Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 51 (31.12.1914)
- Date
- 1914-12-31
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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eifte 4 Tel. Hansa 8148. Frankfurt a.M, LiebfranenbergSS ■ - Special haus für Unterkleider und StrOmpte. I Niederlage echter Dr. Lahmann-Wäsche. | ins Elternhaus zurück. Aber man nahm sich ernsthafter, als sonst bei Mädchenfreundschasten Brauch. Man vergaß einander nicht. Bei allen schicklichen Gelegenheiten flogen noch zärtliche Brieflein hin und her. Claudia war Waise. Auf ihren Wunsch brachte sie der Vormund in.ein. Konservatorium. Sie wollte zur Bühne: ihre Schönheit, ein starkes ererbtes Talent (ihre Mutter, aus Italien stammend, war einst eine-gefeierte Sangesiönigiu) und eine prachtvolle Stimme berechtigten sie zu glänzenden Erfolgen. Da verliebte sich das junge Mädchen.— in wen, wie und wo kann ich Dir nicht berichten. Helsias Andeutungen über dieses Ereignis blieben stets höchst dunkel, vermutlich, well sie selbst niHE davon weiß. Aber der Ausgang dieses Romans ist' uns leider nur zu bekannt. Dieser geheimnisvolle „Sr" soll eine Reise um die Well unternommen und Claudia vorher einen Abschiedsbesuch gemacht haben. Eine Stunde nach der Abreise jenes Fremden warf sich das exzentrische Mädchen aus einer Dachkammer ihres Hauses zum Fenster hinaus." „Potz Käthchen! Und jener.Wetter von Strahl?" „Ich habe nie von ihm erfahren. Es geschehen noch Wunder; ..sie blieb äußerlich unverletzt. Aber der Fall hatte eine schwere Herzkrankhell gezeitigt, von der sie bis heutigen Tages noch nicht völlig genesen ist. Natürlich, mll. der erträumten Karriere war es für sie vorbei. Arme Claudia! Sie mußte sich darauf beschränken, wenigen archeren das zu lehren, was sie gern -selbst geschaffen hätte. Helsia besuchte sie jetzt in Wien und fand sie 'leidend und niedergedrückt." „Kurz entschlossen, wie -mein Weib zu handeln pflegt, -fuhr Salomon fort, „hat sie die Freundin zu gegenseitiger Zerstreuung hierher geführt. Ich Llltc Dich, Benno, sei recht behutsam im Umgang mit diesem liebenswürdigen Geschöpf! Gieb acht, daß sie ja keiner Gemütserschütterung, keiner Erregung ausgesetzt werde. Du selbst, mein Kleiner, bist ein wenig Tollkopf, wie hier zu Lande -andere Leute mehr. Und auch die schöne Claudia birgt hinter aller äußeren Harmonie der Erscheinung einen unruhigen, nach allem Ungewöhnlichen ringenden Geist. Darum nur nichts Politisches, nur keine Lenialen Umsturzpläne, utopische Auseinandersetzungen rc.; kurz alles Aufreizende, Gefährliche sei aus Eurer Unterhaltung streng verbannt." - „Guten Morgen, Vater!", riefen beide plötzlich. Die jungen Leute warfen ihre Zigaretten bei Seite (selbst in diesem geringfügigen Umstande hatte sich Wrahams verfeinerte Natur erhalten, der, im bewußten Gegensatz zu den immer schmauchenden Rummnern, Tabaksqualm durchaus unleidlich war) und gingen ihrem Väter mit großer Herzlichkett entgegen.; s ,-Da komme ich von der Bahn", sagte Abraham und ließ sich schwer seufzend in dem großen Sessel nieder, den ihm Benno diensteifrig herangerollt. „Ist das ein Elend, Kinder, ist das ein Elend! Da mußt wissen, mein. Benno, wir von der Gemeinde gehen nun täglich zur Bahn. Es geschieht jetzt häufig, daß Juden von ihrem Wohnsitz fort aus dem Lande geschickt werden. Keiner weiß warmn und weshalb." (Fortsetzung folgt.) W. Wle]*e9 Optiker, Lieb^ranenstr. 1. Brillen, Pincenez, Operngläser, Feldstecher I in jeder opt.-mechan. Spielwaren f Preislage EisenhaliiiM, Daopfniascfiinen, Laterna-Iagica, KiaematooraphoD etc Aus Felvbriesen. Ich glaube, heute ist schon wieder Freitag. Schon wiÄer eine Woche im Fluge herum, und es naht Chanukah. Wie haben wir sonst doch immer gesagt? — Weißt Ihr auch, was Chanukah bedeutet? Chanukah bedeutet ein langes Leben. — Das, was wir in der leichten Zeit, ohne irgend etwas Besonderes zu vermuten, spielend sagten, möge es nur Wahrheit werden; jetzt, da 'man nach so Manchem greift, so vieles vermißt, dem man sonst eine ganz andere Bedeutung beigemcsscn hat. Das ist eine Umwertung aller Werte. ... Schabbos Abend, — Gut' Woch'! Gut' Chanukah! Eben habe ich' gerade entzündet, und beim Scheine meines Kerzchens denke ich an bie schönen, nicht vergeßlichen Zeiten in der Heimat. Ich kann garnicht dos Kerzenlicht sehen. Es steht das Kerzchen io einsam da und von alben unverstanden und loiH* schon so schnell - wieder ausgehend als wäre in: dieser Gesellschaft micht sein richtiger Platz, als dürfe man ' hier nicht ein Zeichen seiner Gedanken kundgebeu oder nur sichtbar machen. Frankfurter Israelitisches FcrmilienAatt. Ät. 51. Gehe nur aus mein Lichtchen! Du leuchtest ja nur' mir und gibst mir Grüße aus der Heimat zu verstehen, und morgen brennst du mir. ja wieder doppelt. Gute Nacht, meine Lieben! „Scheoso nissim lawauseinu bajoinim hoheini," er wlld üns auch wieder Wunder tun, hoffentlich „basscman hasee." So, jetzt habe ich noch ein bischen mit meinen Franzosen, bei denen ich kampiere, gewelscht und - werde nun sicherlich von Euch ttäumen: hellerleuchtetes' Wohnzimmer, Chanukahlichter, Moaus-Zur, Trendel, Nun-Hci- Gimmel-Nun-Shin, und schon wieder Shin. ... Lieb Muttchen, wir haben uns in das neue Leben hier eingcwöhnt und machen es mit; man gewinnt ihm die schönste Seite ab. Sei Dü auch stolz und zuversichtig, Gott verttauend. Wenn Du Dich so härmst, — nein, das darfst Du nicht; je fester Du bist, je gesünder Ihr lebt, desto besser geht es uns. Als ich in die Schule ging, da glaubte ich, an der Türe immer mein Muttchen zu sehen; — jetzt soll es umgekehrt sein. A. 91. * Der Entschluß war nun einmal gefaßt, ich tvollte - einen Tag da zubringen, wo ich sonst nur des 'Nachts war, ganz vorne. Me oft habe ich Euch von meinen nächtlichen Fahrten erzählt, wenn ich bei einbrcchendcr Dunkelheit mit meinen Munittonswagcn, Feldküchen, dem Schanzzeugwagen und so weiter nach vorne fahre. Hinaus in die dunkle Nacht, in der die Scheinwerfer und Leuchtkugeln spielen und die Abschüsse der eigenen und der feindlichen Artillerie das Gelände eine Sekunde erleuchten. Immerzu Mit dem Gedanken, wir müssen vor, wir wollen vor, und warum soll ausgerechüet so eine Granate zu uns kämmen, es' ist doch vor uns und hinter uns, links und rechts so viel Platz. Es reizte mich . also, das betäube am Tage zu sehen, und so machte ich mich denn am Bormittag auf und ritt nach B. — Bor dem Dorfe halten wir, ich hatte noch 2 Mann mitgenommen, denn das - Dorf wurde gerade heftig beschossen. Es wollte aber nicht Nachlassen, so rillen wir weiter durch das Dorf durch und machten am gegensettigen Ausgang halt. Der eine blieb mit den 3 Pferden dort, und mit einem Lebewohl machten wir 2 uns auf die Reise. Es war alles in ttefstcr Ruhe, und wir ivunderten uns, wie anders dies alles am Tage aussäh. Pingpink, kämen 2 Jnfanteriegeschosse, wir bückten uns; Pingpink, müder 2. Da war ein Graben, „hinein" rief ich, Alles war ruhig, wir krochen wieder heraus, und an eineni Waldrande ging es weiter, langsam, denn die Füße steckten tief im Schmutz und ein lautes .Knatsch" hörte man bei jedem Tritt. Eine Hecke versperrte den Weg; wir wanden uns durch sie hindurch und standen 200 Meter hinter unseren Schützengräben. Weiter . vor konnten wir am Tage nicht, darum benutzten wir einen Laufgraben, der zu unserem Batalllonsstchb ftchrte. Unser Major ivar sehr erfreut, mich am Tage zu' sehen, wo doch nicht so viel zu tu» sei wie.am Abend, und bei eimr Flasch Rotwein chid feinen Zigarren be-i sprachen wir' so allerlei. Ich Mach den Wunsch aus;' alle Kompagnien des Bataillons jetzt besuchen zu wollen und verabschiedete mich „bis nachher." Wie alle Abend, wenn ich! meine Wagen abmelde, sagte er auch hiesesmal: .Kommen Sie gut über, Gott befohlen." Und nun begann eine mehrstündige Wanderung durch die Schützengräben. Was unsere Kerle alles zusammengebaut haben, ist garnicht im Rahmen eines Briefes zu beschreiben. Trotzdem die Kerle doch jetzt über 2 Wochen ohne Unterbrechung im Schützengraben sind, herrscht allenthalben eine vorzügliche Stimmung. Natürliche ist der' ganze Boden sehr schlammig durch das andauernde Regenwetter, und doch steht es in den eingebauten Höhlenwohnungen recht sauber aus. Bor einem großen Unterstand ist ein Schild angebracht: „Schniutzige Wäsche." Ein Kästchen ist da mll der Aufschrift: „Briefkasten-Leerung 3 Minuten vor Abgang jedes Postzuges." In Wllllichkeit nehmen wir die Post immer mit, nick sie wird von einem meiner Leute zur Feldpostexpedition und von dieser mittels Kraftwagen zur Bahn befördert. Jeder Kompagnieführer zeigte mir die Originalitäten seiner Kompagnie, und da mich die meiste» Leute kennen, so hatte auch jeder Manu fast irgend etwas zu besprechen: Der eine bedankte sich, daß ich chm einen Brief zurückgeschickt habe, auf den - er nur den Absender schrieb, die Adresse aber vergessen hatte; der andere sagte, sie hätten überreichlich Munition; der nächste wollte wissen, was es heute Nacht zu essen gäbe. Wiä>er ein anderer fragte, ob es nicht mal Kerzen gäbe, und ein Leutnant erbat für seine Kompagnie etwas Petroleum. Ein Zugführer schließlich sagte, er hätte sich jetzt einen Ofen in den Schützengraben einbnuen lassen und Lat mich) ihm gelegentlich etwas Kohlen vorzuschicken, und so ging es fort. Den französischen Schützengräben, siecht inan ganz deutlich, und auch die fürchterliche Wirkung unserer Arttllerie kann man an Dingen ersehen, die ich! besser hier nicht beschreibe Der Kirchturm des nahegelcgenen Dorfes wird schon seit langer Zett von den Franzosen als Beobachtungsstand benutzt. Das Feuer unserer Artillerie war bisher vergebens, weil der Kirchturm durch die Geländewellen schwer zu fassen war. Ein Geschütz fuhr darum ganz in der 9!ähe unserer Schützengräben in der Nacht auf, und an diesem Nachmittag sollte der Kirchtwn „fallen." Ms. bei dem t>. Volltreffer der Kirchturm sich pornübcrneigtc, brachen unsere Kerle auf der viele Kilometer langen Front in ein kräftiges Hurrah aus. Die Franzosen fürchteten scheinbar einen Angriff, denn sie schossen bliiw darauf los. „Na", dachte ich, „das müßte jetzt so ein Gefecht geben, und ich bin im Schützengraben.". Nach einigen Sekunde» dachte ich : „Bin ich auch mit der Handhabung, des Gewehres nicht so bewandert, ich mache auch mit/' Doch da schwieg alles wieder! Es war bereits dunkel geworden, oder sagen wir, es begann zu dunkeln, als' ich' mich entschloß, noch schnell zur 4. Kvmpagnie zu Lehen, um - Herr mir befreundeten Ltn. P. zu besuchen und vor allen Dingen, den lieben M. F. Als' ich in M's' unterirdische Behausung einttaf, ich weiß nicht, mir war so merkwürdig zu Mute. Denket - Euch, in nächster Mähe des Feindes, in einem Schützengraben in vollster Dunkelheit kam ich an, und als ich die Türe zu der Behausung öffnete, — was sah ich da? Es brannten die Chamckahkerzche», und ich hätte ivirllich gerne ebenfalls' dort entzündet, wenn ich nicht zu .Hause schon mein Kerzchen vorbereitet gehabt hätte. .So sehr ich auch, ejlte, ich fühlte,, daß ich noch einige Minuten da bleiben müßte, wo unter diesen Umständen, ich möchte sagen, unter Umständen, die die Mchtcmsübung der Gebote für dieses schöne Chanutähfest sicherlich eirtschuldigen, die Kerzchen brannten. Jeder Jude in dieser Kompagnie hatte in der Höhle sein Lichtchen angesteckt. . Wegen der inzwischen hereingebrochenen Nacht konnte ich nicht den Weg zu den Gräben zurücknehmen, sondern ging quer über das Feld zurück, wo ja unsere Pferde standen. Ich ritt, durch die Dunkelheit geschützt, dann vor zu .dein Btl. - Stab. Auf einmal, fast da, wo dies uns Mittags passierte, psifien wieder die Jnfanteriegeschosse Pingpink, doch hmreu diese nicht ans uns' gezielt, stammten vielmehr daher, daß die Franzmänner zu Hochs schießen und diese Geschosse infolgedessen bis dahin fliegen. Ich kmn zu unserem Major, der sich voll mir berichten ließ. Ich erzählte ihn«, daß ich furchtbar nett fand, ' daß unsere Kerle so guter Laune seien und fand cs außerordentlich ulkig, mit welchen Nainen die Berbindllllgsgrabcn genannt sind: Es gibt da eine H i n d e n b u r g st r a ß c und auch' einen „R e n n e n - k a m p f Lauf — w e g." M. R. «- Draußen bläst der Wind und klatscht der Regen. Ich sitze bei den nach und nach verglimmenden Kerzen unserer Chanukahlichter, die selbst unsere „Erdenhöhle" zu einer fteundlichen Stätte menschlicher! Behausung machen. Ringsum alles still. Rur das Hüsten unserer mutig im Regen ausharrenden Horch- und Beobachtungsposteu dringt zu mir. Bon Zett zu Zeit hört man eine Granate in deni unweit gelegencn B. einschlagen. Salvenartiges Jnfanteriefcucr belehrt mich, daß fern Von lms — vor der Front — unsere im Aufklärungsdienst begriffenen Patrouillen auf den Feind gestoßen sind, und eine von Zeit zu Zeit über mein Haupt hinwegpfeifende verirrte Kugel oder Querschläger sagt mir, daß auch unsere Gegner auf der Hut sind. .Und ich fitze hier und schreibe — rmd philosophiere über das, loas „ war, was ist, ivas sein .wird. Am längsten' verweile ich bei dem, „was sein wird." Ich kann es nicht .ausdenken, zu rauh ist die Gegenwart. Wie ein schöner Traum erscheint inir, erscheint uns allen die Zukunft. Fort mit den Gedanken, zunächst spricht die Gegenwart. — Ich habe mich eben unterbrochc» und einen Kontrollgäng durch die Schützengräben gemacht. Es herrscht ein unbeschreiblicher Schmutz, und man schleppt halb Frankreich an den Füßen mit in seine Bude. Das bringt mich dazu. Euch eine kurze Beschreibung über meine Rechte und Pflichten als' Gefteiter zu geben... t. Kunst und Literatur. Illustrierte Geschichte des.Weltkrieges 1014. Wöchenllich ein Heft. Union deutsche Verlagsgesell schuft in Stuttgart, Berlin, Leipzig und 'Wien. Heft 1—11. Weltgeschichte in des Wortes größter Bedeutung ist's, die wir eben erleben. Sie in ihren Ursachen und Wirkungen festhalten, heißt gegenwärtigen und kommenden Geschlechtern einen unschätzbaren Dienst' leisten. Da wird denn die von der „Union" herausgegebene Geschichte des Weltkriegs 1914 tausenden und abertausende» 'eine höchst willkommene Gabe sein. Schon der Ruf des Verlags bürgt für die Güte des Inhalts. Eine fort-- lausende Geschichte des Krieges schichtet ohne jegliche Ruhmredigkeit die Tatsachen deutlich und übersichtlich ans. Bon der Not und Drangsal der Zeit nicht minder wie von unserer frohgemuten Zuversicht wissen Feldpostbriefe und ähnliche Berichte zu erzählen. Vereinzelte, gewiß noch häufiger wiederkehrende Ilbhnndlnngcn aus fachmännischen Federn bilden eine lehrreiche Ergänzung der Vorgänge. Eine große Fülle von Bildern —. nur schade, daß das Tiefdruckverfahrcn nicht zuweilen angewandt wurde — verstärkt und erhöht die Anschaulichkeit. Für die nächsten Hefte, denen wir gerne ent« gegensehen, sind «. a. klare Karten der Kricgsschan- Plätze angekündigt. I üffenbaelier Orneklafi-Anlagf I Ottenbach a. H. Telefon 123. (Anschlnas mitFrankfort). I Bewährteste TapplchPelnlOOnQ (100.000 qm jährlich) I sowie unübertroffene Bettenu. Bettfedernrelnl- 0UHO mittelst Druckluft und Wasserdampf. Spezialität; Francke & Weber ■ Gr. Friedbergerstr. 7—11 Tel. Hansa 4095. I