Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 43 (6.11.1914)
- Date
- 1914-11-06
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Teil dieser Konserven als ^Liebesgaben für die jüli. Lazarette bestimmt ist. Getrennt von diesen Räumen liegt die große, vollständig .eingerichtete Pes such k ii ch e mit Speisekammer. Das Heim für berufstätige Mädchen, das der Haushaltnngsschule schon seit ihrer Gründung angegliedert ist, um einerseits den Schülerinnen ein genügend großes Arbeitsgebiet zu schassen und andererseits den im Beruf stehenden Mädchen ein angenehmes Heim als Ersatz für das Elternhaus zu bieten, hat im Parterre seinen Speisesaal und sein Klubzimmer mit Klavier und reicher Bibliothek, in dem die Jungen Mädchen angenehme Stunden verbringen. Ihre schönen, gesunden, luftigen Schlaszimmer mit elektrischem Licht und Dampsheizung liegen im ersten und zweiten Stock. Ebenso gesund, wenn auch einfacher sind die Schlafräume der Zöglinge im dritten Stocke ausgestattet, wo sich auch Waschküche, Bügelzimmcr, Kvfferkammer und Wichskammer befinden. Natürlich fehlt es aus nicht an Kranken- und Jsolierzimmern, wie sie in den großen Betrieben notwendig sind. Die schöne und zweckmäßige Ausstattung des ganzen Hauses ist, wie uns berichtet wurde, den hochherzigen Geschenken namhafter hiesiger und auswärtiger Geschäftssinnen zu verdanken. Aus jedem Winkel des herrlichen Hauses spricht der Geist der Liebe, der Umsicht und des sozialen Verständnisses. Auch wer bisher der organisierten hauswirtschastlichen Erziehung kein Verständnis entgegenbrachte, gewinnt hier aus bloßer Anschauung schon die Ueberzeugung einer nicht nur mustergültigen, sondern auch sozial notwendigen und segensreichen Einrichtung. Jedoch der Kenner weiß, daß die Jüdische Haushaltungs-Schule in der stolzen Krone Frankfurter indischer Anstalten als einer der schönsten Steine glänzt. Dürste cs doch in Deutschland und selbst in.dem sozial so fortgeschrittenen Amerika nicht eine zweite ähnliche jüdische Anstalt von solcher Vollendung .geben. I OfFenbaeher Druckluft-Anlage I I DflnriUUdi S. H. Telefon 133. (Anschlnss mitFrankfnrt). I I Bewährteste Tepplehrelnlptmo (100,000 qm jährlich) I ■sowie unllbertroffena Batteno. Battfedernrelnl- 8 mittelst Drnckluft und Wasserdampf. Bunte Chronik. Schema Jisroel. Wim Kriegsschauplätze schrieb ein ruthenischer Soldat an seine Frau: Mein liebes Weib! Mir geht es hier gut, und es fehlt mir nichts. Ich bitte dich gehe zum Ehajem- Juden und frage chn, was „Schema Jisroel" zu bedeuten habe. Wenn die Kugeln am heftigsten um unsere Köpfe pfeifen, rufe» das die Juden, und wahrhaftig, die Kugeln scheinen sie zu meiden. Von uns fallen viele, während sie fast alle am Leben bleiben. Deshalb bitte ich dich, frage den Ehajem-Juden, was das zu bedeuten habe, damit ich cs auch weiß und ini Notfälle verwenden kann. Ein «rief. Bei dm: Leiche des heldenmütigen Leutnants Oskar Singer, Sohn des Neuerner Advokaten Dr. Singer,, fand sich der folgende Brief: Meine Lieben! Hoch Oesterreich! Wenn ich falle, so sterbe ich freudig, denn von dem ersten Moment au dachte ich mir, wie ich' zum Militär ging: „Im Krieg zeigt sich' der Mann und ich will ein ganzer Mann fein!" Seid nicht böse, aber mein Trennungsschimerz wird ganz von der Begeisterung vertrieben. „Nur vorwärts!" ist meine Devise. Wenn ich falle, so jveiß ich sicher, daß ich' von meinen Kameraden und von meinen Soldaten betrauert werde. Meine Dienstzeit war kurz — aber schön! Bedankt Euch bei n. inen Kameraden und Vorgesetzten und seid Alle geküßt von Eurem Oskar. Grüßt mir den Böhmerwald! Die Geschichte des Sufare« Nathan Löw. Vom serbischen Kriegsschauplätze zurückgekehrte, in Szabadka untergebrachte Husaren erzäl)len folgende Geschichte: Nathan Löw, der Sohn des Vorbeters eines. obernngarischen kleinen Dorfes, hat schon in den ersten Tagen seines Dienstes die Aufmerksamkeit dadurch auf sich gelenkt, daß xr anfangs aus der Menage nichts essen wollte und erst, als er einsah, daß er keine Aussicht auf rituelle Kost habe, sich in sein Schicksal fügte. Nathan Löw war aber auch sonst streng religiös. Er betete dreimal täglich und zwar unter strenger Beobachtung der religiösen Vorschriften. An jedem Morgen legte er seine Gebetriemen an und verrichtete so draußen im Lager sein Gebet. Seine Kollegen machten natüäich ihre Bemerkungen. „Nathan, Nathan", hänselten sie ihn, „das nützt gar nichts. Die Kugel schaut sich niemals den an, den sie treffen will." Löw jedoch ließ sich nicht stören und betete weiter. Bei 2 .... . ging er beinahe bis zu den feindlichen Ausstellungen vor, um beten zu können. Kaum hatten ihn die Serben erblickt, als auch schon die serbischen Frankfurter Israelitisches FckmllienAatt. Kaiwnen ertönten und die Schrapnelle geflogen kamen. Ein, zwei Husaren wurden verletzt, die anderen verkrochen sich hinter ihre Deckungen, Nathan jedoch betet unerschütterlich weiter. Die Soldaten wollen ihn in den Schutzgraben zerren, Löw jedoch rührte sich nicht und sprach laut: „Solange diese heiligen Gebetriemen die Tescllin auf meinem Leibe sind, ist Gott mit mir, hat keine Kugel Macht über mich." Und tatsächlich hat Nathan sein Morgengebet inmitten des Schrapncllfeuers bis zu Ende verrichtet. Er vermochte jedoch die Gcbetriemen nicht ganz vom Arnie abzuwickeln, denn es wurde plötzlich „Sturm" kommandiert. Nathan sprang aufs Pferd. Uebcrall war er vorne und mähte sozusagen die Serben nieder. In wenigen Stunden hatten sie eine Kavallcriedivision fast vollständig vernichtet. Ms sie nachher ausruhten, fand Nathan erst .Zeit, seine Gcbetriemen vollständig abzuwickeln. Da brach aber eine förmliche Rebellion aus, die Husaren wollten ihni die Gcbetriemen wegnchmen, denn es verbreitete sich die Legende, daß derjenige, aus dessen Körper solche „Judenriemcn" sind, von der Kugel verschont werde. Die Husaren^ wollten wenigstens sc ein kleines Stückchen davon haben. „Egycnlöszeg". Bo« dem Patriotismus der galizische« Jude«. Baron Ambrozy, Mitglied der Freiw. Antomobilabteilung, erzählte folgendes: Die Polen und Juden in Galizien haben die Ankunst unserer Truppen mit Begeisterung begrüßt. Bei einer Gelegenheit haben wir, etwa 10 Freiwillige, bei einem jüdischen Gastwirte zu Mittag gegessen. Für das Mittagsmahl hat er von uns pro Person nicht mehr als 1.20 Kronen annehmen wollen, obgleich er uns Suppe, gekochtes und gebratenes Fleisch, Salat und Mehlspeise gegeben hatte. Unentgeltlich wagte er es uns vornehmen Offtzicren nicht anzubieten, aber Nutzen hat er daran absolut nicht haben wollen. Bei einer anderen Gelegenheit beklagte sich einer von uns, daß er trotz der kalten Nächte keinen Pelz habe. Er äußerte dies auf dem Marktplatz eines polnischen Städtchens, wobei etwa ein halbes Dutzend polnischer Juden um uns stand. Als sie hörten, wovon die Rede war, boten sie sich sofort an, einen Pelz zu beschaffen. Es dauerte keine Viertelstunde, da waren sic schon mit einem feinen Pelz wieder zurück und verlangten für denselben einen solch niedrigen Preis, daß dies selbst in Friedcnszciten ein Spottpreis wäre. Dafiser Friedrich Quelle —— Offenbarte «. 3L - 6egan Sieht and KbeamatiBmisB bcwShrfc, Alleiniger General -Vertreter: Friedrich Stahl! Frankf.a.M., Günthersh.-Allee 37. TeLHan8a259a.714. Wocheu-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem bösch.) Samstag, de» 7. November (--- 18 Lhesebwao.) Sabbat-Ansanz in Frankfurt a. M. 4 Ubr 25 Min- Sabbat-AuLgang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 40 Mn. in Berlin 5 Uhr 10 Min. Wochenabschnitt: Wajeiro. — Abrahams Gastfreundschaft. Die Verkündung der Geburt Jsaks und die Verkündung des Untergangs von Sodom und Amora. Abravam bittet um Rettung der Städte, wenn nur 10 Gerechte dort sind. Die Städte gehen unter, Lot wird gerettet. Abraham batte an sich und allen Männlichen seines Hauses die Beschneidung vollzogen und damit die Unterstellung unter Gottes Gesetz und die nationale Scheidung von seiner Umwelt besieget, — und nun sitzt er trotz der Schmerzen der Wunde, trotz der glühenden Hitze des Tages vor seineur Zelle, um nach Wanderern — Heiden I — auszuschauen, an denen er Gastfteundschast üben könne. Wieder zeigt sich hier die Einzigmtigkeit jüdischen Denkens: mit dem ausgeprägtesten Eigenbewußtsein verbindet es die edelste Menschlichkett, die in jedem Menschen die gleiche Ebenbildlichkeit Gottes steht. Der Ruf Gottes an Abraham: „Sei ein Segen" findet eine Erweiterung. indem Gott Abraham verkündet, er werde ihn zu einem großen und mächtigen Volle machen, „durch das alle Böller der Erde gesegnet werden". Auch hier wieder diese einzigartige Größe des jüdischen Vollsberufes. Als Gott Abraham den Untergang Sodoms und Amoras verkündet, da wendet Abraham ein: „Vielleicht sind 50 Gerechte in Mitten der Stadt . . ." Nicht 50 Gerechte, die sich ihre Tugendhaftigkeit leicht erworben haben, da sie sich von dem tätigen Leben fern halten, nein, 50 Gerechte, die in Mitten des tättgenLebens stehen und im Sinne ihrer Ideale unter ihren Mitmenschen arbeiten. Wenn 50 solcher Menschen da wären, dann wäre berechtigte Hoffnung vorhanden. daß diese die Bevölkerung wieder bessere. Samson Raphael Hirsch weist zur Stelle darauf hin, daß nach dm Wortm unserer Weisen „beim Untergange Jerusalems gerade die .Gerechten', die daö Gesetz von Anfang bis Ende erfüllt hatten, zuerst dem Untergange geweiht wurden, weil sie eben nicht in Mitten der Stadt gewesen und sich um die Besserung ihrer Mitbürger nicht bemüht". Nr. 43. Wochengottesdienst in Frankfurt. Morgens: 6 Uhr 30 Min. in den meisten Synagogen (Hauptsynagoge und Königsteinerstr. 7 Uhr 30 "Min., j Unterlindau und Bockenheim 7 Uhr). Abends: 4 Uhr in den meisten Synagogen (Hauptshnagoge 4 Uhr, Königsteinerstraße 7 Uhr>. Spende«. I ü d. N a t i o n a l fo n d s: David Hamburger statt Kondolation an Berttmn Stern, Wiesbaden 1.—Jk Joseph Rosenthal, Baumweg 12 (Büchse) 22.50JL cand. med. Willy Meyer (Büchse) 0.78 „ Bernhard Jsaacsohn (Büchse) 14.50 „ KricgsfürsorgedesJüd.Nationalfonds: Mainz: Henry Mayer (10.—), Pintus (10.—), Lazarus (o.—), Schäfer (5.—), Kaufst»ann (2.—), Weinberg (3.—), Hülfsmarken (10.50) 45.50 JL Frankfurter Berichte. „Moutestore'-Verein. Mittwoch abend begann Dr. May vor einem zahlreichen Publikum seinen Zyklus' über die Juden als Träger deutscher Kultur im 19. Jahrhundert. Wir werden über den interessanten Zyklus nach dessen Abschluß berichten. Der „Möntefiorc" versendet regelmäßig an seine im Felde stehende Mitglieder Zeitungen und Liebesgaben, bestehend aus 'Wollsachen, Schokolade, Zigarren, Zigaretten usw. Adressen von neu eingezogenen Mitgliäern beliebe man an das Büro Bleichstt. 70 gelangen zu lassen, daselbst werden auch Liebesgaben gerne entgegengenommen. Frankfurter Faiuittermachrichterr. Geboren. E. Tochter Felix Meyer (Reichenberg), Röderbergwcg 47 (z. Zt. Assenheim). E. Sohn Adolf Buchdahl (Idstein), Neuhausstraße 8. Auswärtige Familieuuachrichte«. Geboren E. Sohn Adolf Hichenüerg IFrmdenstein), Nürnberg. — Willy Kramer (Rosenberg), Hannover. — Julius Jsler (Michalowitz), Berlin. — Norbert Mayer (Goldstein), Straßburg. Barmizwos. Sohn des Herrn Restauratmr Scheuer, Bingen. Gestorben Hermann Remak, 68 I, Posen. — Hermann Cohn, Gnesen. — Berthold Guggenheim, 64 I., Baden. — Ferdinand Buxbaum, Köln, im Feld. — Sally Kohn, Lülsfeld b. Gerolzhofen, im Feld — Alfred Rosmau, Schweinfurt, im Feld. — Dr. Justin Kuhn, Leutnant der Landwehr, Rechtsanw. Adolf Huber, Finanzaffeffor Stephan Briester, Lffiziersstellvertreter, Nürnberg. tat Feld. — Kurt Keßer, Marlin Oesterreicher, Richard Rosenthal, Breslau, im Feld. — David Landshut. 7? I, Breslau. — Caroline Salomon gell. Fromm, 60 I.. Mainz. — Elise Lelisch gell. Mannheimer. 65 I., Mainz. — Meier Heß, 75 I., Nauheim. — Felix Falk, Mannheim. — Jacques Segall, 65 I., Berlin. — Referendar Georg Lewy, 27 I. Charlottmburg. — Karoline Rosenthal gell. Mai, 77 I, Ajchaffenburg — Alfred Simon, Gensingm, 23 I, im Feld. — Arthur Rosenthal, 67 I, Berlin. — Emil Seligmann, Mannheim. —David Frankfurter, 75 I., Dillingcn- Bereius-Kaleuder. Freitag. M c k o r C h a j i m, nach Schluß der Synagoge» Hörsaal: Mikro-Borttag (Hermann Goldschmidt). — Montcfiore, Bleichstt. 70, 9 N.: Gesellige Zusammenkunft (Red.: Rabb. Dr. Horovitz). — Talmud Thora, nach Schluß der Synagoge, Börneplatz: Worttag (Dr. B. May). Samstag. Zcntralverein isr. Gemeindemitglied c r, Kursaal Milani, 9 N.: Mitgliederversammlung (Die Ausschüßwahl). — Liwjas Chain, Hörsaal, 4 N.: Midrasch-Vortrag (Prof. Sulzbach). Montcfiore, 11(4: Schiur (Dr. May). Sonntag. Talmud Thora, Synagoge Börneplah, 6N.: Worttag (Rabb. Dr. Nobel). — Mekor Chajim, Langestr. 18, 6 N.: Jirmijohu (Dr. Jos. Breuer). — Jüd. Wander bund, Lokalbahnhof, 2 N.: Oberrad, Stadtwald, Schwanheim. Montag. Kiwjas Chain, Schützenstt. 14, 7 N.: Chojc Odom (Prof. Sulzbach). Dienstag. Jüd. Franenvereinigung, Kursaal Milani, 31/2—6V2 N.: Stricknachmittag zu Gunsten der Kriegssürsorge bei geeigneter Lektüre. Mittwoch Montcfiore, 9 N.: Juden als Träger deutscher Kultur im 19. Jahrhundert (Dr. May). — Liwjas Chain, Schützenstt. 14, 7 N.: Mikro (Prof. Sulzbach). Carl Grebenau, Steftnweg l Uhren, IdheIcü, Bold- und Silherwaren Atelier für Neuu. Umarbeitungen Eckhaus Bossmarkt Telephon Hansa 6069. beeid. Sachverständiger Auswahlsendungen gerne zu Diensten. Reparaturen. Israelitische Kultusgegenstände. Mm Jolrner, Conditorei Feldpostbriefe für unsere Soldaten t. 80 PI. an bis 2.—H. Spezialität: Aiiana8torten, Fruchte, Pralinäs. Harn-Spefn Untersuchungen werden gewissenhaft und prompt ausgefiihrt in der Croethe- Apotheke =*= Frankfurt a. M, Oederweg 51, Ecke Jonwisseimg. Tel. Hansa 611. UMlLM-.WMlllb! ' J. Langenbach Hachf. Frankfurt a. M,, Beineckatrasse 21. Master franko. Preisliste verlangen.