Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 50 (24.12.1914)
- Date
- 1914-12-24
- Page
- Seite 2 (sequence 3)
- Language
- German
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Frankfurter Islamitisches FmnllienLlatt. Skr. Lo. die Kraft als sein Inhalt und die Macht Norm, erlangenja im Kriege ihren n Ausdruck. Mag der Krieg noch so sehr gt und vervolllonmmet sein, er bleibt in Wesen doch immerdar die Manifestation taten Kraft- und Machtprinzips. Bedarf der Worte, um' zu zeigen, daß wir ^ihn ablehnen müssen?, ablehnen müssen rem! Innersten heraus, aus dem' Tiefsten rlichsten heraus, das unser eigen ist, Grundprinzip unserer Weltauffassung und , innerste» Wesen unserer Eigenart heraus? D«n antiken Menschen konnte der kriegerische Held höchstes Ideal sein; uns ist er bei allen großen Tugenden, die ihn zieren, ein Typus, der zu Überwrndar ist, ebenso wie der Krieg selbst bei "ickken herrlichen Seiten, die er besitzt, .für uns «ne. Erscheinung ist, .die überwunden werden mutz. Darum haben wir kein Makkabäerfest, sondern xin Chanubch; nicht die Siege auf dem Schlachtfelde, a«^^f Pie Vernichtung unseres Feindes, nicht ein- Befreiung des Volkes und WiedererrichtmP bei Staates war uns das größte Ereignis jH« Zeit; denn all dies ist möglich auch innerhchb eines «muralen Lebenssystems; erst die Einweihung des Tempels ist uns das bedeutsamste, vuchchast seiernswerte Begebnis jener Tage, denn der Teurpel ist das Symbol unserer Kultur, unserer Lchensaufsassung, unserer Eigenart. . Zchxbin Werzeugt, meine Freundin, daß Sie Mich recht verstehen; wie oft wird man doch mit diesen Gedankengängen — zuMal in diesen Tagen — mißverstanden. Es soll nicht gesagt sein, daß wir nicht tapfer seien, nicht als Männer auf dem SiMachtfelde zu sterben wüßjen. Solche Jnsiimatipnen tragen den Stempel der böswilligen Absicht, zu deutlich auf der Stirne, als daß sie erst widerlegt werden müßten. Wenn es not.tut, fffc eine gerechte Sache in den Kampf zu ziehen >gegen Feinde, die zu unser« Lebensauffassung noch nicht gelangt sind, die MaKabäer, Bar-Kochbq, die Helden der Inquisition, unsere Brüder iW Söhne in diesem Verteidigungskriege unseres Rateclaübes zeigen, das wir auch dies vermögen. Das wir aber nicht vermögen und was wir mit ganz« Seele bestreiten und ablehnen, dies ist, tik Kr^ als solchen zu bejahen. Wenn ein Elausewitz erklärt, der Krieg sei nur eine Fortsetzung der Politik mit anderen.Mitteln, so brechen wir den Stab über eine Politik, die eine solche Fortsetzung ermöglicht oder gar bedingt; wenn Treitschke den Krieg als die höchste sittlichste Ausdrucksform nationaler Größe preist, so Mt uns Las Verständnis für solche Sittlichkeit und solche Größe. Und wenn tausend andere — und w« .gehört heute nicht zu diesen? — Meinen, der Krieg sei eben ein iwtwendiges Uebel, so antworte« wir, die stolzen Söhne des auserwählten Volkes, die begeisterten Verkünder des Mkffianischen Zeitalters, daß wir keine notwendigen Hebel anerkennen, daß ein Uebel nur da ist, uM überwunden zu werden, uni)1 es kein Uebel Hbt, das nicht überwunden werden könnte. Diesen uns««« Standpunkt wollen wir doch auch in den Wochen iüeses Weltkrieges wahren; Mag man Ms Feige dann verleumden, unsere .Söhne auf den Schlachtfeldern entheben Ms der Mühe, unsere VttbeMÜwr auch nur der Antwort zu würdigen; wir iyürden ihnen aber recht geben, wollten wir „<nt0 Furcht vor dem Kriegstaumel der öffenüichen Meinung Europas imj«e Anschauung verbergen oder gar andern. Mutig und' entschlossen ziehen wir in fee» Krieg für unser Mgegrifsenes Vaterland, aber Ms« letztes Wschiedstvort sei eine Verdammung des Krieges: also .handeln die Wb« Propheten und die Enkel der antike nationäle Kultursystem, es ging zu Grunde — ethisch Md physisch — durch die Eroberungskriege .Roms, der extremsten Ausdrucksform des antiken Machtprinzips. Als Rom fiel, kam der UiDchlag: das Christentum trat seinen Triumphzug an; das Christentum, das wieder das Leben vttneinen lehrte und den Blick der Menschheit wieder aus das jenseits, richtete. Und das Resultat? Zwei Jahrtausende, schier ununterbrochener Kriege, Md als Abschluß des Ganzen dieser furchtbare Völterkrieg aller gegen alle. Wiederum hat sich unser Judentum als die höhere, größere LebensMffassung erwiesen. Und darum dürfen wir hoffen, däp, wenn dieser Krieg beendet sein wird, ein großes Erwachen über die Völker Europas kommen und eine neue, andere LebensMffassung sich ihrer bemächtigen wird. Diese.Lebensauffassung aber, sie wird nur die unsere sein köimen. Nach d« furchtbaren Erfahrung' dieses Krieges wird Europa wieder zu uns in die Schule gehen Müssen; zu den Ideen der sozialen Gerechtigkeit, des ethischen Optimismus, die es schon von uns übernontmen hat, wird es auch unsere .Auffassung des Krieges sich zu eigen machen müssen. Welchen Juden erfaßt nicht ein,. ngmenlojes Stolzbewußtsein bei. diesem Ausblick, wem klingt nicht wieder das gewaltige Wort unserer Propheten in die Ohren: Ki mizijalm tezeh tauroh udwar Haschern mirnscholojim? Und so schließe ich, meine Freundin, wieder jnit den Worten, meines ersten Briefes: Warten wir, Ms« Tag kommt bald! kl. -n. ^meine Freundin, führen mich Ihrem ersten Briest kr « den moralischen doch ein gutes >ieser furchtbare .etwas wie ein Msch-christlichen Seite. Die Antisemiten und der Krieg. Bon Lehrer A. Rothschild-,Achim-Bremen. Im antisemitischen .Lager wird es wieder rege. Die anfängliche Begeisterung für die bedingungslose Verbrüderungsidee ist plötzlich wieder ins SchwMken geraten; an deren Slelke ist wied« bttgrundlose Haß. gegen die kultnrfördernden Juden getreten. Jetzt schon, wo nach der Weisung unseres obersten Kriegsherrn jedes Parteigezänk verstummen .sollte, wissen ..jene Herren ihre Zeit nicht anders ' totzuschlagen, als. Hetzartikel gegen die Juden zu schreiben, um Zeinen Mißklang in die schöne Harmonie zn bringen. - _ Es gibt doch wahrlich, jetzt nutzbringendere Beschäftigungen. Haben denn jene Herren gar kein Verständnis für unsere großx Zeit? Wie uns«e Militärbehörde über das Treiben jener Volksvergister denkt, hat sie ,ja in diesen Tagen dadurch bewiesen, daß sie für die Dauer des Krieges das Erscheinen der Staatsbürger-Zeitung verboten hat. Es ist unglaublich, ab« wahr, daß es ein Vertreter des antisemitischen Lagers in staunenswerter Weise mit Antisemitenlogck .fertig gebracht hat, uns die Schuld des Krieges 1914 jn die Schuhe zu schieben. Und kein anderer war dieses — als Wilh. Schwan er, der Herausgeber des „Voltserzieher", .der auf der Stirn die schönen Worte stehen hat: „Der Selbsterzieh« zur' Weisheit, Schönheit und Stärke, der Bücherfreund für Kunst, Religion und Wissarschast." Schwaner ist der UeberzeuguNg, daß die Juden den Krieg verschuldet haben. 'Wird er Ms auch danken, weM wir siegen, und darM ist nach den bisherigen Erfolgen nicht zu zweifeln? Das Wäre doch, eine logische Folgerung. Aber nein — dmrn wird der großx Ägiker sagen: Wir völkisch gesinnten Deutschen haben den Sieg erfochten — er wäre sicher nicht so hartnäckig gewesen, hätte nicht so viel Opfer gestrdert, weM die Juden nicht dabei gewesen wären." Diese Sorte Bolkserzieher wissen sich eben imm« zu drehen und zu wenden, wie es in ihre Theorie paßt. Wie denkt Schwaner üb« die Pogrome in Rußland? Die Juden allein haben die Schuld! Warum? .Wären keine Juden da, bann gäbe es keine Pogrome! So naiv sind unsere Hass« im Denken und Handeln. SchwM«, der in seinen ersten Kriegsnum- Mern durch seine Mitarbeiter kundgeben ließ daß Mm jetzt vom Antisemitismus gründlich geheill sei — « selber hatte einen ganz Mderen, Menschenwürdigeren Ton ang^chlagen —, ist wieder ins Mast« geraten,' wie sich d« geschMe tfolgendesMchs" Möchte üh SchwM« ans nrnnerr Brief, in welchem ich ist, — üb« seine Sinnes.änderMg meine BefriedigM ausdrückte, antwortete, daß chm 'die KriegAn! nummern viel Vorwürfe von seinen völkischen Ge $o nossen eingebracht hätten. SchwMer schreibt Schlüsse seines Artikels „Berges es nie!" f gendes: „Jn Berlin, im Jerusaleiner Viertel, kommen n« heute einige „große" Tageszeitungen heraus, die ob» slächsich schwarz-weiß-rot angepinjelt sind, aber une dieser Deckfarbe genau wie „Clou" und „Picadill! ftanzösisch-englischen Allerweltsgeist behielten. Sie, dl noch im vorigen und lmifenden Jahre sich nicht genp tun konnten in der Verdächtigung in Beschimpfung bei scher Art und deutschen Wesens, sie, aus deren Re^ nung Liebknecht-Krupp-Stäntereien und die Lnxembur Kasernen-Spitzeleien kommen, sie, zu deren Schrittmach^ und Schildhaltern die Vaterlandsverräter RcchtsanwMnei Blumenthal und „Maler" Hansi gehörten: sie -verlangt zur Zeit der Kathedralen-Hatz gegen uns allen.ErntzMair vor der Beschießung größerer Kulturstädte die Anhöriq >lr eines Sachverständigen - Rates von Künstlern und Schrü ha! stellern, damit „eventuell" und möglichst geschont wer« soll könne! Als ob nicht jeder gesunde schöne Bauernjum best und deutsche Soldat ein herrlicheres Kunstwerk Gotö I» wäre als das Rathaus. von Löwen und die Kathedrq sau von Reims! Wenn nur früher die jetzt so besorgst die Blätter und Ritter des Berliner Jerusalemervierts etwas pietätvoller gegen den deutschen Glauben m cin das deutsche Volk gewesen wären! Da ging ihnen nies am über Pariser Kultur — die jetzt ihre Batterien vor dl wir Kathedralen aufpslanzt! — nichts über Londoner Pols schl — die jetzt alle Kanonen der Welt auf uns richtch oer Da war ihnen nichts verhaßter und verkommener Ist« die Oesterreicher und die Türken, die heute unsere eD da zigen Freunde sind. Und ausgerechnet diese Blätter Mn« der westlichen Trikolore auf der orientalischen Stirn f heute, als schlügen sie allein mit ihren Mannen! Krieg, als besorgten sie allein die mit viel Gesch hinausposaunten Liebesgaben! Nachher werden sie wie! genau wie früher den preußischen Militarismus in al Welt verspotten und »erdröhnen, um so eher i schärfer, je länger es dauert, bis irgend ein Dreh! Kriegsminister oder irgend ein Stahl-Lilienthäl KultMaui minister wird. K sov Vergeht es nie, daß gerade diese Preßsorte? - Krieg von 1914 mitvcrschnldet hat durch die Zabe! nnd Krupphetze! Nie hätten Engländer, Franzosen und Russen dil Krieg gewagt, wenn ihnen nicht unsre freiwilligen Dl verbändler im Jerusalemviertel von Berlin den Glau! beigebracht hätten, daß Deutschland innerlich moi faul nnd uneins sei, daß oben lauter Trottel sL unten stier die Revulution lanrc. Bergeßt es nie, Soldaten im Felde und BürM"*" zu Hause! . Z m Nieder und fort mit allen, die je die tückist Feder gegen deutsches Wesen nnd deutsche Art « tauschen! Hinaus mit allem, was je und je englin und französische Kultur als besser, höher und w bildlich für uns gepredigt hat! 1 gli Weg mit allem, ivas nicht im. tiefsten Kern 15 manischer Art nnd deutschen Geistes ist! i Eure heiligste Sorge sei: Stuben und Kammrein Von fremdem Ungeziefer."; Antworten wollen wir dem Hernr mit seit Worten, und zwar mit dem Anfang seines zwei! Artikels unter dem Titel „Volkserzicher-Gelübd „Wir geloben Mmn für MaM und Weib k ist, Weib, daß wir uns dem deutschen Volkserzieh« gedanken verschworen haben, nicht zu ruhen nfj bic iöo zu rasten, dis dieser Krieg, der nimmersän I die neben dem äußeren größeren DeutschlMd n ba auch das irtftere reinere, stärkere und was {!u Deutschland gebracht hat. Aber wir wdllen nicht i Hände in den Schoß legen und jvarten, ob an so od« bis die anderen mittun »der vorMgeheN; He fängt bei sich M. . . Bor allem! bur* öu reines Handeln!" Ja, Herr Schwaner, vor allem durch. reiM Handeln. . . Nehmen Sie sich Ihre schvlM Worte mal schön zu Herzen! Die Waffen in Czernowitz. Der russische Militärgouverneur von Czer witz, der Hauptstadt d«.<Bukowina, hat dem Hä lein Inden, zurückgeblieben ist, 50,000 8 zu zahlen befohlen. Es soll das eine Strafe '; für sein, daß die Juden das österreichisch-ungc sche Militär vor dem zweiten Einbruch der Rist in Czernowitz begrüßten. , Da sich die Aufbringung der SuNüne als mBglich «wies, wurden die Synagoge und i . Wische Mltwnalhans als gepfändet erklärt', .j : versiegelt. Außerdem würden Geschäfte, deren,! Haber geflohen sinh, - anftkch;'c v«PqsÄt.>7.'A«h^ russisches Staatseigentum!, erklärt.. : » Drei Tage ^ang. .haben die,Kosllsen .geplünt | und die Flauen vvNewlcktigt; Äicht mrv diejli na lri Di tr Kc Dl ve .lu dil N' ve gl du ho re 5 gl tr bc re bi D S D m h'