Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1915-07-16 · Heft 27 (16.7.1915) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 27 (16.7.1915)
Date
1915-07-16
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2692297-2692924-2692950--09061-2704239
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Frankfurter Israelitisches FamilienAstt. iii 27. in die Heimat, und ihre lieblichen Buchenwälder er-v schienen mir iveit reizvoller als die Palmenhainc des Züdcns. So wunderlich ist nun einmal das Menschenherz. —. — In dem verwitterten Dolerit des Rosenbergs hatte ich vor Zeiten manchen hübschen Augitkrhstall gefunden. Auch heute suchte ich deshalb danach, und wirklich — aus dem hellbraunen Schutt glänzten mir mehrere entgegen. Wie ich mich freute mit diesen Kindern meiner Heimat. Aber das schönste Stück erspähte doch der Richard — ein Agglomerat tiefschwarzer, spiegelnder Rhomboederlrystalle, so groß wie eine Kinderfaust, das jetzt eine Zierde meiner oryktognostischen Sammlung und mir daher doppelt wertvoll ist. Mit Ausnahme des jüngsten Enkels der alten schimmcsche, der mit seiner Schwester noch int väterlichen Hause wohnte, waren keine Juden mehr in Aicdcrmciser. Fortgezogen oder verstorben. Auf meinen Vunsch führte uns der letzte der Rosenbcrge nach dem jüdischen Friedhöfe, wozu er den Schlüssel hatte. Der lag gleich hinter seinem großen Gemüsegarten und mar durch einen tiefen Hohlweg von dem christlichen getrennt. Ich war ein kleines Kind, als man den ersteren anlegte and erinnerte mich noch sehr gut daran, wie damals die jungen Bäumchen eingesetzt wurden. Jetzt ragten sic haushoch empor, und ihr ' kühler Schatten tat uns wohl in der Nachmittagshitze. Die waren groß geworden, während alles andere mir viel kleiner vorkam. Felder and Wälder, Fluren und Triften, die Warme und Rühre nicht ausgenonimen, erschienen mir winziger wie khcdem. Das geht wohl jedem so, der nach langer Zeit die Stätten seiner Kindheit wieder aufsucht. Man konnte glauben ein Erbbegräbnis vor sich zu haben, denn auf allen Grabsteinen kehrte der Name Rosenbcrg wieder. Nur der meines alten, lieben Lehrers Satz, machte eine Ausnahme. Im Stillen sandte ich ihm einen liebevollen Gruß hinunter. Von meinen Angehörigen ruht keiner hier. Fern von der Heimat, im Sande der Lüneburger Heide, liegt mein Vater, in der roten Erde Westfalens, meine Mutter begraben. Von meinen Brüdern starb der zwcitältestc, Alfred, auf der Insel Lucin Piccolo im adriatischen Meere, der älteste, sieben Jahre später, in Leipzig. Nur zwei Schwestern, deren Männer auch längst gestorben sind, leben mir noch, die eine in Witten an der Ruhr, die andere in Leipzig. Man sieht, wie weit voneinander mrs die Schicksale späterer Jahre verschlagen haben. Ich bin auch in der ehemaligen „Schul" gewesen. Verfallen und verödet. Ob die Geister derer, die ich heute auf dem „guten Ort" besuchte, sich hier in den Nächten der großen Jomtauwim versammeln mögen? Man konnte seltsame Gedanken haben in diesem alten, verlassenen Betsaal. In „Josefs Garten" daneben, fand ich noch die Buchenlaube, welche an heißen Sabbath- und Festtagen uns so oft ihren kühlen Schatten spendete. Die schwachen Stämmchcn von damals hatten sich zu förmlichen Bäumen entwickelt. Dann wandelten wir den alten lieben Bruchweg hinab bis zu der kleinen Brücke, die sich dort über das Warmeflüßchen wölbt. Lange habe ich auf der steinernen Einfassung gesessen und dem Murmeln und Raunen des ruhelos dahinflicßcnden Wassers gelauscht. In tiefes Sinnen verloren starrte ich in die sich ewig erneuernde Flut.. Genau .an dieser Stelle war es, wo wir als Knaben mit krummen Stecknadeln so oft geangelt hatten. Mehr als sechzig Jahre sind seitdem vergangen. Nun sitze ich wieder da — ein alter Mann, dessen Leben keinen rechten Wert und Inhalt mehr hat. Vor sechs Monaten hatte mir der grausame, unerbittliche Tod meine Lebensgefährtin, nieine arme, liebe Frau, entrissen, die 35 Jahre lang Freud und Leid mit mir teilte. Das traf mich tief — tiefer als ich hier sagen kann und mag. So lange mir selbst noch zu atmen vergönnt ist, lverdc ich ihrer in Liebe und Trauer gedenken. — Ich suchte Ablenkung meines Schnierzes hier, wo niir die frohen Tage der Kindheit verflossen waren, aber unter der Einlvirkung der wehmütig stimmenden Erinnerungen machte sich die erlittene Seelenerschütterung wieder in erhöhtem Maße geltend. Sie sind alle schlafen gegangen — meine lieben Eltern und Brüder, so viele mir teure Verwandte und nun auch noch viel, viel zu frühe, meine unvergeßliche Leite 5 Frau. Und wie viele sonst noch, die ich gekannt und geliebt habe. Gräber — nichts als Gräber! Es ist nur gut, daß einem dadurch das eigene Scheiden leicht gemacht wird. Quousque tandem? Fort von hier! — Was ich zu finden wähnte, war eitel Täuschung — tot, versunken und vergessen, ist die Vergangenheit. Nur im tiefsten Herzen dessen, der an ihr hängt, führt sie noch ein Scheindasein. Die Uhr des Lebens läßt sich eben nicht zurückstellen. Noch einen letzten Gang zur Mühle, ihren Gärten und Ufergeländen, bis dahin, wo der Wasserfall tosend über seine selbstgeschaffene Kalktuffterrasse herniederstürzt. Den „Reuterborn" und „die Teiche", diese geheimnisvollen, kleinen Wasserspiegel aus deren Tiefen die Quellen der Rühre empordrangen, fand ich nicht mehr; sie waren verschüttet, Gras wuchs auf ihnen, aber dafür strömte die Flut an einer Stelle, in einem starken Strahle um so mächtiger zu Tage. Auf dem Rückwege lagerten wir uns an dem stellen wachholderbestandenen „Triesch" des Mühlenberges und sahen hinaus in die stille, vom Abendrot verklärte Gegend. Wehmütige Gedanken und Gefühle bewegten mich. Meine ganze, wechselvolle Vergangenheit, zog an mir vorüber. Dornen, Diesteln und Blumen. O wäre es doch noch wie früher! Wie glücklich lebten wir da in unserer Einfachheit. Unwillkürlich zogen mir die Worte des spanischen Dichters Antonio de Trueba durch den Sinn: „Feliz el que nunca ha visto mas rio que et de su patria y duerme anciano ä la sotnbra do pequenuela jugaba!“ Vielleicht liegt eine tiefe Wahrheit darin. Vielleicht ist wirklich der am glücklichsten, der nie weiter kam als er von seinem Kirchtum aus sehen konnte und als Greis zufrieden im Schatten der Bäume schläft, wo er als Kind gespielt hat. Die Nacht bricht an — wir müssen gehen. Die kühler gewordene Luft spielt und kost mit den duftigen Zweigen des Wachholdergebüschs. > In tiefen Zügen atme ich sie ein — Heimatluft! Beim Bach angelangt schöpfe ich mit hohler Hand einen letzten Trunk aus ihm — meine ich doch nirgends in der Welt köstlicheres — Drexel-Lichtspiele — Grosse Frledborgsrstr. 18/20. Tel. Hansa 21.81. Wir bringen ab Samstag: Das sensationellste Film- Kunstwerk der Gegenwart l Mit Allein-Erstaufführungsrecht für Frankfurt! Auf schwankendem Grunde! Ein spannendes soziales Gesellschaftsu. Artisten-Drama in 3 Akten. Vorliegendes Drama schildert die Seelenqualen einer tödlich verwundeten Frauen-Seele in ergreifenden TOnen. Um das Höchste anf Erden — um ihre Ehre .— kämpft die Heldin; anf schwankendem Grunde ist ihr Fortlehen anfgebaut; ihr Kampf um Ehre und Liehe steigert sich zur grenzenlosen Verzweiflung, der mit dem Selbstmord der unglücklichen Frau endet. Man darf behaupten, dass selten packend und ergreifend ein Menschenschicksal in einem wortlosen Drama aufgerollt worden ist. Der Zuschauer folgt hingerissen den spannenden Vorgängen und erlebt sichtbar das Schicksal der unglücklichen Frau mit. — Die Erwerbung dieses Dramas, das sich würdig in die Zahl der ausgesuchten Schlager einreiht, rechtfertigt die grosse und kostspielige Aufwendung der Dresel-Lichtspiele, seinen Besuchern nur das allerbeste zu bieten. Ausserdem: Das bekannt erstklassige Schlager-Beiprogramm, das n.a. die neuesten Ereignisse von den Kriegsschauplätzen zeigt. - Erstklassige KBnstlerkapelle. - Juc Synagogen, Semeindehäusec und Gebäude aller Art besorgen die Versicherung gegen alle durch Suftfatozeuge und fliege? verursachte Schäden zu ausserordentlich massiger Prämie. Frankfurt am Main Mm Sm Oppanhoimor, Guiollettstr. 6, Hansa 7478. Jakob Opponhoimor, Windeckstr. 58, Hansa 1261. A«kk4imM I VI Wer feinen Angehörigen und Freunden im EAT-UW »mm Felde, in der Garnison oder im Lazarett Zigarrrtten sendet, kann solche in hochfeiner Qualität und stets frisch zu Fabplkppolaon kaufen und zwar kosten: 108 Stück 5 Pfg.-Zigarretten Mk. 3.601 - 100 Stück 3 Pfg.-Zigarretten Mk. 2.26 J bon 100 SL 06 einschl. Feldpostkarten in 20, 50 und 100 St. Packung frei ins Haus. Karte genügt. Machen Sie bitte einen Versuch, Sie werden zufrieden “6 mi,w““- Stein, Baumweg 29. Verlobungsu. Trauungsanzeigen von Mk. 3 an. Trauer - Anzeigen u. Trauer-Danksagungen p. 100 St m. Couv. Mk. 7.50. Visitenkarten per 100 St. 75 Pfg. Saly Holff, jrtit'nnr Schäfergasse 11 neb. d. Stadt Ulm. Tel. Hansa 3821. Seifeipluer, erstkl. Fabrik, solange Vorrat 100 Stflck JL 12.—. S« H. Kaizenstsin, Frankfurt a. M., Langestr. 25. des Frankfurter Israel. Familieniiianes in den hebräischen Buchhandlungen, Zeitnngsverkaufsstellen des Hanpthahnhofs sowie in den Zeitungskiosken der Stadt. Infolge Einberufung unseres Lehrers ist die Stelle eines Religionslefirecs Chasan und Schochet sofort zu besetzen. Gehalt Mk. 1600 und Mk. 400 garantiertes Nebeneinlommen. Musikal. gebildete Bewerber bevorzugt. Schriftl. Offerten sind zu richten an den L Vorstand Herrn Julius Sender der Israel. Kultusgemeinde St. Wendel. 26 jähr. tücht GeschSftsm. m. eins. rent. Gesch. wünscht mit nicht über 23 jähr. ideal veranl. mustk Häusl, erzog. Fräul (am liebst, aus ganz eins. Hause) zwecks Hoinat zu korresp. Nur Süddeutsche od. Rhnldr. mit vorurteilslos fest. Charakt. (der der Herzensbild. jed. h. Äbür. t. d.) woll. — wenn sie auch wenig Geld bes. — Brief der Intellekt erh. läßt unbedingt mit Bild senden u. 2259 a. d. Exp. d. BL Auch anonym. Bild geht bei Nichtkonv. sof. ret. Für jüngeres Fräulein aus guter Familie mit gutem Handeisschul - Zeugnis wird Samstags freie Stellung gesucht. Gest. Angebote unter 2201 an die Exp. d. Bl. Tücht. erfahrene ifraelit. Haushälterin, die für mehrere Personen kochen und den Haushalt versehen kann, gesucht. Off. unt. 2202 an die Exped. d. BL Frl. aus guter Familie, im Häuslichen sowie im Nähen gut erfahren, sucht Stellung zum 1. August in kleiner, feiner Familie. Familienanschluss erwünscht. Offerten unt. 2266 a. d. Exp. ds. Bl. Primaner einer Oberrealsch. sucht während der Juliferien gegen Erteilen von Unterricht, evtl. kL Zuschuß. Pension (rit) auf kl. waldr. Platz. Offerten unt. 2255 a. d. Exp. d. Bl Suche per sofort einen tüchL Mehrere Zimmer Gehilfen. Derselbe muß im Wurstmachen perfekt und mit elektr. Motorbetrieb vertraut sein. 8. Fleteehmann, Fürth i. Bah., Hirschenstr. 10. Wer kann mir einAinfaches Haus für eine ältere pflegebedürftige Person empfehlen? Gest. Zuschriften unter 2257 an die Exped. d- BL für je ein oder 2 Personen, groß und gut möbliert» direkt an den Anlagen, mit vorzüglicher, streng ritueller Pension zu vermieten. Elektr. Licht, Bad, Telefon im Hause. Straßenbahnverbindung nach allen Stadtteilen Näheres Friedberger Anlage 13. H- Herr findet vornehme, streng rituelle Ponsion bet angenehmstem Familienanschluß. Wohnung direkt in den Anlagen Briese n 2284 a. d. Exp. d. BL Rothschild Schitlerstr. 16 Ente» Ban te Me.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.