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Neue jüdische Presse · 1914-07-31 · Heft 30 (31.7.1914) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 30 (31.7.1914)
Date
1914-07-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Zusammen mit dem Vertreter der Arbeiter, Herrn Frenlel und dem Kolonisten Schneerson haben wir die Ieineniten-Gärten besucht und folgendes gesunden: Nur wenige haben dieses Jahr Gärten im eigentlichen Sinne angelegt. Die meisten haben nur Kartoffeln und etwas Zwiebeln gebaut. Daher haben wir den ersten Preis ganz ausgeschlossen. Der Jemenite Josef K o h e n hat außer Kartosfeln auch Tomaten, Fassten,' Labia gesät, er hat außerdem eine für Palästina neue Pflanze Erdnüsse (Ärachis hypogea) angebaut. Der Boden ist zweckmäßig bearbeitet worden, K. hat den zweiten Preis von 20 Fr. bekommen. Josef M i s r a ch i hat außer den üblichen Gemüsepflanzen auch einige Blumen angebaut, es ist bei ihm auch Geschmack zu bemerken. Ein Anfang von Baumschule ist ebenfalls vorhanden. Er hat den dritten Preis von Fr. 15 bekommen. II. Rechoboth. Ich habe am 2. Tamus die Jemenitensicdlung in Rechoboth besucht, um die Preise für die im besten Zustand gehaltenen Häuser und Gärten zu verteilen. Als Preisrichter habe ich. mir den Gärtner Gorodysky und den Lehrer Jase gewählt. Wir haben alle Häuser und Gärten besucht und folgende Preise verteilt: 1. Der Jemenite David ben Zacharia hat einen sehr schon gepflegten Garten. Sein Häuschen mit Garten machen schon den Eindruck einer Villa in Miniatur (mit Park). Nach außen hat er Alleen und Kasuarinen, im Innern Reihen von Mandeln, Feigen, Quitten, Pflaumen und Wein gepflanzt, als Zwischenkultur verschiedene Soinmergemüse, auch Geranium. Die ganze Fläche ist zweckmäßig bearbeitet und die Parzelle mit einem Drahtzaun umgeben. Er hat beit ersten Preis (Fr. '40) erhalten. 2. Der Jemenite'Kapora ben David hat ebenso einen Garten mit. Kasuarinen «mgepflanzt, er hat auch einen gut gepflegten Gemüsegarten mit Mandeln und Wein. « Jakobs Flucht vor Esau.*) RÄekka hatte große Angst, Esau könnte Jakob etwas Böses antun. Als sie einmal mit Jakob im Felde spazieren ging, redete sie mit ihm und sprach: „Mein Sohn, Dein Bruder Esau ist Dir nicht gut gesinnt; ich fürchte, er köimte Dir ein Leid antun. Geh' zu meinem Bruder Laban und bleibe dort eine Zeitlang, bis sich Esaus Zorn gelegt hat. Es ist auch Zeit, daß Du Dich nach etwas Rechtem umsiehst; Du bist nun ein großer Junge und müßtest Dir ein Weib nehmen. Vielleicht Hilst Dir der liebe Gott, und Du1 findest dort eine Frau, die Dir gefällt." Als Jakob diese Worte hörte, bekam er gleichfalls Angst und wollte flichen. Da ging Rebekka zu Isaak und bat ihn, er möge Jakob zum Abschied segnen. Und Isaak ließ Jakob zu sich kommen, versöhnte sich mit ihm, gab ihm seinen Segen und sprach: «Ich sehe, daß Du besser bist als Dein Bruder, und daß ich Dir mit Recht den väterlichen Segen gab. Gott Möge Dir helfen, daß Du Vater eines großen und starken Volkes werdest." Die Mutter war sehr traurig darüber, daß ihr Liebling von ihr ziehen sollte, machte ihm ein Bündel für den Weg zurecht und weinte bitterlich dabei. Sie begleitete ihn ein Stück Weges außerhalb der Stadt und sprach zu üjm: „Fürchte Dich nicht, mein Sohn, Gott wird Dir beistehen. Geh zu meinem Bruder, er hat schöne Töchter, vielleicht gefällt Dir eine. Geh und sei guten Mutes." Darauf nahm sie innig Abschied von ihm und kehrte nach . Hause zurück. Jakob aber zog seines Weges. Unterdessen. kam Esau nach Hause, sah, daß Jakob weg war und wunderte sich darüber. Da gab man ihm *) Probe aus dem Buche „Kleine Geschichten . aus.. der Bibel von S.chalvm Asch." l - In seinem Hofe herrschte eine peinliche Sauberkeit, ebenso sieht auch sein Häuschen aus. Er erhielt den zweiten Preis (Fr. 25). 3. Der Jemenite Menasche ben Schalem hat seinen Garten sehr rein gehalten, kein einziges Unkraut wuchert darin. Außer Mandeln nick» Wein hat er auch einige andere Gewächse gepflanzt (Banane, Ricinus, Feige). Die Sommergewächse (Kürbisse, Melonen, Tomaten) sind alle in bester Ordnung. Wir gaben ihm den dritten Preis von Fr. 20. 4. Der Jemenite AbrahaM ben Josef hat zwar keinen Gemüsegarten angelegt, hat aber seinen Weingarten sehr gut gepflegt, dabei hat er seinen Hof und Haus musterhaft rein gehalten. Wir haben ihm den vierten Preis (gfr. 15) gegeben. Wir haben in Rechoboth die Preise höher bemessen, da hier die Siedlungen sowie die Leistungen der Jemeniten größer als anderswo sind. gez. Dr. Zagorodsky. Aus dem vorstehenden Bericht werden die Stifter von Arbeiterfamilienhäuser sowie die Freunde des Jüdischen Nationalsonds wohl mit Genugtuung ersehen, daß die jemenitischen Juden ein überaus wertvolles VolKelement für das jüdische Kolonisationswerk in Palästina bilden und der.zu deren Ansiedlung geschaffeneArbeite rh e r m st ä t t e n f o n d s die Förderung aller Juden verdient. Leider reichen die bisher dem Nationalfonds für diesen Zweck zugekommenen Häuserspenden kaum aus, um die bereits eingewanderten Jemeniten unterzubringen, während dem Hauptbüro Nachrichten zukommen, daß immer neue Scharen von Flüchttingen aus dem Jemen ins Land sttömen, die der Nationalsonds vorläufig nur notdürfttg in Zelten und Baracken unterbringen kann. Dazu kommt die Einwanderung aus den Balkanländern und aus dem Osten, für deren teilweise Unsiedlung durch Errichtung von Arbeiterfamilienhäusern gleichfalls der Nationalfonds Vorsorgen muß. Es ist daher dringend zu wünschen, daß der Arbeiterheimstättenfonds, zu dem bisher in so erfreulicher Weise Juden aller Richtungen und Jnstttuttonen wie Kultusgemeinden, Logen, Stiftungen und Chewras beigettagen haben, im Hinblick auf die obigen Anforderungen eine weitere wesentliche Stärkung erfährt. Die Sttftung eines Arbeiterfamilienhauses ist bekanntlich mit Fr. 1000 und für größere Familien mit Fr. 2000 bemessen, während das Bau- und Gartenland vom Jüdischen Nationalfonds zur zur Antwort, Jakob wäre in die weite Welt gegangen, mit ein Weib für sich zu suchen. Als Esau das hörte, bekam! er auch Lust zu heiraten. Er überlegte nicht lange, ging zu Jsmael in die Wüste, nahm seine Tochter zur Frau und kehrte zu seinem Vater zurück. ' 1 i ' [ 1 i;"T!i_i Jakob aber wanderte einsam seinen Weg. Das Bündel auf dem Rücken, den Stock in der Hand, ging er immer durch Wald und Fell», über Täler und Berge, und bat den lieben Gott, er möge ihm auf seiner Wanderschaft beistehen. Es war schon Nacht, als er an einer Stelle ankam, wo viele Steine umhcrlagen, und da er Müde war, wollte er dort übernachten. Weil er aber vor wilden Tieren Angst hatte, nahm er die Steine und legte sie um sich herum: den größten Stein aber tat er sich unter den Kopf, machte sich ein Lager zurecht und legte sich nieder. Kaum hatte er eine Wefle gekegen, so fingen die Steine einen Streü miteinander an, denn jeder von ihnen wollte unter Jakobs Kopf liegen. Jakob wußte zuerst gar nicht, was das bedeuten sollte. Als er aber aufmerksam zuhorte, merkte er wohl, daß es dieselben Steine waren, die sein Großvater Abraham zum Mar genommen hatte, als er 'feinen Sohn Isaak Gott opfern wollte. Da soch' Jakob) daß Gott ihn hierher geführt hatte; er fühlte sich sicher und geborgen und schlief ruhig ein. Und er träumte, eine große Leiter stünde auf der Erde, die reiche mit der Spitze bis an den Himmel. Auf der Leiter stiegen Engel zum Himmel empor, andere wiederum zur Erde herab. Auf der höchsten Stufe aber stand der liebe Gott und sprach zu Jakob: „Ich bin der Gott Abrahams und der Gott' Isaaks, Deines Vaters. Das ganze Land, das Du um Dich herum siehst, will ich Dir und Deinen Kindern schenken. Ich will Dir stets beistehen und Dich segnen, daß Dü zu einem großen Volk werdest. Und ich werde Dich nicht verlassen und werde alles tun, was ich Dir versprochen habe." Ms. Jakob am sicheren Morgen erwachte, war er sehr ergriffen; er erkannte, daß es ein heiliger Ort Verfügung gestellt wird. Jedes Haus sowie der Name des Stifters werden in ein besonderes Kataster mit der Nummer des bettesienden Hauses für ewige Zeiten eingettagen.' Der Stifter erhält vom Jüdischen Nationalfonds ein Kunstblatt oder ein Alb uni mit den Siedlungen des Nationalsonds zur Erinnerung daran, daß er einer jüdischen Arbeiterfamilie eine Existenzbasis in Palästina ermöglicht hat. Frankfurter Berichte. Hebräische Bereinigung „Jwriah". Jn seinem Referate über den jüd. Prophetismus führte Moses Brand folgendes aus: Das Wort „nabi" hat in seiner Grundbedeutung ebenso wie der Sache nach mit einer Voraussagung der Zukunft nichts zu tun. Die Wurzel „naba" bedeutet im Hebräischen wie im Arabischen verkündigen, predigen, auch: im Aufttage eines anderen sprechen. Wohl ist auch sonst im Orient der Prophet keine unbekannte Erscheinung gewesen; aber das Wesen des jüd. Propheten ist nicht etwa als die Ausbildung eines Vorgefundenen Rudimentes anzusehen, sondern stellt vielmehr etwas ganz anderes, etwas völlig Neues dar. Der jüd. Prophetismus ist eine spezifisch-jüd. Kulturerscheinung, und zwar eine solche von originell-schöpferischer Qualität höchsten Grades. Der allen jüd. Propheten gemeinsame, beherrschende Wesenszug ist deren elementares, durch nichts zu erschütterndes Durchdrungensein von der notwendigen Herrschaft von Wahrheit und Gerechtigkeit und die Forderung zur Ausgestaltung des Verhältnisses zwischen Mensch und Gott ans diesem Prinzip des absolut Guten heraus. Der Prophet ist extrem und unnachgiebig in seinen sittlichen Forderungen, dem Kompromiß unzugänglich, daher seine Vereinsamung, seine persönliche Not, daher die nicht seltene Bedrohung seines Lebens, daher aber auch seine einzige Größe, sein so gewalttges und für alle Zeiten so fruchtbares Wirsen. Der Referent hob auch hervor, wie falsch jene Methode sei, in der sich die jüd. liberalen Theologen mit den Vertretern der protestantischen Theologie begegnen, und die in dem Prophetismus ein Ignorieren oder „lleberwinden" der „engen Schranken" des National-Jüdischen sieht. Das ist nichts anderes als Konstruktion, Äs willkürliches Hineinlcsen in die Propheten, zur nachträglichen Begründung des unabhängig von allem Prophetismus gewordenen liberalen Judentums. Richtig ist, daß die Propheten mit ihrem ganzen Selbst und Mit ihrer galten Ideenwelt in ihrem Volke und den jüdischen Tradittonen wurzelten. Ihr Wirkenwollen erstreckte sich lediglich auf ihr Volk. Die Propheten werden nicht müde, immer und immer wieder die Tradition dem Volke eindringlichst ins Bewußtsein zu hämmern. Wie wäre das zu erklären. war, an dem''er die Nacht zugebracht hatte, und daß der liebe Gott es gut mit ihm meine. Er nahm die Steine und legte sie aufeinander, goß dann Oel über den obersten Stern, salbte den Ort und nannte ihn Beth-El, d. h. Gotteshaus. Dann sprach er; „Allmächtiger Gott? Habe ich Dich recht verstanden, so willst Du stets mit mir sein, willst mir Brot zum Essen geben, ein Kleid zum Anziehen, und mich zu meinen Eltern in Frieden zurückführcn. Tust'Du mir das, so will ich an diesem Orte Dir zu Ehren einen Tempel bauert. Ich und meine Kinder, wir werden dreimal im Jahre zu Dir komMen, Dir Opfer bringen und Dir dienen, solange wir leben" Und Jakobs Traum ging in Erfüllung, und der liebe Gott schentte ihm reichen Segen Mer auch was Jakob gesagt hatte, geschah, denn nach langen, langen Jahren wurde von David, dem großen König der Juden, der Tempelbau in Beth-El begonnen, und der weise König Salomo vollendete ihn. Ms aber die Babylonier ins Land eingedrungen waren, führten sie die Juden in Gefangenschaft, zerstörten ihr Land und auch den Herrlichen Tempel in Beth-El. Siebzig Jahre waren die Juden in babylonischer Gefangenschaft. AK sie sich Befreit hatten, hauten sie den TempÄ zum zweitenmal. Darnach stand er fünfhundert Jahre in Beth-El, und alle Frommen kamen hin, beteten dort zu Gott und brachten ihm Opfer. Es kamen aber wieder Feinde ins Land; diesmal waren es die Römer.' Sie zerstörten den Tempel, und nur die heiligen Steine sind übriggeblieben und liegen auf derselben Stelle, wo Gott Jakob im Traume erschienen war. Sie bilden eine große Mauer, die wird Klagcmauer genannt. Die frommen Juden der ganzen Well kommen dort zusammen. Sie zünden in den Spalten der Mauer Lichter an, beten zu Gott imd llagen ihm ihr Leid und ihre Not. Auch ich bin dort gewesen und sah die Steine mft meinen eigenen Augen: große,'vierkantige Steine. Ich habe in den Spalten der Mauer ein Licht angezündet und dort mit vielen anderen Juden zusammen gebetet. 4780 A2-C

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