Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 19 (15.5.1914)
- Date
- 1914-05-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2692297-2692872-2692891--08447-2703598- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
19 Nr. 19. Frankfurt« Fsraelittsches Familirnöllktt. Seite 5 | UbFBfl, BoIdwaFBn,TpaapißSB^tk^^^it^^^ BW Trauring-Eck "MW Franhfart a. M , Trierische Gasse 31. Eefce TöDgesgasse,vls-a-vls d, Hasengasse. Fr. PletzscbfnnÄS£t„. [Eck I rateur „Ich habe gerade bei meinem Eintritt gehört, daß, sie sagten, Sie hätten noch nie etwas vergessen, ich |oji"e, daß dem nicht so ist, denn es ist meine letzte Hoffnung, daß Sic etwas sehr Wichtiges in Ihrem!ebcn nicht getan haben, nur deshalb, weil Sie es ergessen Haben." „Was?" fragte Josef ganz verblüfft und ließ «,i erfaßten Knopf los. „Haben Sie nicht einen Brief vergessen, den Ihre lante Perle, Friede sei mit ihr, Ihnen für meinen Sater, sein Andenken sei zum Segen, gegeben hat, und >m Sic ihm schicken sollten?" „Ich? Habe ich nicht das Kästchen mit dem Brief (leid) nach ihrem Tode an Deinen Vater abgeschickt int samt dem Brief, der darin lag? Ich hätte das rästchen nicht einmal ausgemacht, aber weil Tante Perle urz vor ihrem Tode, als sie schon halb bewußtlos Minus 4252 oar, mir vom Kästchen und von einem Briefe gesprochen at, habe ich, als ich keinen Brief finden konnte, ms Kästchen aufgeschlossen. Oben lag ein Brief von, kante Perle an Deinen Vater, da klappte ich es gleich nieder zu und fteute mich, daß der Brief da war. kein Vater muß ihn also mit dem Kästchen erhalten pbcn." „Deil Brief, der int Kästchen lag, können Sie gleich cjni, den habe ich hier," sagte Simon kalt und zog hn aus der Tasche. Josef las ihn bedächtig, aber je weiter er las. stein. GBpe isien Weberei. 1164. »en oder >en, Tüll. Geweben «bessern Wäsche zu taschine, n einiges lnsSmtj, deroben. mb nach und reelle .Zustellen besorgt. nkiurta.il ße 41. ind. Obst 5. - ins. «ratnn »csto mehr wuchs seine Unruhe. „Schma Jisroel!" rief er, als er fertig gelesen atte, „was ist das? Es nmß also noch einen zweiten öricf geben, wovon ich nichts weiß." Plötzlich packte er, am ganzen Körper zitternd, Siiwn am Arm, riß ihn in die Höhe und rief: „Junge, >cl;' mit hinauf in mein Schlafzimmer, da steht ein Zchrank, in den ich einen Bündel mit Akten eingechlossen habe, lauter Akten über die Gottschälksche Stifmig, welche Tante Perle gemacht hat. Komm, geh' mit air, wir lvollen zusammen das Bündel durchstöbern, »icllcicht ist er drin, ich habe cs nie berührt." Sie hatten das Aktcnbündel kaum auseinander ge- »lliidcn, als ein dicker Brief hcrausficl, der von Tante crles Hand die Auffchrift trug: An den Herrn Leser Kottschalk in Ganzebach. „Mache ihn auf!" rief Josef ungeduldig. Simon löste die Obladcn des umhüllenden Papieragcns, und nichts als das Buch der Sparkasse war , iarin, bei welcher die 100 Dukaten auf den Namen föUDGRj -eser Gottschalk-, in Ganzebach hinterlegt waren. „Gott sei Lob und Dank," seufzte Josef, „Deinen verdacht gegen mich gibst Du jetzt doch hoffentlich auf?" „Ach, könnte ich es nur meinem Vater, — sein .'lndciikcn zum Segen —, auch sagen," antwortete Sinon mit Tränen in den Augen, „es hat ihn immer o gequält, daß . . ." „Daß ich ein Spitzbube bin, sage cs nur gerade icraus. Junge, aber ich wollte, ich wäre in allem so »ischnldig, wie in dem." Ich bitte Sie um Verzeihung." „Laß das," antwortete Josef, schon wieder in seine alte Ruhe zurückfallend, „es ist inzwischen eine schöne Summe geworden in den 25 Jahres, es müssen mit Zinsen und Zinseszinsen nun 260 bis 270 Dukaten sein." „Gottlob! Dann kann ich auch mein Sefer-Thora schreiben lassen." Josef riß die Augen auf und schlug Simon so heftig auf die Schulter, daß er schmerzhaft zusammenzuckte. „Junge! Du gefällst mir!" schrie er, „ich habe schon gefiirchtet, daß Du es mit Deinem Worte nicht so genau nimmst, wie Du solltest, aber daß Dein erster Gedanke auf das Sefer-Thora fällt, das Du geschnobert hast, das gibt mir wieder die Meinung von Dir, die ich früher einmal gehabt habe." „Ich bitte aber, daß Sie nicht eher darüber reden, bis es geschrieben ist, ich will nicht noch einmal die Redensarten hören, die ich voriges Jahr habe hören müssen." „Recht hast Du, Junge!" rief ihm Josef, dabei wieder auf seine Schultern schlagend, laut zu, „ich werde cs keinem sagen, aber Dir will ich etwas sagen, wovon Du auch nicht sprechen darfst." „Auf mein Schweigen können Sie rechnen." „Weiß ich, Junge, Du hast ein Sefer-Thora, drei Mäntelchen und einen silbernen Deckel geschnobert, und ich fiesere dazu ein silbernes Schild mit so viel Glöckchen, daß es durch 'die ganze Schul llingelt." ■> Es war wieder einmal Cholhamoedball in Lochstadt, und es kam auch diesmal alles, was tanzlustig war, aus dem ganzen Bezirk. Samuel Stern war wieder einmal der Entrepreneur. Eines solchen Balles wußte im ganzen Amtsbezirk sich keiner zu erinnern. An der Spitze der Polonaise marschierten vier Brautpaare, Samuel mit Regine, Simon mit Rahel, und noch zwei andere, ein Paar aus Ganzebach, das andere aus Dinsebach. Auch die Musikanten, sagten, daß ein solcher Ball noch nicht - dagewesen sei. „Eine Extratour ftir die vier Brautpaare!" kommandierte der Entrepreneur uno warf einen goldenen Dukaten in die Baßgeige. War das ein JubÄ! Und der Künstler der Baßgeige sagte schmunzelnd: „Mein Baß wird auch noch an diesen Cholhamoedball denken, da hat er auch einmal gesehen, wie ein Goldstück aussieht." Aber es kam noch ganz anders. Vier Wochen später gab es einen zweiten Ball gelegentlich des Sefer-Mcch'les, als Simons neue Thorarolle unter Assistenz des Bezirksrabbiners eingeweiht wurde, mit einer Rede, von welcher die ganze Khille erbaut, auf welche die ganze Khille stolz war. Wenn ein Viehhändler vom Frankfurter Viehmarkt ivkeder einst erzählen sollte, daß die Lochstädter in einem Jahre zweimal Jom Kippur gehallen haben, so soll es nur niemand glauben, so dumm war ihr Parnes nicht, so dumm war die Khille nicht, das war von David erlogen. Wenn aber ein christlicher Bürger von Lochstadt erzählen sollte, die Juden des Amtsbezirkes Lochstadt hätten einmal in einem Jahre zweimal Kirmes gehalten, so darf das jeder glauben, die eine war der Chölhämoedball, die andere das Sefer-Mahl von Simon Gottschalks Sefer-Thora. Telefon-Anlagen Frankfurter Privat- Telefon - Gesellschaft Frankfurt (Main) m. b. H. Tel.-Amt Hansa StiftstrassB 29/33 6256 n. 6257. Universitäts-Cafe Erstklaaalgoa FamUian- Caf6. ~ ■V* Mässige Preise. _Besitzer: Ernst Dunkolm Allgemeine Mitteilungen. Basler Lebens-Versicherungs-Gesellschaft: Die Geschäsktsresultate waren auch im vergangenen Jahre recht günstige. In der Lebens- (inkl. Volks-) 'Versicherung belief sich der Neuzugang aus 22 358 Anträge über JE 35 307290 Versicherungs-Summe und JE. 161301 jährliche Rente, während in der Unsall-Wteilung neu versichert wurden 3956 Personen mit JE. 91044 508 Versicherungssumme auf den Todes- und Juvaliditätsfall und JE 24 685' Tagesrente. __ Für eingetretene «terbesälle von Versicherten, abgelausene und zurückgekanste Versicherungen, für Leibrenten und Unfällentschädiglmgen wurden JE, 9 735 529 ausbezahll, bezw. zurückgestellt. Der nach Abzug der vorgenommenen Wschreiknngen und verstärkten Reservezuweisungen sich ergebende Reingewinn per 31'. Dez. 1913 beträgt: JE 2 946 931, von dem JE 2 680 000 als Gewinnanteil der Versicherten und JE 144 000 als Aktiendividende verwendet wurden. Die Gewinnreserve der mit Anspruch am Geschäftsgewinn Versicherten beträgt nunmehr per 31. Dez. 1913 JE 10 409 214. Sie wird gemäß den besonderen Bestimmungen für die verschiedenen Gruppen entweder zur sukzessiven Ermäßigung der zu zahlenden Prämien oder durch Ansammlung zur Erhöhung der Bersicherungssumme verwendet. Die Gesellschaft besitzt an rechnungsmäßigen Prämien- und ' Rentenreserven (inkl. Prämienüberträge») JE 106 376 437.27, an Kapital- und Extrareserven JE 2 869111.34, und verfügt — einschließlich des zu einem Zehntel bar einbezahlten Aktienkapitals von JE 8 000 000.— per 31. Dez. 1913 über Gesamtgarantiemittel in Höhe von JE 117 245 548. Die bekannte Flügel- und Pianiiwfabrik von I. L. Duysen, Berlin, gegr. im Jahre 1860, ist von Sr.. Majestät des Deutschen Kaisers der Hoflieferantentitel verliehen worden. Die Firma ist hier in Frankfurt a. M. durch das Pianohaus Jacob Schaaf, Kaiserstr. 34, vertreten. Kaiser Friedrich Quelle - Offenbach s. M. - Segen Sieht nnd Bhenmatlmnns bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Frledrloh Stahl« Frankf.a.X., Güntherab.-AUee 37. TelHansa259n.714. Wochev-Kaleirder. (Zeitangaben nach dem Lnacb.) Samstag, den 16. Mai (= 20. Isar.) Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 30 Min. Sabbat-AuSgang in Frankfurt a. M. 9 Uhr — Min. in Berlin 8 Uhr 50 Min. Wochenabschnitt: Em a u r. — Priester - Gesetze. Der gewöhnliche Priester darf sich an sieben der nächsten Verwandten „verunreinigen", d. h. sie als Leichen berühren. Der Hohepriester darf dies selbst an den nahen Verwandten nicht; nur ein jungfräuliches Mädchen darf er ehelichen, nicht eine Witwe. Keinerlei Körperverletzung wegen eines Toten machen. Lehre daraus: Israels Priester stehen nicht unter dem Bann eines „Totenkultus", sie gehören voll nnd ganz deni Leben an! — Leibesfehler (am Auge, Fuß, an der Hand usw.) werden aufgezählt, welche den Priester zuni Dienste untauglich machen. Auch „Tumo" oder „Unreinheit" schließt vom Genuß heiliger Opfergaben aus. Kein Nicht - Priester genieße heilige Heben und Gaben, ausgenommen des Priesters Frau, Kinder und Knechte; jedoch auch diese unter gewissen Umständen nicht. — Leibesfehlcr an Tieren, die diese von der Verwendung als Opfer ausschließen. Neugeborenes darf erst nach achttägigem Alter geopfert werden! — Abhandlungen », affee, T< te. er n. Eiei Neu eröffnet! Neu eröffnet nglischei Stoffe rar&euusj [Fer* brasse 1. titungei nter solid) Freisen. ansa 647j vis-ä-vis Frankfurter Stof S6 Bethmannstrasse SG := ' — Nach vollständiger Renovierung dem Titl. Publikum bestens empfohlen. Täglich grosses Künstler-Honzert der ungarischen Hauskapelle. Besitzer: H,Heinemann. Neu eröffnet ~ Telefon Hansa 5859. Neu eröffnet