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Neue jüdische Presse · 1914-04-03 · Heft 13 (3.4.1914) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 13 (3.4.1914)
Date
1914-04-03
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Veite 4. » Frankfurter Israelitische FamilienAatt. Nr. 13. Xsn sroüristz! Cafe Corso Ecke Kaiserstrasso und Moselstrasse. Franz Krlst• Samuel Hatte nunmehr das Recht, bei der Verhandlung als Zuhörer in der Gerichtsstube zu bleiben. Dr. Hase richtete sein Hauptaugenmerk darauf, durch Fragen feststellen zu lassen, daß Simon am Fälligkeitstage den Wechsel vorgezeigt und der Schuldner ausdrücklich anerkannt Hatte, der Wechsel sei in Ocknung und daß der Wechsä, den Fräulein Regine Gottschalk am 17. November vorgezeigt und dem Schmied Müller abgeliefert habe, gerade dieser Wechsel gewesen sek. „Das stimmt, das hat ja niemand Lestritten," sagte der SchwLd. „Mir genügt diese Anerkennung," sagte Dr. Hase, „aber ich möchte von dem Beklagten auch noch anerkannt wissen, daß er dem Kläger erklärt hat, er werde ant letzten der Respekttage den Wechsel bei Simon Gottschälk abholen oder abholen lassen, gegen Erlag der Wechselsunwre." „Das ist alles wahr," ries der Schmied ungeduldig, Darüber brauchen wir doch nicht zu teben." „Mir kommt es darauf an, daß alle Liese dem Beklagten selbstverständlich scheinenden Dinge ausdrücklich anerkannt werden," sagte Dr. Hase, sich die Hände reibend, „ich möchte auch noch eine dritte, Ebenso selbstverständliche Sache gerichtlich festgestelll haben, nämlich die Bchcmptung meines Mandanten, daß er dem Herrn Müller mitgeteklt hat, er werde am 17. November verreist sein." „Ja, das hat er gesagt." „Und daß er," fuhr Dr. Hase fort, „ohne sich durch die Unterbrechung stören zu lassen, „den Wechsel seinen Schwestern geben werde, damit sie ihn dem Uebeibringer des Geldes ausliefern könnten." „Das ist auch woK," brüllle der Schmied. „Das genügt mir," sagte Dr. Hase und setzte sich ruhig hin, als wenn er durch die Feststellung dieser scheinbar selbstverständlichen - Dinge den Prozeß schon gewonnen hätte. Aus die Fragen des Richters antwortete der Beklagte, daß er dem Fräulein das Geld in doppelten Friedrichd'or gegeben habe, und daß es niemand etwas angeA, was er mit seinen eingelösten Wechseln tue, er könne sic verbrennen oder sie sonst nach Belieben verwenden. Als er gefragt würbe, woher er die vielen Friedrichsd'or habe, da er. doch hauptsächlich Bauernkündschast habe, verwickelte er sich in Widersprüche, ebenso als er eingestehen mußte, daß er alle andern bisher eingelösten Wechsel sorgfältig aufbewahrt habe. Auch Wer sein Verhalten gegen R^ine würersprach er sich eimgerNale, irtdeM er zuerst behauptete, er sei nicht grob gegen das Mädchen gewesen und nachher zugab, daß er ihr zugerufen: „Juddesorle, machst Du, daß Du hurausbrmmst!" Er erklärte das damit, daß Regine erst das Geld nachgezählt und richtig bestmden habe, dann aber, nachdem sie es schon eingesteckt, behauptet hätte, die Sunmre stimme nicht. Der Richter lächelte sehr vielsagend/ und Simon schmunzelte vergnügt, dmn, sagte er sich, bei solchen Widersprüchen muß der Richter ihn ja zur Zahlung verurteilen. Da geschah etwas Unerwartetes. Dr. Hase erklärte: „Die Widersprüche des Beklagten setzen seine BHauptimg, daß er bezahlt habe, in ein schr zweifelhaftes Licht, aber ich verzichte auf beit Vorteil, den dies für meinen Mandanten haben kann, und erkläre, daß ich die Erklärung des Bellagten als ' wahr unterstelle. Wegen der Beleidigung des Fräulein Gottschalk verzichte ich auf «ine Jnjurienllage und erkenne es als wahr an, daß Herr Müller dem Fräulein Regine Gottschalk den Betrag des Wechsels in Doppelfriedrichsd'or richtig ausgezahlt hat." Simon sprang wütend von seinem Stuhl auf, daß Samuel ihn mit Gewalt zurückhalten mußte, um ihn zu hindern, seinem eigenen Vertreter zu widersprechen. > Christ. Wilhelm Leux Telef. I, 8567. Hoflieferant. «oetbe.tr. 21. Herren-, SamenujJvreeschneiderei. Spezlal-Sportgeschäft Auf Wonach koschere Verarbeitung. „Schweig," flüsterte Samuel, „und rede nicht hinein, der ist so Aug wie eine Schlange, der wird schon wissen, warum er so handelt." Der Lellagte Schmied machte ein fteudig überraschtes Gesicht und nickte zuftieden lächelnd den Ausführungen des gegnerischen Anwalts lebhaften Beifall zu. Der Richter und der Gegenanwalt erhoben die Köpfe mit einem plötzlichen Ruck und sahnen Dr. Hase auch Aerrascht an. Dr. Hase kniff die Augen ein wenig zu und lächelte vor sich hin. „Ich erkläre also," fuhr er fort, „daß Herr Müller nicht das Recht hatte, Fräulein Gottschalk das Geld zu geben, da> wie er selbst anerkannte, zwischen ihm und dem Inhaber des Wechsels vereinbart worden war, daß der Wechsel in der Wohnung des Herrn Simon Gottschalk in Empfang genommen und b^ahlt werden sollte. Herr Gottschälk konnte ohne Gefahr seinen Schwestern den Wechsel anvertrauen, wenn das Geld in die Wohnung gebracht wurde, aber Herr Müller, der anerkanntermaßen wußte, daß Herr 'Gottschalk ant 17. November nicht zu Hause war, forderte das Fräulein Gottschalk brieflich auf, ihm ben Wechsel zu bringen, und wenn das Fräulein nun das Geld verloren hat, so ist es Sache. des' Herrn Müller, wenn er einer Minderjährigen das Geld anvertraute, um'es dem zu Wrebringen, dent er es von Rechts wegen schuldete, und cs ist auch seine Sache, wie er die Minderjährige zum Ersatz des verlorenen Geldes anhalten will." Auf diesen Einwand war der Gegenanwall nicht ge-? faßt, und er kant deshalb immer wieder auf die gar nicht mehr bestrittene Bchauptung seines Mandanten^ zurück, daß er den Wechsel eingelöst habe. (Fortsetzung folgt.) Eckl jed. Art u. Preislage kauft man gut und preiswert im Trauring-Eck Frankfurt a. M., Trlerlscbe Gasse 3t Koke TöDgesgasse,vls-i-vla d. Hasengasse. Fr. Pletescb,mÄÄ«r. Kaiser Friedricti Qoelle —— Offenbaeh a. H. - Segen Sieht and BhenmatigmaB bewttrt» Alleiniger General-Vertreter: Frledrloh Stahl, Franhfuta.lL, Gflnthersbnrg-Allee 37. Tel.259 u. 714. Wocherr-Saleit-er. (Zeitangaben nach dem losch.) Samstag, den 4. April (--- 8. Nissan.) Sabbat-Anfang in Frankstnt a. M. 6 Uhr 25 Min. Sabbat-AnSgang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 45 Min. in Berlin 7 Uhr 26 Min. Wochenabschnitt: Zaw. — Die beständigen Altarfeuer, die besonderen Steten von Speiseopfern, Vorschriften für das Sündopfer, Schuldopfer, Friedensopfer und Dankopfer. Zeit- und Reinheitsvorschrift für den Genuß der Opferteile. Unerlaubte Genußstücke. Einkleidung und Weihe der Priester für ihren heiligen Dienst. (Aehnliches in Tezaweh.) Salbung mit Olivenöl, siebentägiger Aufenthalt im Vorhof des Stiftszcltes. Schabbos Hagodanl. Freitag, 10. April: Erew Pesach. Wochengottesdünste in Frankfurt. Morgens: 6 Uhr 15 Min. (Hauptsynagoge und Synagoge Wnigsternerstraße 7 Uhr 30 Min.). Abends: 6 Uhr 30 Min. (Häuptsynagoge 4 Uhr, Synagoge Wnigsteinerstraße 7 Uhr). N. ROSENAU Englische Herren-Schneiderei IO Goethestraase IO. Tamehau Anaführung. Massige Preise. Allgemeine Mitteilungen. Sederplauderei. Wie schön, wie herrlich schön ist es, wenn man den Seder im Kreise seiner Lieben feiern kamt Es dürste wohl kaum im Jahre auch nur eine Stunde geben, in der ein in weiter Ferne weilender, jüdisch empfindenden Jüngling so sehr die Fremde fühlt, als gerade am Pesach, speziell während der Sederabende. Wie viele solche dürfte es wohl geben, die das Eintunken der Kräuter in Salzwasser für überflüssig finden, wird doch das Einzutunkende, wenn sie an die Sederabende, die sie bei ihren Lieben verbrachten, zurückdenken — durch das sie unwillkürlich beschleichende Heimweh schon von ihren Tränen gesalzen! Mein väterlicher Freund, der bei mir wohl eine derartige wehmutsvolle Stimmung ahnen mochte und diese im Keime ersticken wollte, lud mich vergangenes Jahr ein, die ersten Pesachabende im Kreise seiner lieben Famllie zu verbringen. Daß ich dieser Einladung mit Freuden Folge leistete, wird man sich wohl denken können, ebenso braucht es wohl nicht erst erwähnt zu werden, daß mein liebenswürdiger Gastgeber und seine als gastfreundlich bekannte Gattin das erdenllich Möglichste taten, mir das Weilen in ihrer Mitte recht heimisch zu machen. aparte neu« Luster, französische Bindeart. Naturpr&p. Krännie ln grösster Aaswahl. Wolseliendorff df Meissner 88 Töngesgawse 38._ Wir feierten den Seder in gehobener, angenehmer Stimmung und, nachdem der vorgeschriebene Teil der Hagodoh gesagt und vom Hausherrn wunderschön erklärt worden war, wurde' das Beste der Küche aufgetragcn. Wir waren beim letzten Gang des wirklich hervorragend guten Diners angelangt, als ich mich plötzlich vor Schrecken einer Ohnmacht nahe fühlte! Ja, was war das, sehe ich recht, oder ist es nur ein Traum? Man stellte Butter auf den Tisch! Butter bei einer fleischigen Mahlzeit! Und dies mußte ich im Hause der mir als gewissenhaft und streng religiös bekannten Familie sehen! Die Hausfrau, die sich an meinem Schrecken zu weiden schien, rief mir zu: bedienen Sie sich nur ganz ungeniert, denn Butter aus Mazoh gestrichen, schmeckt einfach wunderbar." Bevor ich einer Antwort mächtig war, fuhr dieselbe in ihrem Gespräche fort: „Es tut mir herzlich leid, daß ich Sie so erschreckte; mein lieber Gemahl wird Ihnen, da ich rasch zur Küche muß, über diese Butter Aufklärung geben, — oder wollen Sie dieselbe von mir hören? Wenn ja, so gedulden Sie sich nur einen Augenblick, ich bin gleich wieder da." In der Tat war meine liebenswürdige Wirtin nach kaum einigen Minuten wieder ins Zimmer getreten. „So," sprach sic, „eigenllich müßte ich Ihnen zürnen und Ihne» keine Aufklärung geben, weil Sie auch nur den kleinsten Gedanken aufkommcn ließen, wir führten keinen ganz koscheren Haushalt." „Ja .aber," fiel ich ihr, auf die Butter zeigend, ins Wort — — „Gemach, lieber Freund, lassen Sie mich nur aussprechen. Es scheint mir, als hätten Sie keine Ahnung davon, daß es jetzt in der Nahrungsmittelbranche eine neue Erfindung gibt; es ist das ein vegetabiler Butterersatz und wird unter dem Namen „Tomor" in den Handel gebracht. Versuchen Sie mal dies „T o m o r" und Sie werden sehen, daß Sie keinen Unterschied zwischen der feinsten Süßrahmbutter und „Tomor finden." „Ja, woher wissen Sie aber, verehrte Frau, daß „T o m o r" koscher ist und auch zu Fleischspeisen verwendet werden darf?" erlaubte ich mir, ..schon etwas lleinlauter zu erwidern. „Ich dürfte Ihnen eigentlich zum zweiten Male wegen Ihres Mißtrauens keinen aufklärenden Bescheid geben, aber ich will Ihr Gewissen nicht länger beunruhigen." „T o m o r" wird unter Aufsicht und Leitung eines von Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. B. Wolf, Wln, angestellten und inspizierten Beamten hergestellt und darf sowohl für Fleischals auch Milchspeisen verwendet werden." „Ja, dies ist aber eine herrliche Erfindung," erwiderte ich, „und ich bin durch diese Neuigkeit für den ausgestandenen Schrecken reichlich belohnt»" „Sie hätten eigentlich schon bei den Fischen einen solchen Riesenschrecken bekommen müssen," sprach die liebenswürdige Dame, „da auch diese mit „Tomor" zubereitet waren, denn wie wäre es möglich gewesen, ohne „T o m o r" eine solch' wunderbare Bnttersauce herzustellen. Daß Ihnen das Kalbfleisch vorzügllich mundete, sagten Sie ja vorhin selbst und scheu Sie, lieber Freund, auch dieses war mit „Tomor" zübereitet." Nachdem wir das Tischgebet verrichtet und den zweiten Teil der Hagadoh gesagt und gesungen hatten, verabschiedete ich mich von meinen reizenden Gastgeberin da inzwischen Mitternacht schon vorüber war. Auf dem Wege zu meiner Wohnung und daheim angelangt, mußte ich. noch lange an diese unschätzbare Erfindung und über die Vorzüglichkeit dieses „Tomor" denken. Eine No r d l a n d r e i s e für rituell lebende Juden. Diese Neuerung ans dem Gebiete der Touristik wird von Bielen lebhaft begrüßt Iverden, denn bisher war es für den nach den Gesetzen seiner Väter lebenden Juden unmöglich, eine Nordlandreise zu machen. Die Initiative zu der Reise geht von dem Reisebureau Walter Bamberger, Hamburg, Neuerwall 91/93 aus. Dieses Bureau, welches alljährlich Gesellschaftsreisen nach Norwegen veranstaltet, hat sich entschlossen, in der Zeit vom 3. bis 19. Juni eine ähnliche Reise für rituell lebende Juden zu organisieren. Dem Programm eillnehmen wir, daß diese Reiseveranstältnng unter spezielle Aufsicht des Hamburger Obcrrabbiners Dr. Spitzer gestellt worden ist, und daß eine von diesem ernannte Vertrauensperson offiziell an der Reise teilnehmen wird. Für die Reise, die in Hamburg beginnen und enden wird, Ist der erstklassige norwegische Touristendampfer „Kong Harald" gechartert worden, der ausschließlich für jüdische Teilnehmer bestimmt sein wird. Der Reiseplan ist derartig zusammengestellt, daß die schönsten Gebiete Westnorwegens bis hinauf zum Nordkap ausgesucht werden. Die Tellnehmer werden demnach neben den bekannten Fjorden südlich von Trondhjem auch die Gebiete nördlich des Polarkreises kennen lernen: also das eigenlliche Land der Mitternachtssonne. Von den Städten Westnorwegens werden Stavanger, Bergen, Aalesund, Molde, Tromso und Hammerfest — die nördlichste Stadt der Erdeangelaufen, sodaß es an Abwechslung nicht fehlen wird. Die Teilnehmerzahl kann nur eine beschränkte sein. Der ,Kong Harald" Hai erstklassige Kabineneinrich- : tungen nur Jur cd. 100 Personen.. ...

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