Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1914-11-27 · Heft 46 (27.11.1914) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 46 (27.11.1914)
Date
1914-11-27
Page
Seite 5 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2692297-2692872-2692918--08758-2703928
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 46. Seite 5 williger und ich. Wir. machten uns. .auf den Weg. Da es aber furchtbar dunkel war, verloren wir die Richtung. und gingen zu weit rechts. — Plötzlich bekamen wir Feuer. Wir glaubten die Kronprinz-Grenadiere, die links von unserem Trupp lagen, vor uns zu haben und riefen: „Nicht schießen!" Als wir aber auf 20 Schritt heran waren, verstanden wir den russischen Ruf „Stoi" HHalt)!). Nun wußten wir, wen wir vor unS hatten. Es waren anscheinend die russischen Ausreißer aus dem von uns gestürmten Dorfe. Wir wurden aufgefordert, uns zu ergeben. Gleiches riefen meine Kameraden den Russen zu, da sie noch immer in dem Glauben waren, jene wollten sich gefangen nehmen lassen. Ich legte mich hin, Gewehr int Anschlag. Meine Kameraden hatten die Gewehre noch umgehängt. Zwei Russen kamen auf, uns zu und verlangten, wir sollten die Gewehre fortwerfen. Wir riefen ihnen das Gleiche zu. Darauf sagte der russische Soldat nochmals: „Mir geben Prosch Gewehr!" Ich wandte mich an einen meiner Kameraden: »Hau ihm eins runter; der Kerl ist verrückt: wir verteidigen uns bis auf die letzte Patrone". Als nun der Russe des Kameraden Gewehr anfassen wollte, bekam er einen Stoß vor die Brust, daß er mehrere Schritte zurücktcuunelte. Jetzt brachte auch er sein Gewehr > in Anschlag. Aber ich war schneller. Ein Schuß, La lag er. Der Reservist schoß mm auch und verwundete den zweiten 'Russen. Dabei traf ihn ein Schuß von den Feinden, die jetzt allmählich aus den Schützengräben herauskamen. Er war leider, sofort tot. Der Freiwillige schoß auch wie der Deibel. Drei; Streifen hatte ich bereits verschossen, 6 Russen hatten ins Gras beißen müssen. Jetzt aber: Ausriicken! Hinter ein Bauernhaus. Aber oh weh! Aus einem neuen Russengraben bekommen wir mächttges Feuer. Wir feuern wieder und verwunden mehrere, was wir an verschiedenen Aufschreien merkten. Da, nun bekommen wir auch Feuer von vorn. Neu „Stoi"-Rufe. Wir konnten nicht mehr, hatten uns ehrlich verteidigt, aber jetzt sahen wir doch baü> ein, daß uns nichts anderes übrig bleiben würde, als uns zu ergeben. Zwei Russen wurden ausgesucht, die uns, nachdem uns noch das Kvppelzeug abgenommen war, transportieren sollten. Ich schrieb in der Hand auf einen Zettel „Poppert und Wolf 8./41. R. gefangen, Reservist /tot" und verlor dann den Zettel absichtlich, in der Hoffnung, daß jemand der Unserigen ihn finden ivürde. Wir steckten uns, da nun doch alles aus war, eine Zigarre an und gaben unseren Begleitern auch je eine. Als wir au einem Gehöft vorbeikamen, saß da ganz sidel ein preußischer Kmnerad und verrichtete seine Geschäfte, Er hielt uns für Kameraden und rief uns zu, wir möchten Loch nicht so laut sein, man könne uns ja schon von weiten hören. Unsere Freude bei dem plötzlichen Erscheinen, eines deutschen Soldaten kann sich jeder Lenken. Unser Akut wuchs wieder.' Zu meinen Begleitern sagte ich: „Jetzt wollen wir den Spieß mal umdrehen; nun gebt mal Eure Gewehre her." Die beiden Russen sahen sich au; sie verstanden nicht, was wir mit ihnen vorhatten. Da nahm ich dem Einen, um ihm zu verstehen zu geben, daß er jetzt deutscher Gefangener sei, sein. Gewehr ab und sagte dem Kameraden. Wolf» er möchte ein gleiches mit dem zweiten Russen machen. Dieser gab das Gewehr schon freiwillig her, als ich, um ihn einzuschüchtern, auf ihn anlegte. Als sie nun schließlich merkten, was los war, schienen sie sehr Erfreut zu sein und gabeii uns beiden die Hand.... Weiter ging es zur sechsten Kompagnie, die in der Nähe lag, Natürlich allgemeiner Glückwunsch. Wir machten aber, daß wir weiter kamen, um den Bataillonsführer noch rechtzeitig 'zu erreichen. Unser Aufttag mußte doch auf jeden Fall noch vor Morgengrauen erledigt werden, da die Russe» uns im Mckcn lagen. Nach langem Suchen fanden >vir die Kron- Prinzer, von beneit wir ehvas zu trinken urid vor allen Dingen wieder Gewehr und Kvppelzeug bekamen: Endlich; — nach langem Suchen — fanden wir den Bataillonsführer und erzählten ihm, was geschehen. Er hatte uns! nicht folgen können, da das' Bataillon sehr schnell vorgcgangen war, lachte aber sehr über unsere Heldentat. Dann hieß v es für uns, uns noch einmal durch die russischen Linien zu schleichen und dem Bataillon den Befehl zu bringen, sofort zurückzugehen. Unser Bataillon ist nämlich nur noch ungefähr eine kriegsstarke Kompagnie, und da sich die Russen in einer Stärke von 4 Kompagnien in den Rücken eingegraben hatten, hätte cs . den Unserigen schlecht ergehen können. Mso nochmals zurück; da cs aber so dunkel war, daß man kaum eine Hand vor Augen sehen konnte, kamen wir nur sehr langsam voran. Wir hatten Glück. Der Ruf: »Halt! Werda" klang uns plötzlich entgegen. Wir gaben uns zu erkennen. Auf dem Rückmarsch mußten wir. die Koinpagnie führen, da keiner wußte aus welcher Richtung wir im Dmikel gekommen waren und sich auch niemand über die Gegend orientiert hatte, da keiner mit einem Zurück ^gerechnet hatte. Auch dies Unternehmen glückte uns. Wir marschierten unter Deckung, zur Division zurück, wo inzwischen unsere, beiden Gefangenen bereits angelangt waren: 2 große Kerle, die uns sofort wieder erkannten und sich anscheinend freute», uns wiederzusehen. Kmnerad, Kriegsfreiwilliger Wols und ich sind zum Eisernen .Kreuz cingereicht worden. Im ganzen Regi¬ Frankfurter Israelitisches Fainilienblatt. ment sind tvir Pie Helden, da wir doch das Bataillon durch unsere Maßnahmen gerettet haben. . . . Hermann Poppert, Gronau. Offenbaeher Druckluft-Aulage Iffanbaeh a. ■, Telefon 123. (Anschluss mit Frankfurt). Bewährteste TnpplchnlnlaonO (100,000 qm jährlich) sowie unübertroffene Battenu. Bettfaderarelnlguno mittetet Drocktaft und Wasserdampf. Lüge rmd Wahrheit. Ein Gleichnis von Lehrer Rothschild, Achim-Brenien. Der sclbstsüchttgen Lüge gelang es einst, eine staunenerregende Ausdehnung anzunehmcn. Alle Hindernisse überwand 'sie mit Leichtigkeit auf ihren Schleichwegen. In ihrem heuchlerischen Schmeichlergewande erkannten wenig ihre Gefahr. Vieles Irdische verbarg sich in seiner Verblendung in ihren Fitttchen. Die Lüge fühlte sich sehr sicher in ihrer Stellung: sie unternahm rücksichtslos Streifziige sogar in feindliche Slde,' und niemand vermochte, dem Schecken verbleien Ungeheuer etwas .anzuhaben. . . . Nur einen gefährlichen Feind hatte sie, der sich auch auszubrciten begann. Wenn auch nur klein von außen, so war er doch' stark und mächtig im Innern und von unbeugsmnen Dtut beseelt. Wer war dieser Feind? . . Die Wahrheit. . . Dieser Feind, von der Lüge und ihren zahlreich» Anhängern bis in die Wurzel hinein gehaßt, hatte viel auszustehcn unter den Schmähungen, Verfolgungen und Bedrückungen. Wo auch nur die Wahrheit ihre Rechte zu vertreten wagte, da . wurde sie voll ihrem Erzfeinde niedergetreten. Und die Wahrheit in ihrem Großmut hielt es für. unter ihrer Würde, sich mit einem solchen Gegner in einen offnen Kampf einzulasseli. Die' Lüge fühlte sich auf einmal trotz ihrer unzähligen Bundesgenossen: Heuchelei, Schmeichelei, Verleumdung, Haß. Neid, Gemeinheit, Rohheit. Grausamkeit, Frechheit, Falschheit, Undankbarkeit, Ungerechttgkeit, Dummheit usw. recht unbehaglich in ihrer Stellung der Wahrheitgegenüber und versuchte nun, ihrem Charakter entsprechend, recht hinterlistig zu Werke zu gehen. Sie selber in ihrer Feigheit und Ärstecktheit trat nicht auf den Kampfplatz, sondern überredete unter den schönsten Versprechungen ihr Heer von Anhängern, die sich in ihrer Verblendung auch gleich bereit fanden, gegen die Kahrheit ins Feld zu rücken. Die Wahrheit, verhaßt und verlassen von allen, ringsunl von Feinden umgeben, stand fast allein da: unter ihren wenigen Anhängern tauchten sogar Zweifel auf, und die Möglichkeit war nicht einmal ausgeschlossen, daß auch diese noch gegen sie Vorgehen würden. Ganz urplötzlich wurde von allen Seiten die edle Wahrheit angegriffen, die in ihrem reinen Gewissen keinerlei Furcht zeigte. Die Zeit zum Kampf war gekommen, und sie war bereit, ihn aufzunehmen. Die Reinheit ihres Gewissen erfüllte sie mit Zuversicht auf den Sieg Beide Feinde trafen nun mehrere Vorbereitungen. Die Lüge rief ihre zahlreichen Bundesgenossen, und alle kamen zur gemeinsamen Bekämpfung der Wahrheit, die im Bunde mit den vier übrigen Genossen, den Elementen Feuer, Wasser, Lust und Erde, den Kampf bereitwillig aufnahm. Ein Beobachter all' der vorbereitenden Vorgänge schüttelte den Kopf nnd fragte endlich die Wahrheit: „Willst du dich nicht auch nach Bundesgenossen Umsehen? Merkst du nicht die große Gefahr, die dir droht. Ringsiun Feinde!" „Nein", sprach die Wahrheit in ihrer Schlichtheit und Großmut, „alles Irdische haßt uns, da werden wir uns vergeblich nach solchen Bundesgenossen umsehen. Wir haben nur einen Bundesgenossen in alter Z/reuc. Das ist Gott. Unter seinem Schütze, in seinem 'Namen und mit ihm kämpfe» ilnd siegeil wir. Und wenn sich noch so viele Feinde gegeil mich erheben. Ich werde und ich muß siegen." Und sie siegte. Die Nutzanwendung des Gleichnisses? Die Lüge mit ihren Adjudanten Heuchelei, Schmeichelei und Verleumdung ist England, Haß mit Neid Frankreich, Gemeinheit mit Niederträchtigkeit Rußland. Roheit Serbien, Falschheit mit Frechheit Japan, Dummheit mit Grausamkeit Belgien. . . . Wer aber ist die Wahrheit? Deutschland, das deutsche .Kulturvolk, unser deutscher Kaiser. C Spezialität: Francke & Weber^ LffleinkorRen. Kiugesaudt. In einem kürzlich gehaltenen Vortrage „ReligionsgeschichUiche Betrachtungen zum Kriege" behauptete Herr Rabbiner Dr. Freudenthal, daß der englische Schriftsteller Israel Zangwill, der den traurigen Versuch machte, die Sympathien der Juden in den neutralen Ländern für England und Rußland zu gewinne», Zionist sei. Wir stellen demgegenüber fest, daß Zangwill dem Zionismus seit ungefähr IN Jahren den Rücken gekehrt hat und ihn seitdem aufs heftigste bekämpft. Das ist übrigens eine allgemein > bekannte Tatsache. Zionistische Ortsgruppe Nürnberg-Fürth. «««st ««d Literatur. Jüdisches Quartett fpi e l. Der rührige Verlag „Jüdischer Kindersteund" in Nürnberg hat gerade zur rechten Zeit vor Chanuka ein äußerst interessantes Spiel erscheinen lassen, - das Jüdisch-geschichtliches Quartettspiel benannt 'wird. Das Spiel ist von Dr. Js. Bamberger in Nürnberg bearbeitet und verbindet in seiner Anlage alle Erfordernisse eines sehr unterhaltenden rmd dabei äußerst lehrreichen Gesellschaftsspiels, das vornehmlich für Schülerkreise berechnet ist, aber auch Erwachsenen angenehme Unterhaltung bieten dürste. In 11 Quartetts werden^ uns _ eine Reihe jüdischer Philosophen, Dichter und Staatsmänner' vorgefiihrt und ihre Werke uns in Erinnerung gebracht. So lernt das jüdische Kind spielend seine großen Männer in ihren bedeutendsten Schöpfungen kennen, und was ihm in der Schule durch die Mühe des Lernens oft nur mit großer Anstrengung möglich ist, den Wissensstoff der so reichhalttgen .und bewegten jüdischen Geschichte sich einzuprägen, wird ihm hier in der Form des interessanten wie anregender Spiels geboten. Die 'Ausstattung ist sehr vornehm gehalten, und der Preis sehr mäßig, sodaß sich das Jüd. - geschichtliche Quartettspiel in kurzer Zeit in den jüd. Schülerkreisen zahlreiche Freunde erwerben dürfte. Für eine neue 'Auflage dürste es sich empfehlen, daß die Karten arrch mit den Bildniffen der bettefsenden Persönlichkeiten, soweit sie überhaupt vorhanden sind, verseherr werden. Alles in allem eine äußerst wertvolle Bereicherung echt jüdischer edler Spielkunst. Dr. W. Etzeude«. S. H. Goldnrann l Oelbaum auf Manfred Sondheimer, Urenkel und Namensträger des großen jüdischen Gelehrten Rabbiner Moses Tobias Sondheimer s. '3HL, anläßlich des Pidjaun-Haben 6,—'.Jt —-ObdHki.il—— Segen Sieht and Bheouttemu bewährt. Alleiniger General-Vertreter: FrleMok Stabt ¥rukf.aJL, Gttntherab.-Mee 37 ■ Tel H*n8a359n.714> Woche»-«ale«Ver. (Zeitangaben nach dem kusch.) SamStag, den 28. November (---10 Kislew.) GabblchAnfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr 06 Rin. Sabbot-AuSgong in Sxatdfuxt a. M. 5 Uhr 20 Min. in Berlin 4 Uhr 85 Min. Wochenabschnitt: Wajeizei. — Jakobs Flucht aus deni Eltcruhause. Er dient seinem Onkel Laban um dessen Töchter Rahel und Leah sieben Jahre. Labans Wortbrüchigkeit. Jakob flieht mit Frauen und Kindern. Laban setzt ihnen nach; sie schließen ein Bündnis.. Wir hören in dem Wochenabschnitt zum erstenmal von dem „Zehnten". Jakob gelobt Gott den Zehnten von allem, was er ihm geben wird. Da der Zehitte ein wichtiger Teit des geossenbarteu Sinaigesetzes bildet, so lernen wir daraus, daß es vorsinaitische Traditionen gibt, die durch das Sinaigesetz nur ihre göttliche Bestätigung erhielten. Das jüdische Volk erfüllte eben in seinem Denken die Voraussetzungen zur Annahme des Sinaigesetzes. Wochengottesdienst in Frankfurt. Morgens 7 Uhr in den meisten Synagogen (Hauptsypagoge und Königsteinerstr. 7 Uhr 30 Min., Unterlindau und Bockenheim 7 Uhr 10 Min.) Abends: 4 Uhr in den meisten Synagogen (Königsteinersttaße 7 Uhr). Uniyersitäts - Cafe Frankfurter Famittemmckrichie«. Berinizwos. Benno Bermann, Fisttzerfefostr. 15, Salli Weichfekbaum, Wallgraben 7, in der Synagoge Börnepkatz Gestorben: Mayer Goldschmidt, Jahustraße 5. — Geheimer Kommerzienrat Louis Strupp, 60 I. — Josef Meyer, 31 I., Unterer Meiner 14. im Feld. — Siegfr. Mantel, im Feld. — Sally Vohl, 50 I-, Eschenh. Anlage l. Auswärtige Familieu»achrichte». Geboren: E. Sohn Dr. Greif (Kahn), Worms. — Arthur Pinner (Hcilfrom), Görlitz. — Dr. Leo Laster (Meyer), Berlin. ü Halali Kunstblätter ° Graphik □ Kunstgewerbe. Stylvolle vornehme Einrahmungen in eigenen Werkstätten. G-laserel. 42499081 6972

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.