufs! neue die Mahnung an die heimatliche Organisation, in der Arbeit für die Bewegung und ihre Einrichtungen daheim und in dem gelobten Lande nicht zu erlahmen. Als Leitstern gilt <cher für die deutschen Nationaljuden die llare und ehrliche Losung: In allen deutschen Fragen sind wir Deutsche, in allen jüdischen Juden. UitB so zwird denn dps Gedächtnis an die große Zeit, die wir alle jetzt durchleben, auch, in dem stlllcn Erdenwinkel Palästina -für die Zukunft hochgehalten werden dadurch^ daß dort aus tzll den jüdischen Spenden, die die bewegte, gegenwärtige Zeit in Freud und Leid veranlaßt, ein ,/Kriegshain" prsteht, in dem die Träger lauten oder stillen Heldentums fortleben. Es ist der gleiche Gedanke, dev M dem Herzwald zun Tat wird; die Mt abe!r, eine sinnvolle Tat bedeutet nicht nur Vergangenheit, sondern Leben und Zukunft." Statistische Zahle«. Im Jahre 1913 stellte sich in Preußen die Bewegung der jüdischen Bevölkerung wie folgt: geboren aus jüdischen Ehen 5661 (davon 164 totgeboren), aus jüdischen-christlichen Ehen 796 (davon 20 totgeboren) und unehelich von jüd. Müttern 374 (davon! ,9 totgeboren), gestorbcir 5741, Eheschließungen 2482 jüdische, 775 jüdisch-christliche. Humor des Ostens. . Merktvürdig: Die Deutsche» nehmen ein, — und die Russen laufen. Gast: Bei Euch kriechen ja Wanzen herum! Wirt: Wollt Ihr für Enrn Rubel, daß Vögel herumlliegen? Kunst und Literatur. Jeschurun. Monatsschrift für Lehre und Leben 'i»> Judentum. Herausgeber: Dr. I. Wohlgenmth. Heft 8/9. Berlin N. 24. Inhalt: Der Gott der Gerechtigkett. — Grenzlinien zwischen den Begriffen Kodansch und dem heidnischen Tabu (A Blau). — Wie können wir im' Felde die Ehre des Judentums wahren und .heben (M. Jacobson). — Bon den 613 Gesetzen (S. Kaatz). — Aus meinen Kriegserlebnissen (L. Barth). — Beitrag zur Erllärung des Wortes „Kesem" (S. Grünberg). — Rauschhaschonoh-Symbole (H. Deutsch). — Blicke in den Machsor des Versöhnuugstagcs (F. Kantor). — Das Fasten als Mittel zum Wohltun (M. Lewin). — Der Talmüd Aber big .letzten 8 Verse der Thora (D. Hoffmann). — Eine Erzählung aus dem Sohar (E. Biberfell,). Kaiser Friedrich Quelle —— Offenbach a. K. —— Gegen Giaht «ad Bhenmatlgm« bewährt» Alleiniger General -Vertreter: Friedrich Stahls Frankf.a.M., Günthersb.-Allee 37. TeLHansa259n.714. Wocheu-Kaleuder. Freitag abend beginnt JaUMkipPUr. Fastenbeginn. 6.33 Uhr, Fastenende 7.12 Uhr Frankfurter Zeit. Aus dem Prophetenwort des' Tages seien folgende Worte hierher gesetzt: -,Siehe, zu neuem Streit und'Hader fastet ihr hin und .um auch weiterhin zu Wagen mit-frevelnder Faust. Ihr fastet aber nicht, um eure Stimme in der Höhe vernehmen -zu lassen. Ein solcher wäre der von mir erwählte Fasttag, an deM sich ja der Mensch in seiner Armut begreifen soll? Rr.! Etwa da und Ast nennen. Ist Lockerun desJoü und daß Für! zu brech> wo du - deinem < Dan auch bei her gehl nimmt l rück, nil ligen Ti Ge Reutertn Feld. - « Ge ord. <— Be Rechtsai Ge Margon Friedlac Haupts G (< i Synagi 8l)»«bi Franks Rechne E

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