Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 45 (20.11.1914)
- Date
- 1914-11-20
- Page
- Seite 2 (sequence 3)
- Language
- German
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Frankfurter Israelitische» FamttienLatt Ec- 4t «pyinnasiumS widmete er jich auf den Universitäten Berlin und Heidelberg dem uwdizinischen Studium und bestand im Jahre l!KXt des Staatsexamen aus ter Breslauer alma a>at»r. Kurze Zeit darauf lief: er sich i» sein in Heimnteort Posen als pratlijcher und Rerveiiar.r nieder und wurde bald »i Sladr und Provinz ein vielbrgehrter. außer« ordentlich angesehener una beliebter Arzt. Seiner inr Jahre 1903 geschlossenen und in glücklicher Harmonie durchlebten Ehe entsprossen drei Kinder. Trotz seiner überaus angestrengten .Praxis fand er doch stets Zeit, seinen literarischen und politischen Neigungen nachzugehcn und an seiner wissenschasttichmr Fortbildung unausgesetzt weiter zu arbeiten. So veröffentlichte er eine Reihe von sachwiffenschastlichen Studien in verschiedenen medizinischen Zeitschriften und verfolgte die wissen« schaftlichen Fortschritte, insbesondere auf dem Gebiete der Nervenheilkunde. Den Zentralpunkt seiner geistigen Bestrebungen aber und oft* seiner außcrberuflichen Interessen bildete das Judentum. Ihm widmete er seine beste Kraft und jede Sekunde seiner freien Zeit. In dieser Tätigkit fand er seine höchste Befriedigung and die reinste Freude'. Unter Judentum verstand er aber nicht nur sein Haus, nicht nur die Gemeinde und Synagoge, ßndern weit darüber hinaus die Gesamtheit des Jud-ntums, dajüdische Bott im weites« Sinne des Wortes. AV die zionistische Bewegung ihre ersten Wellen in Deutschland schlug und immer weitere Kreise unter den jüdischen Akademikern in ihren Bann zog» Wob sich ihr Karl Jeremias sogleich, mit glühender Begeisterung an und wurde ihr treuer Soldat bis -um letzte« AteuMg. lütter Ueberwindung starker Hindernisse, die nur an seinem lauteren, unantastbaren Charakter ^rschellteu, schuf er in seiner' Heimatstadt Posen eine stark ziomstische Gruppe, die'der Ausgangs- und Stützpunkt wurde . für eine ganze Reihe von ihm oder auf leiue Initiative hin gegründeter Ortsgruppen in oen ziemlich. volkreichen und gut jüdisch gesinnten Gemeinden der Pxovcnz.-, Ueberall war es sein Einfluß und sein Name, bie der uatimmk» Idee den Weg Änete» und ihr nnmche für alle Neuerungen unzugängliche Gemeinde öffnete. Wie oft unternahm er selbst erfolgreiche Prvpagaudarriseu und Bortragsto-urnces in die Provinz, um für unsere Sache neue Freunde und Anhänger zu werben, und dank dem großen Vertraue», das er namentlich in den religiös-konservativen Kreisen der heimatlichen Provinz genoß, wmhs die Schar seiner Gesinnungsgenossen von Jahr ju Jahr. Auügkstattet mit. einer klare», zündenden und dabei: vornehme» Redegabe, wirkten seine Darkgnugen sevbst auf den Gegner so wohltuend und Überznigeuv, daß es schwer war, ihm zu opponieren, wie er überhaupt kaum je einen Feind gehabt hat. weit er sich stets der größten Sachlichkeit nnd Gründllchkit befleißigte. Unvergessen ist noch sei» vortreffliches Referat, das er ans Einladung Theodor Hkczts auf dem 5. Kongreß im AnWuß an Max Nordaus Geueralreferat „über die körper« kiche und gesundheitliche Hebung des jüdischen SSrifc»" hielt. Zahlreiche Artikel in „Welt", „Rundschau" und „Famikienblatt" zeugten von seinem nie er Kähmen den Interesse für alle Fragen der jüdischen Gegenwart, für seinen scharfen, durchdringenden Verstand und seine warnte jüdische Ueberzeugung. Daß ein Mann wie JeremiaS sich mit Eifer der jungen Partei der unter dem Namen „Misrachi" zusammengeschlosscnen traditionstreuen Rationaljuden anschließen würde, war vvrauSzusehen. Er nahm an der Ausgestaltung ihrer Organisation, cm der literarischen Antretung ihres Programmes den lebhaftesten Anteil, und gerade von ihm hatte die neuerwachte religiös-nationale Renaissance des deutschen Judentums noch viel zu erwarten. Dafür zeugt auch sein fruchtbares Wirken innerhalb seiner engeren jüdischen Umgebung, besonders in der jüdischen Gemeinde Posens. Wenn diese Gemeinde trotz einer überwiegeno liberal gefärbten Bevölkerung dem.vch in ihren religiösen Einrichtungen und Institutionen einen streng konservativen Charakter trägt, wenn die liberale Richtung trotz gewaltiger Anstrengungen dennoch nur einen verhältnismäßig geringen Einfluß auf daS innere Gemeindeleben ausübte. so gehört d>is m,r zu den wesentlichen Verdiensten des Verewigten, der mit feiner ganzen Persönlichkeit die Position des tradilioiiellrn Judentums verteidigte und sich damit als echter schüleo seines großen Lehrers und Meisters, des Rabbi Wolf Feilchensclb, gef. And., erwies, indem er gleich ihm bald durch verjöhncnde Mahnuugcu die erregten Geister beschwichtigte, bald in Wort imd Schrift hie Hohlheit und tslefährlichkeit einer assimilationslüsternen Neologie bekämpfte. Er hatte sich auch ein ansehnliches jüdisches Wissen erworben, und es ist ebenso bezeichnend für seinen religiösen Ernst wie für seinen Wissensdrang, daß er als vielbeschäftigter Lrzt doch feinen „Schiur" kernte und sich fortgesetzt dem Thorastudium widmete. Noch wenige Monate vor seiner akuten Er- Kankung hielt er im Verbände der Posener Rabbiner ein religiöswissrnschastliches Referat über die jüdischen Ehegesetze im Lichte der Hygiene. Es gab überhaupt kaum ein Gebiet des Judentums» dem er nicht sein wärmstes Interesse zuwandte. In ihm hat das ostdeutsche Judentum einen seiner wertvollsten Förderer, das Judentum überhaupt einen seiner edelsten, von zukunstsfwhem Idealismus erfüllten Söhne verloren, am meisten und schmerzlichsten aber wird sein Tod allezeit empfunden werden, in den Reihen der jungen Partei des „Misrachi", deren beredter und tiefiwerzcugter Vorkämpfer er war. Gerade jetzt, wo die misrachistische Bewegung anfing, ihren Kinderschuhen zp entwachse» und wie ein schattiger Baum ihre Zweige nach allen Ländern, nach Ost und West, auSzudehnen, hätte Karl Jeremias dem traditionellen Judentum in nationalem! Gewände unschätzbare Dienste leisten können, wen» ihn eine heimtückische Krankheit nicht vor der Zeit dahingerafst hätte. Aber seine Lebensarbeit war doch nicht vergebens, £» kurz auch seine Erdentage waren, sein Wirke« wird unvergessen sei» im Kreise seiner zahlreichen Verehrer und Freunde, fein Name wird unauSSschlich fortlebc» über die Grenzen seiner Heimat hinaus und auf de», ersten Blättern des jüdischen Gedenkbuches mit Goldene« Lettern ve^eichaet bleibe». Brief t«t **eri£i. Der neue EinwanderungslomMissar hatte «ach feinem Bür» auf Lllis J»l«d eme Suaftrenz zusammenberufea. Auf der Tagesordnung stand die »-wie de» Einwanderern Srlnchtanuge» gewerlw» können. Die angesehensten PersSnt der amerikanischen Judenheit nahmen an der Konferenz teiL Oscar StrauS «einte, daß die Sorge für den Einwanderer schon mit seiner Einschifftmg nach Amerika beginnen müsse. Aaccb Schiff wünschte dk Femhalluug neuer Einwanderer von New York, ihre Unterbringung im Inner» des Landes. Ein anderer Teilnehmer wies sehr vernüustig darauf hin, daß nicht neue Gesetze erforderlich seien, daß vielmehr im Rahmen der bestehenden Gesetze die notwendigen Berbtfferungen eingeführt werde» können. Dafür scheint der neue Kommissar auch der Mann zu sein, denn er derckt verständig und mensch- Zur Schaffung einer UnterstLtzungssumme für die Juden der europäischen Kriegsländer hatten sich letzten Sonntag die Vertreter von mehr att 40 Organisationen im Tempel Emanuel eingesunden. Nach tanger Debatte wurde beschlossen, jede nationak jüdische Organisation aufptforbent, eine Persönlichkeit für einen Hunderter-Ausschuß zu bestimmen. Dieser Ausschuß wird sodann einen engeren Ausschuß von 25 Mann wählen, dessen Aufgabe in der Sammlung und in der Verteilung des Geldes besteht. Als Schatzmeister wurde Felix M. Larburg und als Präsidium wurden Oscar S. Straus, Louis D. Brandeis-Boston, Richter Julian W. Mack-Chicago, Harry Fischet und Meher London-New Dork durch Zuruf gewählt. Man denkt, zehn Millionen Dollar aufzubringen. — Die Zionisten haben sich noch eine besondere Aufgabe gestellt. Ihre besondere Sorge gilt ja Palästina, das jefct durch den Krieg in einer wirtschaftlichen Katastrophe steht, in der, wie die Dinge nun einmal liegen, nur von Amerika «u« hilft werden kann Sie wollen 100,000 Dollar fam* *Ii. Ter neue Zionist Louis T. Drandeis. ein« der führenden Persönlichkeiten der amerikanische, Judenheir, sprach dieser Tage i» einer Propag,». daversmumlung zu Giiiiüen der Sammlung. Die flUiiltfierttttg te Jer»f«er«. „Egl>enlvseg".Bueapest veröffentlicht über die Mobilisierung in Jerusalem den folgenden Bericht: „Als der Gouverneur von Jerusalem ans Ko», stanttnopek die Mobilmachungsorder erhielt, sandte er fi>glrich berittene Herolde in die arabischen Dörfer zu den Scheichs. Tic Herolde hielten in der eia» Hand eine.mit dein weißem Halbmond gefchmüche blutrote Fahne, in der anderen Hand einen Krunaife säbet. Dies sollte andeutcn, daß der Sulla» alle treuen Muselmanen zum Kampf aufgerufen haß' Und die Muselmanen leisteten diesem Ruft getreulich Folge. Ter Erfolg der Mobilifiernng' war ein ganz außerordentlicher. Dies war nanafc lich für unS eine Ucberraschung. die wir gewöpitwaren, daß man in diesen Gegenden Soldaten stutzt etwa wie man Wild jagt. Diesmal war es g-M anders. Zu Zehntausenden strömten die Araber «W Jerusalem. Selbst die wilden Bedumenstä«me..dis bisher weder Heeresdienst geleistet, noch Steuern bezahlt haben, erschienen auf ihren hohen »offeL Die Szenen, die sich in diesen Tage» rn JiM fickem abspiellen, werden «ns unvergeßlich fap Die Araber überfluteten die Stadt: Fellache» M ihre» Frauen und Kindern, Beduinen mit Lanzen» daneben auch Jude» mit lange« värt« und Christen. Der große Platz, der von dem Davitf» türm, dem Holet Amdursky und der B«rg - Z»tz umgrenzt wird, wimmelte von Arabern. Es bilde« sich Zirkel in deren Mitte Schwerttänze «chM führt wurden. Die Frauen Wagen dazu de» Wk mit Trommellr. Immer toller ward der Di« An» zehntausend Kehlen erscholl mit eine» M» der Ruf: Allah jnnsur eftSultmr iGott schStze W Sultan)! Sin Beduine feuerte einen Schnß.iniW Lnst ab, die Angen der Araber .tauchte» in alk Gfttt. Schließlich erschien der Pasch« »ad zur Ruhe. Man gehorchte Hm. H: Aus der Gegend de» Jaffa» Tors «cht chtz kleinerer Trupp. Die Leute komme» im SaldapD schritt heramnarschien, mit eine« Fez weißem Turncrkostüm bckleidet. Die Araber gl te«, eS fei deutsches Mikitär. Der Führer . Gruppe hält eine Ansprache an den Pascha, i dieser sickittierend anhört, worauf er » Ehrung die türkische Hymne sPiekn lSK. Menge betrachtet die kleine Schar mir wachse__ Erstaunen. Die alten Juden erkenne» aber in Hk zu ihrer Verwunderung die Legion-des -nationalen Turnvereines Makkabp i eine Frriwilligenschar organisiert n»d fhrr Die» dem Sultan angebotra hat. Die kleine Schar z bereits morgen ' “ Sie J»Ke« te BsfcUnU. «in offen« «ries an Herrn Jpnel Znn^o«. Sehr gerhrter Herr ZnnpoM! «l» ich dor «inigr» Woch Lachricht in «in« dentsche» I l-S. den Sie an dir Jodrn , daß sie ifct «*nsr“’-- “ »evkieg bekunden f,__ _____ o-- - Me te k« fettes Zeit ««breitet «oeden find. Sie y-1— ,, -ch wie Jo viele audere * Lachcichten, nte z. B. daß der deutsche \ dem jkrovprinzeA gefangen genommen Word«. . daß all die s«jialdem»kr«tischen «dgeordnete» de« ItHf! tag» «egen Oppasitivn gegen de» ltrie, erschaffe» etee ’SÄ« Büchern und Steten autgterückten Ideen und te>W Zeugungen diametral entgegengesetzt sind: fetterÜiK habe ich wiederholte Bestätigung dieser «tarn | te den festvindisthen wie in .ter amerika," gefunden, sodab mein llnglanbe endlich Ich sehe mit Schmerz und EnNLnschnng ei wirklich einen Schritt getan habe», der Ihr gaaze« M*; werk Lügen straft. So viele Proteste und Bmwürfe.Ovttz schon durch Ihren merkwürdige» «nfrnf heiv,,»och>tz worden, daß ich, in diesem etwa« späten PtemeM.'M »Sgert hätte, ihre «nzahl zu vermSwrn: «der all E Erwiderungen scheinen mir unzulängltch » friiu ttjr'’ dem fühle ich mich veranlaßt diese «rwttermte nn tz zu richten, durch gewisse Bembenheite». die besser J jedes andere Argument die Dummheit und, ST""'*