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Neue jüdische Presse · 1914-05-22 · Heft 20 (22.5.1914) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 20 (22.5.1914)
Date
1914-05-22
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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s 20 lin. Warim- >l»d zer. voran -Oelende» chlosi. Auskaumit gcch i» wen» i tc n Angekäme schönüber und fre»- risten n foltkc, , % 'AuScaiij oll- -chatz- Rafcld das; reicht Land-' ßerc» imilic , den das; eine abe». ischen neuen heiinjerbelergie ngnis dem : den Überjuden jonds r. n er, i den t M. sterr. sicher icii» tals. freier t)uun lenen rankder rsaal tister durch ver- Rabschen pries liebe, i des cher» leihte einer au, l der ewro Der allen agen Beindedes nisaeinen 'auch aus Nr.26. Frankfurter JsraelitiHtzeÄ FamilienAatt. Seite 11. fitcr Ferne, namhafte Beiträge zu diesem humanen Werke giftet habe». Tie Glückwünsche des am Erscheinen ver- >,derten Polizeipräsidenten überbrachte Assessor Wehr, r teilte zugleich mit, daß dem Borsitzenden der Bauiiimnssion, Geheimen Sauitätsrat Dr. Jasfe, llnd dem eitet der inneren Abteilung, Dr. Günzburg, der rote dlerorden vierter Klasse, dem um den Bau verdienten ursmakler Leopold Igershei »cer der Kronenorden ierter Klasse verliehen wurde. Im Namen des Magistrats sprach Bürgermeister Dr. u)r£e; %ß Cs folgt nunmehr eine gehaltvolle und von jüdihcm Bewußtsein getragene Festrede des Geh) Sanitäts- ,ts Dr.>' Ja f fö. Redner spricht einleitend über die tcllung des Leids im menschlichen Leben im Buche job und geht dann züm Verhältnis des Judentums ir Hygenie über/ /Das mosaische Gesetz habe in reicher ülle hygienische Borschriften und regele im modernen miie den Umgang mit infizierten und sonstigen aneikenden Kranken. Die jüdische Lehre sorgte für die Gelinden, um ihre Gesundheit zu erhalten, durch den zinken Ruhe tag des Sabbats und durch die Borschrift :r Arbeit: Beseas apecho tochal lechem" und durch den ttliche» Lebenswandel, den sie von ihren Jüngern forrt. Ebenso sorgt sie für die humane Behandlung der lüden und Kranken, sodaß es verboten ist, in der tadt, wo.kein Arzt istzu wohnen. Redner geht ein ans die Geschichte der Krankenpflege liier den Juden von Altersher bis ans die Neuzeit, «bei verweist er auf die ausgezeichnete, von dem rühmchst bekannten Ausschnßmitgliede Dr. ined. W. Hanauer erfaßte. Festschrift.' Acut, auf die allgemeine Geschichte es KrMkesl-;; uni; -Aerztewesens geht Redner in intersanter 'Weise ein. Darauf findet eine Besichtigung der Anstaltsräume nter sachkundiger Führung statt. Die Gäste sind voll von Bewunderung und Begeisterung über die herrlichen, unergleichlichen Einrichtungen solvohl in hygienischer, ästhetihe'r, als auch in ritueller Hinsicht! Es herrscht nur ine Stimme, oaß.eine solche, einzigartige Pracht , btos; urch die zweieinhalb Millionen Mark, die/für die Herichtung .des Hospitals verausgabt wurden, nicht zu et* eichen gewesen1 wäre, sondern vornehmlich, durch die unergleichliche Hingabe und Sorgfalt seitens der Männer er verschiedenen-Kommissionen für das Gelingen des krrlrch^t'.'MtkÄ! . Um dieser verdienten Männer zu gedenken, lassen wir ier einest ckleinech Auszug.laus - der .Festschxist solgen: Im Juli 19Ü wurde eine engere Kommission gewählt, die »genannte Krankenhaus-Baukonnnission, die sich wie folgt usämmensetzteriGeh." Sauitätsrat Dr. Jasfä, Bors., «yniitH.MKstiNatzKr.HB//-Uae,r,/Schriftführer, Prof. Apomit, Siadtrat'a. D7 Horkheimer, Leop. Jgersheimer, Raph. iirchheim, Dr. '& Baerwald, Qv. Jganau, Dr. SB. Hanauer, öanitätsxat Günzburg, Dr. Siegel, u. Architekten loeckle K. Poggenberger u: Berwaltungsinspektor. Arüns. Äll> ist eine Spendenkomniission' unter dem Borfitze icc. Herrn Direktor Karl Herzberg und unter besonders isriger Mitwirkung Julius GoldsrlMidt, Josef Holzmann, Mchael Mainz, Adolph Neustadt, Jacques Oppenheimer, I!. Schiff und D. A. Wornis gebildet worden. Die Sammung, die sie vorizahmen,, betrug 14P0 00V Jf" 7DästiM unsestehLeser: wenigstens einen kleinen Begriff wn 'dieser M ü st-et chn st a l t bekommen; wollen wird >en. Bau-und - die Anlage'des Krankenhauses kurz schillern: «Die rGebäude Ksiüd l bei. aller Schlichtheit ein ärchi- . eltonisches Aleisterwerk' und wirken in ihrer gärtnerischen llmgebung. überaus harmonisch und ruhevoll. Die Lage — Korn heim« ' L andwehran der Saalbutg- und Gagerntraße, mit ihrem'westen Ausblick nach allen Zeiten — st sehr..,günstig.. Die^ Ausstattung' im Innern ist vor» tehm AunoHtveckentsprechend. Licht und Luft beherrschen ouverän—die ganze Anlage, - während, in . den Krankeniimmern künstlerischer .Wandschmuck dem Auge einen wohltuenden' Rüheplknkt bietet. Die ganze Anlage ist stilvoll gehalten. Durch das Verwaltungsgebäude führt rine breite Durchfahrt, die mit einem Deckengemälde geziert ist. Das häüptgebarälL, * das ist: langgestreckter Hufeisenform in den nördlichen, .Teil des Gartens gebaut ist, hat drei Krankengeschosse, im Erdgeschoß sind die chiurgische und die gynäkologische Abteilung, im-ersten Obergeschoß die medizinische Abteilung, im zweiten Obergeschoß.die Zimmer der Privatkranken .untergebracht. ' Loggias Änd.Beranden gestatten den'. Kränken' bequemen Ausenthalt im Freiem Auch für ein kleinK schmückes Betzimmer äst gesorgt worden. Es gibt much^ -drei < gesonderte Küchen, für Fleisch und Milch, ebenso eine. Pesachküche. . -■; " ’ "1 Das nette SchwefteruhauS »es Vereins für jüd. Kraükenpflegerinneo. Zur.GebäuLegruppe des neuen Krankenhauses der ist. -Gemeinde gehört ' auchi das -aus unmittelbar benachbartem'Terrain-«baute neue-Schwesternhaus des Vereins iür ,jüdsslhe!.Krank«psregerinnen zu Frankfurt a. M. Dieses ebenfalls'bvn° dem'Architekten Franz Roeckle und -untex »der, .Bauleitung -des Architekten B o g g e n b e rger erzichktÄ^Estbände' .tragt f allen Anforderungen 'der modernen' DcPvestern-Hhgiene Mchnung. Das -Haus ist - für 58 SchvesterN eingerichtet und enthält im Erdgeschoß . eine.BorWM' Speisezynmer, -Wohnzimmer, Lesezimmer uichPintMichtsräpm. .Ferner befinden sich im Erdgeschoß das Wartezimmers sowie die Wohnräume der Schweswrob«in und ..des- HausmeisterL In einer ganzszsür >sW abeseschkossewen Abteilung Md - Zimmer und BakMiümtz Mr M^vMkiSser -Pflege.''»eschSiW« SchwesternWorgch^Hen. Me)jgeü«i«samen Rächne führen auf eine. große,,Terra ist,-.die tejlweisechberdeckt ist^damit den Schwestern 'kn'"dem'Sommermonaten Gelegenheit - gegeben ist, ihre,/skM/iZestt haych. bei RegenweHrs - Ln.. Freien zu-, Verbringen And -nMyttkich^ auch ihtztz- Mthlzeiteir. lim vreken eitizundymen. / .7 '; " ' .;r V » ' Die beiden Obergeschosse enthalten die Schwestern- Schlafräume, teilweise zu emenc Bett und teilweise zu ztvei Betten. Sluch vom ersten Stock aus gelangt mau auf eine Terrasse. Im ansgebauten Dachgeschoß befinde» sich die Zimmer für die Lehrschwestern und sür das Dienstpersonal. Außerdem ist dort ein besonder« Trakt für die Nachtschwestern vorhanden. (Schwestern, die eine Nachtwache gehabt haben, dürfen am Tag nicht in ihren eigenen Zimmern schlafen, sondern müssen sich in diese Zimmer begeben, welche besonders schalldicht hergestellt sind.) In alten 'Abteilungen des Hanfes befinden sich in reichenc Maße zweckmäßig eingerichtete Bade- und Doucheräume. Speise- und Wäscheaufzüge gehen vom Kellergeschoß aus durch das ganze Haus. Das Dach ist gekrönt von einem schmucken Türmchen, von dem aus sich eine herrliche Aussicht aus das Maintal und den Oflpark, die umliegenden Höhen und die Gebirgszüge des Taumis und des Spessarts darbietet. Im Kellergeschoß sind außer den Küchenräumlichkeiten und Borratsräumen durchaus modern eingerichtete Wäscherei-Einrichtungen unlergebracht. Der Verein . sür jüdische Krankenpflegerinnen zu Frankftcrt a. M., E .33;., zählt derzeit 55 Schwestern und Lehrschwestern, wovon all«dings ein Bruchteil auswärts stationiert ist. Außer beim hiesigen Krankenhaus der israelitischen Gemeinde versieht der 33,«ein auch den gesamten Pslegedienst beim Straßburger israelitischen Krankenhaus. Ferner sind' ein« Reihe von Kinderheimen, Altersasylen, Siechenheimen usw. Schwestern als Oberinnen zur Verfügung gestellt. Wandergruppe des „Montefiore". Die in immer größeren, Maße zunehmende, außerordentlich starke Beteiligung, deren sich die Wandergruppe seit dem Eintreten der günstigen Witterung zu «freuen hat, zeigte sich auch am vergangenen Sonntage wieder. Galt es doch, einem der schönsten Teile des Odenwaldes einen Besuch abzustatten und sich einen Genuß zu verschaffen, der für Leib und Seele gleich erfrischend wirkte! Von Jugenheinc unmittelbar in die schönsten Waldungen des Felsberges eintretend, das Felsenmeer überschreitend, bot sich dem überraschten Auge ein Bild auf das im Tale liegende Reichenbach dar, wie es sich schöner kaum gedacht werden konnte. Und wiederum in flottem Marsche die steilen Höhen hinan, die über Knoden und Schlierbach nach dem historischen Lindenfels führen, bot sich durch die in ihrer Blütenpracht in märchenhaft« Schönheit darliegenden Landschaften sowie durch die wahrhaft majestätische Ruhe, mit der die Hoch-- waldungen und die historischen, Jahrhunderte lang erhaltenen Häuser - der umliegenden Ortschaften sich zeigten, eine solche Reihe der überwältigendesten Eindrücke, daß es ein Ding der Unmöglichkeit sein würde, dieses Genießen mit der Feder beschreiben zu wollen. Bon Reichelsheim wurde unter Gesang und Musik die Rückfahrt angetreten und!)-° Uhr das heimatliche Frankfurt e«eicht. Es ist.für uns Juden eine besondere und freudige Genugtuung, bei dieser Gelegenheit feststellen zu können, daß sich auchbei unserer weiblichen Jugend ein immer stärker werdendes Interesse für die Pflege körperlicher Uebung bemerlbar macht, »nd daß sie sich unserer Wanderungen und auch der Dainenturngruppe des Vereins in einem Maße widinet, das als ein hochbefriedigendes Ergebnis angesehen werde» kann. Die nächste Wanderung am Sonntag, 24. «., soll auch den ält«en sowie den wanderungewohnten Mitgliedern Gelegenheit geben, eine Tour mitzumachen. Die Wandergruppe des Montefiore steht seit längerer Zeit mit einer Reihe von Direktoren und Lehrern hiesiger . Schulen in Berbindung, die eine Mitwirkung bei Errichtung einer Schülerwanderabteilnng zugesagt haben. Die Wandergruppe wird den Knaben und Mädchen, dank dem Entgegenkommen der Kgl. Behörden, dieselben Lergünstögungen als die interkonfessionellen Jugendvereine bieten können. Der Mitgliederbeitrag der Wandergruppe berechtigt zur regelmäßigen Zusendung der Fahrtenzettel und Einfluß Auf die Verwaltung. Er beträgt 75 Pfg. pro Jahr (Allgemeine Portouncöste»). *- Kleine Notizen- Prof. I o s. H o r o v i tz - Ziligarh (Indien) ist zum Professor für semitische Philologie an die hiesige Universität berufen worden. 'Geh. Sanitätsrat Dr. Jaffe und Dr. Günzburg erhielten anläßlich der Einweihung des israelit. Hospitals ,den Ro ten Ad lero rd en 4. Kl. und Leopold Jgernheimer den Kronenorden '4. Kl. flrOVOl ^renfcfktrt«. itf., Grosse Friedbergerstr. 16-20. DUIvI UlCAcI, Stassenbahnlioie 10 and 15 bis vors Hans. Altrenommiertes Haas im Zentrum der Stadt. — Moderner Komforts — 110 Zimmer mit 160 Betten zu Mk. 2.50, 3.00 und 3 50, garniertes Frühstück eingerechnet. Besitzer: Gumtair Thtamam B««te Chronik. Rothschild-Anekdote. . Bon der alten Frau von Rothschild» der Stammmutter d« Freiherren v. Rothschild inFrankfurta. M., «zählt die „Bibliothek d« Unterhaltung und des Wissens" („Union, Deutsche Berlagsgesellschaft, Stuttgart), folgende hübsche Geschichte: Die alte Dame besaß viel Witz und Geisteskraft; beide blieben ihr bis an ihr Lebensende getreu und verließen sie auch au; dem Totenbette nicht. Sie erreichte ein Alter von 98 Jahren. Als sie in ihrer letzten Krankheit den Arzt rufen ließ, fand dieser, daß bei der Greisin; das Lebensflämmchen im Verlöschen und jede Hilfe ausgeschlossen sei. Aber die Jeistesstarke Frau wollte noch nicht sterben und bat den Arzt auf das Eindringlichste, ihr noch irgend etwas zu verschreiben. „Lieber Doktor," ries sie, „versuchen Sie'» doch wenigstens, ob Sie nicht »och etwas für »iich tun können!" „Madmne," erwiederte der 'Arzt, „ivas soll ich für Sie tun? Ich kann Sie doch unmöglich wieder jung machen!" Da glitt ein Lächeln über das Gesicht der Sterbenden. „Mer lieber Doktor," rief sie, „ich will ja auch gar nicht wieder jung werden! Im Gegenteil, ich wünsche nur, daß Sie mich no ch ä lter werden ließen!" Dies war ihr letzter Wtz. Wenige Stunden daraus schlies sie schmerzlos ein. Mickiewicz und die Juden. In der Petersburger wisseiischaftlichen Gesellschaft hielt der jüdische Publizist' I. 31. Kleinmann einen Bortrag über das Verhältnis des größten polnischen Dichters 'Adam Mickiewicz zu den Juden. Der Referent wies vor allem nach, daß Mickiewicz, der Stolz der Polen, zweifellos von Inden abstamme, daß seine Mutter, eine geborene Majefska, st a m m e, daß seine Mutter, eine geborene Majefska, einer frankistischen Familie entstammt, welche im Jahre 1759, also 28 Jahre vor der Geburt des Dichters Mickiewicz» zum Christentum ubertrat. Diese Abstammung war Mickiewicz bkannt, wenngleich seine Biographen dieses Faktum gewöhnlich verschweigen und seine Mutter kaum erwähnen. Lluch die Werke Mickiewicz', seine Psychologie und sein Glaube an den Messias sowie die Tatsache, daß in den Werken des Dichters jüdischen Fragen ein großer Platz eingeränmt wird, beweisen seine seelische Verwandtschaft mit dem Judentum. In der zweiten Periode seines Lebens verfocht Mickiewicz eine Lehre, daß es nur drei auserwählte Völker gebe, welche Gottes Sache verfechten, das sind: die Juden, die Polen und die Franzosen. Und es iväre ein Unglück für die 38elt, wenn das jüdische Volk, welches Träger einer hohen historischen Mission ist, sich verleugnen und sein Volkstum aufgeben würde. Interessant sind die Episoden, welche Kleinmann aus dem Leben Mickiewicz' erzählt. Am Tischabeab des Jahres 1845 begab sich Mickiewicz, der damals in Paris wohnte, in die dortige Synagoge und rief den versammelten Juden zu, es sei nahe der Tag, an dem die Völker zu neuem Leben erwachen werden, und daß die Polen den 9. 3ib aus Mitgefühl für die Juden als einen Trauertag anerkennen. 3lls Mickiewicz im Jahre 1848 sich an die Spitze einer polnischen Legion stellte, plädierte er für die Einreihung von Juden in diese Legion und erklärte in seinem Aufrufe, daß in dem wiedererstandenen Polen, „Israel, unserem ältesten Bruder» gleich allen anderen Ehre, Brüderlichkeit und Hilfe zuteil werden wird." Knust nud Ltteratur. Oskar Baum: Die böse Unschuld. Ein jüdischer Kleinstadtroman. Verlag Rütgen und Loening, Frankfurt am Aiain. 1914. Oskar Baum ist ein junger jüdischer Dichter in Prag, der durch einen unglücklichen Zufall in jungen Jahren das Slugenlicht verlor. In kurzer Zeit ist es ihm gelungen, durch einige Romane die Ansmerksauckeit weitester literarischer Kreise zu erregen, und.sein Name ist heute bereits einer der bestgenannten unter der järmsten Generation der deutschen Literatur. Wer sein letztes Werk» den jüdischen Kleinstadtroman „Die böse Unschuld" nur einmal liest, wird zugeben, daß sein Ruhm ein wohlverdienter ist. Der Roma» hat zum Handlungsvorw u r f die Erzählung von einer armen jüdischen Hausiererstochter, die sich durch eine seltsame Autosuggestion von einem jüdischen Studenten ihres Städtchens verführt glaubt; dies«, im Bewußtsein sein« Unschuld, verzichtet auf alle Mittel, um seine Makellosigkeit der Oefsenüichkeit zu beweisen, nimmt sich vielmehr des armen Mädchens mit solch rührender Sorgfalt an, daß alle Welt ihn für schuldig hält; bis dann endlich die Wahrheit an den Tag kommt und das Biädchen von seiner Suggestion geheilt wird. Diese ungewöhnliche, aber psychologisch sehr interessante Handlung ist mit einem seltenen Geschick der Darstellung erzählt; unter Verzicht aus alle künstlichen, unwahren Mittel modernster Romantechnik weiß der Dichter dem Gang der Handlung doch so viel Spannung zu verleihen, daß man das Buch in einem Zuge bis zu Ende liest. Llber nicht in dieser Seite des Romans ruht sein größter Wert. Biel bedeutsam« und wertvoll« scheint mir vielmehr die Milieu- und Stimmungsmalerei zu sein, die das Buch in reichem Maße enthält. In ihr ossenbart sich Baum in seinem tiefsten Können: ms wahrhafter Dichter. Wie in diesem Romane mit den schlichtesten, anspruchslosesten Worten das eigenartige Milien ein« jüdischen Kleinstadt in Böhmen dargestellt wird, in welch wundervoll harmonisch« SSeife hier tiefste Stimmungen herausgearbeitet und dem Lef« vermittelt werden, dies scheint mir wahrste, reinste Dichterkunst zu sein, lieber dem ganzen Buche liegt ein ungemein suggestiv wirkender poetischer Hauch, zwischen den Zeilen weht dir eine zarte, ätherischreine dichterische Atmosphäre entgegen, der ganze Roman «scheint schließlich dem, d« seinen diskreten Zauber ganz zu «füllen vermag) mehr als Dichtung» denn als eigentlicher Roman. In der ,^8ösen Unschuld" haben wir ein bedeutsames Werk eines reichen und tiefen Dichters vor uns» zugleich aber auch eine der besten und poesiereichsten Darstellungen -jüdischen Kleinstadtlebens und jüdisch« Psyche. —m —n. Oskar A. H. Schmitz: Das Land der Wirklichkeit. Französische Gesellschaftsprobleme. 323 S.; Das Land ohne Musik. Englische Gesellschaftsprobleme. 285 S. München» Verlag Georg Müller. 1914. Jedes neue Buch von Schmitz ist eine willkommene, freudig erwartete Gabe. Denn worüber dies« ftuchtbare Darsteller auch schreiben möge, über Kunst oder Politik»

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