Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 17 (1.5.1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Seite 5. Nr- 17. Leo Sehweintest Damenachneldarel O empfehle tadellosen Sitz, gute Verarbeitung. Ä ind Web« Gr. Eschenheimerstr. 19. I Telef. 12206. 11164 „Mein Kater, Friede sei mit ihm," begann Simon, reben o4 |Bt oft, wenn ich etwas unnötig tat, mir den talplcfjnt, 33 vieGewki Anabease äbwäsche te unbnt tu. S«|ttn >rt besorg! Frankfurt a. trage 41. udischen Spruch zugerufen: Ein Licht am Mittag, was ist das?" Der Lehrer gab keine Antwort auf. diese berechanik « ie Bepetit t und De Maschine jtc Bemerkung Simons, sondern sah ihm mit seinen nkelnden Augen starr ins Gesicht, als wollte er die lardvrdÜ^ubrsten Gedanken seiner Seele erforschen. Da wurde »fand «, imon verwirrt, blickte verlegen unter sich und schwieg, ach einer bangen Minute des Schweigens griff der chrcr in die Brusttasche, entnahm ihr einen Brief tb reichte ihn Simon hin. Lesen Sie diesen Brief, dann iverden Sie mich sentlich verstch'en." Der Brief lautete: C „An den Lehrer der Israelitischen Gemeinde I» 3 Lochstadt, w M In der Annahme, daß die jüdischen Seelsorger amtlich ihnen anvertraute Mitteilungen mit derselben gewissenhaften Sorgfalt und strengen Verschwiegenheit behandeln wie ihre christlichen Amtsgenvssen, eröffne ich Ihnen mit Einwilligung des Betreffenden __ folgendes: W| ¥ Der Schmied Christian Müller, früher Wohnhaft VL I zu Dingshansen, hat mir gebeichtet, daß er die 300 U »»Taler nicht an die Schwester des dortigen Kaufmanns Simon Gottschalk bezahlt hat. Ich trug ihm deshalb auf, die eingeklagte Summe zu bezahlen. Er hat im Vergleich deM Klager 290 Taler bezahlt und mir den Rest von. 10 Talern zur freien Verfügung übergeben. Ich habe fünf Taler dem hiesigen christlichen Almosenkasten überwiesen und lege fünf Taler in Kassenscheinen diesem Briefe bei, damit dieselben der dortigen israelitischen Armenkasse zufließen. Müller befürchtet Strafverfolgung wegen seines Unfugs am Vorabend Ihres Passahfestes, und außerdem hat der p. Müller mir gestanden, daß er am letzten Neujahrsmorgcn, irregeleitet durch einen unverständlichen Zorn, aus den P. Gottschalk geschossen hat. Um einer etwaigen Strafverfolgung wegen dieser Frcveltat zu entgehen und um ein besseres Leben anzufangen, hat er sich entschlossen, nach Amerika auszuwandern. Der p. Gottschalk kann auf die irdische Bestrafung des gegen ihn begangenen. Unrechts um so eher verzichten, als ihm ein materieller Verlust nicht erwachsen ist und ihm die Genugtuung wurde, daß in der öffentlichen Meinung allmählich der wahre Sachverhalt erkannt wurde, sodaß seine Rechtschaffenheit und namentlich sein richtiges Verhalten in dieser Angelegenheit von niemand mehr bezweifelt wird. Wenn Sie glauben, daß Herr Gottschalk die Eröffnung nicht zur Befriedigung rachsüchtiger Ztvecke mißbraucht, und er die Mitteilung, solange der Schmied Müller lebt, geheim k und Mii bei Kauf aus;hai )LX103' iss. lS,TeUUH k. und J«4 Ixnen, fiUdu Gnuutipfsl leheOraifa h. Sendungo l. BuuBin. deaux-WeU e. Bedienung, bei Wut. Ciuk Spielt at-Hau| ft CiL 1114—18 halten wird, so können Sie ihm zu seiner persönlichen Genugtuung diesen Brief zur Kenntnisnahme vorlegen, dann aber wollen Sie ihn gefälligst vernichten. Mit freundlicher Begrüßung Thomas, ' Pfarrer in Dingshausen." Als Simon den Brief gelesen hatte, hielt er ihn, »e ein "Wort zu sagen, in die Flamme der Kerze, ib in einer Sekunde war er in Asche verwandelt. „Herr Lehrer," begann SiMon und legte die rechte nd auf die Brust. „Sie brauchen nicht mehr darüber zu reden," unterach ihn der Lehrer, „jede Versicherung ist unnötig, ie haben das Richtige getan, und Sie sehen, daß Ihnen, ohne ein Wort zu sagen, den Brief zu en gab. Dies stillschweigende Vertrauen werden Sie sfentlich. zu ehren wissen und beweisen, daß wir Juden s Vertrauen des Pfarrers verdienen." 19. Kapitel. - Am andern Morgen gleich nach dem Frühstück Simon ernst hinauf in sein Zimmer. Nun war von seinem Vater ihm in seiner letzten Anordnung zeichnete Tag gekommen, an dem er das Kästchen, n alleiniges Eigentum, öffnen sollte. Er hatte es das ganze Jahr in seiner Kommode [rgfältig verschlossen gehalten, und nun holte er es bei, stellte es auf den Tisch und löste den Schlüssel 'ii der Uhrkette. Die Erinnerung an die Stunde, in lcher sein erkrankter Vater cs ihm eingehandigt hatte, rmannte ihn. Die Worte: „Geld ist nicht darin, kann Dir aber Geld werden, wenn Du es best :wiW, ^dvch,-benütze ,es :nur, wenn, es >für: Deine! kunst: : notwendig: ihm, so j lchKDHM fillf erenten igen I Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Gedächtnis, als. hörte er sie eben aus dein: Münde, des Mannes, zu dem er stets mit solcher Ehrfurcht aufgeschaut hatte. Er legte den Kopf auf das Kästchen und weinte und schluchzte, als wäre der Vater ihm erst eben entrissen worden. Es dauerte lange, bis er sich so weit gefaßt hatte, daß er mit ruhiger Hand den Schlüssel einstecken und umdrehen konnte. Das erste, was sein Auge in dem geöfstieten Kästchen erblickte, war ein weißes Blatt Papier, auf dem hebräisch die Abschiedsworte standen, die einst der König David auf seinem Sterbebette seinem Sohne Salomon zuricf, die Worte: „Sei stark, und du wirst ein Mann sein," und darunter stand das hebräische Bibelwort: „Den Ausspruch deines Mundes hüte" - und darunter deutsch: „Jedes deiner Worte sei dir heilig". Wie ein elektrischer Schlag ging es durch alle Muskeln seines Körpers, als die so oft aus dem teuer» Munde gehörten Worte nochmals wie aus Hem Grabe ihm zugerufen worden, dieselben Worte, die nicht ganz treu befolgt zu haben er sich seit der Beendigung seines Prozesses vorgeworfen hatte. Er saß lange nachdenklich vor dem weißen Bogen mit den in großen Buchstaben geschriebenen Lieblingsworten seines Vaters und konnte sich nicht entschließen, das Papier hinwegzunehmen und den weiteren Inhalt zu prüfen. Erst nach einer in tiefem Ernst, vollbrachten Viertelstunde nahm er den oben liegenden Bogen weg und sah darunter ein Päckchen Briefe und Aktenstücke, um die mit einem Bande ein weißer Streifen Papier gelegt war mit der Aufschrift: „Die. Schriftstücke sind numeriert und können nur dann voll verstanden werden, wenn sie. in der Reihenfolge der Nummern gelesen werden." Simon las den ganzen dicken Packen in der gewünschten Weise durch, anfangend mit den ersten vor 75 Jahren an Simon, den Großvater, geschriebenen Briefen, worin er von Ettern und Schwestern wiederholt ersucht wurde, die Braut in Ganzebach zu verlassen und nach Lochstadt zurückzukommen. Dies erste Bündel schloß mir einem Briefe, in welchem die verärgerten Schwestern von der. Braut einen Ausdruck gebraucht hatten, der einen unheilbaren Riß zioischen ihnen und ihrem Bruder, sowie dessen Braut erzeugen mußte. Unter diesen Brief hatte Simon den hebräischen Bibelvers geschrieben: „Er soll Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhängen," womit er erklären wollte, daß er zum Abbruch des Verkehrs mit dem Elternhaufe berechtigt gewesen sei. Das zweite Päckchen enthielt notarielle Urkunden, aus denen hervorging, daß die unverheirateten Schwestern einen Ernährungsvertrag mit ihren Eltern geschlossen hatten. Der Vertrag schrieb ihnen alles vorhandene Vermögen zu, unter der Bedingung, ihre Eltern bis zu ihrem Tode zu erhalten,, sodaß also Simon gar keine Erbansprüche an das elterliche Vermögen hatte. Und dann kamen die Verträge der Schwestern unter sich, aus denen wieder hervorging, daß Perle, die am längsten von ihnen am Leben geblichene, unbestreitbare Alleinerbin ihrer Schwestern war, und daß sie über das bei ihrem Tode vorhandene Vermögen unbeschränkt verfügen konnte. Zu diesem Pack war eine Auseinandersetzung von der Hand Leser Gottschalks hinzugefügt,, worin er feinem Sohne erklärte, daß beim Tode der Tante Perle seinem schon hochbetagten Vater dies Kästchen durch Josef Heilbrunn, seinen Vetter in Lochstadt, zugesandt wurde mit allen den notariellen und amtlichen Schriftstücken, und daß sein Vater sich Wer die krampfhaften Bemühungen der Schwestern, ihn von der Erbschaft auszuschließen, durchaus nicht erregt habe. Dann kam der letzte Brief von Tante Perle, worin sie mitteilte, daß sie ihr ganzes Vermögen einer Stiftung überwiesen habe. Die Stiftungsstatuten lagen bei und besagten, daß an dien Jahrzeitstagen der vier Schwestern von dem Lehrer der Gemeinde und dem Rabbiner des Bezirks ein Schiur gelernt und den beiden jedesmal fünf Taler bezahlt werden sollten. Von dem Rest der Zinsen sollte die. Hälfte an. die jüdischen Armen der Stadt, ein Viertel an die Kasse der Wanderbettler und das letzte Viertel an die Armen des heiligen Landes gegeben werden. Der Neffe Josef Hellbrunn solle 100 Dukaten in bar erhalten, und auch: für den Neffen Leser Gottschalk in Ganzebach seien 1M--DÜ- Cafe Kaiserganten am: Opernplatz Erstklassige» Faniilien-Caie Nachmittags Konzerte«, j " , ' ' ' Frm Hansotmmam^ Besitim^ f 7 Spezialität : Francke & Weber , fflelnkorken. J taten sicher angelegt, damit aber dessen Vater keinen Genuß davon habe, solle Leser erst bei seiner Verheiratung die 100 Dukaten erhalten; acht Tage vor seiner Hochzeit werde Josef Heilbrunn seinem Vetter Leser einen Brief zustelien, wodurch ihm die Erhebung des Geldes ermöglicht werde. Sollte Leser bis zu seinem Hochzeitstage das Geld nicht erhoben haben, so verliere er das Bersügungsrecht darüber, und seinem ältesten Sohne solle vom Tage seiner Mündigkeit bis zum Tage seiner Hochzeit das Recht zustehen, das Geld zu erhüben. Wenn aber auch dieser bis zu seinem Hochzeitstage das Geld nicht erhoben oder wenn Leser keinen Sohn habe, solle auch dieses Geld zum Stistungsvermögen geschlagen werden. Dieser Haß über das Grab hinaus hatte Simon dem älteren weh getan. Bei seinem Tode überlieferte er das Kästchen seinem Sohne Leser und machte ihn mit dem Inhalte genau bekannt. Infolgedessen teilte Leser seinem Vetter bei seiner Verheiratung den Tag mit, an welchem die Hochzeit stattfinden sollte, „aber weder acht Tage vor der Hochzeit, noch jemals später," schrieb Leser auf einem besonderen Bogen, „ist mir von Josef der Brief eingehändigt worden. Ich war zu stolz, um an den Brief zu erinnern, da ich der Ueberzeugung bin, daß Josef denselben unterschlagen hat. Ich habe Josefs Schwelle deshalb auch nie betreten, so oft er mich auch in sein Haus .einlud, denn Leute, die einmal so und einmal so reden, kann ich nicht leiden. Dir, mein Sohn, wird erst ein Jahr nach meinem Tode der Inhalt des Kästchens bekannt werden. Hast Du inzwischen das Haus Josefs besucht und hast eine andere Meinung von chm gewoimen, so ist es gut; bist Du ihm aber fern geblieben, so wirst Du verstehen, warum ich ihn mied. Solltest Du irgend einmal in die Lage kommen, daß es Dir im Interesse Deiner Zukunft nötig scheint, Josef nach dem Verbleib des Briefes zu fragen, so kann Dir das Geld nicht verweigert werden, und es schadet nichts, wenn Josefs Heuchelei vor aller Welt entlarvt wird." „Nein, Vater," sagte Simon sofort nach der Beendigung der Lektüre, „Du hast Josef falsch beurteilt, ich habe ihn nun ein Jahr aus der Nähe beobachtet und muß sagen: Wenn unser Parnes Josef Heilbrunn ein Heuchler ist dann gibt es überhaupt keinen ehrlichen Mann mehr. Ich brauche das Geld nicht und werde ihn nicht darnach ftagen, und sein Haus will ich, um Deine Gefühle zu ehren, auch ferner meiden, wenn .das Interesse um meine Zukunft mich nicht zwingen sollte, nach dem Briefe zu ftagen." Simon schloß das Kästchen fort und ging seiner Arbeit nach. 20: Kapitel. Die Hochzeit von Marianne, Simons älterer Schwester, wegen des Trauerjahres verschoben, war auf den dritten Tag vor Schwuaus festgesetzt worden. (Fortsetzung folgt.) Kaiser Friedrich Quelle ' Offenbach a. M. — Gegen Gicht and Bheamatfamaa bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Fpledrlob Stahl» Frankfurt a.K., Giintheraburg-Allea 37. TeL259 u. 714. Woches-Saleuder. (Zeitangaben nach dem Loach.) Samstag, den 2. Mai >— 6. Ijar.) Sabbat-Anfang tn Frankfurt a M.7 Uhr 10 Min. Sabbat-AuSgang in Frankfurt a. M 8 Uhr 33 Min. in Berlin 8 Uhr 20 Min. Wochenabschnitte: S a s r i a und M o z a n r o. — Reinheitsvorschriften. Gesetze über Aussatz an Menschen, Häusern oder Kleidern. Freitag. 1. Mai, abends. 21. Omer ^Samstag, 2. „ „ 22. ,, Sonntag, 3. „ „ 23. ,, Montag, 1. ,, „ 24. ,, Dienstag, 5. „ „ 23. ,, Mittwoch, 6. „ ,, 28. Donnerstag, 7. n 27. „ Wochengottesdienste in Frankfurt a. M. , Morgens: 6 Uhr (Synagoge Untcrlindau, Synagoge Bockenheim 6 Uhr 30 Min.: Hauptsimagoge 7 Uhr; Synagoge Königsteinerstraße "7 Uhr 30 Mi».). Abends: 7 Uhr 15 Min. (Synagoge Unterlindau, Synagoge Bockenheinl 7 Uhr; Hauptfynagoge 4 Uhr; Synagoge Königstcinerstraße 7 Uhr). ■US** i e'rr •:£ .•• ■ ,