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Neue jüdische Presse · 1914-05-29 · Heft 21 (29.5.1914) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 21 (29.5.1914)
Date
1914-05-29
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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21. Nr. 21. Waldes ein Bau, der seinem Baumeister Ehre macht. Durch ein Berwaltungsmitglied wurde dem Hause'später auch der schöne Garten geschenkt. Nach und nach stieg die Zahl' der-Zöglinge bis auf über 40. Nun lastete noch eins auf dem Hause und der Verwaltung. Es war nämlich bei dem Bau eine Hypothek von. 20 000 Jk. ausgenommen worden, die noch zu tilgen blieb. Durch einen eifrigen Förderer der guten Sache aufmerksam gemacht, zahlte Frau Baronin Hirsch in Paris die ganze Hypothek ab. Redner erwähnte die segensreiche 21 jährige Tätigkeit des Leiters der Anstalt, Kadden, und ging dann auf die besondere Bedeutung des Kinderheims ein.' Dieses bezwecke etwas, was die Waisenheime auf Grund ihrer Satzungen nicht leisten können, abgesehen davon, daß die Heime ihre Bezirke, nicht aber das ganze Reich umfassen. Die Waisenheime nehmen nur Waisen auf, das Kinderheim aber auch Kinder, die zwar ein Mutter-, aber kein Vaterheim haben. Bürgermeister Scheuern ergriff nun im Namen der Stabt das Wort. Er betonte das harmonische Verhältnis zwischen Kinderheim und Stadt, die vorzüglichen erzieherischen Resultate des Kinderheims, die sich, schon äußerlich durch das bescheidene, freundliche Wesen der Kinder kundtuen und überreichte als Geschenk der Stadt ein Bild. Direktor Dr. L i e s a u von der Realschule, Hauptlchrer Grün von der Elementarschule besprachen in längeren Ausführungen das Verhältnis der die beiden Schulen besuchenden Zöglinge des Heims. Das Urteil beider Herren konnte nicht günstiger ausfallcn. Stadtverordnetenvorstcher Karl Bühl zitierte Worte der damaligen Einweihungsrede des Rabbiners Dr. Kopfstein, die durch Vergleich nackt Ablauf der 25 Jahre sich bewahrheitet haben. Der.Vorsitzende dankte den Rednern. Mit einer Rede 6olHdcs Hausvaters Kadden nahm die offizielle Feier ihr Ende. Festessen und Schauturnen schlossen sich an. Jtf; von Di Hk. 1.35 »kolade >n lil eil I! F, Cafe Kaisepgapten am Opernplatz Erstklassiges Familien-Cale ■ ' ■— -- Nachmittags Konzerte. F«v Hanselmann, Besitzer. kvon Volle k. -an fände. Oesterreich-Ungar». Budapest. Unter dem Vorsitz Samu Bcttelheim's, icc von Preßburg nach hier übergcsiedelt ist, hat sich sier ein Komitee zur Gründung eines Verbandes der ungar. Juden ^bildet. Das Komitee hat vorerst Schritte wegen prakischer Durchführung des Ministerialerlasses wegen der gefreiung vom Schreiben am ° Sabbat unternommen. Bisher hat sich die Orthodoxie von jeder gemeinsamen Aktion mit nichtorthodoxen Kreisen ferngehalten. 0b der Verband eine Plattform sein wird, auf der sich Ille Juden Ungarns finden, erscheint nach den bisherigen Erfahrungen zweifelhaft. Er will alles tun, um cs zu ireichen; er will sich auf rein demokratischer Grundlage ausbauen und nur gemeinsame Angelegenheiten (Rechtsmd Religionsschutz, Angelegenheiten rein sozialer Natur) ietreiben. Budapest. In der Generalversammlung der kultusgemeinde wurde ein Antrag Steiner vorgekegt, sine Landesaktion zur Schaffung einer einheitlichen Autonomie der ungar. Judenschaft 'inzuleiten. Der Antragsteller führte aus, daß die Regierung ne Subvention der Kultusgemeinde fast garnicht erhöht jabe. Schon vor 30 Jahren habe Tisza das Versprechen einer Vertretung der Juden im Magnatenhause gegeben. Man müsse Graf Tisza an das Versprechen seines Vaters erinnern undbei den nächsten. Abgeordnetenwahlen nur ür solche Kandidaten stimmen, die für die Autonomie der fudeu . eintreten wollen. Auch möge zur Vorbereitung neser 'Frage ein engeres Komitee aus den Herren Dr. Taumel Brody, Aruold Kohn, Baron Adolf Kohner, Dr. Moritz Mezei, Dr. Franz Mezei, Josef Steiner, Franz Tzekely, Wilhelm Vazsonyi und Julius Winterberg entendet werden. . Dieser. Antrag regte eine lebhafte Diskussion an, an >cr Hofrat Franz Szekely, Szaboleski, Dr..Bela Feleki u. v. a. teilnahmen, worauf der Antrag Steiners angenommen wurde. Großbritannien. London. Das hiesige Zentralbüro der Jüd. Territorialistischen Organisation („I t o) beruft ini September «ach Budapest eine ällweltliche Territorialistische Kons erenz nn. Dies Konferenz soll sich an erster Stelle mit dem Angola-Projekt beschäftigen, dessen Verwirklichung m der Hauptsache eine Geldfrage ist.. FRANZÖSISCH. Jede $81116 kann sich an dem2V2 monatig. GRATIS - KURSUS , am Tage oder abends beteiligen. Weserstr. 7HOPlIlQl SgIIDDI 8003110. Tel. 12428- N. ROSENAU Englische Herren - Schneiderei le Goethes traun IO. Yorm«tai»i.«ifühnmj. . Miulge Kretas. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. e Jed. Art tu Preislage kauft i man gut und preiswert im ■V Trauring-Eck "7W> Frankfurt a. M , Trierisohe Gasse 31. Ecke Töngesgasse,vls-ä-vis d* Hasengasse. pP PlptSSfh Uhrmacher * 1« * IClAOvll) und Goldarbeiter. I Mllßfon. Der Windhauch. Historische Erzählung von M. P u l v e r m a n n. (Fortsetzung.) „Und ich werde es wagen. Dich ins Bett zu schicken," rief Ammon nngchMen. „Ist es nicht genug, daß Dein heldenmütiger Vater als Gefangener der Assyrer ein trauriges Dasein verbringt, daß auch Du Dich noch der gleichen Gefahr aussetzen willst? Soll Deine arme Mutter auch des Sohnes beraubt und neue Trauer auf ihr graues Haupt gelegt werden? Freilich wäre es eine große Tat, den Todfeind Israels zu vernichten! Aber, nach menschlicher Voraussicht, würde nicht er, sondern Du den Tod erleiden. Daher ist es für Dich besser. Dich zur Ruhe zu begeben, damit Du morgen frisch und munter bist, um recht viel Wasser fiir die Kamele aus dem Teich zu schöpfen." „Onkel, ich bitte Dich, laß mich gehen." „Zu Bett sollst Du gehen, Du. ungeratener Bursch'!" . „Noch nicht," wehrte Joab. „Mag er uns erst sagen, wie er sich die Sache eigentlich denkt." „Ja, er soll reden," stimmte auch Eliasar bei, „ein Wort ist noch keine Tat." Kopfschüttelnd ließ sich Ammon wieder auf seinen Sitz nieder und hörte schweigend zu. Wie Ihr wißt) ist mein Vater Gefangener der Assyrer; dies schon.allein wäre Grund genug, mein Vorhaben auszufichren: den Aufenthalt des Vaters auf-- zufinden und nichts unversucht zu lassen, bis ich chm die 'Frecheit wiedergegeben habe. Könnte es nicht auch der Fall sein, daß er im Lager Sancheribs Sktavendienste verrichten Muß! Er, Naphtali, der Held von edler Geburt, ein Nachkomme Davids!" Uriels Lippen bebten, seine Augen flcmnnten, und seine Aufregung war so groß, daß er nicht weiter sprechen konMe. „Wie aber willst Du es anstellen, ins assyrische Lager zu gelangen?" ftagte Joab. „Schon durch Deine Sprache werden sie Dich als Sohn Judas erkennen." „Ich verstehe ja auch ihre Sprache," erwiderte der Jüngling. „Der assyrische Krüppel, der sich in Jerusalem aufhält und dem ich manche Wohltat erwies, hat mich seine Muttersprache gelehrt. Ich habe sie mir mit Fleiß angeeignet, weil das Verlangen, meinen Vater aufzusuchen, schon lange in mir vorhanden war. Was aber meine Mutter anbelangt, so wird sie sich über Meine Abwesenheit beruhigen. Sie bleibt hier in guten Händen zurück." „Dennoch darfst Du nicht gehen," unterbrach ihn Ammon. „Es wäre Dein sicherer Tod!" „Den Tod fürchte ich nicht!" rief Uriel begeistert. Er blickte die drei Männer der Reihe nach an, als - wollte er sagen: Was hat ein einziges Leben zu bedeuten, wenn man die Sicherheit Jerusalems damit erkaufen kann? Was bedeutet ein solches geringfügiges Opfer, wenn das Wohl des garten Volkes dadurch erreicht wird? Er dachte weiter: Wenn er sein Vorhaben furchtsam aufgibt, dann wird die heilige Stadt erobert, verwüstet, die Bewohner werden hrngemetzelt, und der Rest wird in die Gefangenschaft geführt. War es denn misgeschlossen, daß nicht auch die Mutter das gleiche Los trifft, wie das des Vaters? Welcher Mann und welche Frau, welcher Greis und welches Kind waren denn sicher, vor einem solchen Schicksal bewahrt zu bleiben? Könnte es denn nicht auch eintreffen, daß man gerade diesen Greffen, die ihn zurückhalten wollten, ebenfalls den Ring durch die Lippe zieht? Es bedeutet sichern Tod für ihn und, was noch schlimmer ist, Gefangenschaft für seine Lieben, wenn sein Herz schwach werden, wenn er sem Vorhaben aufgeben sollte. „Wie dürft Ihr Eure Hand ausstrecken, mich zurüchuhalteu!" rief er zürnend. „Selbst meine. Mutter würde freudig aufjauchzen, auch wenn -sie.mich tot weiß, wenn ich für die heilige Sache Mein Leben gelassen!" Uriel sprach nicht mit geschulter Beredsamkeit, sondern mit der Sprache des Herzens, von der auch Seite 5. seine Zuhörer ergriffen wurden. Der heilige Zweck wurde Nus jedem Tone herausgehört, leuchtete aus seinen Augen. Ties erschüttert umringten die drei Greise den Jüngling, den sie nach einander umarmten. „Ein Held, ein tapferer. Helfer ist für Israel erstanden!" riefen sie. „Möge der Herr Deinen Mut stärken und Dir den Sieg verleihen!" Auch Anrnton umarmte und küßte ihn zärtlich, während Tränen der Rührung sein Gesicht befeuchteten. „Gesegnet seiest Du," sprach er, „daß Dein Herz nicht den Eitelkeiten!" der Jugend sich zuwendet, sondern auf große, herrliche Taten gerichtet ist! So «jdje denn, Uriel. Der Herr sei mit Dir, und er lasse Dein Werk gelingen!" Die Mten nahmen wieder ihre Plätze ein und besprachen jetzt ruhig die Vorbereitungen, die noch zu treffen waren. „Willst Du Dich nicht von Deiner Mutter verabschieden?" ftagte Ammon. „Aufwecken will ich sie nicht, aber noch einmal sehen will ich sie, ehe ich von dannen ziehe." Wahrend die drei noch Wetter Uriels Unternehmen besprachen, begab sich dieser nach der inneren Kammer, wo seine Mutter schlief. Er kniete lange neben ihrem Lager und betete leise. Dann erhob er sich, hauchte einen Kuß auf ihre Sttrn, fuhr aber erschreckt zusammen, als sie ihm ihr Gesicht zuwendete, sodaß er ein schwaches Lächeln auf ihren Lippen sehen konnte. Von den drei Men beglettet, bestieg er wenige Minuten später das flache Dach des lleinen Häuschens, das in gleicher Höhe mit der Stadtmauer war. Ein kühler Wind fächelte seine heißen Wangen, und dr der Ferne vernahm er bereits den ersten Hahnenschrei Hinter sich sah er die Stadt im tiefsten Dunkel, ein« zusammengedrängte Häusermasse, und vor ihm das Land, finster, eine formlose Leere. Nur die Taleinschnitte bildeten einige unregelmäßige Linien/wahrend die Bcrgspitzen sich scharf vom dunkeln Himmel abhoben. Uriel richtete seinen Blick aufwärts, und der alles überragende, sternenbesäte Himmel schien ihm Frieden und Schutz zu verheißen. Was .auch die drei Männer fühlten, als sie das Seil festhielten, an dem Uriel sich auf der anderen Seite der Mauer hinuntergleiten ließ, er selbst kannte keine Furcht. Ms er seinen Beglettern den letzten Abschiedsgruß hinaufrief empfand er auch nicht die geringste Furcht, und Mut und Hoffnung beflügelten seine Schritte. (Fortsetzung folgt.) Kaiser Friedrich Quelle - Offenbaeh su X. - fiegea CUeht and Bhematfgmag bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stahl* Frankf.ii.Jf., Güntherab.-Allee 37. TeL Hansa259a.714. Wochen-Salender. (Zeitangabe» nach dem Loacb.) Samstag, den 39. Mai (=* 5 Siwan.l Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 50 Min Wochenabschnitt Bamidbor. — Musterung der Kinder Israel. Die Stammesfürsten leisteten Hilfe bei dem Zählgeschäft. Jeder Stamm wurde besonders gezählt» d. h. nur die männlichen Personen vom 20. Lebensjahre an. Der Levitenstamm wurde eigens gemustert, da ihm die Pflicht des „Tragens und Bedienens" der Stiftshütte oblag. Es sind im Wochenabschnitt die drei Gruppen ausgczählt, in welche sich der Stamm Levi gliederte. Jeder Gruppe wurden genau die zu wagenden Teile der >stistshütte benannt und zugewiesen. Die Leviten lagerten rrngs um die Gotteswohnung. Sie waren die Wächter, Pförtner und Träger. Die anderen Stämme lagerten entfernt von der Stistshütte nach deren vier Seiten geordnet, eine Fahne bei jeder Himmelsrichtung, je drei Stämme bei einer Fahne. Fahnenführende Stämme waren: Juda, Rüben, Efraim, Dan. Nach der Lagerordnung richtete sich beim Ausbruch des Lagers auch die Zugsordnung. Da der Stamm Levi sich nicht durch die sünde des goldnen Kalbes verunreinigt hatte, wurde er anstatt der Erstgeborenen mit der Würde des Heiligtumsdienstes betraut. Schewuaus. Festes-Beginn: Samstagabend 9 Uhr 20 Min. (Frankfurter Zeit). „Schewuaus" - Wochensest wegen der vorangegangenen Zählung von sieben Wochen. Auch „Ehag - Hakozir" oder Erntefest, weil die Ernte in vollem Schwünge war. Wegen der vom neuen Weizenmehl bereiteten zwei Brote, die man als Speiseopser darbrachte, auch „Jaum Habikkurim" (Tag der Erstlingsfrüchte). Im Gebet „Seman Mattan Tauroseinn (Zeit unserer Gesetzgebung) genannt. Festes-Ende: Montagabend 9 Uhr 25 Min. (Frankfurter Zeit).

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