Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 49 (18.12.1914)
- Date
- 1914-12-18
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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igen Igen OSt. rten?se 11 5821. Nr. 49. Heu eröffnet I “Hm „Lichtbild kultirr*6 gp. Friedberggrstr. 18/24 HolelDrexel a.d. Konst ab I. Wachs. leine» Familien - Jßno. t. L» cheuvon B. islr. l.?reiiterüge, ■äge. Pfe. ir eindeilrleb nban. St wußte recht gut, daß Helsia ihn nicht leiden konnte. Darum beschloß er hinzugehen. Aber nur nicht zusagen, nichts versprechen! „Wer doch Zeit fände, so schöne Geselligkeit zu pflegen! — Ah, meine Station! Ich verabschiede mich!" Er grüßte noch einmal und sprang aus dem Wagen. Draußen hörte man eine kreischende, sich oft überschlagende Männerstimme Alexandru lebhaft be willkommen. „Das ist Groducza", sagte Benno, als sich der Zug wieder in Bewegung gesetzt hatte. „Der Schlauch hat sich gut freuen. Jemilian glaubt mit seiner erhabenen Naivität, das gelte ihm. Jawohl, dem Schlüssel seines Weinkellers. Welch ungleiches Freundespaar! „Was fällt Dir ein?", schalt Helsia spöttisch. „Ist es nicht die größte Ehre für einen Mann wie Jemilian, mit dem allergroßmächtigsten Judenfresser unserer Stadt zu verkehren? Ueberhaupt ein reizender Mensch dieser Alexandru, nicht? Ausgenommen seine böse Zunge gefiele er mir doch vortrefflich. . . He, Claudia, hörst Du mich?" Claudia hatte Alexandru nachgeblickt, so. lange ihre Augen ihn erreichen konnten und kehrte sich jetzt seufzend um. „Er hat etwas von. einem Gefallenen", sagte sie sie leise. „So mitleidlos spricht er nur, damit man ihn für originell und absonderlich halten niögc. Nur kein Gefühl zeigen, kein Temperament — das ist nicht vornehm, nicht gentleman like. Aber sein Herz meint es besser." „Unsinn!", fuhr die junge Frau auf. „Der spricht, wie er denkt. Glaubst Du, es lohne ihm, sich zu verstellen? Ein böses, schlechtes, abscheuliches Herz hat er. Nein, der hat überhaupt kein Herz, der hat nur ein Portemonnaie. Hol ihn der Teufel!" „Helsia!" „Ach was, ich will mich gehen lassen, will ungezogen sein. Das tut mir wohl. Himmel! wie habt Ihr mich gelangweilt! Ja wohl, Ihr mit eurer dummen Politik. Und Alexandru erst! Er ist der Genius der Ungemütlichkeit. Wo er hinblickt, gefriert einem das Lachen im Munde." u „Nun, nun, Dein Lästerzünglein ist recht unbeschädigt wieder aufgetaut", sagte Claudia mit erzwungenem Humor. „Widersprechen Sie ihr doch, Herr Liedertrost! Nehmen Sie sich ihres Freundes an!" „Ich nicht", erwiderte Benno lächelnd. „Auch ich stelle mir gefallene Engel anders vor." „Gott sei dank, ein schlechter Witz!", jubelte Helsia, „Junge ich könnte Dich küssen dafiir." „Bitte ich halte still." „Wir sind da!", schrie sie plötzlich, „wir sind da. Ich sehe den Rauch, die Schornsteine unserer Fabriken... Ach'du häßliche/ rauchschwarze Stadt, wie habe ich dich doch so lieb. Zu tausend Malen lieber als die schöne elegante Metropole da unten. Nichts will ich mehr von der großen Welt, keine Reisen, keine Zerstreuungen. Wie töricht ist man, um solcher Nichtigkeiten von der Heimat fortzugehen." Helsia war ganz außer sich vor Freude und warf mit fieberhafter Hast Schachteln, Koffer, Pakete, Schirme aufeinander, untereinander. „Oeffne Benno, schnell, schnell! Hörst Du unfern Schlitten klingeln? Hörst Du den Kutscher fluchen? Komm heraus^ Claudia, oder Tüll, oeben ssern He zu litte, niges imtl. aben. nach 'ta.ll. tr. 41. 2948. Seorg 7. Vwe., Roux! Muni, li teu- *ie ett- >itt* mlschnell, da drüben steht mein Mann und hebt unfern Buben in die Höhe!" (Fortsetzung folgt.) Cafe Kaisergarten am Opernplats ^Erstklassiges!Familien-Cafö Nachmittags Konzerte. Fr« Hanselmann, Besitzer. Aus Felvbriese«. . . . . Freitag war ps noch recht gemütlich in. . ., und wir ließen uns in unserer Rühe nicht stören, als selbst unsere französischen Freunde uns wieder mal »eiserne Brocken" aufs 'Haupt bezw. über unser Dach sandten. „Dieselbe Sauerei wie 1870" bemerkte ein lustiger Bayer. Unser Stall war matt erleuchtet. Ich selbst hatte vorher mit einem' Liter Wasser, unter Hinzutat von. dem gesandten Kölnischen Wasser, mich frisch gemacht/ den Schmutz in wahrem Sinne des Wortes „abgeschält". Frankfurter Israelitisches Familienblatt. dann noch schnell vor Eintritt der Nacht im Dachgiebel des Schlosses, wo ich allein sein konnte, Schema mü Tesillin gebetet, — dann war ich, soweit man es so bezeichnen kann, für den Schabbos gerichtet. - Ich lud O, zu einem koscheren Souper ein, bestehend aus Jennilwürfelsuppe, Sardinen, Wurst mit Sauerkraut Und Tee. Wir fühlten uns wie Könige; wenn es auch' keine böhmischen Porzellanteller und edles Krystall waren, aus denen wir.äßen und tranken. Die Suppe aßen wir. atts Aluminiumbechern, den Tee ebenfalls (eine dazwischen liegende Spülung fand mangels Wasser nicht statt). Die Sardinen atzen wir mit der Hand, das Fleisch direkt aus den Büchsen, und die Sauce tranken wir aus. Aber ich fühlte mich glücklich, den ersten Freitag abend fern von zu Hause koscher verbracht zu haben. Währenddessen herrschte im Stall die gemüttichste Sttmmung. Ein Teil schlief, ein Teil sang Lieder, ein Teil schrieb, die Tornister wurden gepackt, die Bündel geschnürt. Während alles schon schlief, ging ich noch einmal an die große Scheunentür. Der Himmel war prachtvoll mit Sternen besät, und meine Gedanken zogen gen Osten, der Heimat zu. . . . Hier, im Schützengraben, habe ich ein wunderschönes Loch gemeinsam mit O., der gegenwärtig Zugführer ist. Ev^ Treppchen, aus Sand herausgemeiselt, führt hinab. Eben zimmert ein Schreiner ein Türchen hinein, damit es fein schließt. Ein Oefchen, das ich heute morgen selbst gereinigt und eingeheizt habe, hat ordentlich Zugluft, und die herbeigestohlene Kohle glüht und macht unsere Behausung wohnlich und gemütlich. Mit Wasser, das wir uns 1 km weit herbeiholen, machen wir uns Tee oder Suppe. Ein schönes Tischlein dient uns zur Unterlage zum Essen, Schreiben usw., zwei ganze und ein halb zerbrochener Stuhl als Sitzgelegenheit. Rechts von mir ist eine Bettlake mit Stroh ausgefüllt zum Schlafen. Au der Wand hängen französische Seitengewehre, die wir erbeutet, als Haken zum Befestigen von Tornister, Kleider, Koppel usw. Unsere Vorgänger , überließen uns ferner einen Wecker. Zur Verzierung -des Zimmers befindet sich an der Wand aus' einem Album entnomntene Ansichten von Ostende, ferner folgende Bekanntmachung der Franzosen, die Flieger herunterwarfen: „Kameraden! Die deutschen Zeitungen verhehlen Ihnen die Wahrheit. In Nordfrankreich/ haben die preuß: Truppen in einer einzigen Schlacht ungefähr hunderttausend Mann verloren. Laßt Euch nicht niedermetzeln, kommt zu uns. Wir mißhandeln die deutschen Soldaten nicht! Kommt ohne Waffen, unsere Posten werden nicht auf Euch schießen! Ihr könnt 'auf uns vertrauen, denn wir haben die Ueberläuser stets menschlich behandelt. Kommt also massenhaft! Frisch auf Kameraden!" t. Lomler & Laitichl Tel. Hansa 3148. Frankfurt a.DL, Liebfrauenberg 33. I Specialhans für Unterkleider und Strümpfe. I Niederlage echter Dr. Lahmann-Wäsche. | Erwache heil'ges Land.... Erwache heil'ges Land, erwachet Väter! Myriaden eherne Posaunen dröhnen! Schon bebt das All vor Seinem Weltgerichte O. Libanon.... Wie bald erbraust' auch Du von wilden Föhnen. Was Deine Seher, gnadenhell, erschauten Das Traumgesicht, es ballt sich zum Geschehen! Das „War" versprüht im Glutenwirbelsturme! Urania Krampst stöhnend üuf in sel'gen Werdenswehen. Seit Noah aus geborst'nen Himmelsschleusen Sah Weltentod zur sündigen Erde fallen. Seit Er den Fuß auf Sinais Schemel setzend, Das Urgesetz Im Donuerbraus ließ durch die Ewigkett schallen. Sah Adam's Sohn . nie mächtig'res Vollzieh'n Göttticher Feuersturnt! Bluttotes Dämmern! Es.kehrt jedwedes Volk zum Gut der Ahnen Welch! Jobeljahr.... An Sklavenketten, horch!, Titanen hämmern! Weh v uns, wenn wieder Judas Sehnsucht sterbend Versänke in Jahrtausends Flutengrabe! Wenn unser Schwert, benetzt vom eignen Blute O, Ahasver! Sich wieder zauberte zum Wanderstabe! Weh' Dir, unsel'ger Ghettosohn, wenn wieder An's Tor des NAterbauten Welttheater Dein Ohr genagelt würd' von Herrenvölkern, Makkabis Sproß Berschrumpft' zum seilen Knecht, zum weichen Vater!*) Erwache heil'ges Land! Es naht Erfüllung! Welch' Schofarklang hallt durch den Weltenaether Ein bluttg Fest wecht itzt die Menschhettsstätte Auferstehung! .... Erwach' o heil'ges Land, erwacht o Väter! Budapest, November 1914. Samuel Bettelheim. *) Ich liebe meinen Herrn, mein Weib und meine Kinder, ich will nicht'ftei gehen. (2. Buch Moses 21,-5). Leite 5. Bmtte Chronik. «in Mische» Herz. Die ersten Verwundeten waren hier angekommcn, und ich! begab mich an einem schönen Herbsttag nach Bornheim, woselbst in einem - Tanzsaal ein Reservelazarett eingerichtet ist. — Im Borgarten trank ich ein Glas Bier und beobachtete die Leichtverwundeten, die im Hinteren Garten spazierten. Da kommt ein mtt bekannter ILjähriger Knabe, zieht eine Papierdüte aus der Tasche seiner armseligen Jacke und übergibt sie bescheiden dem am Eingang des' Saales stehenden alten Feldwebel.; Der Feldwebel kennt den Knaben, und da ich,-in unmittelbarer Nähe sitze, höre ich' folgendes Gespräch: „Na, Samuel bringst Du wieder etwas zum rauchen? Wie war denn heute der Verkauf?" „36 habe ich abgesetzt. Morgen hole ich 50 Stück!" »Willst Du heute nicht hereinkommen?" Statt einer Antwort faßt der Junge nochmals in die Tasche und holt eine zweite Papierdüte heraus. „Ach, so — diese willst Du selbst verteilen!" — Und Heide verschwinden hinter der Tür. Nach einigen Minuten erscheint der Feldwebel wieder und steht an einem Tisch Ich fragte ihn, was der Junge da bringe und erhalte folgenden Bericht: „Der lleine Judenjunge kommt täglich, um .fünf Cigaretten für verwundete Soldaten abzuliefern. Er verkauft hier an der Ecke Zeitungen und bringt nun einen Teil seines Verdienstes in Form von Cigaretten an die Kranken. Ich habe am ersten Tage die Annahme abgelehnt, weil der Junge so ärmlich erscheint, und ich glaubtt, er mopse das' Geld für die Liebesgaben oder benöttge es selbst. Aber ich wurde von feiner Mutter, welche den anderen Tag den Jungen begleitete, gebeten, doch die Kleinigkett von ihrem Knaben für die Verwundet« anzunehmen und ihn zum! Besuche der Kranken zuzulassen, denn es wäre eine unaussprechliche Freude für ihren Jungen, wenn er einen Tett seines Verdienstes" vom Verkauf seiner Zeitungen gbgebe; er genüge übrigens damit auch einem -religiösen Gebote. Seit dieser Zeit stnnmt unser Freund Samuel täglich Md bringt einiges zum rauchen, und es ist eine herzliche Freude zuzusehen, mit welchem Stotze er seine Gabe verteilt, einige Soldaten kennen ihn, und er würde auch schon beschenkt. So erhielt er eine Patrone, franz. Ilniformknöpfe und dergl., worauf er nicht wenig stolz ist." Der Knabe, der im Hinterhause in der Nähe memer Wohnung wohnt, ist ein österreichischer Junge und bringt mtt jetzt täglich das Abendblatt. Ich habe so das Vergnügen, den gescheiten kleinen Burschen jeden Nachmittag zu begrüßen und 'chm ein lleines Extta von 5 Pfg. ftir seine Verwundeten zu übergeben. Pr sagte mtt, daß er am «rchabbos nicht komme; dafür erhalle ich aber das "Abendblatt von Samstag recht pünkllich am Sonntagmorgen. Frankfurt a. M. I- M. Warum der Wilnaer «aön de» «uklides au» de» Griechische« tu» Hebräische übersetzt wißen wollte. Von Dr. med. Rainer, Arzt zu Wiesbaden. Indem ich auf meine Ausführungen in Nr. 41 dieses Blattes Hinweise, möchte ich. noch zum besseren Verständnis folgendes hinzufügen. Seine Forderung, die Uebersetzung betreffend, begründet Rabbi Eljah Gaän in einem Briefe an Rabbi Baruch Doktor mtt dem drastischen Ausspruch: ,Ae mehr einem von den Profanen Wissenschaften abgeht, desto weniger versteht er die Thorah!" Er war ja auch deswegen ein entschiedener Gegner des damals im Aufblühen begriffenen, mystischen „Chassidismus", welcher bekannllich die Wissensächtung auf seine Fahne geschrieben. Mtt den schärfsten Waffen suchte der Güon ihn zu bekämpfen — und: scheute entgegen feiner sonstigen Gepflogenheit vor den gepfeffertsten Ausdrücken nicht zurück. Bekannllich hatte Rabbi Eljah für sich selbst, ohne jemals ein geometrisches Buch gekannt zu haben, schon im Knabenalter eine ArtRottzbnchi über Geometrie, Trigonometrie (ebene und sphärische!); sowie Astronomie in kürzesten, prägnanten Merkworten angelegt. Sein allumfassendes 'Genie offenbart;' sich auch hier. Dieses Jugendwerk ist erst lange nach seinem Tode, mit Kommentar versehen, — damit es den weniger Geübten nicht tmverständlich bleibe, — von einem rabbinischen Mathematiker herausgegeben worden unter dem Titel „Ajll meschulasch." Kennt die „moderne" mathemattsche Historik dieses Werk? Briefkasten. L. Die Adresse des Jüdischen Nationalfonds lautet: Keren Kajemeth, p. a. I. H. Kann, Den Haag (Hob- . land), Bierkade 8a. B. F. Der jüngst in Genf verstorbene Dumaabgeordnete Nisselowitsch setzte stets seine Person für die' Interessen der ruffischen Judenheit ein. E. in B. Die ostjüdische Presse hat zum größten Tell; ihr Erscheinen eingestellt. In Galizien erscheint unseres Wissen gegenwärüg keine jüd. Zeitung, und in Rußland haben „Das Lebens „Das jüdische Volk", ,Haolam" und ,Laschiloach" aufgehört zu erscheinen. Frankfurter Edelmetallverwertnng Garlach t Weiss . Probier-«. Scbmelsanatalt Metallurg. Laboratorimn. Tann ns» tr. 28. Frankfurt a. K. Tel. I. «74*. Ankauf aller Edelmetall-Rackaiän de, Bruchgold rt Silber. Barren — Teflons — StfcrtlM» — Abfallen.