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Neue jüdische Presse · 1914-07-25 · Heft 29 (25.7.1914) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 29 (25.7.1914)
Date
1914-07-25
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Veite 4. Mmckftrrter ZffraÄiüsrheA Famili-nükckt. Uolmvogs-LlllktedNuisell In künstlerlsel. Auflassung Verkauf von kunstgewerblichen Erzeugnissen. Antiquitäten, rriedrieh Bernhard, Frankfurt a.M. Tel Hansa 5574. BSrsenstrasse 11. Aus aller Welt. DentfcheS Reich. ' Köln. Fotzende. : Maßnahmen gegen die jüd. Ausländer sind zu melden: Nach einer ministeriellen Anordnung soll auf Grund von Erhebungen, die über die Einwanderung galizischer und russischer Juden angestellt worden sind, in den Städten des rheinischen Jndustriebezirks zukünftig die MÄerlassung von jüdischen Alttrödlern und Händlern nicht mehr gestattet werden. Bereits anwesende Juden sollen ausgewiesen werden. Mnmyen. Bet der Beratung des Militärelats in dir Kammer -er Abgeordneten brachte der liberale Abgeordnete Dr. Dirr u. a. fotzendes, vor: Bei der Aufnahme von Einjahrig-Freiwilligen scheinen in manchen Regimentern höchst merllvürdige Anschauungen zu herrschen. So nimmt %. B. das Felbartillöcie-Regiment in Äiürnberg prinzipiell keine jüdischen Einjährigen an. Es sollten doch nur militärische Gesichtspunkte maßgebend sein, nämlich die Frage, ob Las Regiment überhaupt noch in der Lage ist. Einjährige einzustellen. In seiner Erwiderung betonte Kriegsminister Freiherr von Kreß, dich die Verweigerung der Annahmen als Einjährig-Freiwillige wegen jüdischen Glaubens gesetzlich nicht begründet wäre. Rutzlaud. Petersburg. Einen bezeichnenden Einblick in die Lage der russischen Juden gibt die Zahl jüdischer Petitionen an die Regierung anläßlich des Romanow-Jubiläums 14605 Eingaben ersuchten um Annahme jüd'. Kinder in höheren Schulen, 1791 um Bewilligung des Wohnrechts, 316 um Zurückziehung der 300 Rubel - Militärstrafe. Die ersteren Eingaben erwiesen sich als zwecklos, da die Regierung über die Prozentnorm nicht hinausging. Von den 1791 Petitionen wurden nur 9 und von den 316 nur 29 befriedigt Amerika. New-Aork. „American Hebrew" veröffenllicht einen Brief Jacob Schiffs bezüglich des Haifaer Technikums. . Es heißt in diesem Briefe SchWt das Technikum zu einer Zeit am „Zusammenfallen" sei, wo bereits eine Million Mark Mr es ausgegeben sind. Er habe geglaubt, daß durch das Technikum alle Schattierungen Juden kulturell in Palästina arbeiten könnten, doch eine kleine Majorität im Kuratorium! unter Führung Dr. Schemarja Lewin's habe durch übereilte, nnzeitliche Schritte das Projekt zum Scheitern gebracht „American Hebrew" meldet anschließend, daß das Kuratorium in Kürze in Berlin tagen werde, um die Reorganisierung oder Liquidierung des Technikums zu beschließen. Dr. Lewin, der auf dem Zionistentag in Rochester anwesend war, erklärte in einer seiner. Reden, daß das ^Technikum auch dann gesichert sein werde, wenn die amerikanischen Mitglieder austreten. Dann würden die Zionisten das Technikum unter ihren eigenen Schutz nehmen.. Neu eröffhetl- Caffe Corso Ecke Kaiserstrasse and Hoselstrasse. _Franz Krist. Perjo»atte» tu Kleine MUteUunge«. Berlin. Dr. Jo lles, etatsmäßiger Profeffor an der Technischen Hochschule, erhielt den Titel Geheimer Regiernngsrat Berlin. Bankier Ernst Wallach erhiett den Kronenorden 3. Klasse, Geh. Medizinalrat Dr. v. Wassermann das Offizierskreuz der französischen Ehrenlegion. Berlin. Geh. Juüizrat Dr. Hermann Bett Simon, einer der Führer der Bereinigung für das liberale Judentum in Deutschland" und Führer der Liberalen in der Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde, ist verschieden. Mainz- Bei einer militärischen Uebung hatten Jnfanterietruppen die Brücke bereits passiert, als eine Abteilung des Feldartillerieregiments Nr. 63 mit den bespannten Geschützen ebenfalls die Brücke passieren sollte. Ein mit sechs Pferden bespanntes Geschütz kam dabei ins Ausgleiten. Die Pferde wurden mit dem Geschütz in den 'Rhein gerissen, gleichzeitig ein Kanonier, der den Tod in den Wellen fand. Die sechs Pferde wären wohl ebenfalls alle verloren gewesen, wenn nicht der jüdische Einjährige Mich. Marx aus Mainz in voller Rüstung in den Rheins gesprungen wäre, mit einem Messer die Stränge der Bespannungspferde durchschnitt und.'so vier der Pferde'ans Ufer bringen konnte. Marx wurde sofort zum' Unteroffizier befördert. Gelsenkirchen. M. Katzen st ein feierte seinen 100. Geburtstag. Stettin. Kommerzienrat M a n a s s e erhielt den Kronenorden 3. Klasse. Metz. Ghmnastalprosessor L. Z e l i g z o n erhielt den Roten Adlerorden 4. Klasse. Karlsruhe Anläßlich des Geburtstages des Großherzogs erhielten Auszeichnungen: Landgerichtspräsident Dr. Nathan Stein-Mannheim (Kommandeurkreuz 2.. Kl.), Landgerichtsrat Dr. Adolf Hombürger» Waldshut, Oberamtsrichter Dr. Otto Levis-Pforzheim, Oberamtsrichteh Dr. Moritz Elsässer -Pforzheim, Prof. Dr. Emil Bloch-Freiburg i. B., Notar Dr. Max Schwarzschild-Karlsruhe, Notar Dr. Emil Odenheimer-Pforzheim, Rechtsanwalt Otto Gütmann-Karlsruhe, das Mitglich des israel. Oberrates Dr. Theodor Kaufmann-Heidelberg (Ritterkreuz T. St), Emil Carlebach-Heidelberg, Ernst Weil-Karlsruhe, Bankier Gustav Dreyfns-Gernsbach (Ritterkreuz 2. Kl vom Zähringer Löwen), Emil Oe st reicher-Berlin, Ludwig Rothschild-Gailingen (Derdienstkreuz vom. Zähringer Löwen), Raphael M.a i e r - Baiertal, Lehrer DanielLevi-Rheinbischofsheim (lleine goldene Beidienstmedaille). Geh. Oberregierungsrat Dr.- David Mayer (Kvmmandeurkreuz 2. Kl. vom Zähringer Orden) nsw. <l>.) Sowotschin. Der 16 jährige Kaufmannslehrling Willy Seligsohn.ist in vergangener Woche in dem Ostseebade Rügenwalde das Opfer seiner hilfsbereiten Nächstenliebe geworden. Der junge Mann hörte die Hllferufe zweier Ertrinkender und sprang in die See, um die mit dem Tode Ringenden zu retten. Bei diesem Rettungswerk hat er leider selbst den Tod gefunden, während die beiden in Gefahr befindlichen Schwimmer gerettet werden konnten. Bad Tölz. Ein schöner Akt religiöser Duldung ereignete sich hier heute Abend, der auch Zeugnis für den guten Ruf ablegt, dessen sich das hiesige jüdische Hotel Hellmann erfreut. Im königlichen Auwmobil fuhren heute Abend im Hotel vor die Prinzessin Arnulf von Bayern, Schwägerin des Königs, mit ihrem Sohne Prinz Heinrich von Bayern, sowie Prinz Conrad, Sohn des Prinzen Leopold von Bayern, Bruder des Königs, mit Beglettüng und speisten auf der herrlichen Terrasse zu Nacht. Don ihrem Aufenthalte waren die hohen Herrschaften sichtlich zufrieden, und die zahlreichen Hotelgäste veranstalteten beim Abschied eine herzliche Ovation. Frau Hermann Cr am er aus Frankfurt a. M. überreichte der Prinzessin herrliche Rosen. Budapest. Bon 1896 dis 1912 haben in Ungarn jüdischerseits 5822 Uebertritte zum Christentum stattgefunden. Warschau. Nach langem, schwerem Leiden ist Israel Mr.ordie,chLj.-Jahlo^p>Hki rrerst 52 Jahre: alt 'versiKeden. . - Er war ein Jdealjude. Nie an seine persönlichen Jnwressen denkend, stets das Wohl der Allgemeinheit als Höchstes vertretend. Doll inniger Menschenliebe für die Armen und Kranken, stets mtt Rat und Tat berett. Selber ein reiches jüdisches Mssen besitzend und das jüdische Wissen durchs großzügige Unterstützung seiner Lehrmistalten fördernd. Schließlich als echter traditionstreuer Jude auch ein glühender Zwnist. Parts. Henry Levy Ullmann, Professor der Universität LÜle, wurde zum Chef des Kabinetts' des Ministers der öffentlichen Arbeiten ernannt. Advokat Marge! Caen wurde zum Unterchef im Ministerium für öffentliche Arbeiten und M. Strauß zum Unterchef im Kriegsministerium und M. Bloc zum Kabinettchef des Staatssekretärs des Innern ernannt. Kiew. Ein Zeichen der ZeitI — Das große jüdische Spitals mtt 240 Betten, eine moderne, musterhafte Anstalt, mußte aus Mangel 'an Mitteln geschlossen werden. v Kiew. Raub er drangen in die Billa des Millionärs Jankel Katz, stteckten diesen sofort durch Schüsse nieder und erschossen dann nacheinander die Frau, ferner zwei Söhne und zwei Töchter. Sie richteten in dem Hause furchtbare Verwüstungen an, erbrachten alle Behältnisse und raubwn zahlreiche Gegenstände. Nur der jüngere Sohn, der sich unter einem Teppich versteckt hatte, ist von der ganzen Familie am Leben geblieben. „VICTORIA» Erste Berliner Wäscherei und Glanz-Plätterei Hanta Tal. 2002. 18 6lltl6IltStr8SSB II. Hanaa Tel- 2002. Spezialität: Kragen, Manschetten nnd Hemden. Feuilleton. Der Windhauch. Historische Erzählung von M. Pul der mann. (Fortsetzung.) „Was sagst Dü?" fragte Sancherib^ scharf, ob-;wohl die kecke,. frednütige Rede ds Jünglings ihnt nicht. MWÄ. Er spracht jetzt zu sein«ül:Priester: „Die Juden sind doch ein eigenartiges''Voll! Wie heißt denn Euer Gott?" „Wir dürfen seinen heiligen NanwN nicht aüssprechen." ' ' ■ Rr. 2Ä. „Was aber werdet Ihr tun, wenn ich die Bilder und Geräte Eures Gottes aus seinem Tempel wegnehme? Was wird Euch bleiben, wenn ich Euch diesen einzigen Gott wegführe? Denn wisse, ich führe nicht nur die Menschen . als Gefangene nach Assyrien sondern auch die Bilder und ^Götter der Feinde, und dadurch wächst die Zahl der Götter in Ninive immer mehr an." Uriel erbleichte bei' diesen Worten und schlug die Augen nieder. „Verzeihe, großer König," rief er aufgeregt. „Ich flche Dich an, mtt mir von andern Sachen zu" reden, weil ich mich fürchte, solche Gotteslästerung mitanzuhören. Würde ein Jude solche Worte gesprochen haben, dann würde ihn ein Donnerkeil vom Himmel Niederschlagen. Du freilich bist kein Jude, Du weißt darum nicht, von wem Du sprichst. Ich aber sage Dir, der Gott Judas ist der einzige, allmächtige Gott des Himmels und der Erde, und Du, Deine Heeresmacht und alle Deine Götzen sind wie ein Windhauch vor ihm!" Sancherib lachte laut. „Und doch ist er vor mir und meinem Vater voller Angst geflohen! 'Denn wo war er, als ich Euren König in Jerusalem' wie in einem Käfig eingeschlossen hatte? Wo war er, als ich sechsundvierzig Eurer befestigten Platze einnahm und zweihunderttausend Männer als Gefangene fortführte? Wo war er, als mein Vater zehn Eurer Stämme aus SaMaria über die ganze Erde zerstreute?" „Bei Euren Göttern könnte MM sagen, sie haben inzwischen geschlafen," erwiderte der Jüngling, voller WehMut bei dieser Erinnerung. „Unser Gott aber, er schläft nicht und schlummert nicht, der Hüter Israels! Nur hat er uns verlassen, weil wtt uns in Sünde von ihm' gewendet haben. Haben wir' diese bereut und Buße getM, dann wird er uns wieder beistehen und sich an seinen Feinden rächen wie schon oft in früheren Zeiten." „Du bist noch jung und unverständige darum glaubst Du noch solche Märchen. Aber ich will Dir Deine Zuversicht nicht rckuben, die Du aus Deinem Glauben schöpfst, denn Du gefällst, mir." „Dafür dMke ich Dir herzlich," sagte Uriel bescheiden. :: r - . : ~ „Dennoch aber," fuhr der König fort, „sage ich Dir, es ist ein Märchen. Allerdings scheint Euer Gott in der hiesigen Gegend Macht zu besitzen, um mich durch nächtliche Träume zu beunruhigen. Aber ich bin ein Mkömmling Aschurs, des größten aller Götter. Er regiert im Himmel und ich auf Erden, daher beftemdet es mich, daß irgend ein kleiner Gott es wagt, mich zu belästigen. Ich will Dir Meine Träume erzählen, und solltest'Du imstande sein, diese zu Leuten, dann wirst Du reichen Lohn von mir empfangen." Uriel hörte schweigend tot, was Sancherib ihm berichtete. . - Sanch eribs Traum. „Gerade UM Mitternacht," begann der König, „hatte ich einen schrecklichen Traum, von Blut uijd Feuer, von TÄ> und Verderben. Ich sttoÄ auf einem hohen Berge, von wo ich das ganze Lager' überschauen konnte,, während alles dort in ttefster Mch'e lag. Bald aber entstand ein gräßliches JaMmern'und Wehllagen, das aus allen vier Enden der Erde hervorzudringen schien. Es erfüllte Mein Herz Mit Angst und Verzweiflung, denn Mir kam es vor, als vernehme ich-auch das Seufzen der Götter, die ebenfalls über Las Verderben jammerten, das dem assyrischen. Heere" bevorstand. Der Wehruf wiederholle sich und nahm an Stärke immer zu und steigerte sich zu einem gewaltigen Krachen, als wollte es die Welt in zwei Hälften zerreißen. In meiner Httflosigkeit sah ich auch noch den Himmel sich auftun und es strömte ein Feuer nieder, nicht etwa wie ein sanfter Regen zur Frühlingszeit, sondern in gewalligest SturzwÄlkm, haß . Mes, kaum von dem Feuer berührt,' schon in Asche verwandet war. Dazu betäNbende Donnerschläge, die mich erschütterten, grelle Blitze, die.Meine Augen blendeten, giftige, schwarze Nebel, die mir den Atem raubtenstwaß ich gebrochen niedersank, Meiner Sinne sticht "mächtig, einem Toten gleich." ' ' Sancherib erschauerte und schloß einen Augenblick die Augen. Wüm führ.er Wetter fort: „Jetzt schien ich wiüier zu MÄr^Jch stand wickär in der Mitte meinS- 'ÄstgerS^.^ch-'^chl sah Mch jetzt nichts anderes als Feuer und - Blut, Tod nnd Veidttben, dazu heulende Weiber- 'fluchende Männer, wildschäumende Rosse, zerttümmerte Streitwagen, alles von' emem schwarzfleckigen, kupferfarbenen NÄel umheben, der mtt Windeselle über den Boden hinfegte-, mtt seinem PeWmch alles vergiftend, alles vernichtend. Meine stolzen Le-

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