Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 16 (24.4.1914)
- Date
- 1914-04-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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c. 16. etcit Un m Me, der oi Sollt Jh, die hie, möge de, kann ci KmageMM. 16 l! Ei» Mischer Salon zur Wiener Kougretzzeit. gebroche, t ich fü. eise ein- «n nach chter 'eich an." Mil de, eB Bon M. Weil-Lang selb er. Hundert Jahre sind verflossen seit dem denkwürigcn Jahre 1814, wo der Wiener Fürstenkongreß tagte, m nach den Befreiungskriegen des Jahres 1813 über ie Neugestaltung Europas und das fernere Schicksal es besiegten Löwen, ' Napoleon I., zu beraten. Die Anwesenheit so vieler gekrönter Häupter rächte die glanzvollste Zeit für die ohnedies so gerne jeste feiernde Phäakenstadt an der blauen Donau. Oesterreichs Staatskanzler, Fürst Metternichs war er geborene maitre de plaisir, schlau, skrupellos — gewissenloser Don Juan, sprang er mit'dem Staatsickel Oesterreichs sehr verschwenderisch um. Er machte ich kein Gewissen daraus, täglich für die Unterhal- . dem fürstlichen Gäste 50,000 Goldgulden auszuieii. Ein Fest jagte das andere, eines glänzender ls das andere, so hoffte Metternich, wenn er die rmiden Gäste nicht zur Besinnung kommen ließ — ie möglichst größten Vorteile für Oesterreich zu erielen. In demlauten, turbulenten Kongreßtreiben war merkwürdigerweise der Salon eines jüdischen Hautä, das den gekrönten Häuptern einen gern gesuchit Ruhepüukt bot. Der Salon der Baronin Franziska von Arnstein, eborenen Eskeles, oder Fanni Arnstein, wie sie von och und nieder schlechtweg genannt wurde, — vermmelte täglich die illustren Kongreßgäste. Kaiser und Könige zählten zu den treuesten Freunm Fanni Arnsteins, und ihr. Andenken verdient mit oldcnen Buchstaben in die Geschichtstafel der Stadt Bien eingetragen zu werden. Zur Zeit des Kongresses war Fanni Arnstein beeits eine Frau von 56 Jahren; im Alter, wo Frauen hon gerne zu matronenhaftem Wesen und Bequemlichei :itcit neigen, war sie der: belebende Mittelpunkt des auses, von/ dem Licht und Wärme misstrahlten. Fanni Arnstein konnte sich sogar noch der Freundhaft Kaiser Josefs II. rühmen, der oft und gerne ein tündchen mit der geistreichen Frau verplauderte, wenn : mit ihrem Gatten, dem Bankier und Generalkonsul iaron Nathan Adam Arnstein, finanzielle Angelegenciteu geordnet hatte. Fanni Arnstein: war, noch, zur- Zeit des Kongress eine. selten schöne Frau zu nennen, und ihr ebenso (teuer Geist, ihre herzgewinnende Güte, gehaart mit «hrhäft großartigem Wohltätigkcitssinn, ihr nie verlegender Humor und ihr treffender, nie verletzender?itz erwarben ihr allerseits, fast abgöttische Verehrung. Als Kunstmäcene waren sie und ihr Gatte gleich erühmt und geschätzt; unzähligen Künstlern, Dichtern, vmponisten, Malern und Bildhauern, die später hocherühmte Namen trugen, hätte das Arnsteinsche -Ehepaar ie dornenvolle Anfangslaufbahn geebnet. Die Gründung der Gesellschaft der Musiffreunde md bei Fanni Arnstein das regste Interesse und bei »rem Gatten die werktätigste Unterstützung, sodaß ihr ustandekommen damals hauptsächlich dem Arnsteinschen hepaare zu danken war. Die illustren Gäste, - die Wien zur: Zeit des Konrcsses beherbergte, entzogen sich oft und gerne der - eeugenden Hofetikette, und ein Haus, wo chnen zwang- »§!!!!! *fe Unterhaltung nebst auserlesenen Kunstgenüssen gelten wurde, war das Arnsteinsche Palais am Hohen agte Auge»' mg des >en Heimen läuft so, als hört hat S daran, ' geraten erlangen. Vergleich fort auf stecken/ : in bi as sollt! übst dem zen, nur I« b. »»KI. a.714. Min. > Min. eiheopfer, üerlichkeii egen dar ies. M >as Opfer d getrübt s, Nadab sie «ge zeigt be> Geträul Bersch», für dieMarkt. mannten t, deren and fjöl c, Ofen Ihandesch >e Bocken e; Shnm tsynagoge M von, I Und keinem der fürstlichen Gäste, zu deren häufigen auch Kaiser Mexander I. von Rußland gehörte, äre es eingefallen, an der semitischen Abkunft,ihrer iastgcber Anstoß zu nehmen. Es scheint; daß 'das orige Jahrhundert viel, fteisinniger war als das 'tzige. Auch König Christian von Dänemark, Fürst Talhrand, Lord Castlereagh, Fürst Hardenberg, Fürst tetternich, mit seinem Vertrauten Gentz, Ie mareobal e ftixne und andere Persönlichkeiten rechneten zu m ständige» Besuchern des Palais Arnstein. In dem Boudoir der geistvollen Hausfrau vermmelte sich auch immer; ein seltener Kreis bedeutenn Frauen, unter denen Rahel v, Barnh'agen-Ense- »e große Polle spielte. Rahel war damals erst kurze Zeit mit denk Schrifteller Karl August v. Barnhagen-Ense verheiratet, der diplomattschem Dienste dem Staatskanzler Hardenberg ich Wien folgen mußte. So kam es, daß eine der Mildsten, genialsten Frauen ihre Flitterwochen in: 8ejt veÄebtewo sie sich trcch allesangeborene» [es Taftes' und großer Bescheidenheit doch eine dominierende Stellung im Geistesleben des Kongresses eroberte. Rahel.Barnhägen war gleich ihrer Freundin Fanni Arnstein Jüdin von Geburt; obzwar man es der üppigen Blondine nicht anmerkte und sie auch kurz vor ihrer Verheiratung mit Arnstein zum christlichen Glauben übergetreten war, so war sie doch viel zu klug, ein Hehl aus ihrer MstaMmung zu machen., Rahel übte einen sehr bedeutenden Einfluß auf ihren Gatten; besonders in ästhettschcr und religionsphilofophischer Richtung seiner Schriften war sie seine treue Beraterin, und ließ' ihr das rege Kongreßleben und Treiben Zeit und Muße, so war sie auch schriftstellerisch tättg.' Die dritte im Frauenbünde war die Schriftstellerin Karoline Pichler, die Gattin des Regierungsrates Andreas Pichler, deren Romane und Novellen viel gelesen und sehr geschätzt wurden, da sie ganz dem Geschmacke und den Anschauungen Alt-Wiens entsprachen. An diese genialen Freundinnen reihten sich die blaublütigsten Damen des damaligen Wien, die Gräfinnen Harrach, Kinsky, Hatzfeld, die fremden Botschafterinnen, Gräfin Bernstorff, Lady Castlereagh. Auch die reizende Prinzessin Gabriele Auersperg und die nicht minder schöne Herzogin v. Sagan-Kurland fehlten selten im Arnsteinschen Hause; die beiden letztgenannten i Damen kamen aber meistens Kaiser Alexander I. zuliebe, in dessen Gunst sie die heftigsten Rivalinnen ■ waren. Und all diese divergierenden Pole und heterogensten Elemente verstand Fanni Arnstein in liebenswürdigster Weise zu verbinden und zu fesseln. Eine Einladung zu einer der musikalisch-deklamatorischen Soireen des Hauses 'Arnstein war gleichbedeutend einem Anteilscheine auf die erlesensten Kunstgenüsse, kein Wunder also, daß der Andrang ein starker war; an solchen Abenden rollten endlose Wagenreihen zu dem Arnsteinschen Palais. Die vorzüglichsten Künstler Wiens sangen, spielten und deklamierten im Salon Arnstein und rechneten es sich stets zur Ehre, von ihrer Mäcenin aufgefordert zu werden. Madame Campi, die erste Sängerin der Hofoper, sang meistcirs bei den Arnsteinschen Soireen, wo ein besonderes Protektionskind von Fanni Arnstein sie auf dem Piano begleitete, der kaum zwanzigjährige Ignaz Moscheles. Madame Campis, Partner warm entweder der be? rühmte Weinmüller oder der junge Sänger Michael Vogel,, der nachmalige Freund Schuberts. - Die große Tragödin Sophie Schröder war auch mit Fanni Arnstein befreundet, und mtt ihrer herrlichen - Vortragsweise riß sie die blasierte Kongreßgesellschast bis zu stürmischer Begeisterung; chr Partner war stets Nikolaus Heuerteur, der vollendetste. Hoffchauspieler. Heuerteur war es auch, der eines Mends mit hinreißendem Schwung einen herrlichen Monolog aus einem unbekannten Drama eines noch unbekannteren jungen Dichters sprach, dem die Hörer maßlosen, nicht endenwollenden Beifall spendeten. Kaiser Mexander I. rief sofort Heuerteur an feine Seite nnd begehrte den Namen' des Dramas und Dichters zu wissen. Heuckrteur nannte den Namen des Dichters, er lautete: Franz Grillparzer, und der Monolog war aus der „Ahnfrau". Der Kaiser wandte sich nun an die liebenswürdigen Hausfrau; ihr'für die seltenen Genüsse des 'Abends dankend, empfahl er ihr, sich des seltenen Talentes, das aus der Dichtung so hinreißend gesprochen, fördernd anzunehmen, was Baronin Arnstein wärmstens versprach. Doch scheiterte jeder Annäherungsversuch lange an der Unzugänglichkeit des jungen Dichters. So wirfte Fanni Arnstein als wahre Mutter für alle aufstrebenden Genies des damaligen Wien. Unendlich wohltättg, anfeuernd, belebend und schützend wirkte sie, und keiner, der bittend nahte, verließ sie ungetröstet. Aber nicht nur zu geben verstand sie, manch einer der jungen Künstler und Dichter, der sein besseres Selbst verloren^ wurde von ihrer sanften, aber energischen Hand auf den rechten Weg zurückgeleitet. Mancher Name wäre wohl spurlos verschwunden, wenn nicht Fanni Arnstein ihm zu Glanz und Unvcrgänglichkeit verholfen hätte. Aas der „AgnLas Jisroel"-Bewes»»s. MünAe». Auf Einladung eines Komitees hatte» sich, hier ca. 6V Damen und Herren eingefunden, um eine Jngendgruppe zu gründen. Nach verschiedenen Ansprachen meldeten sich ca. 35 MitglieLer zum Eintritt. Ein Vorstandsmitglied der zionistischen Ortsgruppe, das geladen, ober am Erscheinen verhindert war, hatte in einem Schreiben an' den Vorsitzenden betont, daß: ,chie Zionisten diese wie alle Bestrebungen, welche zur Erhaltung und Festigung unserer jüdischen Gemeinschaft beitragen, lebhaft begrüßen und hoffen, daß auch die neue Gründung in diesem Sinne wirken möge, nnd daß die A. I. Jugendgruppe niemals die gemeinsame Grundlage des jüdischen Volkstums nnd dessen Zukunft s Hoffnung vergessen möge". Es verdient noch hervorgetzoben zu werden, daß von verschiedenen Seiten betont wurde, daß von der A. I. Jngendgruppe dem schon Sestehenden jüdischen Wanderbund" in dessen Sphäre keine Konkurrenz gemacht werde. FulLa. Zwecks Gründung von Jugeudgruppen in den Landgemeinden des Rabbinatsbczirks fand hier eine Versammlung statt. Es sprachen unser Rabb. Dr. Cahn und «ekretär Braun-Frankfurt. An der Debatte beteiligte sich eine große Anzahl Lehrer des Bezirkes. Zum Schluß wurde eine Kommission eingesetzt, die die weiteren/Vorarbeiten zu treffen hat. Nürnberg-Fürth. Hier sprach Dr. Meier Hildesh e im er-Berlin über seine Reise in Amerika. Mehr als 300 Personen waren anwesend. Königk. Reallehrer Dr. B r a d c r, der Vorsitzende der Ortsgruppe, kettete die Versammlung, die nach dem interessanten Vortrage eine gleichfalls sehr anregende Debatte brachte. Lembera. Das ,,Landesbüro der Agudas Jisroel für Galizien nnd Bukowina" ist nunmehr eröffnet worden. Adresse: Komitee der Agudas Jisroel, Lemberg, Bernstcina 4. In Kolomea fand eine glänzende Propagandaversammlung statt. In S e r e t h ist eine Jngendgruppe gegründet worden. Zürich. Die hiesige Jugend grupp e hatte für Schüler, die in der Zeit von Purim bis Pesach 16 Blatt Gemoro lernen nnd ohne Buch geläufig aufsagen und erklären können, Prämien ausgesetzt. Vier Schüler erhielten Prämien. Frankfurter Berichte. Jüd. Turnverein. Montag fand unter guter Beteiligung die Generalversammlung statt. Zweck des Vereins ist es» durch Turne» und andere Leibesübungen ein gesundes jüdisches Geschlecht hcranznbilden. Wie im Bericht des Vorstandes über das abgelaufene Geschäftsjahr erwähnt wurde, erfreuten sich die Vereinsveranstaltungen einer sehr regen Teilnahme. Es wurden in einer Damen-- und Herrenriege je einmal wöchentlich unter Leitung unseres bewährten Turnlehrers "Reinheimer geturnt. Leider mußten uns im Laufe des Jahres eine Reihe verdienstvoller Mitglieder verlassen. Es ist uns jedoch möglich gewesen, diese durch geeignete Kräfte zu ersetzen, sodaß der Turnbettieb in geordneter Weise fortgeführt werden konnte. Als besonders wichtig scheint die Turnhallensrage, die jedoch voraussichtlich in absehbarer Zeit ihrer Lösung entgegengeht. In der darauffolgenden Borstandswahl, wurden gewählt: Dr. Seligmann (1. Bors.)» Karl Rosenheimer (2. Bors.), Jakob Schloß, Fritz Freund» Emil Wolpert, Georg Freudenstein, Frl. Lotte Bär und Erhard Mayer. Um die Wünsche der Damen in besonderem Maße zu berücksichttgen, wurde eine Damenkommission dem 35m:- stande angegliedert, in welche Frl. Lotte Bär, Frl. Gertrud Roscnthal und Frl. Paula Znckermann gewählt wurden. Die Versammlung, welche noch eine Reihe guter Anregungen, von fetten der Mttglieder brachte, endete erst spät. Durch Erwerbung eines Trainierbootes (Doppelskuller) ist uns die Möglichkeit zur Gründung einer Rn d era b t e i l u n g gegeben worden. Es sei an dieser Stelle auf die am kommenden Sonntag, den 26. Aprll, vorm. 9 Uhr, an der Schreibschen Badeanstalt, Obermainbrücke, stattfindende Einweihung des Bootes hingewiesen, wozu wir unsere Freunde höslichst einladen. Jüdischer Wauöerbund 1914. Das herrliche Wetter des verflossenen Sonntags brachte der Odenwaldfahrt des I. W.-B. eine zahlreiche Beteiligung. Es sei vorweggenommen: Die Stimmung war eine vorzügliche, beim Marsche wurden jüdisch Wanderlieder gesungen, erllang lustiges Mandolinonspiel. So ging's von Alsbach nach dem MeWocus, weiter durchs Felsenmcer, am Fürstenlager vorbei nach Auerbach. Kurz vor diesem Oertchen fanden Geländespiele statt, die de» Tellnehmern große Freude bereüeten, wobei die gelbe Partei die blaue überlegen besiegte. Die Rückfahrt, wurde durch Gesang und Musikspiel verkürzt. Am 26. April geht die Tagesjqhrt (Führer Res. Wohlsarth) nach Homburg—Capersburg—Homburg. Mdrschzett ca. 5 Stunden. Tresspuntt: vor dem Engl. Hof um 8 Uhr. Die Wanderinnengruppe trifft sich nachntttags 2.10 Uhr vor dem Engl. Hof. Wanderung von Cronberg über Mammolshain zurück nach Cronberg. Marschzeit 3*/o Stunden. Führung: Frl. Lotte Baer. Anfragen über den I. W.-B., dem jeder, dem die körperliche Regeneration der jüdischen Jugend am Herze» liegt, angehören sollte, sowie Anmeldungen Sitte richten an Walter Snndheimer, Baumweg 52. Zu allen Wanderungen sind NichtnrüglüHer bestens willkommen, ''S k \ {