Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 14 (9.4.1914)
- Date
- 1914-04-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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14 SN Mftfle pllt. 14 fe Icflnfefatfer Ifmetiliftfieii FamilimKlaiies. vollst brik er Die nächste Nummer erscheint am lontag. den 20. April nachmittags SchiuH der Inseraten-Annähme vortttags 8 Uhr. a rar, idrii, - ■ fühm zu kr, S!* alles/ oll sich die Fra« mit Politik befasse«? Von Dr. Carl Cohn-Altona. Die jüdische Frau mit Politik befassen? Hin- „istreten iir die Arena des öffentlichen Kampfes, rwandlung der jüdischen Fra» zur Suffragette?, >e Mch reibmig in zwik ch nicht lhig, iui. lnzeickie sich. Ti iftgliedn einzige, ichstädti ckb nui i Tage auden goldeim > Word >as dürfen wir bei der gcsetzestreuen, der echt üdifchen Frau, der Wächterin jüdischen Familienbens, nie und nimmer zulassen, jo wird wohl ancher denken und fordern. 'Gemach, wir wissen a noch' garnicht einmal, was Politik ist, tvas wir mter Politik verstehen, mit der sich die jüdische Jrau befassen soll! „Politik treiben" heißt nicht iui „die Ausübung der Kunst, in einer bestimmten Weise auf den Staat einzulvirken", sondern beleutet zunächst einmal nur, „sich die Wissenschaft ,om Staate und dem öffentlichen Leben überhaiipt ureignen". Besitzt man erst - dieses Wissen und da- >iit das Verständnis des staatlichen Lebens, so ergibt sich die Lösung der Frage der aktiven Beteiligung am Staatsleben ganz von selbst. :at über' E>cbicnen, hne p t andm Leber ab darinnei chen mü Gelegca Ackt uni anzendcn Menge umgeben, die voller Begeisterung ihm jon hi. Zeita mser Herr und König!" aus te ungimit uni hm königliche Gewänder anlegte und ihn auf einen : Suppe, „heran?, t Stuhle zu Bet1 i Lade» richtig! aus." ,e Biudl m Arm, sagte, z Haus ch werde Gesicht, n ihren r weinte on! L m meine genügte is^ Hans :lchc sich drängen icße sein ie Haus rzälltllllge». aus Mkl Mil Talmllil. Von M. Pulvermann. Der verbannte König. Einem Schiffbrüchigen, der stundenlang mit den!!ccrcswellcn gekämpft hatte, gelang es endlich, ein rcnides Ufer zu erreichen, wo er bald — müde und „alt — fest eingeschlafen war. Als er endlich die 'lugen aufschlug, sah er sich von einer jubelnden und ,nldigten und mit freudiger Stimme riefen: „Heil Dir, Der Schiffbrüchige ließ alles schlveigend und voller rtauncn übcr sich ergehen, auch dann noch, als man dcrrschcrthron setzte. Man brachte ihm kostbare Geeklößcha chcnke, und alles, was Kunst und Natur Schönes ie SW mb Herrliches hervorgebracht hat, wurde ihm zu Füßen die F« >clegt. Die Großen und Vornehmen des Landes drängrten uni cn sich um ihn, um seine Wünsche und Befehle, kaum mfuhren insgcsprochen, bereitwillig zu erfüllen. Das dauerte so den ganzen Tag,' jeder suchte hu zu erfreuen,' und jeder war glücklich, ein frcundiches Wort oder Lächeln von ihm zu erlangen. Der chiffbrüchige hatte bald seine frühere niedere Heriunst vergessen und fühlte sich wohl und behaglich in als ä cincr neuen königlichen Würde. Am Abend aber, als er ne Hörti allein in einem prächtig ausgestattetcn Gemach oder 20, 1U c{nciherrlich gedeckten Tafel saß und über seine undertc» glückliche Schicksalswendung nachdachte, erschien ein freundlicher Greis mit klugen Augen. Mit einer wohlit Buub lautenden Stimme, wie man es bei seinem Alter kaum hon mit erwarten durfte, begann dieser: „Auch ich möchte Dir zu Deiner neuen Würde Glück wünschen, Dir aber auch zugleich einen wohlgemeinten Rat erteilen. Jetzt stehst Du noch am Anfang Deines Glückes, ich will Dir aber auch das Ende s“ zeigen. Befolgst Du meinen Rat im Sonnenschein, dann entgehst Du dem finsteren Schicksal, dem schon so viele vor Dir anheimgefallcn sind, die ebenfalls hier geherrscht haben. Denn wisse: ob auch Deine Herrschaft fcstbcgründet. Dein Thron unerschütterlich scheint, so ist cs doch nur von kurzer Dauer, und das Ende Deiner Regierung, wo man Dich Deiner Würde entkleiden und nach einer öden und einsamen Insel verbannen wird, ist jetzt schon bestimmt. Nur für kurze Zeit werden die Könige hier gewählt, um nach Ablauf dieser Zeit ebenso mißhandelt und verachtet zu werden, wie man ihnen früher gehuldigt und sie verehrt hat." „Sei weise," fuhr der Sprecher fort, als er die bestürzte Miene seines Zuhörers bemerkte, „und befolge meine Ratschläge; denn nicht Jammern und Wehklagen kann Dir helfen, sondern Du mußt Dich zu Taten aufraffen. Nicht das Herz schwer machen will ich, sondern Dich warnen, wie ich es mit Deinen Vorgängern tat, die aber meine Worte in den Wind schlugen. So Der Anfang alles Könnens aber ist das Verständnis. Und das Verständnis des öffentlichen Lebens der Gegenwart istflir die jüdische Frau znm Verständnis der Gefahren, die das Judentum in der Gegenwart umgeben,' der Sehnsucht der jüdischen Jugend nach einem festen Punkt in all der Unsicherheit und damit zu einer richtigen Erziehung der Jugend — der Domäne der jüdischen Mutter — Voraussetzung und Grundlage. Warum sehen wir Gesetzestreuen überall unsere Positionen gefährdet? Warum überall der Abfall aus unseren Reihen? Warum immer nur Verteidigung und ängstliches Trachten, ivenigstens den bisherigen Besitzstand zu wahren, anstatt zunr Angriff nberzugehen? Warum überall Fahnenflucht rmd nirgends Zulauf, wie es doch bei einer so bis ins einzelne ausgeprägten praktischen Lebensgestaltnng wie das gesetzestreue Judentum mit seinÄl Zukunftshofftumgen und bei einer so opfermutigcn Anhängerschar das Natürliche wäre? Wan glaubt die Geistesrichtung der Gegenwart dafiir verantwortlich machen zu müssen. Man kämpft gegen Häckel, Darwinismus, Entwicklungstheorie, Marxismus und dergleichen und erreicht nur wenig, weil man nur gegen Krankheitssymptome kämpft. höre denn: Die Insel, die für Deinen späteren Aufenthalt bereits bestimmt ist, besteht nur aus kahlen, zerklüfteten Felsen, wo weder Baum noch Strauch gedechen kann, wo weder Mensch noch Tier Nahrung findet. Jetzt aber steht es in Deiner Macht, dem Nebel abzuhelfen, und jeder ist bereit, Deine Wünsche zu erfüllen. So gebiete denn Deinen Dienern, daß sie Dir dort ein herrliches Schloß bauen und die sandige, staubige Wüste zu saftigen Wiesen und würzigen Blumenbeeten Herrichten, daß sie Brunnen graben und Bäume und Sträucher aupflanzen, um die Luft zu verbessern und kühlenden Schatten Dir i zu spenden. Wenn dann die Menschen, die Dich jetzt fteilich umschmeicheln, später aber ihre Verachtung Dir ins Gesicht schleudern, armselig und von aller Würde entblößt. Dich von dannen schicken werden, dann kamist Du ftöhlich und flohen Mutes Dein neues Paradies aufsuchen; dann wird die Erinnerung an die Vergangenheit Dich nicht peinigen und der Wurm der Reue nicht an Deinem Herzen nagen." Der König sprang auf, umarmte den treuen Ratgeber und versäunlte keinen Augenblick, all das ins Werk zu setzen, was der Me ihm befohlen hatte. Tausende von Arbeitern wurden nach der Insel geschickt; bald entstand ein herrliches Schloß, dessen Inneres behaglich und bequem ausgestattet wurde; ringsheruni wurden herrliche Anpflanzungen gemacht, von köstlichen Springbrunnen bewässert. Der König befahl auch, daß eine Anzahl Sänger, Spielleute, Handwerker und Kaufleute sich dort niederlassen, sodaß bald eine Stadt errichtet war. Für den ehemaligen Schiffbrüchigen war das Ende seiner Herrschaft gekommen, und von Johlen und Spottliedern begleitet, wurde der entthronte König nach der Insel gebracht. Mer schon von großer Ferne grüßte ihn köstlicher Blnmendust; bald auch betrat er seine fein ausgestatteten Gemächer und ließ sich die Speisen wohlschmecken, die aufmerksame Diener shm darreichten. Keine Trauer und kein Bedauern waren in seinem Herzen, und er lebte glücklich und zufrieden, ohne eine trübe Zukunft befürchten zu müssen. * Menschensohn, Dein Königtum aus Erden dauert nur eine Weile. Sorge darum rechtzeitig fiir später, ehe die irdische Macht und Herrschaft Dir entrissen wird! Rabbi Akiba. Rabbi Akiba, der seine Jugend in Unwissenheit und in dienender Stellung verbracht und erst später, trotz mannigfacher 'Entbehrungen, große Gelehrsamkeit und einen reichen Wissensschatz sich angeeignet hatte, — ihn traf das schwere Äs, auch' fein Mannesalter in einer traurigen und gar trüben Zeit verbringen zu müssen. Die Blüte der jüdischen Nation war im Kriege hingemetzelt oder als Sklaven fortgeführt, um den Triumphzug des Eroberers zu verherrlichen, sodaß in deM einst so herrlichen und blühenden Jerusalem nur ein winziger Rest zurückblieb, der in ohnmächtigem Zorn bittere Tränen vergoß und unter dem eisernen Joch der übermütigen Römer gar schwer seufzte. dagegen den eigentlichen Krankheitsherd, die Ursache der Krankheit unbehelligt läßt, ja als Ursache noch nicht einmal erkannt hat. Primäre Ursache aller Krankheit des Judentums find aber die wirtschaftlichen Erscheinungen. Als die Länder Westeuropas kapitalisiert wurden, als dort die Juden aushörten, in ihren Wirtsvölkern eine Wirtschastskaste sür sich zu bilden, als ihnen in der bisher vorzugsweise nur ihnen eigentümlichen Wirtschaft-' tichen Betätigung im Handel eine übergroße nicht-- jüdische Konkurrenz entgegentrat, begann die Assimilation. Erst da wurden sie durch die Konkurrenz gezwungen, sich unter ihre nichtjüdischen Mitbürger zu mischen, sich mit ihrer Kultur zn befassen, erst damit begann das jüdische Milieu zu schwinden. Wenn wir diese Entwicklung erkannt haben,' - dann werden wir auch die traurige Erkenntnis machen,, daß der e n r o p ä i s ch e O st e n, her sür uns heute Quell und Born alles jüdischen Lebens ist, mit wachsender Kapitalisierung dieselbe Entwicklung nehmen wfld wie der Westen, und daß durch Verbreitung westeuropäischer Kultio: an diesem Entwicklungsgang nur wenig geändert werden dürfte. Neben der Ausbreitung der kapitalistischen Wirtschaftsweise geht .die fortschreitende So- Der hartherzige Sieger, anstatt den Heldenmut der Besiegten zu würdigen und den tapferen Verteidigern ihres Heiligtums die gebührende Achtung zu zollen, suchte durch eine tyrannische Gesetzgebung den nnglücklichenStamm an der Wurzel zu fassen, um ihm den vollständigen Untergang zu bereiten, indem er die Ausübung der göttlichen Gebote und das Studium der heiligen Thora bei Todesstrafe untersagte. Akiba aber, der die traurige Verfassung seiner Brüder sah, und ftrrchtend, daß das heilige Gesetz dadurch gänzlich der Vergessenheit anheimfallen könnte, trotzte dem römischen Verbot und unterrichtete das Volk öffentlich über die religiösen Pflichten und lehrte firrchtlvs nach wie vor das göttliche Gesetz. Eines Tages mm, als er wieder im Dienste des Herrn öffentlich tätig war und eine große Zuhörerschaft um sich versammelt hatte, da kam ein Mann namens Papus ben Jehuda, dessen Ruf großer Gelehrsamkeit und Klugheit in alle Welt hinausgedrungen war» der warnend und verweisend sprach: „Akiba, fürchtest Du denn nicht den Zorn jener Menschen? Weißt Du denn nicht, daß die Klugheft es gebietet, den Umständen Rechnung zu ttagen imd nicht absichtlich der Gefahr sich auszusetzen?" Rabbi 'Akiba aber, der der festen Ueberzeugung war, daß die Leidenszeit eine Folge des sündhaften Lebenswandels sei, antwortete dem Warner lächelnd: „Papus, bist Du der Mann, den man als Wessen bezeichnet? Wahrlich, Deine Worte beweisen, daß Du töricht bist." Wieder zn seinen Schülern gewendet, fichr er fort: „Meine Kinder, ich will Euch ein Gleichnis erzählen. Ein Fuchs lustwandelte einst am- Ufer eines Teiches und sah, daß die Fische in demselben in großer Unruhe und Auflegung sich befanden. Neugierig, den Grund dieser Verwirrung zn erfahren, sprach der Fuchs: „Meine Freunde! Darf ich mir die Kühnheft gestatten und nach der Ursache Eurer Auflegung flagen?" Die Fische erwiderten: „Wir möchten gern unfern Feinden entfliehen, die allenthalben Schlingen und Netze 'für uns ausstellen!" Darauf sprach der Listige: „Wenn es weiter nichts ist, soll Euch bald geholfen werden. Kommet nur heraus zu mir, dann will ich Euch beschützen, sodaß wir friedlich und einträchttg wie einstmals miteinander leben können." Die Fische aber sprachen: „Bist Du denn wirllich der schlaue Fuchs? Dein Ratschlag zeigt, daß Du ein großer Narr bist. Wenn wir schon in unserem ureigenen Element so vielen Gefahren ausgesetzt find, wie erst in einer Umgebung, die unserer Natur gänzlich zuwider, die unserer bisherigen Gewohnheit gar nicht ensspricht!" „Genau so," fuhr der .fromme Mann fort, „verhält es sich auch nrft uns. Wenn wir, da wir poch wenigstens noch einen Tell der Gottesgebote erfüllen, schon so viele Leiden erdulden müssen, wie erst würde unser Schicksal sich gestatten, wenn wir das, was unser Leben und die Länge unserer Tage bildet, gänzlich aufgeben und verlassen sollten!"