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Neue jüdische Presse · 1915-06-18 · Heft 23 (18.6.1915) · p. Seite 6

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 23 (18.6.1915)
Date
1915-06-18
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Leite 6 Frankfurter Israelitisches Familienblatt. fh 23. Dieselben Wege und Pfade, die wir ain Schabbesnachmittag frequentierten, zog Tags darauf — bei schönem Wetter natürlich — die christliche Jugend, die Mädchen Arm in Arm in breiter Reihe, hinterher die Burschen des Dorfes. Allerlei schöne alte Volkslieder wurden da gesungen, meist elegischer Natur, die mir heute noch im Ohr liegen. Auf den Kegelbahnen der zwei Wirtschaften vergnügten sich inzwischen bei Schnaps Und Dünnbier das Glas zu 4 Heller die älteren Leute, äwbei auch die Juden fest mitmachten. „Risches" gab's damals noch nicht. Der ist erst viel, viel später gekommen. Urkomische Szenen gab es da manchmal während des Kcgelns. Die drollige Eigenart, womit jeder der Mitspieler sich zum Werfen der Kugel anschicktc oder unwillkürlich bei deren Lauf mit dem rechten Bein allerlei Kastriolcn machte, war allein schon höchst ergötzlich anzusehen. Wie schon eingangs erwähnt, zogen wir 1854 in die Mühle. Da war's herrlich. Nach Beendigung der Schulstunden konnte ich mich der ungebundensten Freiheit crfteucn, durchstreifte allein oder in Gesellschaft meiner Spielgefährten die entlegensten Schluchten und Höhen oder schaute nach Hollunderstauden aus, die abgeschnitten und des Markes entleert als „Schicßbüchscn" dienen mußten. Auch vom Hof meines Onkels Meier, wo das „alle Eisen" zu Bergen getürmt lag, habe ich manchen rostigen Pistolen- oder Flintcnlauf eskamoticrt, den ich dann zu Hause, in der Mühlenwcrkstätte, roh schäftete und festmachtc. Das Schießpulver lieferte mir der Junge des Kuhhirten, der cs auf den Mcßhagen, wo die Husaren von Hofgeismar exerzierten, aufgelesen hatte. Die verloren bei dem tollen Herumjagen und Schießen manche Patrone. Zum Losbrcnncn meiner primitiven Geschütze nahm ich „Schwamm" vom Krämer Weimann, denn zu jener Zeit benutzte man zum Feueranzünden noch vielfach Stahl und Stein. Ein längerer Streifen davon umrde in das Pulver am Zündloch gesteckt, mit einem Schwcfelhölzchen zum Glimmen gebracht, und dann retirierte ich, um, aus sicherer Ferne, das weitere abzuwarten. Wie das schön war, wenn cs aufblitzte und krachte und mein Geschütz ordentlich. zurückfuhr von der Gewalt der Entladung! Ein schlimmer Unfug — gewiß —, aber in meiner damaligen Knabenwildhcit dachte ich nicht daran, wie leicht auf diese Weise ein Unglück hätte entstehen können. Das Schönste, was mein etwas kaufwütiger Onkel eines Tages nach Hause brachte, war eine ganze große Wagenladung voll Bücher und broschierter Schriften. In einem saalartigen Raum seines gegenüberliegenden, unbewohnten Hauses wurden sic untcrgcbracht, d. h. zu einem Haufen zusammcngeworfen, der beinahe bis zur Decke reichte. Das war eine schier unerschöpfliche Fundgrube für mich. Zu Dutzenden schleppte ich die Bücher fort, verschlang sic in unglaublich kurzer Zeit, um sie dann wieder gegen andere auszutauschcn. Was habe ich da nicht alles für Literatur verdaut. Von den „Lcscftüchtcn" und „Miszellen", die den größeren, durchlaufenden Erzählungen folgten, empfing ich mancherlei Anregungen, und der romantische Zug, der durch viele meiner Schriften geht, dürfe vielleicht auf den Bucherhaufcn des Onkels Meier zurückzuführcn sein. (Fortsetzung folgt.) Kaiser Friedrich Quelle ——— Offenbach a. K. ——— Gegen Gicht and Rheumatismus bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Frladrlotl Stahl, Fr&nkf.a.M., Güntherab.-Allee 37. Td.Hansa259u.714. Wocheu-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem llvacb.) SamStag, den IS. Juni 7 Tamus.) Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M 8 Uhr — Min. Säbbat-AuSgang in Frankfurt a. M. S Ubr 40 Min. in Berlin 9 Ubr 35 Mw. Wochcnabjchnitt: CH» las. — Das Gebot der „roten Kuh." Mirjams Tod. Das Murren der Gemeinde wegen Wassermangels und Moses Vergehen. Ahrons Tod. Die kupferne Schlange. Besiegung der Reiche Emorie und Basan. Siegeslieder. Wochengottesdienst in Frankfurt a. M. Morgens: 6 Uhr in den meisten Synagogen (Bockenheim, Unterlindan 6V2 llhr, Hauptsynagoge 7 Uhr, Königsteinerstr. TV» Uhr).- Abends: llk Uhr in den meisten Synagogen (Bockenheim, Unterlindau, Königsteinerstr. 7 Uhr, Hauptsynagogc 4 Uhr). Offenbaeber Druckluft-Anlag« I Offenbach I. M. Telefon 133. (Anschluss mit Frankfurt I Bewährteste TaDPlBhretafoanQ (100,000 qm jährlict I sowie nnfibertroffene Bettenn. Bettfedernrelnl-1 guno mittelst Druckluft. und Wasserdampf. Frankfurter Aaiuitteuuachrichte«. Gebor c n. Zwei Töchter Raphael Cohn (Münzer). Bccthovenstraßc 66. Bärmizwos. Hans Nußbaum, Schesfclstr. -24, Synagoge Friedberger Anlage. G-cstorbcn. Max Adler, Angestellter von H. n. D. Heymann, im Feld. — Clara Schlesinger Wwe., gcb. Bonn, 78 I., Riickcrtstr. 50. — Isidor Sonncnberger, 28 I., Dahlmannstr. 6. — Jsac Anspach, 87 I., Mittelweg 15. — Michael Margulies, 49 I., Rechneigrabcn 7. — Wilhelm Höxter, Ritter des Eiserne» Kreuzes, 27 I., im Feld. — Mina Levi Wwe., geb. Münzesheimcr. — Akoscs Kahn, 68, I. — Bernhard Meyer, 81 I., Sömmcringstraße 7. Auswärtige Aamilieuuachrichte«. Geboren. E. Sohn Carl Lehmann (Cohn), Darmstadt. Verlobte. Friedcl Silbrrmann, Benthe» mit Eugen Goldstcin, ^Berlin. G e st o r b c n. Sicgsr. Bodcnheinier, 23 I., Wicsloch, im Feld. — Julius- Groß, 36 I., Könighcim, im Feld. — Moritz Pappenhcim, 62 I., Friedbcrg. — Hedwig Reis, geb. Frank, 50 I., Braunschweig. — Zahnarzt Pins Bendix, 83 I., Magdeburg. — Fritz Roscnscld, 23 I., Dortmund, i!» Feld. — Kurt Margoninskl), 25 I., Charlottenburg, im Feld. — S. H. Sondhcim, 62 I., Gießen. — Justizrat Sam. Goldbanm, 62 I., Duisburg. — Aloritz Kaliski, 60 I., Thorn. — Referendar Dr. Hans Jacoby, Elberfeld, im Feld. — Sind. mcd. Richard Spanier, Bernburg, im Feld. — Moritz Schloß, 'Augsburg, im Feld. Knust und Literatur. Im Schatten des Weltkriegs. Indische Skizze von. S. S ch a ch n o w i tz 64 Seiten. Herausgegeben durch die Jugendorganisation der „Agndas Jisroel". I nr^l'r i cgslagcr von S. S ch a ch n o w i tz 54 Seiten. Herausgegeben durch die Jugendorganisation der „Agu- , das Jisroel". „Im Schatten des Weltkriegs" lautet der Titel des ersten Büchleins. Es sind stimmungsvolle Aügenblickbildchen ans dem Kriege. Die erste Skizze hat einen Vorgang im, Elsaß znm Vorwurf, die drei anderen spielen I sich im Osten ab und gewähren einen ergreifenden, packen-1 den Einblick in Situationen, wie sie der Krieg unter! unseren Brüdern im Osten gebracht hat. Wollen die Skizzen das jüdische Gefühl erwärmen,! so will das zweite Büchlein Belehrung über manche jüdische» Gewissensfragen geben, die bei den« jüdischen Krieger, der es als Jude ernst nimmt, möglich" sind. I Das rabbinische Belehrnngs- und Erbauungsbuch für! Krieger „Machaneh Jisroel" von Rabbi Israel Mcir Hakohen zu Radin bildet die Grundlage der kurzen Kapitel dieses Büchleins. IT- EOSENATJ Herren-Schneiderel 10 G o ethestrasse 10. VpTulnne Ausführung. Massive Preise. Bunte Chronik. Erzherzog Eugen. Generaloberst Erzherzog Eugen, der Führer des österreichischen Heeres gegen Italien, ist bei der österr. Juden-1 heit sehr beliebt. Sein stets vorurteilsloses, freundliches Verholten ist die Veranlassung dazu. Vor drei Jahrzehnte» besuchte er in Pardubitz die Synagoge, um .die jüdischen Melodien kennen zu lernen und nahm deine dortigen Oberkantor Unterricht. Bei einem Feste in Neubydzolv er-1 öffnete er den Tanz mit der Tochter des jüdischen Arztes Dr. Kraus. r L Speudeu. Für die aus Galizien vertriebenen Juden gesammelt ans der Barmizwoh seines Vetters Alfred Stern durch Werner Stern-Schlüchtern 8.— .11. Allgemeine Mitteilungen. D re x c l - L i ch t s p i c l c. Die Direktion ist bemüht, während der heißen Tagen ein doppelt unterhalsanies Programmzu bieten. So spielt pb «b. Samstag der spannende Dctektivschlager in 3 Akten: „Falsches Geld". Die packende Handlung reißt das Publikum mit sich fort. Außerdem bringt das außergewöhnliche Schlager-Programm wieder die neuesten Ereignisse von den Kriegsschauplätzen. — Eine ganz hervorragende Kiinstlcrkapellc illustriert die dramatische Vorgänge trefflichst. Bereius-Kalender. Samstag. M c k o r C h a j i in, 4 Uhr: Mikro-Vortrag (Rabb. Schüler). Donnerstag. T i f e r i s B a ch u r i in , Bleichstraße 70, 8Vr Uhr: Diskussionsabcnd jüdischer Tägesfrage» (Referent: Simon Vogel). Gäste (Damen it. Herren) willkommen. Briefkasten. L. Provisional Executive Committee sor General Zionist Asfairs, Newyork, Suite 118, Mercantile Bldg. 44 East 23 rd. Street vermittelt Geldsendungen von Amerika nach Oesterreich und Rußland. Wir bitte« »osere Leser, ihre» Bedarf «»1er Bezugnahme auf ««ser Blatt bei uufere« Jusereute« z« decke«. Frankfurter Israel. Jamilievblatt. — Drexel-Lichtspiele — Grosse Frladbsrgerstr. 18/20. Tel. Hansa 2181. Wir bringen ab Samstag, den 19. ds.: Ein beispielloses Schlagerprogramm, darunter den gewaltige Monopol-Detektlvachlager: IV" Falsches Creld« Ein spannendes Detektivdrama in 3 Akten. Der Held dieses Detektivdramas stiehlt ans Liebe zu dem Weibe und wird zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt. Eine ungemein spannende Handlung liegt in diesem aussergewöhnlich wirkungsvollen Detektivdrama. Der Kampf um die Freiheit, die Flucht aus dem Zuchthaus, die dem Verbrecher den Tod bringt, reissen das Publikum mit sich fort und setzen es von Anfang bis Ende in Erstaunen. Hierzu; Ein auserwähltes, unterhaltendes Beiprogramm, das u. A. die neuesten Ereignisse von den Kriegsschauplätzen in Ost und West bringt. —- Hervorragende KfinstlerkapeUc. —:- Jedci Gs/if Die Jüdische Frauemreremignng niackt darauf aufmerksam, daß die Arbeitsräume ihrer Nähatuba nach Hanauenlandatraaaa 1 (1. St. Eingang durch den Laden) vorlogf worden sind. Die unerwartet lange Dauer des Krieges hat naturgemäß ein Nachlassen in der anfangs reichlich erfolgten Zuweisung von Stoffen sowohl als auch sonstigen zur Verarbeitung kommenden Materialien zur Folge gehabt. Da aber die Anforderungen für unsere braven Soldaten fortbestehen, und eS außerdem gilt, die seither beschäftigten, hierauf angewiesenen Arbeitskräfte auch weiter zn beschäftigen, so bittet die Jüd. Frauenvereinigung ihre Freunde und Gönner dringend um erneute verstärkte Zuweisung von geeignetem Material an ihre obenbezeichnete Mhstube. Ebenso bittet sie herzlich um gütige Zuwendung von Liebesgaben aller Art. Das „AEt-Bornheimer“ gut bürgerl. Gasthaus hält sich mit seinen schonen Oartenterrassen und gemütl. Bier« und Aepfelweinstubeu zum gell. Besuch empfohlen. Gute Spezialitäten - Küche. — Eigene Aepfelweinkelterei. Leopold Herz.

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