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Neue jüdische Presse · 1915-07-02 · Heft 25 (2.7.1915) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 25 (2.7.1915)
Date
1915-07-02
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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FQr unsere Soldaten Im Felde Pepsin - 1bpiobtss Mittel, den Mund feucht und keimfrei zu halten, deshalb fürs Feld unentbehrlich. Hauptniederlage: H. Oppenheim Frankfurt a. Hain. 1 Börsenplatz 1. Telephon Hansa 2005. Erinnerungen aus den Tage« der Kindheit. Vom Bergingenieur L. Rosenthal (Basel). (Fortsetzung.) Mit zweien meiner christlichen Spielgefährten, Lodewigs Friedrich und Thönens Schorfe (Georg), angelte ich im Sommer öfters in der fischreichen Warme. An den selbstgeschnittenen Haselstecken wurde ein Bind* sadcn befestigt, an diesem wieder ein mehrere Fuß langer, starker Zwirnsfaden und ganz vorn eine krummgebogene Stecknadel mit dem Köder. War der Tag sehr heiß gewesen, so badeten wir abends im „Hcllcnkamp", wo die Warme ruhig floß und feinkiesigcn Grund hatte. Das nachherige Abtrocknen besorgte die laue Luft. Handtücher hielten wir für überflüssig. Wie vieles wüßte ich noch zu erzählen aus jenen frohen Jugendtagen. Aber die Rücksicht auf den Raum gestattet es nicht. So will ich mich denn darauf beschränken, in chronikartigcr Weise, noch einige der bemerkenswertesten Ereignisse anzuführen. Im Jahre 1857 ging ein Hagelwetter nieder, wie ich nie wieder eins erlebt habe, lieber einen Fuß hoch lagen die oft wallnußgroßen Schlossen. Innerhalb zehn Minuten war aus der Sommereine Winterlandschaft geworden. Die üppig grünenden Saaten der Felder, die Früchte und Gemüse der Gärten wurden von der Wucht der herabstürzevden Eismassen förmlich in den Boden hincingeschlagen. Die Felder mußten nachher alle umgepflügt werden. In unserem Baumgarten graste gerade eine von unseren Kühen. Schmerz- und angstgepeinigt, brüllte das bedauernswerte Tier und zerrte verzweifelnd Frankfurter Israelitisches FamAienAatt. an dem Strick, womit es angebunden war. Da hatte mein ältester Bruder Moritz eine gute Idee. Er uahm einen leichten Tisch über den Kops, der ihn vor dem Hagel schützte, eilte in den Garten, schnitt die Kuh los und zog sie nach dem Stalle, oder vielmehr sic zog ihn, so schleunigst strebte sic diesem zu. Mit dcni Hagel zugleich setzte ein immer stärker werdender Wolkenbruch ein, der viel Erde wcgspülte und in die lehmigen Gehänge tiefe Furchen riß. Die sonst so harmlose Warme wurde so groß, daß ein nicht unbedeutender Teil des Dorfes, im Osten und Norden, ganz im Wasser stand. Um so fruchtbarer war das darauf folgende Jahr. Da stand am klaren Sternenhimmel riesengroß die märchenhafte Erscheinung des Donatischen Kometen mit dem fabelhaft weitreichenden, gekrümmten Schweif. Auch so etwas Großartiges und Phantastisches habe ich nie wieder gesehen. Die Welt würde untergehen, hieß es dazumal, und als der dafür ausersehene Tag wie alle ruhig verlief, wurde wenigstens ein Strafgericht Gottes, Krieg, Pest oder dergl. prophezeit. Ein so furchtbar anzusehender Konict mußte Unglück bringen. Nun uns hat er allerdings nichts Gutes gebracht. Mein Vater geriet mit dem rechten Arm zwischen die eisernen Kammräder des Walzwerkes, welche den Oelsamcn zu quetschen hatte. Zum Glück verlor er die Besinnung nicht und konnte den Arm sofort herausreißen. Trotzdem war er ganz zerfleischt. Ich saß beim Scheine eines Stchlichts und las in Paynes illustriertem Familienjournal als die Tür zur Mühle sich öffnete und mein Vater leichenblaß hcreinwankte. Aus den zerrissenen Adern rieselte das Blut nur so heraus. Die Brüder und die Mutter schnürten eiligst den unverletzt gebliebenen Oberarm fest ein, wodurch die Blutung zum Stehen kam, und der Knecht warf sich aufs Pferd, um den Doktor Luckhardt von Hofgeismar zu holen. Ter kani auch noch in der Nacht angefahrcn und legte, nachdem er die herabhängcnden Flcischfetzcn weggeschnitten, leinen kunstgerechten Verband an. Siebzehn Wochen aber dauerte -es, bis der Pater den narüenbcdeckten Arm wieder einigermaßen gebrauchen konnte. Nach der schönen altjüdischen Sitte „wachte" in der ersten Zeit jede Nacht ein Angehöriger der „Kehille" bei ihm. Wie viel Eharpie haben wir nicht damals — meine Schwester Jcttchen und ich — aus alten Leinenhemden gezupft, ja sogar unser Jüngstes, das kleine Jeannettchen, half dabei mit. Ein Unglück kommt aber selten allein. Am 5. Mai 1859 wurden wir durch das „Feurio!" des Nachtwächters aus dem ersten Schlafe gerissen. Ich lag allein in der Lnte 5 sogenannten Torstube des Scheunengebäudes, und, als ich zum Fenster hinaussah, erstarrte mir fast das Blut vor Schreck, — ein glühendes Rot strahlte über den Dächern unseres langgestreckten Gebäudekomplexes, von der Mühle angefangen, bis zu dem, am westlichen Ende befindlichen Schafstalle, lieber dem Wohnhause und der Schälmühle lagerten große Vorräte von Stroh und Heu in den Speichern, auch ein Raum mit Ware», besonders Webergcschirren, befand sich dort, sowie für 2000 Taler Hedengarn, das gar nicht versichert war. Schon nach einigen Minuten zersprangen die Dachziegel mit lautem Knattern, und die Flammen loderten haushoch empor. Grellrot beleuchteten sie die Gesichter der vielen Menschen, die jetzt zur Hilfe herbeigeströmt kamen. Rasch wurden von ihnen Ketten bis zum Bach hinab gebildet, von Hand zu Hand flogen die wassergefüllten Lcdercimer, und die Spritze begann zu arbeiten. Aber obwohl auch bald die Löschmannschaften von den zwei nächsten Dörfern, Obermeiser und Zwergen, eintrafen, vermochten sie doch nicht viel auszurichtcn gegen diese, von Ocl, Oelsaaten und Oelkuchen genährte Höllenglut, die immer gewaltiger um sich griff und wie in wilder, jauchzender Lust in den dicken übelriechenden Qualm hineinwirbelte. So arg war die Hitze, daß die Spritzen sich zurückziehen mußten und ihre ohnehin ziemlich armseligen Strahlen, zu Wasserstaub aufgelöst, kaum noch den Brandherd erreichen konnten. Zu retten waren die brennenden Gebäude nicht mehr, das sah man wohl und beschränkte sich deshalb darauf, die noch stehenden, vor der Wut der Flammen zu schützen, was auch gelang, da zum Glück von dort her ein ziemlich kräftiger Ostwind blies. Nur die Oelmühle, die dem Feuer am nächsten lag, zeigte sich etwas stark angescngt. Sehr wild und ungeregelt ging cs damals noch bei größeren Bränden auf den Dörfern zu. Das wirre Geschrei und Durcheinander der Menschen, die helfen, retten oder auch nur „zusehcn" wollten, die Stimmeir der geängstigten Tiere, das schnelle Anschlägen der Sturmglocken, das Brüllen des Feuers, sowie das Krachen einstürzenden oder eingerissenen Mauer- und Balkenwerks, wonach jedesmal eine riesige Funkengarbe emporstieg, — das alles zusammen machte einen Lärm, gewährte einen Anblick, der sich zeitlebens nicht vergessen ließ. Dazu das bunte Allerlei der geretteten Möbel, Betten, Hausgeräte, Kleider re. die in der nächsten Umgebung oder in den Gärten lagerten, deren Zäune teilweise niedergetreten waren. Die oft aus den Fenstern herabgeworsenen Sachen, worunter auch Bilder und Spiegel, kamen dabei schlimm >weg. Diese Art zu „retten" war sehr beliebt. Wie es bei solchen Gelegenheiten n — Drexel-Lichtspiele — Grosse Friodbergerstr. 18/20. Tel. Hansa 2181. Wir spielen ab Samstag den 3. Juli für nur 3 Tage: Den gewaltigsten Monopolschlager der Gegenwart: Der feindliche Flieger!!! Eine Episode ans den deutsch-russischen Kämpfen in 3 Akten. Nach einer wahren Begebenheit. In einer tiefempfundenen und natürlichen Seelenstarke werden in diesem Drama die Schicksale dreier Kinder geschildert, die durch den Krieg verlassen dastehen. Der Vater, ein Deutscher, die Mutter Russin, wissen die Armen nicht, wohin sie gehören, bis Deutsche sich ihrer annehmen. Das wunderbare, ergreifende Spiel der Kinder, wie auch die eigenartige Handlung des ganzen Dramas spricht zu den Herzen des Publikums. Es ist das gewaltigste deutsche Heldendrama, welches bis jetzt gezeigt wurde und dürfte somit berechtigtes Aufsehen erregen. Ausserdem: Als extra Einlage: Ein grosser Kviminal- Schlager in 3 Akten, sowie das bekannt erstklassige Beiprogramm, das u. A. die neuesten Ereignisse von den Kriegsschauplätzen von Ost, West und der TBrkei zeigt. Ab Dienstag gelangt der gewaltige Monopol-Schlager „Auferstehung“ mit Watdemai* Psylandar in der Hauptrolle zur Vorführung. - Hervorragende Kfinstlerkapelle. - PT Fehlfarben ~Df von diversen vorzüglichen Marken lOö Stück Mk. 3.—, 3.50 and IHk. 5.— Hervorragendes 10 Pfg.- Sortiment. Friedrich Roth, Cigatrenlager BleitleustrHS.se IS. Erfolgreiche Pflege des HoefbaatM. Dr. Strebers Hygienischer Haaru. Kamm-Reiniger Einfache Handhabung Billig. Passend für jeden Kamm. Erhä'Utuh in allen besseren Friseur, Parfümerie- und Kamm - Geschäften. Alleiniger Fabrikant: J. W. Z i m m e i*, Frankfurt-West. Gesetzlich geschützt. Marke Jwszess“ Millionen im Gebrauch. Feldherrexi-Karte! Die zeitgemässe Spielkarte! Erhältlich ln den Willkommene Liebesgabe einschlägigen Geschäften D. It. «. M. 621936 , * €. Ia. Wüst Spielkartenfabrik Frankfurt a. M. sS»««* S. H. Kotzenstein Frankfurt a. 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