Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 38 (25.9.1914)
- Date
- 1914-09-25
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 5 18 Nr. 38 ißerer stiller scheuallen. jüd. ein t in nläßte r- . bei nach- Euer ultur ifestes -einer vergibt." das Zolle. ihne" > er- Rclassen feilen laut: luft". indcr ent- Die lrzes, ihnen etztcs noch ndigc : des reiten die . das haos. hlend Legen keine icbcn : und jinter nnigc rmcn und kräfte wißes t er wund )reis. , die ' wie indes' eines leppt das inenencn, etzter ' und . Dir Laß ir mein letztes Kind, . . . Schemas Jisroel ... gelesen sei Dein Name, o mein. Herr, laß mir meinen Atzten von drei Söhnen. . . ." Das wimmernde Stöhnen des Sterbenden vcrnt sich leise. ,Sprich das Totengebet, mein Vater," haucht er ,ter unsäglichen Schmerzen. ... Groß uird mächtig richtet sich der Alte auf. Er ^deckt sein Haupt, reckt seine Arme zum nächtlichen unmel und beginnt mit starker Stimme: „Schemas Jisroel. . ." Mnstürzende Mauern antworten krachend; wieder jlägt die Lohe empor, ihr Feuerschein wirft blutite Schatten auf den Sterbenden und den betenden ler ... der da steht wie in Erz gemeißelt, un- )schütterlich, unbeugsam in der Kraft seines Glausns. Und die singenden Worte seines Gebets klingen irt. Zu seinen Füßen stirbt sein Kind, das letzte m drei Söhnen, die erschlagen worden sind. . . . Die iildc Nacht hüllt sanft das Grauen in ihre leisen jchleier. ... Jenseits des Wassers liegen die Villen der leichen. Davor kleine Blumengärten, in denen noch täte Blüten treiben. Eine eigene Stadt für sich, abnondert vom Getriebe des Alltags, vom Lärm der maßen und den Leiden all der vielen Kämpfe und je Not. Hier wohnen schöne Menschen in satter Bcicmlichkeit und in Ucberfluß. Sie wissen nichts von |n wüsten. Stürmen, die das Land durchwühlcn. Am Rande des Gehölzes steht ein großer, stolzer ui in Steinquadern, die Burg des Gouverneurs. Die iraße, die zum Hause führt, ist von einer Sotnje isaken. besetzt. Im Gehölze kampieren sibirische Sollen, ungeschlachte Tataren mit breit ausladenden mgolischen Gesichtern, in denen kleine Raubtieraugen izeln. Heute ist großes Fest beim Gouverneur; er feiert Verlobung seiner Tochter, seines einzigen Kindes, einem hohen Offizier von der goldenen Rotte, einenr lgen armenischen Fürsten. aus dem Kaukasus. Eine dlose Kolonne von Wagen füllt die weite Straße; iste in prunkenden Uniformen kommen von allen Ren, Damen in rauschender Seide, — alles gehüllt in flzen Reichtum, in Blütenduft und Vornehmheit. überall lautes Lachen, übertönt von froher, jauch- >er Musik, — man sieht nur frohe Gesichter und |rte nur stolze und freundliche, frohe Worte.. Vor dem Eingangstor steht ein Kosakenoffizier mit >igen Soldaten, die übrigen sind in der Straße vcrt, — keine Maus kann ins Schloß, wenn cs die ter nicht wollen. Weit drüben drängt sich bettelarmes Volk zu- >men, von den Kosaken im Zaume gehalten, daß Straße für die Gäste frei bleibe. Die Wagen- >nne scheint endlos zu seirn Und immer neue Animlinge, die das Haus kaum mehr fassen kann. Gouverneur empfängt sie im großen, festlich aufmtzten Saale, für jeden einzelnen ein verbindliches >eln, ein freundliches Wort, irgend eine liebenscdige Schmeichelei. Da nähert sich ihm ein hoher, breitschultriger Per. Er trägt die Uniform der Manischen Dealer, die Brust bedeckt mit glitzernden Orden. „Herr Gouverneur," beginnt der Offizier, „kann Sie einige Augenblicke allein sprechen?" Der Gouverneur fährt auf und mustert scharf den Amben. Aber dessen Gesicht bleibt kalt und ruhig, lorglatt, — bloß die tiefschwarzen, brennenden jen verraten Leben. (Schluß, folgt.) Mt. Licht-, Kraft-, Schellen- und Telefon-Anlagen.!• Taunus 4389. ff. Beferenzen. Savignjstrasse 51. Zur Errrwaugelegeuheit. Die Eruw - Angeleaenheit hat die Gemüter Frankfurter traditionellen Judeuheit sehr erregt, selbst haben naturgemäß zu der Frage als solcher Stellung genommeri, denn es kann nicht die igabe einer Zeitung sein, halachische Entscheidungen, fällen. Die Gesetzmäßigkeit des errichteten Eruw ist auch t das, was die jüdische Oessentlichkeit angeht. Er Ivou.gesetzeskundigen und in ihrer jüdischen Lebensng einwandsfreien Männern errichtet worden und nach dem Muster orthodoxer Großgemeinden Galiziens Rußlands, jedoch noch mit Erschwerungen, — das "t. Da es des ferneren ja eine in jeder Pflege bekannte Erscheinung ist, , daß in derselben der., eine Richter „von Rechtswegen" so und der so urteilt, so braucht man es auch, nicht vercljch zu finden, daß Rabbiner Dp. Breuer auf Dcankfurter Israelitisches Familienblatt. Grund desselben jüdischen Rechts den Eruw in mairchem anders eingerichtet hätte, als ihn Rabb. Dr. Nobel und seine Kollegen im Beth-Diu eingerichtet haben. Man hätte auch darüber geschwiegen, wenn Rabb. Dr. Breuer erklärt hätte, er könne seinen Gemeindemitgliedern die Wohltaten des Eruw nicht gestatten, da er seinen Anschauungen nicht entspreche. Also keineswegs der sachliche Standpunkt Rab-. biners Dr. Breuer zum Frankfurter Eruw verlangt den Einspruch einer sich als das Gewissen der jüdischen Oesfentlichkeit bewußten Presse. Es ist vielmehr die Form seines Borgehens in dieser Angelegenheit, die zu schwersten Bedenken veranlaßt. Für die Charakterisierung dieser Form hat Herr Jsaac M. Mainz in unserer vorwöchentlichen Nummer das rechte Wort gesprochen: „Ani wcafsi aud!" Das heißt: Nur meine Meinung gilt, und wer sie nicht rückhaltlos anerkennt, der ist „treis posul" und muß bis aufs Messer bekämpft, ja, muß vernichtet werden! — Dieser eine .Gedanke läßt ganz vergessen, daß der Andersdenkende ein Bruder ist, dem das Thoragesetz und dessen Erfüllung ebenso teuer sind. So donnerte denn, um den Gegner moralisch zu löten, das Wort „Schwindel" von der Kanzel herab. Und so stellt denn der Sohn, per Rechtsanwalt, den Schöpfer des Eruw als einen. Ignoranten' von stümperhaftem jüdischen Wissen hin, (über den er, der jüdische Uebermensch, nur höhnisch zu lächeln vermag. Bater und Söhne haben init ihrem Prinzip „Ani wcassi aud" bifc Gründung der Agudas Jisroel-Organisation zu verhindern gesucht. Es gibt für sie noch nicht mal hinsichtlich der Wahrung der gesellschaftlichen Formen eine Brücke zu ihren auf dem Boden der gleichen jüdischen Gesetzeserfiillung stehenden, nur in der jüdischen Politik eine andere Methodik beobachtenden Brüdern, — das ist die Lehre, die auch die Frankfurter Eruw - Angelegenheit wieder einmal bestätigt. > Und diese Lehre ist schmerzlich, schmerzlich für jeden, der es denkend ehrlich mit dem Gemeinwesen nieint, dessen Führer Rabb. Dr. Breuer ist. Mt der Erziehung solcher Gesinnung wird der gewaltige jüdische Idealismus, der in diesem Gemeinwesen aufgespeichert ist, nach einer für die Zukunft dieses Gemeinwesens nicht vorteilhaften Richtung entwickelt. Denn nicht in der Betonung des Trennungsprinzipes beruht die Zukunst dieses Gemeinwesens, sondern einzig und allein in der Erziehung jüdischer Edelmenschen! MT* Für Sukko empfehle me n reichhaltiges Lager in . Cruirlanden und Dekorationen H. Oppenheim, Inhaber: Bernh. Rubinstem Börsenplatz I, Frankfurt a- M- Telefon Amt Hansa 2005. Ei« Unfug im jüdischen Gemeindeleve«. Bon Jacob Fränkel, München. In einer Abhandlung „Die Finanzwirtschaft der Gemeinden" im „Jüdischen Gemeindejahrbnch 5674" schreibt Dr. Kollenscher: „Die Beamten dürfen nicht auf Sporteln gestellt sein, deren Erhebung unwürdig, deren Eingang ungewiß ist." Ich glaube an ■ die Spitze . meiner Ausführungen, über das „Trinkgelderunwesen" in den jüdischen Gemeinden kein besseres Motto als diesen Satz stellen . zu können. Wohl ist der Ausdruck „Trinkgelder" etwas derb, und das Wort ^Gratifikation" hat vielleicht einen besseren Beigeschmack; allein ich habe dies Wort mit Vorbedacht gewählt, weil man mit diesem Volksausdruck diesen Steuerunsug besser zu charakterifieren verinag. In den meisten Anzeigen, in welchen Kultusbeamte gesucht werden, .findet tssch neben der Gehaltsangabe die Bemerkung: „Nebenverdienste so und so viele Mark." Es ließe sich noch hören, wenn bemerkt wäre, daß für Privatstunden usw. noch ein Nebenverdienst in Aussicht stünde; allein die Art dieses Nebeneinkommens, das hier vermerkt ' ist, ist eine solche, daß einmal ohne Scheu in der Ocffentlichkeit darüber gesprochen werden muß. Die Unsitte, welche einst bestand und meines Wissens nach in den meisten Gemeinden Deutschlands abgeschafst ist, Spenden für Beamte anläßlich des Ausrufens zur Thora (beim Mi-Scheberach) öffentlich kundzugcben, ist so ungeheuerlich, daß ein gebildeter und feinfühlender Mensch es gar nicht begreifen kann, daß so etwas möglich war. Gottlob ist diese Art der Nenbenverdienste nur noch vereinzelt im Osten Deutschlands zu finden. Allein die Form der freiwilligen Gäben an Knltusbeamte an Fest- oder Familiengedenktagen ist ebenso verwerflich. Es ist noch nicht so arg, wenn der Geber dem Beamten die Spende in diskreter Form ins Haus schickt: aber was soll man sagen, wenn im Angesicht des Publikums, wie man es so häufig beobachten kann, ein Gemeindemitglied dem Beamten oder gar dem Sohne desselben in der Synagoge oder im Borraum ein Geldstück in die Hand gibt? Denken die Geber nicht, wie entwürdigend und demoralisierend ein derartiges Gebühren auf den Beamten wirken muß, der auf diese Weise wie ein gewöhnlicher Schnorrer behandelt wird? Dann noch etwas anderes. Nicht jedermann ist in der Lage, eine klingende Ausnierksamkeit zu erweisen, oder der eine beweist die Spende höher, der andere geringer. Kommt. da nicht. der Beamte in die menschliche Bersuchung, seine Unparteilichkeit an den Nagel zu hängen und, da er ja auf den Nebenverdienst angewiesen ist, dem Reicheren mehr entgegenzukommen und z. B. als Lehrer den Sohn eines solchen' beim' Unterricht zu bevorzugen? Es gehört schon eine starke Charakterfestigkeit dazu, dieser Versuchung zu widerstehen. Darum .sollte es die Pflicht der Leiter der jüd. Gemeinwesen sein, diesem Unwesen zu steuern. Zahle man den Beamten einen angemessenen Gehalt, sichere man ihnen eine richtige Pension, nur so kann das Ansehen der jüd. Beamten gehoben werden. Cafe Kaisergarten am Opernplatz Erstklassiges Fämillen-€ai4 ■ - Nachmittags Konzerte. _ Frw Hanselmann, Besitzer. Die Unlösbarkeit der Traditio« von der Thauroh. Bon Rabb. Dr. Ansbacher in Heilbronn. Die ewige Verbindlichkeit des Thaurohgesctzes für Jisroel folgt in erster Linie daraus, daß es nicht für beschränkte Zeiten geschaffenes Menschenwerk. sondern für die Ewigkeit geltendes Gotteswerk ist, was nicht nur für die schriftliche Lehre, 'sondern in gleicher Weise auch für die mündliche Tradition, die Erläuterung der geschriebenen Mizwaus und Chukkim, gilt. Leider herrscht auch in' den Kreisen, in denen man von dem göttlichen Ursprung der schriftlichen Thauroh überzeugt ist, 'nicht selten eine schwankende Auffassung über Wesen und Alter der mündlichen Ueberlieferung. Gegenüber der einzig richtigen^ Tatsache, daß die mündliche zugleich mit der schriftlichen Lehre gegeben sei, ja sogar — wie der jjrojje Meister S. R. Hirsch s. A. zu % B. M. 34,. 27 und and. Ort., so treffend ausführt — das Ursprünglichere und die schriftliche Fixierung nur ein gekürztes Gedächtnismittel sei, wird leider auch in jüdischen Kreisen oft geglaubt, die mündliche Lehre sei erst „im Wandel der Zeiten" geschaffen und der Schrift „unterlegt" worden. Es dürfte daher nicht unangebracht sein, an einzelnen Beispielen zu zeigen, wie unentbehrlich für das Verständnis der Thauroh die traditionelle Auslegung ist, wie der Schrifttext ein verschlossenes und versiegeltes Buch wäre, das wir gar nicht auslegen könnten ohne den Kommentar der mündlichen Lehre, der sich somit als ein von der schriftlichen Lehre unzertrennlicher Bestandtell des Sinaigesetzes erweist. Beginnen Nir mit dem „C h o m e z"-Berbot. Was könnten wir uns eigentlich unter „Chomez" ohne Zuhilfenahme der Tradition denken? Gesäuertes? Ist denn dieses Wort auch nur annähernd eine erschöpfende Erllärung des Wortes „Chomez"? Es ist dies ebensowenig als etwa das Wort „süß" für „Dewasch" (Honig), ja noch weniger zutreffend, denn es ist überhaupt dcch Wort „Chomez" gar nicht mit einem deuffchen Wort wiederzugeben. Der sauerste Essig braucht nicht „chomez" zu sein, während der süßeste. Kuchen es sein kann, also nicht „sauer" oder „gesäuert bedeutet der Begriff „Chomez", auch nicht „Gegorenes", denn der dem stärksten Gärungsprozeß ausgesetzte Wein ist, wenn keine fremden Zusätze dazukommen, nicht von sich selbst „chomez". Nach der unbestrittenen Tradition ist „chomez" nur ein durch Gärung entstandenes Produkt der 5 Getreidear-ten: Weizen, Gerste, Korn, Hafer und Dinkel, eine Defination, die sich niemals in einer wörtlichen Uebersetzung miedergeben läßt, sondern eine mündliche Tradition erfordert. Wenn also heute auch in nichttraditionelltreuen Kreisen nicht „Saueres" für „Chomez" gehalten wird, sondern das Obengenannte, so bedient man sich unwilllürlich doch auch der an anderen Stellen gerne geringgeschätzten Tradition. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Symbol des Sukkaussestes, dem „Esrog", das bekanntlich nur als „die Frucht eines schönen Baumes" bezeichnet ist. Ist es jemals einem eingefallen, eine beliebige! Frucht, wie etwa einen schönen Apfel, ein« schöne Birne, Orange, Zitrone oder dergleichen zmn Feststrauß zu nehmen? Wäre es auch denkbar, daß unsere Thauroh, die in allem möglichste Gleichheit und Einheitlichkeit vorschreibt, es jedem Einzelnen überlassen solllte, eine beliebige Frucht zum Symbol des Freudenfestes zu wählen? Ist nicht vielmehr dadurch die Zusammengehörigkeit Israels — besonders in der heutigen Zerstreuung — in herrlicher Weise zum Ausdruck gebracht, daß jeder Angehörige des Volkes — ob arm oder reich, ob im Ost oder West, ob in Nord -der Süd — seinem Gott mit der gleichen Agudoh huldigt? Wem anders aber entstammt diese in allen Lagern erhaltene Gleichmäßigkeit . als der „Mutter Tradition"? Bleiben wir nun beim Sukkausseste, so bildet die „Sukkoh" selbst ein ebenso lehrreiches Beispiel sstr die Unlösbarkeit der Tradition von der in kürzester Knappheit sich aussprechenden schriftlichen Thauroh. Ueber das weitverzweigte, einen ganzen Band der Mischnah füllende Sukkohgesetz enthält die Thauroh nur die wenigen Worte: „In Hütten sollt Ihr wohnen 7 Tage, jeder Einheimische in Israel wohne in Hütten." Ist es nun denkbar, daß die Thauroh, die an anderen Stellen, wie z. B. bei den Qpfervorschriften, Geräten des Stiftzeltes, den Priestcrgcwändern, so eminent ausführlich jedes einzelne Mefitz präzisiert, hier gar keine näheren Bestimmungen über die Festhütte geben sollte? Wer wollte uns plausibel machen, daß es dem Geiste der Thauroh entsprechen sollte, oder daß es jemals der Fall gewesen sei, daß jeder sich eine ganz beliebige Hütte von willkürlicher Größe, Höhe, Bau- und Deckungsart hergestellt hätte? Fordert nicht die ganze Eigenart der präzffen bibli-