Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1915-08-27 · Heft 33 (27.8.1915) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 33 (27.8.1915)
Date
1915-08-27
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2692297-2692924-2692956--09115-2704299
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Rnii mm ers a, ls, ziv N Staj e Dciji m reu een PK rdGttl Don de örmigkc ung eseabeni >end z, i Jnha linn tu, ten, ui Aufga für di stzimnic auf de hinten tzte Ha, sie, u, Wagl :re zog, in ein, >werc d usläusc, : Wmte > aus Knick, d :m lcuc imtfarbi iediad» chsichtig sllos III ch moch )rcu toi r Schm oder d wrf. B der eil« lugen n Ä ich im ich hi caim ih idlich a uns u steni elten l« i Wage Haft üb den ci wir a das Lsj )nnst », den Wä in groß, Ein Sii außen d neu II; »alle tu Soden a ten. Kopf einer ld Herr ihre E >en Hal kenzeiche lit laug en, sodl Nur l der c« von ein t schmal : Daius erblicke end u> md hcn md uni Vorher Nr. 33 Frankfurter Israelitisches FamilienAatt. «eite 5 Die Bühne war gänzlich verhängt durch ein davor gespanntes schwarzes Tuch, aus dem sich ein Viereck aus weißem durchscheinenden Tüll abhob, das von sinnen erleuchtet war. Den Thron Gottes sollte dieses Viereck bedeuten, denn das Vorspiel des Stückes spielte, gleich dem des Faust im Himmel und in einer Zwiesprache zliiischen Gott und dem Satan. Und eine Art russischjüdischen Faust war es, dessen Geschichte wir nun 'verfolgten. „Ssatana" (des Teufels) oder „Got, Mensch ün (und) Taifel", so ist der Titel des Dramas, das ein bekannter amerikanischer Jargondichter geschrieben hat. Seine Fabel ist kurz die folgende: Gott erlaubt dem Satan, den frommen Rebbe Dnbrowner, einen armen Tallisweber, dadurch in Versuchung zu führen, daß er ihn reich macht. In Gestalt eines verirrten Kaufmanns kommt jener in das Hans Dnbrolvners und gibt ihm als Entgelt für seine Aufnahme ein Lotterielos, auf das er ihn dann 50,000 Rubel gewinnen läßt. Und wie immer in Märchen und Sage und wie so oft in Wirklichkeit, erliegt der Fromme dem verderblichen Einfluß des Geldes. Eine Fabrik zur Großherstellung von Tallesim, die er in Gemeinschaft mit seinem Wohltäter ins Leben ruft, richtet die kleine Industrie des Ortes zugrunde. Seine ehemaligen Freunde und Genossen seiner Armut und Gottesfurcht müssen zu ihm in Taglohn kommen, und der Verlobte der einen seiner beiden Pflegetöchter wird, von der Maschine zerfleischt, sterbend in einen blutigen Tallis gehüllt, auf die Bühite getragen. Sein Kompagnon, der Satan, treibt ihn, seinen alten Vater aus dem Hause zu jagen, seine treue Gattin zu verstoßen und seine andere Pflegetochter zu heiraten. Diese wird wahnsinnig in seinem Hanse, zwischen dessen reichen Möbeln die Unruhe und die Gier wohnen, und langsam wird dem Reichen klar, daß der Gewinn sein Leben verdorben hat. Nach einer Szene, in der alles, sein verstoßener hungernder Vater, sein armes darbendes Weib, seine elendgemachten Freunde von einst, auf ihn einstürmt, erhängt er sich an dem blutigen Tallis auf offener Bühne am Drücker des Geldschranks. Das Stück arbeitet also mit Mitteln und Effekten, denen wir auf unserer Büne schon längst entsagt haben. Wie lebendig aber, wie überzeugend, wie hinreißend sogar wirkte es hier, auf dieser einfachen Szene, die ihr Licht von flackernden Wachskerzen empfing, und vor einer Menge, die, enge aneinander gepreßt, in völligem Dunkel dasaß, ganz hingegeben, an das Spiel, dessen Gestalten so ganz ihrem Leben entnommen waren. Und dazu diese harten Laute des Jüdischen, das wie kaum eine andere Sprache dazu angetan zu sein scheint, Jammer und Elend, Angst und Verzweiflung auszudrücken. Fast ohne Pause wurde gespielt, aber Stunde reihte sich an Stunde, ohne daß das Ende des Stückes abznsehen war. Unerträglich heiß wurde es allmählich in dem Raum, der fensterlos schien und keinerlei Ventilation hatte. Es gab keine Garderobe, um die Pelze abzulegen, und kein Büffet, um sich oder wenigstens den Damen Erfrischungen zu verschaffen. Wohl suchte ich einmal in einer längeren Panse danach. Aber alle Nebenräume fand ich dunkel und verschlossen, nur in einem der nach der Straße hinausgehenden brannte noch Licht. Beamte und Offiziere waren hier noch beim Billiardspiel. Ein müder unlustiger Aufwärter lehnte an der Wand, aber ich konnte nichts anderes von ihm erhalten als Zigaretten und Schnaps, nicht einmal einen Trunk Wasser. Westeuropäischem Geschmack mag es seltsam erscheinen, aber die Damen, die sich schon oft in ähnlicher Lage befunden haben mochten, halfen sich, indem sie an den kühlen noch feuchten Blüten sogen, mit denen ihre Brust geschmückt war. Nach beendeter Vorstellung, die Nacht war schon weit vorgeschritten, bestiegen wir wieder den Wagen, der uns in schneller Fahrt, für deren Reize mich aber Müdigkeit und die Fülle des Geschauten unempfindlichgemacht hätten, nach Hause brachte. Hier in der Entzogenheit des Ortes blieb der Abend noch auf lange hinaus Gesprächsstoff, und mir, der ich bald darauf Rußland wieder verließ, eine unvergängliche Erinnerung. Elektr. Licht«, Kraft-, Schellennnd Telefon-Anlagen. Tel. Tannas 4389. ff. Referenzen. Sayignystrasse 51. Krmle Chronik. Paul Ehrlich f. «. Die gigantischen wissenschaftlichen Leistungen Ehrlich's, sein souveränes Genie, seine bahnbrechenden Erfindungen zu schildern, ist wohl überflüssig, — und das haben ja mehr oder weniger die Tageszeitungen in ihren 'Nekrologen An Judas Jugend. Von Hugo Znckermann. Sei du das Schwert, ich will den Arm dir leih». Sei du der Schaft, den sch mit Erz bewehre. Du'sollst des Volkes Kort und Hoffnung sein: Ein treuer Hüter vor dem Tor der Ehre. Dort harre aus die lange, bange Nacht, Bis daß der Morgen dämmert von den Bergen, Und halte schwertgerüstet Totenwacht An deiner Väter blutbefleckten Särgen. besorgt. Einer späteren Kulturgeschichte bleibt es Vorbehalten, Genaures und Gründliches darüber zu berichten und ein Endnrteil über dieses kostbare Menschenleben voll ungeahnter Schätze zu fällen. Aber Ehrlich als eines Inden zu gedenken, der stets mit Stolz seine Älbstaminung anerkannte — und keine Vogelstraußpolitik trieb, das wag an dieser Stelle geschehen. Er war darin eigenartig, festgefügt tuiu in feinen wissenschaftlichen Anschauungen. An ihm prallten alle Versuche zur Fahnenflucht einem „wissenschaftlichen Linsengericht" zu Liebe wirkungslos ab, und', er hat es erst Umwege» kurz vor seinem Tode zum „ordentlichen" Professor gebracht; — was lag ihm daran? . . . Sein ganzes Gefüge, sein hoher Ideenflug, seine Zähigkeit in der Verfolgung wissenschaftlicher Zielq — und nicht zuletzt sein eminenter Scharfsinn — waren jüdisch» echt jüdisch ... Es warein Erbstücke jener großen Ahnen, welche einst in Schlesien und Polen gelehrt und „gelernt" . . . Ja stolz können wir auf ihn sein, ans unseren treuen Volksgenossen Paul Ehrlich . . . „Ehrlich" war er seinem Volk gegenüber, ehrlich hat er der Menschheit gedient. „J'sroel ascher bechoh espoör" können wir mit Recht ausrufen! Und wahrlich auch: Secher Zaddik lewrochoh! Ehre seinem Andenken! , Dr. med. Ratner, Wiesbaden. Zur Geschichte des jüdische« Zeitungswesens. S. Zinsberg hat ein Buch über die jüdische Presse ist Rußland erscheineiru lassen. Als erste jüdische Zeitungen überhaupt stellt er „Gazette de Amsterdam" 1678 und „Kurant", gleichfalls in Amsterdam, 1687—88 fest; erstere erschien in spamolischer Sprache, letztere in dentschjüdischer. Die Zeitungen waren nur Nachrichtenblätter und hatten keine Tendenz. Ilm 1760 herum erschien in Deutschland unter Redaktion eines Benjamin Krageberg eine belletristische Zeitschrift: „Der große Schauplatz. Lust- und lehrreiche, auch traurige und wunderliche Geschichten." Gegen Ende des 18. Jahrhunderts begann, in her deutschen Jndenheit die Aufklärungsperiode (Haskalah) und damit nicht mir der Kampf gegen das traditionelle Judentum, sondern gegen alles, was jüdisches Gepräge trug, vso erscholl denn auch der Ruf gegen das „Judendeutsch", und unter diesem Kampfruf erschien kurze Zeit eine hebräische Zeitschrift („Dieasef"). Bald aber war das Ende der Aufklärer Assimilation und Taufe. Humor des Ostens. Auf der Ostfront lernen die Russen die Sidrah »Li seizei" und die Deutschen ,M sowau"/ — und auf der Westfront lernen die Franzosen „Nizowim" und die Deutschen werden bald mit „Wajelech" beginnen.. JA. Wiere, Optiker, Liebfrauenstr. 1. Brillen, Fincenez, Operngläser, Feldstecher! in jeder opt.-mechan. Spielwaren ] Preislage Eisenbahnen, Dampfmasebinen, Laterna-Magica,. Kineinatooraphon etc. Kunst mW Literatur. E i n Gruß der F e l b r a b b i n e r an die jüdischen Kameraden im deutschen Heere zu den Herbstfeiertagen 1915. Herausgegeben vom Verband der deutschen Inden, Berlin W. 35. Inhalt: Stark ist meine Kraft durch Gott (Dr. Italiener). — Das Grab am Wege (Dr. Sali Levi). — Gottesdienst und Heimat (Dr. Reinhold Lewin>. — Religiosität im Felde (Dr. Sänger). — Zum Bersöhnungstage. Die Augen des Krieges (Dr. Wilde). — Prophetenabschnitt für beit_ Bersöhnuugstag (Dr. Bärwald). — Jom Kippur 1914 (Dr. Chane). — Bekenntnis zum Hüttensest. — Du hast uns auserwählt (Dr. Emil Levy). — Von des Krieges Sonnenseite (Dr. Arthur Levy), — Zum Hüttenfest (Dr. Sonderling). — Koheleth (Dr. Salzberger) Licht. Ein vierteljährliches Sammelbuch. Nr. 3. Jassy, Verlag ,Ladimah." Kaiser Friedrich Quelle - Offenhaoh «. X. — ■ Gegen Gleht nnd Bheamäti smaii bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Frtedrloh Stahl, Frahkf.a.11.. Günthersb.-Allee 37. Tel.Hansa259n.714. Wochev-KalerWer. (Zeitangaben nach dem Laach.) Samstag, den 28. August 18. EUnl.) Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 45 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 8 Uhr 05 Min. in Berlin 7 Uhr 51 Min. Wochenabschnitt: Ki-sowau. — Das Bringen der Erstlingsfrüchte nach Jerusalem. Der zweite Maaser (Zehnte). Aufstellung von 12 Steinen am Jordan mit der Lehre. Die Fluch- und Segensformeln am Ebel und Gerisim. Die große Strafpredigt (Tauchocho). Gedankenschwere Worte bringt der heutige Wochenabschnitt ans der Thora. Er legt den Fluch auf den. der nach außen ehrbar und gut; scheint, aber in seinen Erwägimgen sich in Wirklichkeit von Selbstsucht nnd Hartherzigkeit bestimmen läßt, überall einseitig seinen Vorteil herauszuschlagen sucht oder in seinem Gespräche mit der Ehre seines Nächsten leichtfertig umgeht» oder die Grundlehren der Sittlichkeit verletzt. Aber auch auf den für sich Frommen, der nicht seine Kraft für die Erhaltung der Gotteslehre einsetzt, wird der> Fluch gelegt. Gedankenschwer ist auch die große Strafpredigt Moses, die Israels Zukunft zeichnet, je nachdenll, ob Israel Gottes Worte beobachtet oder nicht. Wochengottesdienst in Frankfurt a. M. Morgens: 6 Uhr in den meisten Synagogen (Bockenheim, Unterlindan 6-s "Uhr, Hanptsynagoge 7 Uhr, Königsteinerstr. 7ch» Uhr)/ Abend: 6s/i Uhr in den meisten Synagogen (Ilnterlindau, Bockenheim 6l/-‘ Uhr, Hauptsynagoge 4 Uhr, Königsteinerstraße 7 Uhr). lOffieobaeher Druckluft-Anlage! I Olfsnbach a. M. Telefon 123. (Anschluss mit Frankfurt).! I Bewährteste Tcpplehnlnlliaag (100,000 qm jährlich)! ■ sowie anQbertrofiana Battann. Bettfadararalnl-1 gong mittelst Drncklnft nnd Waaserdampf —J1 Araukfurler KamMemmchrlchte». Geboren. E. Tochter B. Grünstein (Schmitt), Gutleutstraße 83. Barmizwos. Berth. Bodenheimer, Schellingstr. 7, Synagoge Börneplatz. Verlobte. Jda Stranß-Silzdorf mit Ludwig Haimbach, Habsburger Allee 72. Gestorben. Herz Loeb Oppenheimer, 65 I.» Sandweg 48. — Julius Neugaß, 45 I., Eschersheimerlandstraße 122. — Wirk!. Geheimer Rat Prof. Dr. Paul Ehrlich, 61 I. Auswärtige Familieuuachrichte». Geboren. E. Sohn Siegfr. Rothholz (Loewenstein), Breslau. , Verlob t e. Lola Edel mit Erwin Wachsmann, Berlin. — Herta Cohen mit Henry Bachmamr, Hamburg. G e st o r b e n. Martin Kroner, 30 I.; Arthur Lewinsohn, 27 I.; Harry Sachs, 33 I.» Berlin, im Feld. — Carl Pieck 59 I., Berlin. —, Dr. Alfred Ephraim, 52 I., Breslau. — Zadok Sutheim, 57 I., Bielefeld. — Ferdinand Bieberfeld, 66 I.» Lissa. — Alfred Haymann, 19 I.» Aachen, im Feld. — Hermann Schönfeld, 72 I.» Worms. — Leopold Freund, Siorndorf, im Feld. — stjnd. Ernst Kraemer, 22 I., Mannheim, im FeW — Moritz Schaffner, 61 I., Mainz. — Sigm. Schl lichterer, 76 I., Stuttgart. — Joseph May, 74 I., Kaiserslautern. — Ignatz Karpeles, Prag. — Hermann Flatau, 81 I., Posen. — Sanitätsrat Dr. Rudolf Caro, 53 I., Landsberg. — Assessor Erich Hahn, 26 I., Rogasen, im gel& — Gerhard Moses, 20J.» Tnchel, im Feld. — Dr. Ernst Pariser, Jena. Spende«. 12.— Jk 1 — 6 — 6.— Bei der Nationalfondskommission (Jsace Heimann, Zeit 21) gingen ein: Dipl.-Jng. Kaufmann, z. Z. im Felde Frau M. Levigard gratuliert Familie Tachaner und Joseph, Oberursek Frau Betty Zimmern znm Andenken an ihren unvergeßlichen Gatten 1 Oelbaum Dieselbe zum Andenken au ihren unvergeßlichen Sohn Edmund 1 Oelbaum P a läst i na-No tst a n ds --A kt io n. N. N. Referendar Hugo Wohlfahrth Frau Hedwig Schottenfels Julius Mayer zur Zeit inr Felde Der Jüdische Wanderbund gratuliert Postrat Joseph und Familie zum Enkel Büchse nleerung. Postrat Joseph, Oberursel 50.- 20.- 25.- 5.- o.— 4.62 Bereius-Saleuder. Samstag. Mekor Chajim, 4 Uhr: Mikro-Bortrag (acnd. phil. Donath). — Montefiore, 11 Uhr: Schiur (Dr. May); 5 Uhr: Sidra-Erklärung. Sonntag. Mekor Chajim, .7 Uhr: Ein Jaakauw (Schachnowitz). — Montefiore, 7.30 Uhr, Schauspielhaus : Homburg, Schmitten usw. Briefkasten. K. Der Satz in dem Leitartikel des hiesigen „General- Anzeigers": „Der Beitritt Italiens znm Bierverband und die große Gäbävde, die das ganze' Volk seinem Herrn Rappaport abgelauscht hat" — ist eine antisemitische Liebenswürdigkeit. Die Zeitungsente, Gabriele d'Annunzio sei der Sohn eines galizischen Juden, die von antisemitischen Mättern sofort freudig aufgegrisfen wurde, hat sich auch der General-Anzeiger zu eigen gemacht. Gabriele d'Annunzio' ist e in waschechter katholischer Christ nnd italienischen Geblütes. B. in M. Die Nachricht der Petersburger Börsenzeitung, die russische Regierung wolle den Juden Freizügigkeit gewähren, kann, — gesetzt der Fall, daß die Nachricht wahr ist — nur ein schlechter Scherz der Regierung genannt werden, denn der größte Teil des jüdischen Ansiedlungsrayons ist doch' jetzt in den Händen der Zentralmächte.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.