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Neue jüdische Presse · 1914-02-20 · Heft 7 (20.2.1914) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 7 (20.2.1914)
Date
1914-02-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
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wir ischn ncrfun rer 9Jj Kajnit lkc ioo mpeir i> als ihrer ter öo Zum 1. Slfcar (27. Februar). i>em c'rftcu ahrzeitstage Kommerzienrats Louis eist s. A.. erscheint ein der Würdigung und „i G e da ch t n i s s e des unvergeßlichen Mannes cwidmctcs Buch. Denjenigen, die.s. Zt. das Porträt bezogen, ht das Buch vom nächsten 'Dienstag ab kostenlos' , unserem Büro, Lanaestr. 7, zur Verfügung. . Frankfurter Israelitisches Familienblatt. lang. derte -igentSi dicid [ferum : traiiri n lvuri erzäh ides J Pest olke. 3 gedrüil cht. » schwc! cs liii i ob beziigli h drch!s ' HM trat,! sah.bst recken v i auf mir fas itraj. c. so si dieses 1» olvcrn v. utgegcn: nd titiid asch stang «;r ich w und nd schl Aus Israels Lehrhallen.*) ung - akres lichte ü in- Ket iuiurlch Mit einem durch seine Einfachheit imponiei hi»! Eiibrn Geleitsbrief trat der Islam, die jüngste die Jh llcr Weltreligionen, auf den Plan. Der alleinig! brauch iott habe viele Propheten erweckt, und sie hätten cd imtlich die wahre Lehre verkündet; jetzt aber tgläubi >äre mit Muhammed der letzte und größte Prophet rjchieneu, und so sei die Entwicklung abgeschlosu. Auf einer derartig umfassenden Basis ruhend, iid nie uin Material verlegen, entbehrt der Koran ichts so sehr als die Originalität der darin iedergelegten Gedankenwelt. Selbst dort, wo sich ine neuartige-'Berknnpfnng zeigt, läßt sich auch liime.r bald.dartun, wie sic beschafft wurde und versu»! ne naiv das geschah. Dabei bemerkt man jedoch, aß die um Muhammed versammelten Vater seiner ehre bczw. ihrer Fassung weder mit den Schrif- :n des Alten noch mit denen des Neuen Testala icnts wirklich. bekannt gewesen sind. Um so deuticher ist dafür vielfach die geistige und inhaltiche Berührung mit der nachbiblisch-jüdischen Liteinur. Tie merkwürdige, lange im Verborgenen fortesetztc und bewahrte Midraschliteratur des Jndenuins blickt auf entlegene Anfänge zurück. Das Sort Midrasch (= Auslegung)' erscheint bereits in en biblischen Büchern der Chronika; es ist dort on einem „Midrasch der Königsbüchcr" und von nuäitaliucni solchen des Propheten. Jddo die Rede, schivic, -iese alten Auslegungen sind wohl schon zur Zeit 's christi verloren oder, was dasselbe bedeuten mrde, durch andere ersetzt gewesen; sie scheinen Zcrt auf die Bereicherung der. ursprünglichen Erzählungen nach der ermahnenden und der überreibcnd Ulustrierenden Seite hin gelegt zu haben. leschwis, le unglücklicher sich nachher die politische Gec des jüdischen Volkes gestaltete, desto ivl Schal l:nsiver wurde die Auslegung betrieben. Seit der Zimii ürnichtung des religiösen Zentralpunktes Jcru- ..ichgcsi ^om unter Kaiser Hadrian .bildet die Autorität mraubki roßer Gesetzcslehrer, mit Rabbi.Hillel und seiner chule zu Liberias anhebend, das geistige Band cs Judentums. Ilm 220 n. Ehr. werden diese abbinischen Aussprüche zmn ersten Male als Mischna" (-- Wiederholung, nämlich des Gesetzes^ Wendii reinigt; es kommen bald eigene Ausdeutungen Mensch uizu, bis die Masse der Abhandlungen (Traktate) [cnBlitf öer Einzelstellen, Kapitel und ganze Bücher der üben o übel als Talmud (= Lehrbuch) zusammengefaßt rscheint. Hierbei hat die streitbarer (? D. Md.) veruch, ulagte Richtung der in dem zum neupersischen Säsalidenreich gehörenden Babylonien wohnenden Jüdenemeinden die Oberhand gewonnen; der Talmud n heutiger Gestalt zeugt von diesem liebergewicht Brpcr A'"b heißt deshalb der. babylonische. Aus ihm itteln >i chöpften auch die ersten - islamischen Theologen hon,vm (ach Bedarf und Belieben. Aber die talmudische! ich m ^chriftbetrachtung an sich fällt unter den wisien- Wr eil gastlichen Begriff des Midrasch, - und als Miau^ „ »rasch wird sie seit nlters stofflich in Hälacha/und jaggada .eingeteilt. Halachisch sind alle Erörteungen,. die Gesetzesstücke ans der Bibel abziehen, nd chr Inhalt.gilt als bindend; haggadisch sind iff ich Dagegen fromme Sagen, die verehrt und. kultiviert, der für Leben und Lehre nicht als verpflichtend mgen ii »gesehen werden. Zwischendurch läuft, die soge-! lannte Kabbala,, ausgegangen von der allgemein-- rientalischen Zahlcnmythologie und zuerst, ziemlich rüh, .hei den Alexandrinischen JudenN unter dem cinfluß hellenistischer Philosophie zu einer allegoischen Bibelerklärung ausgebildet. Wort und Be- »riff der. Kabbalacheigeütlich ' — 'Tradition) .als Ge- *) Aus der „Nordd. Allg. Ztg.", dem offiziösen egierungsorgan. hcimlehrc tauchen erst um 751) n. Ehr. auf; die bald tiefsinnige, bald spielerische oder gar beschwö-- rerischr. Kabbalistik ist bei großen Rabbinen während des Mittelalters ist erst den gebieterischen Fortschritten neuerer Naturcrkeuntnis gewichen, hat aber die nichtjüdischeil. Vorstellungen gerade vom Talmud, mit dem sic dem Wesen nach in längst gelockerter Beziehung.stand, bis auf diesen Tag beeinflußt. So - sind christliche und jüdische Bibelerklärung ganz verschiedene Wege gegangen; auch als während des 18. Jahrhunderts die Midraschini den Reiz des Neuen (bekamen, dauerte es doch nicht lange, bis man einsah, wie sehr hier die einseitige Spekulation überwog, wie gering die zu finden gehoffte Fühlung mit den Zuständen und Voraussetzungeil biblischer Zeiten war. Die Gelehrten ließen also wieder davon ab, und vor kurzem (Mitte November.1913) starb in Dresden einer der wenigen christlichen Forscher, die sich in die schwierige und weitschichtige Materie jemals ernstlich und erfolgreich hineinzuarbeiten vermochten, v. Dr. August.Wünsche sah denn auch sein äußeres Leben in der Abgeschlossenheit verfließen, die das Studium aller eifrigen Talmudisten zu begleiten pflegt. Allein feine Mühe ist nicht ohne Frucht geblieben. Als erfahrener Orientalist und -darum mehr als Buchstabenenthusiast ist Wünsche mit eisernen! Fleiß durch den Schutt der Ablagerungen gedrungen. Da kamen aus den Grundschichten dieses babylonischen Turnces der Literatur doch manche Tinge von echter Altertümlichkeit zum Vorschein, die nlan früher beinl besten. Willen noch nicht hätte identifizieren können. In zahlreichen, natürlich lneist wissenschaftlichen Veröffentlichungen gab Wünsche darüber Auskunft, und in den letzten Jahren seines Alters entschloß er sich zum praktisch bedeutsamsten Schritt, nämlich zu einer .deutschem Uebersetzung der für" die Beurteilung des nachbiblischen Schrifttums wichtigsten Midraschim.*) Zn ganz verschiedenen Zeiten entstanden, oftmals neubearbeitet, bald rein lehrhaft, bald biblische Erzählungen ausgestaltend, zuweilen sogar verdeckt politisierend, entbehrt diese Literatur eines großen Mittelpunktes, des hervorragenden Schaustückes) Man sollte meinen, daß die 'Makkabäerbücher beispiclsloeisc den. naheliegenden Anstoß hakten geben sollen, Israels letzten nationalen Kampf gegen die Römerherrschaft gleichsam episch zu schildern, und' lvenn itoch so viele theoretischtheologische Abschweifungen <-in den. Kauf gegangen wären. Aber sogar ein Midrasch'„über die zehn Exile" lvird hier einsilbig; vielleicht weil bei seiner ersten Niederschrift-, das römische Imperium noch fortbestand. Es heißt also einfach: „Bespasian und Titus, der Sohn fernes Weibes, zogen herauf, zerstörten den zweiten Tempel und führten die Israeliten nach Rom. Dies ist das neunte Exil. Mach der Zerstörung des. zweiten Tempels erhob i'ich (die Stadt) Bitther (als Sammelpunkt der Juden ..(52 Jahre. Aber Hadrian, dessen Gebein zerbrochen werden Nlöge, zog herauf, zerstörte es, und flihrte die Israeliten von dort weg nach Rom. Dies ist das zehnte Exil." Ergreifend klingt der spätere Zusatz.: „Möchte die Herrschaft des Hauses David eilig zurückkehren in unseren Tagen, von der wir noch nichts gesehen und. auch nichts gehört haben, die aber kommen soll." (Schluß folgt). Zum Spracheukampf. In der Krosch ürc Dr. Pa ul Rathans heißt es: . „Der Hochmut, die Anmatzung, die Gewalttätigkei't, die jener kleine chauvinistische Kreis in Palästina glaubt betätigen zu dürfen, er tritt auch gegenüber den Mohamedanern in die Erscheinung. Dieser Kreis gibt die Parole aus, die arabischen Arbeiter aus den jüdischen Siedlungen und aus den jüdischen 'Kolonien vollkommen heranszudrängen. Die Folge sind Reibungen, die Folge ist Feindschaft, und die weitere Folge war die Orgamsätion eines besonderen jüdischen 23 « ch - terkorps, das bereits den Arabern kleine Scharmütze l. liefert, und v on Wo'che zu Woche *) „Aus Israels Lehrhallen". Kleine Midraschim, zum ersten Male übersetzt, und durch religionsgeschichtliche Exkurse erläutert von Äug. Wünsche. 5 Bände; Leipzig, Eduard Pfeisser. Gesamtpreis geb. 36,40 Jf., nngeb. in Halbbänden zu Preisen zwischen 2 und 4,40 gibt e r s ch o s s e u e 21 rabcr und ermordete Juden, und die Plutrache schürt die Gärung dann weiter." „Den Gefayren ans dem Lande entspricht der ltnsriede, der durch die Poale-sjion vor allem in den Städten e r r e g t w i r d . . Sie vertreten die a l l c r e r t r e m st e n wirtschaftlichen 2lnschauungen; sie untergrabe n d a s gute Be r hält n i s zwischen 2l r b e i t g e b r r ii n u d 2l r b e i t n e h m e r n und schädigen damit ernülich die wirtschaftliche EnVvicklnng des Landes . . Hierzu geht uns von mas: geben der poat^ez i o n i st i s ch er Seit c ein Brief zu, dem wir hier ja» gende Stellen entnehmen: „Es ist eine ll n w a h r h e i t, daß. die Poale-Zron die Parole ausgegeben hätten, die arabischen Zlrbeitcr aus den jüdischeü Kolonien zu entfernen. Wir sehen, als Sozialisten, ökonomisch zu klar und sind von nationalistischer Engherzigkit zu sehr entfernt, um nicht zu wissen,, daß dies weder ein erreichbares noch ein schönes Ziel wäre. Die Pvale-Zion haben stets die 2lnsicht vertreten,' das) der Zustand in der Mehrheit der bestehenden privatwirtschaftlichen Kolonien, wo jüd. Grund- und Plantagebesiyern arabische 2lrbeiter gegenübersiehen, ein national und sozial ungesunder ist. Wir haben.stets betont, daß es die 2lnsgabe der jüd. Kolomsation ist, den' bcsinlojen Einwanderern 2lrbritsgelegenheit zu verschasfen und den Zutritt znm Boden zu ermöglichen. Wir haben es als unsere nationale und soziale Pflicht bczcichnet, durch -Lelb starbeit das sittliche Recht auf den 'von uns okkupierten und der Kultur erschlossenen Beden zu erwerben. Diesem hohen sittlichen und sozialen Ideal dienen die Hunderte und Tausende von jiid. 2lrbeitecn und Intelligenzlern, die in die alte Heimat gehen und sich aus Städtern zu Landarbeitern und Wächtern mühselig diirchringcn. Kein Opfer an Gut und Blut, kein Bruch mit unveränderlich geltenden Lebenssitten ist diesen jungen Männern und Frauen zu schwer, denn sie suchen in Palästina eine Stätte von 2lrbeit und Freiheit. Eine Verdichtung der arbeitenden Bevölkerung Palästinas erstreben wir, nicht die Verdrängung irgend eines Teiles der Bewohner des Landes. Bor diesem stillen Heldentum sollte ein Dr. Nathan, den Hut ziehen, anstatt nach, den frischen Gräbern der gefallenen 2lrbeiter 'und Wächter mit Steinen zu werfen. Es 'ist eine gewissenlose Erfindung, daß die jüd. Wächter gewalttätig Vorgehen und den Llrabern Scharmützel 'li'esern. Der sudenfresserische „K'armel"-Redaktcnr hat sich noch eine derartige Behauptung nicht geleistet. Wahr ist, daß ini letzten Halbjahr allein in Judäa und Galiläa 4 jüd. Llrbeitcr und 3 Wächter größtenteils aus dem Hinterhalt ermordet wurden. Bei den Zusammenstößen mit arabischen Dieben und Räubern soll auch ein Llraber schwer verletzt worden sein. Infolge der schlechten Sicherheitsverhültnisse hat die türkisch Regierung die jüd. Wache in Untecgaliläa anerkannt und ihr behördliche Befugnisse übertragen. In diesem 2lngenblick wagt nun Herr Dr. Nathan, ohne auch nur eine Tatsache anzuführen, zu behaupten, daß man die Christen in Palästina „provokatorisch in ihren Empfindungen zu verletzen und zu mißachten für nützlich" halte und hetzt das Llrabertnm und die uneingeweihte europäische Oefsentlichkeit gegen uns und das ganze jüd. Siedlungsivck in Palästina aus. Dem «ozialpolitiker Dr. Nathan sind die Bestrebungen der 2lrbeiter zur Verbesserung ihrer Lage in einem Lande ohne jeden gesetzlichen 2lrbeiterschutz die „allerextremsten", die die wirtschaftliche Entwicklung des Landes schädigen. Durch den Borwurf der übertriebenen wirtschaftlichen Forderungen widerlegt übrigens Dr. Nathan seine eigene grundlose Behmiptung, daß wir die Llraber zu verdrängen suchen. Denn wie kann die süd. Llrbeiterschaft mit ihren höheren Bedürfnissen und Lohnsätzen eine viel tiefer ste- - hende und genügsame Arbeitcrschicht unterbieten! Es läßt sich mit mehr Recht behaupten, daß die jüd. Einwanderung dazu beigetragen hat, die Lebenslage «nd die Löhne her 2lraber zu steigern. . . . Herr Dr. 'Nathan will durch all diese Andeutungen den Eindruck erwecken, daß die hebräische Unterrichtssprache als Mittel gedacht sei, nur die Araber aus den jüd. Lehranstalten unddem Technikum auszuschließen. Es ist allerdings ein Geheimnis des Herrn Dr. Nathan und seiner ..inohameöanischen" Gewährsmänner, warum die deutsche Unterrichtssprache den Arcäern vertrauter und erwünschter sein soll, als die der arbischen durchaus verwandte hebräische Sprache. Ein wirklicher Freund der arabischen Knlturreiiaissance, der keine politischen Hintergedanken hegt, müßte den 'Arabern weder «in deutsches, noch ein französisches Technikum, sondern ein völlig selbständiges arabisches Schulsystem wünschen. Solange die Araber aus andere Lehranstalten angewiesen find, begrüßen wir es, wenn Araber unsere jüd. Schulen'besuchen und aus ihnen Nutzen ziehen. Dieser ideelle Güteraustausch kann jedoch nur dann zu einer geistigen Annäherung beider stammverwandter Böller führen, wenn der 2lraber aus der jüd. Schule ein Stück jüd. Kultur und Verständnis für unsere Sprache und Sitte mitnimmt. Ein von -Juden und 2lrabern besuchtes deutsches Technikum ist beiden Völkern gleich fremd und hemmt den Fortschritt sowohl der jüdischen wie der arabischen Kultur Aas dem Jahresbericht des Centralvereins Jsr. Gemeinde- Mitglieder. Die Frage, die seit zwei Jahren die Gemüter nicht bloß in unserer Gemeinde, sondern in der gesamten deutschen Judenheit so sehr erregt hat, war mit dem Beginn unseres eben zu Ende gegangenen Vereinsjahres

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