Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 34 (3.9.1915)
- Date
- 1915-09-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Stratzburg i. Elf. Am 2« August verschied nach vierwöchigem Krankenlager an Herzlähmnng Oberrabbiner Abplf Ury. Mit chm verliert die hiesige Gemeinde einen von hohem Idealismus erfüllten Seelsorger, den Pflichttreue und unermüdlicher Fleiß, Herzensgute und Friedensliebe, wahre Frömmigkeit und Duldsamkeit in gleicher Weise auszeichneten. Als Geistlicher, ms Vizepräsident des Konsistoriums des Unter-Elsaß, als Mitglied zahlreicher jüdischer und interkonsessioneller Körperschaften und Anstaltsverwaltungen entfaltete er eine überaus vielfältige und segensreiche Tätigkeit, die chm die Wertschätzung und Liebe der ganzen hiesigen Gemeinde und des ganzen Konsistoriachezirkes und die Achtung und das Vertrauen seiner Mitbürger ohne Unterschied des Glaubens erwarb. Von dieser hohen Achtung legte beredtes Zeugnis die Teilnahme an der Beerdigung ab, die Freitag vormittags stattfand und mit einer Trauerfeier in der Synagoge begann!. Bis auf den letzten Platz war das große Gotteshaus besetzt. Unter den Teilnehmern sah man: stellvertretenden Kommandierenden General Ritter Hentschel v. Gilgenheimb, Vortragenden Rat Dr. Dieckhoff als Vertreter des Statthalters, Unterstaatssekretär Dr. Frcnken, einen Hanptmann als Vertreter des Gouverneurs der Festung Straßburg, Bezirkspräsident Pöhlmann, Präsident des Oberkonsistoriums der Kirche Augsburgischxr Konfession Freiherr v. d. Goltz, Generalvikar des Bistums I oft, Beigeordneten Dr. Timme, Ministerialrat Dr. Lau che r, Regierungsamtmann Dr. Ahrsndts als Vertreter des Polizeipräsidenten, eine Wordnung des städtischen Armem: aü u. a. sodann fast sämtliche Rabbiner des Unter-Elsaß und Lothringens, während aus denk oberelsäßischen Sperrgebiet nur einer hatte kommen können, sowie Präsident des oberelsäßischen Konsistoriums Bankier Mannheimer und für das lothringische Konsistorium Bankier Beer. Bei der Trauerseier, die mit Gesang eingeleitet und geschlossen wurde, schilderte der hiesige Rabbiner Dr. Marx und Oberrabbiner Dr. 'Netter- Metz Charakter und Wirken des Entschlafenen. In der Leichenhalle des neuen israelitischen Friedhofes sprachen sodann noch der Präsident des unterelsäßischen Konsistoriums Justizrat Dr. Scholl inr Namen des Konsistoriums, der Gemeindeverwaltung und sämtlicher jüdischen Vereine und Anstalten, Bankier Mannheimer für das oberelsäßische Konsistorium, Fabrikant Bing für 'den Fürsorgeverein für entlassene Strafgefangene, Rabbiner Dr. Levy-Hagenau als ältester Rabbiner im Namen der Berufsgenossen und Rabbiner Dr. Dreh fuß-Saargemünd für die Familie, worauf die sterbliche Hülle des Entschlafenen neben der seiner Gattin und eines Sohnes, die beide vor 2 Jahren ihm im Tode voraus gegangen waren, in die Gruft gesenkt wurde. — Ehre seinem Andenken! 1894 in Niederbronn i. Elf. geboren, hatte Dr. Ury das Gymnasium in Buchsweiler, dann das Rabbinerseminar in Paris besucht, wirkte als Rabbiner zuerst in Lauterburg, später in Brumath, von wo aus er auch gleichzeitig an dem früher hier befindlichen Rabbinersemiuar als Lehrer der Exegese tätig war; bis 1900 war er sodann Oberrabbiner in Metz, in welchem Jahre er hierher berufen wurde. Als an Stelle des Landesausschusses der elsaß-lochringsche Landtag trat, wurde er als Vertreter der drei Konsistorien in die Erste Kammer gewählt; er gehörte außerdem n. a. dem Bezirksunterrichtsrat und dem Armenrat der Stadt Straßburg an und war Ritter des Roten Adleäordens 4. und des Kronenordens 3. Klasse. Genf. Dr. Emil Berger, seit Jahrzehnten einer der hervorragendsten Vertreter der deutschen Wissenschaft in Frankreich, feierte seinen 60. Geburtstag. Für seine Diagnostik der Krankheiten der Keilbein!-- höhle erhielt er von der französischen Akademie der Medizin einen Preis. Sehr bedeutungsvoll ist auch seine Lösung des Problems der binokularen, einfachen Lupe. Berger gilt auf dem Gebiete der Präzisions-Mechanik als Autorität, es wurde ihm und schon 1885 in London aus der Internationalen Ausstellung der Erfindungen eine sinnreiche Vorrichtung, die Kombination der Korrektiousgläser der Refraktions-Augenspiegels automatisch zuzuführen, prämiert. Diese Vorrichtung kam in fast allen neuen Augenspiegeln zur Verwendung. Ms der Pariser WeltausstLung 1900 betraute ihn der österreichische General-Kommissär B. Exner, ihn vor der Jury für die wissenschaftlichen und medizinischen Apparate zu vertreten und bearbeitete er dieselben auch in dem ossiziellen Berichte Oesterreichs über diese Ausstellung. Im Jahre 1913 gehörte B. dem Ehrenkomitee der ftanzösischen Abteilung der Internationalen Ausstellung in Barcelona an. Seine wichtigsten Arbeiten in der Augenheilkunde betreffen die Beziehungen derselben zur allgemeinen Medizin, welches Gebiet er auch, in dem großen ftanzösischen Handbuche der Augenheilkunde, an welchem die Koryphäen der lateinischen Länder teilnahmen, behandelte. Unter den Mitarbeitern desselben ist er der einzige deutscher Abstammung und jüdischen Glaubensbekenntnisses. Eine Anzahl von Staaten haben den Gelehrten mit Ordensauszeichnungen, einer mit der Erhebung in den Adelstand geehrt. Seit Jahren gehört der Gelehrte als ausl. Kvrresp.- Mitglicd den königlichen Akademien der Medizin von Belgien, Spanien und Turin am Warschau. Josef Nathansohn hat aus Gesundheitsgründen sein Amt als Mitglied der Stadtverwaltung niedergclegt. Cafe Kaisergarten am Opernplate fiiratklassigeH Famillen-Cafö Nachmittags Konzerte. Fr» Hanselmann, Besitzer. Frankfurter Israelitisches FamMenLlati. I Lomler & Laitich TeLHansa3148. Frankfurt a.M., Liebfranenberg33. Spec.ialhaus für Unterkleider und Strümpfe. Niederlaee echter Dr. Lahmann-Wüsche. I Frankfurter Berichte. Reue Stiftuug. Bon dem verstorbenen Herrn Ignatz Mbert Sichel ist eine Ignatz und Anna Sichel-Stiftung zur Erziehung jüdischer Knaben mit einem Kapital von V/a Millionen Mark begründet worden.- Nach den Bestimmungen des Stifters soll aus den Beträgen ein Gebäude errichtet werden, in welchem Kiiider, die das 6. Lebensjahr zurückgelegt, gesund nnd gut veranlagt sind und von hilfsbedürftigen, vorzugsweise von gebildeten Eltern stammen, erzogen werden sollen. Die Verwaltung der Stiftung ist 7 hiesigen Bürgern übertragen, die von bestimmten Vereinigungen zu.wählen sind. Der 1. Vorstand, dessen Vorsitzender Herr Dr. Adler, Hebelstraße 15 ist, hat mit Rücksicht auf die durch den Krieg geschaffene Notlage die landesherrliche Genehmigung erhalten, daß die Stiftung sofort in Kraft treten und bis zur Errichtung des Anstaltsgebäudes einen Teil der Zinsen für die Erziehung von Knaben verwenden darf, die in Folge des Krieges verwaist oder deren Eltern in Folge des Krieges in einen hilfsbedürftigen Zustand geraten sind. Sabbatfteie Stelle«. Herr Martin Meyer hat, nachdem er sein Amt als Verwalter des Israelit. Gemeindehospitals niedergelegt hat, seine ganze Lebensaufgabe der Erhaltung des Sabbats geweiht. Kein Geschäftsmann kamt eiftiger in der Verfolgung des Erfolges sein, als Herr Meyer bestrebt ist, jungen Leuten sabbatfreie Stellen zu besorgen. Herr Meyer ist täglich um 8 nnd uni 3 Uhr in seiner Wohnung Königswartherstr. 11, Part., zu sprechen. Es sei besonders an die Arbeitgeber das Ersuchen gerichtet, Herrn Meyer in seinem edlen, großen Tun zu unterstützen. Persoualie«. Mit dem im Alter von 62 Jahren verschiedenen Herrn Moritz Metzger haben mehrere Frankfurter Wohltätigkeitsinstitutionen eine.ihrer leitenden und unermüdlich tätigen Persönlichkeit verloren. Er war stcllv. Vorsitzender des Israelitischen Hilfsvereins, Vorsitzender der Stiftung für gebrechliche oder verwahrloste bedürftige israelit. Kinder und des Raphael und Jeanette Ettlinger- Heim und saß in der Verwaltung der Ignatz und Anna Sichel-Stiftung.' Herr Metzger war eine sympathische Persönlichkeit. Sein einziger Sohn siel jüngst auf dem Felde der Ehre. ICi- I Cigarren | Mebfrai Partien garren garetten erstklassigen Ursprungs. Cigarren-MQUeP; gr. Eschenheimerstr.31. XiebCraaenstr. 1/3. Tannmatr. 47. I fenlDeton. Um das Glück. Nodelle von Jacob Levh. (Fortsetzung.) Kapitel 3. Um dieselbe Zcft, da Kurz mit seinem Freunde Beck die grimme Auseinandersetzung hatte, drängten in der Großstadt sich die winterliche Vergnügungen. Auf der Straße war es kalt, der Schnee wurde jedoch von einer fürsorglichen Stadtverwaltung rasch entfernt. Dick Kinder lasen in dem Lesebuch pon hem fiVinter, sic wußten Anffätze über den Schnee, über SchMcnvergnügen schreiben, die ihnen der Lehrer recht anschaulich geschildert hatte, das war eigentlich fast alles, was viele außer kalten Fingern und Füßen vom Winter hatten. Dafür waren sie Großstadtkinder. Aber in dem Dorf Rüland, tief im Gebirge, war cs anders. Da lag der Schnee in den Straßen nnd auf den Dächern, jeder Busch trug sein weißes Pelzmützchen und im nahen Wald erst, welche Pracht! Der weiße Flaum auf jedem Ast, auf dem dünnsten Zweiglein, und das blitzte und glitzerte inr Sonnenschein. Und die Kinder kamen auch auf ihre Rechnung. Wie tummelte sich das auf dem Eis und im Schnee! Wie jauchzten und strampelten die kleinsten Wichte und freuten sich und konnten trotz der grimmen Kälte nicht genug kriegen. Auf der Landstraße nahe der Post war ein Haus, in dessen Fenstern im Erdgeschoß einige Stücke Zeug, ein Zuckcrhut und einige Glaskästen mit Spezerciwarc» darauf hiiiwiesc», daß dergleichen dort zu erstehen sei. Die zum Laden führende Tür war geschlossen, gehen wir eine Treppe höher zum Schlafzimmer. Da saß oder lag vielmehr eine alte Frau .in einem Sessel neben dem Bett, nur leise und mühsam atmend. Neben ihr saß ihr Mann, den Kopf über eine Gemarah gebeugt. Ein Mädchen von etwa fünfundzwanzig Jahren, dessen schönes, regelmäßiges Gesicht einen, nach- Nr. 34 Nr. I denklichcn, ernsthaften Zug zeigte, ging ab und zu, flc»| räuschlos hantierend. „Jenny", flüsterte die Frau. Das Mädchen ging zu ihr. „Mutter?" „Ich habe Durst. Nein", rief sie weinerlich, „uid||| Tee, Wasser." Das Mädchen brachte Wasser. „Nein, das ist doch zu kalt, gib mir lieber Tce."I Das Mädchen hörte geduldig die endlosen Klage»! der Kranken an und ward nicht mnd, sie zu bediene,,.! Da ertönte die Türschellc, das Mädchen ging hinaus! und führte nach einer-Weile einen wohlbeleibten, ältere,,! Herrn mit gutmütigem, klugen Gesicht ins Zimmer.! Es war der Arzt. Er ging zur Kranken „Nun Fra»! Isaak, lvie geht's?" „Ach Herr Doktor, schlecht, immer weniger Luft."! „Nun, wir wollen nachsehen." Der Arzt untersuchte die Frau, dann sagte cr.J „Nun, bei der Kälte wird der Katarrh nicht sofort! aufhörcn, aber es ist nicht schlimm, Sie müssen Geduld haben, die halbe Welt ist krank." Er erhob sich und bemerkte jetzt den Mann, der,! ohne aufzuschen, in das Buch blickte. Er ging zu ihm! und legte ihm die Hand auf die Schulter, „Herr Isaak,! so vertieft im Torahstudium!" Der Greis antwortete nicht nnd ließ den Kobs! noch tiefer sinken. Der Arzt schüttelte den Kopf, nahm die Hand de-! Greises, prüfte den Puls, die Augen, dann tvinkte er I dem Mädchen ins Nebenzimmer: „Jenny, Du bist ein! starkes Mädchen, das mußt Du jetzt beweisen. Dein! Vater —." Das Mädchen rief: „ist tot!" „Ja Kind, er ist sanft hinübergeschliimmert. Jchl habe Dich ja vor Monaten schon darauf vorbereitet,! daß ein milder Tod ihn einmal unerwartet abrilsc»! könne." Das Mädchen sank in einen Stuhl und brach tu | erschütterndes Weinen aus. „Tröste Dich Jenny, Deinem Vater war der Tod! eine Wohltat, schlimme Unbilden sind ihm erspart ge-! blieben, Gott hat es gut mit ihm gemeint." „Arme Mutter", schluchzte das Mädchen, „ach Herr! Doktor, wenn sie nach dem Vater fragt?" Der alle Mann sagte mitleidig: „Jenny, sie tmtbj nicht mehr viel fragen. Du mußt Dich fassen, ihre Tage sind gezählt. Tröste Dich, die alte Frau lebt I ja seit Jahren nicht mehr, sie vegetiert nur, und wer! es mit ihr und mit Dir gut gemeint, muß wünschen,! daß sie von ihren Leiden nun bald erlöst werde." „Dann bin ich allein Herr Doktor, dann ist mein| Leben zwecklos geworden." Er erwiderte energisch: „Nein Jenny, dann wirst I Du nach den fortgesetzten Opfern, die Du in rührender Kindesliebe Deinen alten Eltern gebracht hast, aufblühcn zu glücklicherem Leben. Du iveißt, daß mein Haus Dir offen steht und meine Frau Dich als Freundin, als liebe Tochter empfängt. Bleibe jetzt bei Deiner Mutter, ich übernehme alle nötigen Schritte für Beerdigung und Minjan. Ich bringe meiner Frau Botschaft, dann ivird | sie zu Dir kommen und Dir beistehn." „Jenny drückte die Hand des alten Freundes:! „Herr Doktor, lvie soll ich Ihnen danke«!" „Unsinn, gehe zu Deiner Mutter." Während das Mädchen sich über die Mutter beugte, rollte der Doktor den Sessel mit der Leiche ins Neben-! zimmer. Dann entfernte er sich. Nach einer halben Stunde kamen die Männer der Chewrah Kadischa und walteten ihres Amtes. Frau Isaak hörte von all dem nichts. Ein gütiges Geschick hatte ihr am letzten Tage ihres Lebens die Erinnerung genommen, sodaß sie den treuen Gefährten, mit dem sie fast dreißig Jahre lang Freude und Leid geteilt hatte, nicht entbehrte - nnd der Schmerz der Trennung ihr erspart blieb. Wie der Doktor cs voraussagte, kam es auch; sie folgte dem Gatten bald nach. Ohne Schmerzen, ohne Todeskampf war sie in der Nacht entschlafen und ließ die Tochter allein zurück. (Fortsetzung folgt.) I fw Ditffl ML, A. KU SchlllBnmtr. 18m Telephon I, 8630. Seifen^ Lichte; Kamm* und Bflrstenwaren, Besen etc. Cosnretische Spezialitäten. I Offenbaeber Druckluft-Anlage! I Ottenbach a. M. Telefon 123. (Anschluss mitFrankfnrtj f I Bewährteste TappichraloiDang (100,000 qm jährlich)! ■sowie-unübertroffene Bottenu. Bettfedornrelnl- Imm gang mittelst Druckluft nnd Wasserdämpf. Her, Gchetbü in Rom Ich int büche Dr. Net Frankfu: »Al sich in und di, Heimat stimmun sind, de von Mi Geldnnt Nev 247 E.l i Aller Fra« Gabt Sab! Wo Ermahn Israel. 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