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Neue jüdische Presse · 1914-04-09 · Heft 14 (9.4.1914) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 14 (9.4.1914)
Date
1914-04-09
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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!X©I Gemeind Nr. 14. Spezialität: (DelnMen. Francke & Weber kr. Friedbergerstr. 7—: Tel. Hansa 4095. .7—11 ■Uli iDÜtcnb mit einem Hammer schlug. In der nächsten Nähe des Schmieds standen Christoph und; Peter, die größten Lunlpen der Stadt, und unterstützten den schmied Müller, mit dicken Knütteln die Haustür cinzustoßen. Zurück von der Haustür," brüllte Josef, und als sciucul Ruse nicht gleich Folge geleistet wurde, ließ x seine sechs Mann mit eingelegtem Spieß auf die rei an der Haustür Pochenden losgehen. Sie wichen «fort zurück. Sich auf den Steintritt der Haustür stellend, wendete sich Josef der Menge zu und brüllte, daß er alle stimmen übertönte: „Ihr Bürger von Lochstadt, wenn Ihr Revolution machen wollt, braucht Ihr doch dazu nicht den Schmied von 'Dingshausen? Sind wir in Lochsiadt nicht Manns genug, unsere Sache selber, zu führen? Brauchen wir nach einem Nest wie Dingshauseu zn laufen, um einen Führer für Lochstadt zu werben?" Recht hat der Josef," rief einer aus dem Haufen, „hinaus mit dem Dingshauser Kaffer." „Die Rotte Nummer zwei," rief Josef, „fi'chrt den Zchmied Müller sofort aus dem Tor, und wenn er nicht gleich heimgcht: und heute nochmals in die.Stadt kommt, dann hauen wir Lochstädter ihm die Jacke voll." Hoch der Josef!" brüllten die Umstehenden, und her Schmied wurde mit lautem Halloh von den sechs Spießen der Rotte Rr. 2 fortgetrieben. „Und Ihr," wandte sich Josef an Christoph und Peter, „Ihr geht gleich in den goldenen Stern und trinkt auf meine Kosten einen Schoppen Schnaps." „Das ist recht," lallten die schon Angetrunkenen, und Josef wußte garz gut, daß sie wie Schweine in [ber Gosse liegen wr rden, wenn sie jeder noch einen Schoppen Schnaps getrunken haben würden. Und Ihr andern geht heim," rief er den Umgehenden zu.! Wenn Josef geglaubt hatte, mit den airdern ebenso asch fertig zu werben, wie mit den ersten dreien, Iso hatte er sich sehr getäuscht. Es waren mehrere putzend, die auf ihn einschrieen, was dem 'Schmied echt sei, das sei bfetit Simon billig, der sei auch |fetit Lvchstädter, der habe sich nur hereingedrängt, um urdj Wucher, reich zu tverden, der müsse hinaus aus dem Städtchen, gerade so gut wie der Schmied. rsir.ü ang lieferungl st r Fabrik >g „Er ist Bürger vi n Lochstadt und hat keine andere Löhnung," rief Jose ihnen entgegen. „Nichts da, er n uß hinaus, Josef, oder wir sturen das Haus und! schlagen ihn mit Knütteln tot." Josef sah gleiche daß auch diese sich schon im lranntwein Mut angetrunken hatten, und um sie nicht «glücklich zu machen, rief er ihnen zu: „Morgen ollen wir ihn hinausschaffen." „Nein, heute, er muß hinaus oder ins Loch, er st ein Wucherer." „Gut," rief Josef, „dann verhafte ich ihn und ringe ihn ins Gefängnis." „Hoch, Josef, hoch!" brüllte man als Antwort. Als Josef an die Läden klopfte, und Simon im tonen des Gesetzes aufforderte,' die Tür zu öffnen, wurde ihm sofort Folge geleistet, und Josef schrie dem lsfncnden Sinwn so laut er konnte zu: „Im Namen es Gesetzes verhafte ich Sic." Marianne und Regine schrieen laut auf, rangen erzweifelt die Hände und umklammerten ihren Bruder einend, um ihn der Verhaftung zu entziehen. „Was wollen Sie von meinem Bruder? Was hat er getan?" schrie Regine, die mutigere der beiden. „Zurück da, Ihr Mädchen," brüllte Josef, „hinein lins Haus mit Euch und die Tür zugeschlossen, Veranden!" „O," ries Regine, „das ist die Rache an Dir, ater! Das werden Sie noch büßen, daß Sie den loten im Grabe noch in meinem Bruder verfolgen." „Geht hinein," sagte Sinwn zu seinen Schwestern, ,was kann man mir tun? Ich habe nichts verbrochen, >nd dem Rottmeister Heilbrunn soll es noch bös beömmen, daß er jetzt an mir seine Rache ausübt urch «ine ungerechte, ganz unbegründete Verhaftung." „Fort mit ihm, führt ihn ins Gefängnis," rief osef, so laut er konnte, den Leuten seiner Rotte zu. „Hoch! hoch! der Rottmeister Josef!" brüllten die imstchenden. Sinwn sah Josef mit einem Blick voller Verachung an, er fühlte sich stark in seiner Unschuld. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Josef fiihrte ihn selbst mit seiner Rotte ins Amtsgefüngnis, imd kurz darauf schlich alles nach Hause. Die Revolution von Lochstadt war beendigt. (Fortsetzung folgt.) Die vier Kinder der Hagada in zeitgemäßer Gewandung. E i n e B e t r a ch t u n g von Rabbiner Dr. 'Adolf Alt manu in Salzburg. Jn^ unserer Hagada fesselt die Darstellung der in ihrer Scelenbeschaffcnheit verschiedenen „vier Kinder" unser Interesse von jeher iu besonderem Maße. Zunächst pflegen sich Eltern und Lehrer des Themas zu bemächtigen und mit Vorliebe die psychologischen Winke anfzugrcifen, die die Weisheit unserer Alte» und ihre Menschenkenntnis uns hier uicdergelcgt hat. Aber auch auf das erwachsene Menschenkind beziehen die Kommentatoren gerne diese, die innere Mcnschenverfassung in ihren verschiedenen Schattierungen zeichnenden Worte unserer Weisen. Nichts kann für'die Erziehung des Menschengeschlechtes nützlicher jein, als zunächst psychologische Klarheit über die gegebene Beschaffenheit der verschieden gearteten Menschenklassen zu verbreiten. Wenn auf irgend einem Gebiete der Grundsatz gilt, die Menschen vorerst zu nehmen, wie sie sind, nicht, wie sie sein sollten, so ist es das Gebiet der Erziehung. Die weisen Ordner der Hagada schildern uns denn auch erst immer die Charaktere, wie sie sind, und lehren uns dann, jedem Charakter irach seiner Art Belehrung oder Zurechtweisung, Aufklärung oder Abweisung zuteil werden lassen. * Was sind das nun für Charaktere, die der Bal Agada im Bilde der Schilderung von viererlei Kinderarten uns entwirft? Auf den ersten Blick scheint es, daß der Böse und sein Antipode, der Gute, der Kluge und sein Gegensatz der Beschränkte uns geschildert werden sollen. Zumeist sucht man sich denn auch unter den „vier Kindern" diese zwei Paare nach psychischen Gegensätzen vvrznstelleii, indem man im Klugen („Chochom") einerseits den Gegensatz vom Bösen („Roschoh") und anderseits vom Beschränkten („Tam") erblickt. In Wirllichkeit wird aber nur vom Bösen und vom Klugen, vom Beschränkten und vom Gleichgültigen („Schcinoh jodaia lischol") gesprochen: das Charakterbild des Frommen („Zadik") als Gegensatz des Bösen fehlt ganz. Unsere Hagada hat eben unter den „viererlei Kindern" den Typ des Frommen überhaupt nicht im Auge, sondern nur vier Abstufungen von teilweisen oder ganz Irreligiösen, zu denen auch der Chochom gehört. Die Hagada bezieht sich mit den Worten „Bon vier verschiedenen Kindern spricht die Thora", ans das Thorawort: „Wenn euere Söhne zu euch sprechen werden" und „Wenn dich dein Sohn künftig fragt" (M. II, 12 28, 13 14), ein Wort, zu dem die Weisen bemerken: „Eine trübe Botschaft ward Israel in dieser Stunde, nämlich, daß einst die Thora in Vergessenheit geraten wird." Bier Vertreter einer solchen trüben Zeit führt uns der Bal Agada vor: Den Nörgler und Skeptiker,^ den offenen Verächter des Gesetzes, den Prototyp des Unwissenden und den Gleichgültigen. So verschieden sie auch von einander abgestuft sind, gemeinsam ist ihnen allen — mit Ausnahme des letzten — der charakteristische Zug des Fragens. Wozu -as, was bedeutet das, was ist das? Alle stehen sie wohlgemerkt der religionsgesetzlichen Festhandlung, der Ausübung der Mizwapflichtigkeit ferne, sie machen selbst „diesen Dienst", dieses Gesetz, diese Vorschrift entweder überhaupt nicht mit oder wollen erst wissen, was alldies bedeutet,: ob es sich mit dem Verstände verträgt, ob es zeitgemäß ist usw., — doch mengen sie sich in das ein, was anderen vielleicht das Unantastbarste und Heiligste ist — und fragen — und fragen. „Seht euch vor diesen gefährlichen Fragestellern vor", ruft uns gleichsam unsere Agada zu. Nicht der Gleichgültige, der dem Judentums fast ganz den Rücken gekehrt, ist der Gefährlichste: er ist der letzte in der Reihe seiner traurigen Zcitrepräsentanten, er nützt nichts, schadet aber auch nichts, — er schweigt. Nicht so die drei Fragenden, laut erhebe» sie ihre Stimmen, erst negativ, nur fragend, schließlich aber positiv verneinend. Wenn wir eine» Blick auf das Judentum unserer Zeit werfen, werden wir allenthalben der vier Agada- Typen in der geschilderten Gewandung gewahr. Besonders die Gestalt des sogenannten „Chochom" ist leider stark vertreten und bildet eine große Gefahr. Entweder eisigkalte, materielle Berstandesraffiniertheit oder zersetzende „Geistesllugheit" erheben die Stimme des Fragenden: „Was bedeuten die Vorschriften, die Gesetze und die Rechte?" In sophistischer Schlauheit — er ist ja der Chochom — associert er sich nicht schlechtwegs mit dem offenbaren Roschoh. Er spricht vom: „Der Ewige unser Gott"; er sagt auch nicht wie der Roschoh: „Wozu euch dieser Dienst?" und unterscheidet sich dennoch nur mit einer Abstufung von diesem. Man beachte, wie sein unsere Agada diese Tatsache nuanciert, indem sie den Chochom zum Schlüsse seiner Frage das Wort „Eschem" sagen läßt. „Was bedeuten die Vorschriften, Gesetze und Rechte, die der Ewige unser Gott euch verordnet?" An Gott selbst, will er uns wcißmachen, glaubt er — und setzt sich dadurch in das Recht, mitreden zn dürfen —, aber diese Vorschriften und Gesetze — was bedeuten die? Für ihn sind sie nicht. Er leugnet, unter dem Deckmantel der Wissenschaftlichkeit — darin ist er ja wiederum der Chochom — ihren göttlichen Ursprung und ihre zeitlich unbegrenzte Verbindlichkeit. _Diese „Männer der Weisheit" heißt es in chrer ganzen wahren Gestalt erkennen und entlarven- Hierzu vcrhilft uns die Hagada mit ihren menschenkeniienden Winken. Seite 5. Sind sie aber einmal erkannt, dann — hierzu verhilst uns wiederum die Hagada — haben wir ihnen auch jene höfliche, aber entschiedene Antwort zu geben, die auf ihre Frage paßt. Nicht eine Antwort der Belehrung, denn sie sind ja die „Chachomim", wie sie meinen, aber eine Antwort, die ihnen mit Entschiedenheit sagt» daß auch wir uns ihre Belehrung verbeten. In der Weise, wie er dich fragt und aus der Frage erkennen läßt, daß er das größte Gesetz dem kleinsten in der Nichtbeachtung gleichhält,' so sage auch du ihm, daß du — gerade umgekehrt — das scheinbar kleinste Gesetz dem größte» in der vollen Beachtung gleich stellst. Du hast ihm hierdurch die Kluft aufgewiesen, die zwischen ihm und dir liegt. * So stellen sich die vier Kinder der Hagada als traurige Zeitzeichen dar; doch die von unserer Thora vorausverkündete Zeit des religiösen und thorakundigen Niederganges ist kein unabwendbares Fatum. Spreizt sich die Gottlosigkeit, überhcbt sich die Afterweisheit, bläht sich das Unwissen und mehren sich die Gleichgültigen, so sollen unsere Hände nicht resigniert und schlaff im Schoße ruhe», sondern sich tatkräftig erheben, zum Schutze -unseres heiligen Erbes. Dem Verächter unerschrocken die gebührende Solidaritätsabsagc, dem Attentäter im Gewände des Weisen die sest entschiedene 'Ablehnung und Zurückweisung, dem unwissenden Jrrereligiösen der Versuch der Aufklärung und Belehrung und dem abseits Stehenden der liebevolle Rückruf ins Lager. Jedem die entsprechende 'Antwort und Festhandlung. Hof fl! nrnvnl Frankfurt a. 31., Grosse Friedbergerstr. 16-20. uUlul UiCAcI, Stassenbahnlinie 10 und 15 bis vors Haus. Altrenommiertes Haus im Zentrum der Stadt. — Moderner Komfort. — 110 Zimmer mit 160 Betten zn Mk. 2.50, 3.00 und 350, garniertes Frühstück eingerechnet. _Besitzer: Gumlav Thiomo. Eingesandt. Herr Heinrich Eisemann-Rom schreibt uns» daß unser Korrespondent einen Teil seiner Rede auf dem Jugendtag in Rom mißverstanden habe. Dieser Teil habe wörtlich wie folgt gelautet: „. . . Es kamen die Zeiten des wüstesten Radauantisemitismus, der in den 80er Jahren unter Stöcker seine Haupttriumphe feierte. Der gemeinsame äußere Feind zwang die Parteien, die sich ununterbrochen aufs schärfste bekämpft hatten*) die Massen vorübergehend zu begraben. Die großen Organisationen zur gemeinschaftlichen Vertretung und Verteidigung der jüdischen Interessen »ach a u ß e n h i n wurden gegründet, und was die im Jahre 1860 ins Leben getretene Alliance für die Welt leiste» sollte, das sollten die Literaturvereine, der Centralverein» der Deutsch - Israelitische Gemeindcbund und späterhin der Verband der deutschen Inden, der tzilssverein usw. für Deutschland leisten. In diesen Organisationen faichen sich die Vertreter aller Richtungen zusammen. Die Orthodoxie, die numerisch unter den deutschen Inden in der Minderheit war, mußte cs auch dementsprechend in den Organisationen sein. Ihr Einfluß wurde paralisiert, Entscheidungen wurden häufig gegen ihre Stimmen getroffen; da sie als Gewissenspartei die Verantwortung nicht mittrage» könnte, zog sie sich aus den Organisationen zmn großen Seil zurück. — Durch ein Austrittsgesetz für Preußen war es ihr auch möglich, sich in besonderen Separat-Gemeinden zu organisieren. Sie isolierte sich. Dieser Zustand gewann höhere Bedeutung, als in den neunziger Jahren der Zionismus aufkam. Es ist'hier nicht der Ort. die Beweggründe anzuführen, die es der Orthodoxie in ihrer großen Majorität un- - möglich machten, sich dieser neuen Bewegung anzuschließen..." Man könne danach nicht sagen, daß er die bestehenden großen jüd. Organisationen einer scharfen Kritik unterzogen habe, und von der zion. Organisation habe er nicht gesagt, daß an deren Spitze Freidenker stehen und in ihren Institutionen die Religion mit den Füßen getreten wird. *) Ich hatte vorher die 3 Richtungen Reform (Geiger), wissenschaftliche Richtung (Zunz, Rappaport, Graetz und Frankel), Orthodoxie (S. R. Hirsch, Hildesheimer und Lehmann) kurz gestreift. Kunst und Literatur. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Herausgeber: D. M. Braun. 58 Jahrgang, Heft 1 und 2. Breslau, Koebnersche Verlagsbuchhandlung. Inhalt: Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums (Jakob Klatzkin) — Eine unbekannte jüdische Sekte (Louis Ginzbcrg) — Der Pentateuch-Kommentar des Joseph Bochor - Schar zum 5. Buch Moses (Alfred Zweig) — Die Schuldennot der jüd. Gemeinde Metz (R. Netter). -- Das Königl. Westfäl. Konsistorium der Israeliten (Felix Lazarus). — Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des 20. Jahrhunderts (Josef Baß). — Psalm 20 in der synagogalcn Liturgie (L. Venetianer) — Sumerian tablets in the Harvard Semitic Museum (H. Pick) usw. Kaiser Friedrich Quelle - Offenbadt s. 2. .— Sega Glicht ui Bhemmtlmmm bewährt. Alleiniger General -Vertreter: Friedrich Stahl« Frankfurt a.W., Günthersburg-Allee 37. Tel.259 u. 714. Wochen-Kalender. Freitag abend: 0 Uhr -10 Min. (Frankfurter Zeit) Pesach- Beginn. ji' 31 ,, "> vl I' '-1 ihl - 1 H j hfl I;!:1 M , i; 1 ip* äti Hi * i srj II U :;J W' f \:

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