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Neue jüdische Presse · 1914-04-24 · Heft 16 (24.4.1914) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 16 (24.4.1914)
Date
1914-04-24
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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«eit- 4. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Rr. 16. r Spezialität: Francke & Weber L VMM«. J Krill UmviI Frankfurt a. IT., Grosse Priedbergerstr. 16-20. KBiH JIlUUf Stassenbahnlinie 10 und 15 bis vors Haus. Altrenommiertes Saus im Zentrum der Stadt. — Moderner Komfort. — 110 Zimmer mit 160 Betten zu Mk. 2.50, 3.00 und ZL0, garniertes Frühstück eingerechnet. Besitzer: Gustav Thfomo• „Nein," sagte der Lchrer, „das ist kein Unrecht gegen die Juden, sie stehen da mit den 'Nichtjuden ganz gleich, denn auch von ihnen verlangt das Gesetz, dah sie vor den Symbolen ihrer Religion den Eid leisten. Ja, früher, noch in der Zeit, als Sie auf die Welt kamen, hatten wir uns zu beschweren, denn da verlangte man, daß der Jude in der Synagoge vor dem geöffneten Sefer Thora, mit Tallis und Teffilin vereidigt wurde." . Als Simon schon im Begriff war sich zu entfernen, erinnerte ihn der Lehrer noch einmal, bis zum andern Morgen ja recht genau zu überlegen, was er «gentlich zu beschworen habe. „Ich bitte, Herr Lchrer, trauen Sie mir nichts Böses und keine Leichtfertigkeit zu," erwiderte Simon etwas beleidigt. „Das tue ich nicht." Trotz dieser Versicherung ging der Lehrer nach Simons Entfernung unruhig im Zimmer auf und ab, rückte sein Käppchen einmal vorwärts und einmal rückwärts, und schließlich nachlangem, schweren Sinnen setzte er sich wieder an den Tisch und schrieb auf einem Meübogen an das Amtsgericht, er halte seine persönliche Gegenwart für nötig bei dem Eidestermin im Prozeß Gottschalk kontra Müller. 17. Kapital. Sm andern Morgen, eine halbe Stunde vor Beginn des Termins, begab sich der Lehrer auf das Amtsgericht und blieb überrascht stehen, als er im Vorzimmer Josef und Rüben, die beiden Gemeindevorsteher, in leisem Gespräche am Fenster stehen sah. „Nanu," ries Josef, „Sie kommen hierher? Wollen Sie' persönlich bei der Eidesleistung sein?" «Ja/' „Warum? Trauen Sie dem Simon nicht?" „Doch, ober ich bi» kein Freund von Glaubenseiden. Wenn jemand eine Tatsache beschwören soll, so kann man beurteilen, es war so oder es war nicht so, aber M schwören, ich hätte den Wechsel nicht herausgegeben, wenn usw., das kann man nie wffsen, was man tun wurde in einem Fall, der noch gar nicht gegeben ist. Wer weiß, was der Simon getan hätte, wenn der Schmied geschrieben hätte: "Bringen Sie oder schicken Sie mir den Wechsel und. ein Warenmuster, ich will Ihnen eine Bestellung geben; ob nicht Simon in einem solchen Falk sich entschlossen hätte, doch den Wechsel nach Dingshausen zu . schicken; kurz, ich möchte gern einen Vergleich herbeiführen, daß der Eid nicht geleistet zu werden braucht, denn die Prokuratoren reden gewöhnlich, wenn der Prozch einmal so weit ist, auch g ern zum Vergleich." . „Rubeil, was hgbe ich Dir gesagt?" rief Josef 'triumphierend, „wir haben unsere Mißen Haare doch nicht umsonst bÄommen. Sehen Sie, Herr Lchrer, wir haben auch unter uns besprochen» daß der Simon noch jung ist und die Sache nicht nach allen Seiten übersehen kann, und deshalb sind auch wir hergegangen, um auf einen Vergleich hinzuaröeiten." „Es ist nur," meinte der Lchrer achselzuckend, „daß Simon kein reicher Mann ist und das ausgelegte Geld nicht entbehren kann." „Recht, Herr Lchrer, auch das haben wir unter uns bcspwchen, Rüben und ich wollten die Prozeßkosten tragen, der Schmied soll nur die 300 Taler bezahlen, die er wirklich schuldig ist. Wenn Sie das arrangieren Annen, laffe dH Ihnen am nächsten Sabbat einen Mffcheberach machen. Aber es darf niemand wissen, wer die Kosten bezahll, sonst köimte sich mancher bei einem Prozeß auf so etwas einrichten, und das wäre gefährlich; auch von der Khille darf es niemand . erfcchren." In diesem Augenblick öffnete sich die Tür, und David Reinwald kam herein. „Was willst Du hier?" rief ihm Josef ärgerlich entgegen, „was hast Du hier zu schnüffeln?" „Ich komme wegen des Termins zwischen Simon und ..." „Du? Was geht das Dich an?" „Mich gcht's schr an, ich habe chm das Geschäft vermittÄt." „Äch," rief Josef ungeduldig, „wo Du die Hand im Spiel hast, ist kein Segen dabei." „Ich konnte doch nicht lviffen . . ." „Ei, Du hörst und weißt alles, Du müßtest der reichste Mann in der Khille sein" „Ich habe eben kein Glück." „Glück? Man soll nieniand beschämen, aber ich glaube, cs kommt nur daher, weil Du es mit Deinem Wort nicht genau nimmst." „Du wirst sehen, chaß ich heute dem Simon von Nutzen bin, ich habe etwas gehört, das er vor dem Termin wissen muß, ob er schwört oder sich vergleicht." „Ah, Du sprichst auch vom Vergleich? Dann heraus mit dem, was Du zu sagen hast." „Er soll gleich nach dem Eid oder dem Vergleich eine Immission (Eintrag) auf die Schmiede beim Gericht beantragen." „Eine Immission? Bist Du meschugge? Ist der Schmied nicht gut für ZOO Taler?" David wackelte mit dem Kopf hin und her, blickte zu Boden, "schien aber mit der Sprache nicht heraus zu wollen „Sag, was Du zu sagen hast," schrie Josef Mehr als er sprach, „wir haben jetzt keine Zeit für unnütze Redensarten" „Nun, der Schmied wlll sein Anwesen verkaufen, es war schon gestern einer zur Besichtigung da, nun weißt Du's." Josef pfiff durch die Zähne, aber es blieb keine Zeit zum Überlegen, denn die Prozeßgegner mit ihren Rechtsbeiständen traten ein, und bald waren sie alle in der Gerichtsstube versammelt, wo auf dem grünbeschlagcnen Tisch schon zwischen zwei brennenden Kerzen der Pentateuch aufgeschlagen lag und zwar an der Stelle, wo die zehn Gebote stehen. Der Lehrer ging sofort an den Tisch und klappte die hebräische Bibel zu. „Aha," dachte der Richter, der die Manieren des alten Lehrers kannte und wußte, daß er es für eine Sünde hielt, ein hebräisches Buch unbenützt aufgeklappt liegen zu lassen, „er will heute eine lange Rede halten." Laut sagte er: „Ich ersuche die Israeliten, ihre Kopfbedeckung aufzusetzen." Das geschcch, und der Lchrer begann sofort, nachdem er sich geräuspert hatte, in feierlichem Tone: „liefe das unverzeihliche Vergehen, den Allmächtigen und Allwissenden zum Zeugen anzurufen, wenn man eine nichtwahre Bchäuptung als wahr hinstellt, habe ich dem zum Eide zugelaffenen Herrn Gottschalk schon gestern genügende Aufklärung gegeben, ebenso über die Sünde, den Namen des Allmächtigen und Allwissenden unnötigerweise als Zeugen aufzurnfen. Die heiligen Gebote, die der allgütige Vater aller Menschen aus Feuerflammen Israel' zugerufen hat, gelten nicht für dieses Volk allein, sondern für die ganze Menschheit, die sie zur Grundlage aller sittlichen Forderungen gemacht hat, und alle Menschheit hÄt sie hach wie das Volk, dem sie zuerst verkündet wurdem Derselbe Ruf geht auch heute noch aus diesem Buche, das jetzt zwischen zwei brennenden Flammen zu Kläger und Beklagtem spricht, gleich deutlich und gleich laut, und kann verlangen, daß sein Wort von beiden mit gleicher Ergebenheit befolgt wird. Nennet nicht zum Falschen, nennet nicht vergebens den Namen, der Euch beiden, der uns allen und allen Miübrüdern auf Erden heilig sein soll. De?" Kläger glaubt bestimmt, den Eid leisten zu können, und wenn er es getan hat, dann wird der Beklagte die Summe und die Kosten zu zahlen haben. Der Beklagte weih vor seinem Gewissen, das jetzt aus der Unruhe in seinem Innern spricht, aM besten, ob die Forderung zu Recht besteht oder ob sie zu Unrecht gestellt ist, in beiden Fällen aber ist es unnötig, hier in aller Qeffentlichkeit die Hand auf die heilige Schrift zu legen und unter Anrufung Gottes etwas zu beteuern, was nur die beiden angeht, und worüber sie sich selbst Rechenschaft geben können und Muffen. Bis zum letzten Lebensaugenblicke wird Euch beiden die innere Ruhe geraubt sein, wenn Ihr Euch jetzt mit der Sünde des Meineids oder des unnötigen Eides belastet; sowohl die Ruhe des Schwörenden als auch desjenigen, der den Eid veranlaßt und erzwungen hat, wird für ewig dahin sein. Auch, noch in Eurem lchten Augenblicke, wenn Ihr zur Ewigkeit werdet abgerüfen werden, wird Euch dieser Eid in dm Ohren gellen, und Ihr werdet vergebens bereuen, daß Ihr nicht zurückgewichen.seid, solange die Möglichkeit Euch gegeben war. Diese Möglichkeit ist aber vorhanden, da ich beauftragt bin, zu erklären, daß ein anderer alle erwachsenen Kosten tragen will, und ich will hier als Hur igen Int nach Neu best Die achte 1 eftc je Qest et ge&t ickel Ol ich kein liiig.de Bürge und Zahlender aüftreten für 'diesen andereir Un genannten. Der Beklagte hat, wenn Ihr nieliicmlcjjtc, Rufe folgt, nur die Summe zu zahlen, von der « wissen muß,, ob sie gerecht ist oder nicht. Wollt Jh diesen Vergleich annehmen, so wird die Sünde, die hie, begangen' werden .soll, vermieden, andernfalls möge de, allgütige Herr aller Wesen Euch verzeihen, ich kann ci nicht, ihr tut mir zu weh." Die letzten Worte kamen so zitternd und gebrochei heraus, daß alle erschüttert waren. „Ich bin mit 290 Talern zuftieden, soviel ich für den Wechsel gezahlt habe," sagte Simon. Der Rechtsbeistand des Schmiedes sprach leise eindringlich auf seinen Mandanten ein, und schon .nadj wenigen Augenblicken wendete er sich zum Rilhter mii / den Worten: „Mein Mandant nimmt den Vergleich an.-E - — „Gott sei Dank," seufzte der. Lehrer. „Das freut mich," rief der Rilhter. „Ich zahle die Summe sofort jetzt," sagte deichen/!> Schmied. - tz da- Die drei Aussprüche waren in demselben Augenceoiden blick ertönt. Am meisten überrascht hatte die Erklärung Schmiedes. „Merkwürdig," sagte Josef, als er mit Rüben heimging, „im Talmud steht doch nur: Dem Armen läuft die Armut nach, cs scheint mir aber fast so, ob dem Lügner auch die Lüge nachliefe." „Wieso?" ftagte Rüben. „Ich bin fest überzeugt, wenn David gehört hat. der Schmied will verkaufen, so ist etwas Wahres daran, und ich war wirklich schon ängstlich, als er geraten hat, gleich einen gerichtlichen Eintrag zu verlangen Und tvas geschieht? Der Schmied meint den Vergleich ganz ehrlich und bezahlt die 290 Taler sofort ans ein Brett." „Es wird noch etwas anderes' dahinter stecken/ meinte Rüben. des ic mog ielen. merk!s, daals ,i Rul Der chorene och un immelti Kai en Fm oldcnen Bien e Zur eits eir hon ge Und darin hatte Rüben recht, es steckte in bei ücu n Tat etwas anderes dahinter. Mer was? Das sollte weder Rüben noch Josef jentals erfahren, selbst dein Alleswisser David blieb es für immer verborgen, nur K dem Lchrer und Simon wurde es nach einigen bekatmt. (Fortsetzung folgt.) Kaiser Friedrlcli Quelle - Ottenbach a. ■. . Segen Sieht and Bheamatlmnag bewährt. Alleiniger General -Vertreter: Frladrloh Stahl, Frankfurt a.M., Gfinthersbnrg-Allee 37. Tel.259 n. 714. Wocherr-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Luacb.) Samstag, den 25. April (--- 29 Nissan.) Sabbat-Anfang in Frankfurt a M. 7 Uhr — Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 8 Uhr 25 Min. in Berlin 8 Uhr 05 Min. Wochenabschnitt: S che mini. — Das Weiheopfer, das Ahron am achten Tage der Ernweihungsfeierlichkei! darzubrrngen hatte. ' Ahron hebt die Hände gegen da- Volk hin und segnet es. Auch Moses tut dies. Ali Zeichen göttlichen Wohlgefallens verzehrt Feuer das -Opfer auf dem Altäre. — Die Freude des Tages wird getrübt durch den plötzlichen Tod der zwei Söhne Ahrous, Nadab und Abihu. Es war die Strafe dafür, daß sie „gemeines Feuer" ins Heiligtum gebracht. Ahron zeigt bewurrdernswerte Standhaftigkeit, er schweigt beim Heimjjnj gang seiner Söhne. — Wein und berauschendes Geträal 1 wird opfernden Priestern zum Genuß verboten. Berschte- »"N w dene Opferteile werden fixiert, zum Genüsse für die üarkt. Priester bestimmt. — Es folgen nun die. sogenannten „Speisegesetze". — 8 Kriechtiere werden aufgezählt, deren Berührung unrein („tome") macht. Auch irdene und hölzerne Geräte, Gewänder aus Stoff oder Leder, Ofen ujtb Herd können „tonte" werden. Einsegnung des Monats Jjar (Rausch-Chandesch Sonntag und Montag). Samstag, 25. April, abends: 15. Omer. Sonntag, 26. „ „ 16. „ Montag, 27. „ „ 17. .Dienstag, 28. „ „ 18. Mittwoch, 29. „ „ 19. „ Donnerstag, 30. „ „ 20. „ Wochengottesdienste in. Frankfurt a. M. Morgens : 6 Uhr (Synagoge Unterlindau, Synagoge Bockenheim 6 Uhr 30 Min.; Hauptsynagoge 7 Uhr; Synagoge Königsteinerstraßc 7 Uhr -30 Mn.). Abends: 7 Uhr in sämtlichen Synagogen (Hauptsynagogr 4 Uhr). I Franz Diitli Hai. A. Rdnl ,t SchUIppätp. 18m ^-Telephon.1,, 8620.;,, Seifen, Lichte, Kamin- . und Bttrstenwaren, Besen etc. Cosmetlsche Spezialitäten. I In auses, Fm tündchi mit -aron! eiten g Fm s eine ltcner egender Sitz ert Ms erüh'mt vmpon erühmti ie bor; Die md be »rem 6 ustandt hepaar Die resses - eengeni Unl en au üre e° iastgebc orige tzige. Au, yrand, (eitern e Lig :n stär In immelti :r Fra ne gri Ra! Mer c diplo -ch Wi tzendst tie» t

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