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Neue jüdische Presse · 1915-06-25 · Heft 24 (25.6.1915) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 24 (25.6.1915)
Date
1915-06-25
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. stehenden Naturgesetzes hcrabsinkcn wurde. Wie wir uns oudj; wenden und drehen mögen, so scheint mir, daß wir durch logischen Zwang immer zur Annahme einer freien, von nichts abhängigen Urkraft komnten. Wir hätten hiermit die letzte Ursache alles Seins, den Schöpfer des All, gesunden. Manche werden sagen, man könne aber wieder fragen: Und woher kommt diese Urkraft? Aber nachdem man die letzte Ursache alles Existierenden gefunden hat, ist diese Frage unberechtigt und beruht auf einem falschen Gedankengang. Prof. Dr. Max Berworn, Göttingen, schreibt hierüber in seinem gruMegendcn Werke: „Allgemeine Physiologie", Jena 1811, Kapitel. 1, Seite 35: „ , . . Gesetzt nämlich den Fall, es wäre uns gelungen, die ganze Fülle der Erscheinungen zurückzuführen auf das eine Wirkliche/ das in den verschiedenen philosophischen Systemen unter den verschiedenen Namen erscheint als Gott, als Ding an sich, als Unbewußtes nsw., so entsteht die Frage, ob dann unser Kausalitätstrieb befriedigt wäre, ob er mis nicht vielmehr -noch weiter zu der Frage veranlagte: was ist schließlich dasjenige, was ist, was existiert, was wirkliche ist, das Unbewußte, das Ding an sich, Gott oder wie wir es nennen wollen? Und hier wäre dann wieder eine Grenze des Erkennens. Wer, machen wir uns das klar, diese Grenze wäre ein logischer Fehler, ein falscher Schluß von uns. Zwar ist es sehr wohl möglich, daß unser Kausatitätsbedürfnis, das im Laufe der Entwicklung durch fortwährendes Zuruckführen von Wirkung auf Ursache entstand! und sich befestigte, gewissermaßen dem Trägheitsgesetze folgend, noch eine Weile fortsichren würde, uns die Frage vorzulcgcn: warum?, aber es liegt auf der Hand, daß wir uns dann eines Denkfehlers schuldig machten; denn wären alle Erscheinungen auf das zurückgeführt, was allein existiert, so wäre cs ein vollendeter Widerspruche dies l^istierendc noch erkennen zu wollen durchs etwas, was nicht existiert. Wir würden also durchs das Beharrungsvermögen unseres Kausalitotstriebes nach einer Form des Tägheitsgesetzes nur eine Strecke weit über unser Ziel, die Erkenntnis der Welt, hinausgchen wollen, ohne es zu merken, würden aber im Moment, wo wir es einfehen, stehen bleiben und uns beruhigen. Der Einwand, daß wir hier auf eine Grenze gestoßen wären, ist also nur ein scheinbarer und würde die absurde Forderung enthalten, daß wir noch vollkommener Erkenntnis der WÄt die Welt noch weiter erkennen wollen." Brief aus Rußland. 18. Juni. Ueber die Ausweisungen aus Kurland und Kownoer Gouvernement läßt sich erst jetzt Genaueres berichten, da die Zensur in der russischen Pnsie sehr scharf gewaltet hat. Die Ausweisung ist auf Befehl des HöchflkomMandiercndeu Großfürst Nikolajew verfügt worden. Es mußten innerhalb weniger Tage — bis 18. Mai neuen Stils — alle Juden der Festung Kowno und der Frontlinie Kurlands , und des Gouvernements Kowno ihre Wohnorte verlassen. Ws Wohnort sich» ihnen die Gouvernements Poltawa und Jekaterinoslaw zugewieseir worden. Sofort nach Bekanntwerden der Verfügung fuhren der Mitaner Rabbiner M. Nurok und dar Rigaer Advokat Tron nach Petersburg. Mäklakow, der Minister des Innern, empfing sic, und' sie schilderten ihm die katastrophale Wirkung einer solchen Ausweisung. Erreicht haben sic jü>och nichts, und die fraglichen Gebiete sind inzwischen ihrer jüdischen Bewohner ledig geworden. Der bekamrte Schriftsteller Leo nid' Andrejew in Utoskau bcchandelt in der „Utrorossiji" die „Judcnfrage". Er fragt: „Wem ist's nötig, wem Lmmt etwas Gutes heraus von der schrecklichen Lagc, in der sich die Judcir Rußlands besuchen?" Und er antwortet: ,,ZÄ) bin zu der Ueberzeugung gekonunen, daß niemand in der Welt von diesen Begrenzmrgen nsw. stützen hat und sie nur Schlechtes für die Begrenzten wie für die Begrenzer schaffen." Er schließt seine Worte: „Für Europa sind wir finstere Barbaren, die eine Störung für die Kultur bedeuten. Dis Polen glauben.uns nicht. Aich' die Juden — wer ist imstande)! chre Leiden zu schlldonr? Es ist endlich Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Zeit zu verstehen, daß all' diesen Fragen ein Ende bereitet werden muß. Nach denk Kriege wird eine Zeit kommen, in der niemand' mehr die Worte „Russische Barbaren" gebrauchen darf." — Die Regierung sucht die jüdisch«! Presse nach Möglichkeit einzuengen. „H.aschiloach", die bekannte hebräische Monatsschrift in Odessa, die jüdische Tageszeitung „Das Leben" in Wilna und der Petersburger „Nowi Woschod" find überhaupt verboten worden, und den anderen jüd. Zeitungen ist in jeder Nummer ein erheblicher Teil des Inhalts von der Zensur weggestrichen. 22. Juni. Soeben kommt die Nachricht, daß die Regierung allen in Warschau Zugczogenen befohlen hat, Warschau zu verlassen. Es handelt sich da nur um flüchtige und ausgewiescne Juden — mehr als 100,000 —, die in Warschau Zuflucht gefunden hatten und nun aus dem Warschauer Elend in ein vielleicht noch größeres Elend wandern müssen. Bereinigung der orthodoxen Gemeinden Amerikas. New Jork, Ende Mai. Der Jahresversammlung dieser Vereinigung, die in den nächsten Tagen stattfindet, mißt „Die Jüdischen Gazetten" erheblich^ Bedeutung bei, da die Versammlung die Aufgabe habe, eine Bereinigung der gesamten orthodoxen Judenheit Amerikas herbcizuführen. Die Vereinigung besteht wohl schon 15 Jahre, aber ein großer Teil der orthodoxen Gemeinden gehört ihr noch nicht an. Der Wunsch eines Zusammenschlusses ist in den letzten Jahren auch unter den orthodoxen Juden Amerikas stark geworden, die Vereinigung der orthodoxen Gemeinden ist in der letzten Zeit als die Vertretung der orthodoxen Judenheit mehr hervorgetreten, und so ist zu hoffen, daß sich auf der Versammlung ein Weg findet, sie wirklich zu dieser Vertretung werden zil lassen. Elija Gottein. Wiederum hat einer unserer Besten mit seinem Blute die Treue des deutschen Judentums zum Batcrlandc besiegeln müssen: Elija Goitein ist gefallen. Wer Elija Goitein je gekannt hat, der wird sich nur schwer und langsam mit der Vorstellung vertraut machen können,. daß er jetzt für immer entschlafen in der Erde der galizischen Schlachtfelder ruht. Denn an diesem Manne tvar alles Leben, in ihm wirkte eine starke, eiserne Energie, und vor ihm lag noch eine lange Bahn von Leistungen, Erfolgen und Siegelt. Als Mensch von einer lauteren Schlichtheit und Reinheit des Charakters, wie sie in unserer Zeit der hohlen Affektiertheit besonders erfrischend und einnehmend imrft, war Elija Goitein als Jude einer unserer Besten. Sohn einer Frau, die in ihrer Begeisterung und Liebe für alles Jüdischein ihrer rastlosen Tatkraft, in ihrer unerschöpflichen Jugendlichkeit Vorbild für jede jüdische Frau unserer Tage sein sollte, war er von .früh auf erzogen in den Traditionen seines Volkes, in dm Kenntnis seiner großen Vergangenheit und der Hoffnung auf seine größere Zukunft. So war er einer jener wenigen jungen Juden in Deutschland, denen ihr Judentum nicht siegreiche Lösung eines inneren Konflikts, sondern selbstverständliche Grundlage ihres Seins und Wirkens ist. In seiner offenen, ehrlichen und schlichten Natur eine Verkörperung edelster Treuebildete schon die Treue zu seinem Volke das natürliche Grundelement seines Wesens. Es war so für ihn nur selbstverständlich, daß er von Anfang an begeisterter Anhänger des zionistischen Gedankens war, für dessen Verbreitung und Verwirklichung er rastlos gearbeitet hat. Ist seiner reinen Schlichtheit und Bescheidenheit allem öffentlichen Wirken ein wenig abgeneigt, nur ungern die Aufmerksamkeit anderer auf sich ziehend, wirkte er geräuschlos, aber energisch für sein Ideal und stellte sein ganzes Schaffen in den Dienst der jüdischen Zu-' dürft. Und da es in seinem .Wesest lag, alle Halbheiten zu hassen, .und was er war, mit seiner ganzen Persönlichkeit zu sein, so drängte es ihn, das Nr. 24. Land seiner Hoffnung und Sehnsucht persönlich kennen zu lernen, und nachdem er dies getan hatte, ließ es ihn hier nicht mehr ruhün, und er verließ seine bisherige Wirkungsstätte in Mannheim, verließ Mutter nnd.Freunde, seine angesehene Stellung und rechtsanwaltliche Praxis, um nach Palästina hinüberzugehen und.selbst Mitschaffcr zu sein am Werke der jüdischen Zukunft, das dort geschaffen wird. Als der Krieg ausbrach, befand sich Elija Goitein i n Konstantinopel; er eilte sofort zu seinem Vcgimente, und wie er in allem, was er tat und leistete, seinen Mann stellte, so zeichnete er sich auch auf dem Schlachtfelde bald aus und ward einer der erst«: jüdischen Leutnants der deutschen Armee, beauftragt mit der Führung einer Kompagnie. In den Karpathen bildete er ein Glied der uneinnehmbaren Mauer, au der Rußlands Millionenhccre zerschellt sind; mit jubelndem Schritte stürmte er die Karpathünhänge herab, als die große Offensive in Galizien einsetzte, mit Stolz und Begeisterung trat auch er den Siegeszug an, der seitdem unsere Armeen von Triumph zu Triumph geführt hat, bis ihn vor Stryi bei einem Sturmangriff die tödliche Kugel traf, die seinem Wirken, Schaffen und Siegen ein Ende machte. Eine reiche Zukunft ist mit ihm zu Grabe getragen, einer der treuesten und besten Söhne des deutschen Judentums, einer der begeistersten und tätigsten Vorkämpfer des nationalen Gedankens uns für immer entrissen. So ruht er nun in der blutgedüngten Erde Galiziens, mit.vielen anderen unserer jungjüdischcn Helden ein Symbol jüdischer Treue und jüdischen .Heldentums, und wir klagen um fein allzufrühes Scheiden, gelobend, sein Andenken zu wahren und .rastlos an der VerwiMichung der Ideale zu arbeiten, für die Elija Goitein sein Bestes und Edelstes hingegeben hat. N. G. Flavins Josephus ttuD feine Zeit. Bon 9(1) roii Marcus. Einleitung. Die 9lllgcgenwart der göttlichen Weltleitung offenbart sich auch in der Sorgfalt für die Geschichtsschreibung. So finden wir knapp vor dem Untergang des 1200jährigen Assyrischen Weltreiches den letzten König Asurnasirhabial (in griechischer Berstümmelnng Sardanapal) damit beschäftigt, aus allen alten und neueren Dokumenten und Inschriften auf 22,000 Tontäfelchen eine Geschichte Assyriens zusammeiistellen zu lassen, deren übcrraickiende Entdeckung unter dem Schutte des zerstörte» Ninive nach 2500 Jahren die Geschichtsschrei bung unserer heiligen Schrift als einzig darstehend in Wahrheit nur Genauigkeit vor das staunende Auge der Forschung führt. Das gleiche wiederholt sich vor dem Untergange des babylonischen Weltreiches durch den König Näbonaid (Belsazar). — für die Geschichte Babyloniens vom Anfänge bis auf seine Zeit. 1500 Jahre spater — kurz vor dem Untergänge des Gäonats und dem Ende des babylonischen Jndenasyls — entschließt sich der vorletzte Gaon S ch e r i r a, den einzig vorhandenen Bericht über die Reihenfolge der Amoraim, Sabur a i und G a o n i m niederzuschreiben, ohne den wir über die erstere» keine geregelte, über die beiden letzteren überhaupt gar keine Geschichtsschreibung besäßen. Das heißt über einen Zeitraum von Mehr als 700 Jahren einer der bedeutendsten Entwickelungsepochen der jüdischen und der allgemeinen Weltgeschichte, 'da in die Anfänge des Gaonats 'die Entstehung des Islams und seine Entwickelung auf babylonischem Boden fällt. Ganz dasselbe gilt aber für die ungleich wichtigere Epoche des zweitem Tempels, über die wir ohne Josephus Werke — mit Ausnahme des Mäkkabäer-- buches — so gut wie gar keine Kenntnis hätten.. Unsere Gesetzeslehrer, die nach Abschluß des Kanon durch E sr a und Rehe in ia bis auf die Zeit des Verfassers der Mischnah — 120 Jahre nach Zerstörung des zweiten Tempels —. überhaupt keine Schriftwerke mehr verfassen wollten und alles der mündlichen Tradition überließen, hatten während der unausgesetzten Verfolgungen seitens" der Hellenisten, der Sadduzäer, der abtrünnigen Hasmonäcrtönigc, der gtauenhästen Herodianer weder Zeit noch Lust, die Geschichte jener trüben Zeiten zu schreiben, so daß wir im Talmud und Midrasch nur hie und da verstreute Bruchstücke geschichtlicher Ereignisse antreffen. Dagegen besitzen wir einen klassischen Geschichtsschreiber ersten Ranges in Josephus, jener einzig dastehenden Erscheinung eines Priesters aus dem Tempel zu Jerusalem, der mit einer umfassenden Kenntnis der jüdischen Gesetzeslehre die umfassendste universelle griechisch-klassische Bildung seiner Zeit, von welcher die moderne ja eigentlich nur ein 9lbklatsch mit starken semitischem Einschläge, ist, verbindet. > , Seine in griechischer Sprache verfaßten Werke, die uns erhalten geblieben, sind: I. Archaeologica 20 Bücher. II. Jüdischer Krieg mit Rom. 7 Bücher. UI. Autobiographie. IV. Aus der Makkabäerzeit, oder - Herrschaft der Vernunft. V. Gegen '.Apion Aber das hohe Alter ches jüdischen Volkes 2 Bücher. Er' kündigt in seinen iPchristen noch 2 2Berfe an: Ueber das Wesen Gottes 4 Nr. Bücher Handel! 211 hcit u der S der Bl linfgefi i Aki ierikli licns. des Ci stolen nasse! dria, . Athen des P Dias, 310». lcmos nikos 3470. 3050. Home! 3430. Chrov der H Alexa gclicb (On) 37. A Gcogi des sws c der 9 Fndic Zeitgl 3413. Gcsch 50. < von 3(594dotos Sdjiil 59. S Sicil (52. ’ der S Gcsch der : phini in s« Fund Aufb drini Man diese < sep! der j und Bersl 5 wird 12. und diese Häm ichrc zu Mjä Bar Nmi ling Flie Han! Bra das

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