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Neue jüdische Presse · 1914-02-13 · Heft 6 (13.2.1914) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 6 (13.2.1914)
Date
1914-02-13
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite iÖ. Jedem, niflfl er nun tu Seide prangen oder in schlichtem Werktagskleid.- lins Ueberlebenden aber bleibt ein schmerzliches und ernst erbarmuiigsvollcs ,Erinnern. AI. Tp. Bialik und ras Judentum. Am 26. v. Ai. hielt Herr R o s e 11 v l u in in der zionistischen Jugendgruppe einen Vortrag über: „Bialik und das Indentnm". ' Redner zog. eine Parallele zwischen Judentum und Griechentum. Er meinte, die Juden hätten keine Mythologie. Auch Philosophie fehle ihnen, weil sic Gott als Tatsache mischen und deshalb sich in ihn nicht vertiefen. Was „Kohcleth" anbetrifst, so wäre dieses Werk kein philosophisches. Darauf bewertete Redner die Werte des Judentums ■ und meinte, die Propheten waren zwar sehr bedeutend, aber keine Dichter.' Er versucht, klar zu machen, daß den Juden stets Kraft inne wohnte, die aber im „Goluth" brach. Ein Zeuge davon sei der Talmud, der „ein Produkt dieses kranken Geistes" ist. Nur von Zeit zü Zeit erwache diese Kraft von neuem in einzelnen Männern. Im Dichter 5BioIii komme diese Kraft auch zum Vorschein. Darauf ging der Redner zur Biographie des Dichters über. Im 2. Vortrag, am 9. d. M., sprach der Redner über das Wesen Bialiks und zitierte einige Gedichte. In der am 2. Vortrag aufchließeuden Diskussion sprachen Dangilaicky und cand. Phil. Nobel., Elfterer betonte, gerade für einen Nichtorthodoxeu habe das Judentum eine reiche Mythologie, die natürlich 'anders geartet ist, als die griechische. Was die Propheten anbetrifft,' so sind sie die größten Lyriker aller Zeiten, was Männer wie Goethe und Herder sogar zugeben. Die Behauptung, die Juden hätten keine Philosophie, trifft nicht zu; denn bekanntlich hatten wir sehr große Philosophen. Daß, der Talmud vom kranken Geiste des Goluth beeinflußt sei, ist nicht richtig, denn er ist nicht im Goluth entstanden; damals stand die Judenheit noch machtvoll da. Herr Nobel erwiderte, im Talmud sogar.finde man philosophische Stellen und von „Koheleth" sagte sogar 'Kant,- daß es ein tiefes philosophisches Buch ist. — Der Talmud sei schonimmer angegriffen worden, und zwar immer von jüd. Seite, aber die Behauptungen sind unwahr und zerfallen in nichts. Mythologie gibt cs bei uns keine, wenigstens nicht für den srommcn Juden. Wenn man aber von Mythologie sprechen will, so muß man höchstens von semitischer Mythologie sprechen. Im Schlußwort erwiderte Herr Rosenblum, er ' habe nicht den Talmud herabwürdigcn wollen. 'Er meinte nur, er .wäre nicht vollständig, weil er im Goluth entstanden ist. Kolew. Wohltätigkettsvorttellung. Ein elegantes, farbenfreudiges Bild entwickelte sich Montag abend im Neuen Theater. Die jüdische Gesellschaft Frankfurts hatte sich für einen edlen Zweck ein Stelldichein gegeben- Es galt, einer Veranstaltung zmn Besten der „Volks- und Wirtschaftsschulen für Mädchen in -Palästina" beizuwohnen. Neben den Schauspielern hatten Dilettanten von, bedeutendem künstlerischen Können sich in den Dienst der guten Sache gestellt: Wir nennen die Damen Toni Mayer, Tessie Kauffmann, Claire Gerstle, Abice Rosenbaum, Lilly Meyerhoffcr und die Herren Referendar Paul Bock und Franz Bock. Büfettbedicnung, Blumen- und Loseverkauf geschah , durch Damen der Gesellschaft, und so flössen reichlich die Gelder und die Veranstaltung erreichte in vollem Maße - ihren. idealen Zweck. Kleine Notizen. Der Vorstand der Israel. Gemeinde befaßte sich in - seiner letzten Sitzung mit dein Projekt der Errichtung einer traditionell geleiteten höheren Schule. Aus finanziellen Gründen kam er einstimmig zu einem ablehnenden Entschlüsse. Joseph Speyer, Ostcndstr. 33, feiert Sonntag als Schächtbeamter der israelitischen Gemeinde sein 25 j ä h - riges Dienstjubiläum. KaustnannWrtur F'orchheimer würde zumHandeksrichter ernannt. Anläßlich der Wohltätigkeits-Vorstellung - im Neuen Theater am 9. Februar zum Besten der „Bolks- und Wirtschaftsschulen für Mädchen in Palästina" hatte die Firma A. R o t h s ch i l d, Schillerstr. 16, die Bühne n- Jnterieurs und die Orient-Teppiche sreundlichst zur Verfügung gestellt. ‘ Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Christ. Wilhelm' Leux Telef. I, 3567. Hoflieferant. Goethestr. 31. Herren-, Samentu JLivreeschneiderei. Spazlal-Sportgescbäft . ■■■ Aof Wnpsch koschere Verarbeitung. —= Im Banne der Erinnerung. Novelle von Leopold Zucker. Der warme Sommerwind kam durch das offene Fenster nnd spielte in den Haaren des Mannes, der vor einenl Tische saß, den Kopf leicht in die Hände gestützt. Vor ihm lagen Briefe und einige Bücher, auf denen sein Blick teilnahmslos ruhte. Aus das' Alter des Mannes ließ der Ausdruck des' Gesichts keine bestimmten, zuverlässigen Schlüsse zu. Die etwas hervorstehendcn Backenknochen und der strenge, festgeschlossenc Mund standen in einem eigentümlichen Kontrast zu den Hellen, leuchtenden, Jugend und Kraft ausstrahlcndcn Augen. Ab mü> zu legte sich die hohe, klare Stirn in tiefe Falten, daß es für einen Augenblick wie ein dunkler Schatten über sie hinflog. Er sah hinaus; graue Häusermassen ragten aus der Tiefe zu ihm herauf und starrten ihn ftemd und feindselig an. . Er mußte an seine eigene Hemmt denken, wo ein lichter, blauer Himmel über iveitgedeh'nte Wiesen und grüne, sanfte Hügelketten sich spann, und der Wind leise und melodisch sang, wie fern im Walde verklingende Stimmen . . Und er dachte an die Sabbatnachmittage, an denen festlich gekleidete Menschen durch die Straßen der Stadt lustwandelten, einander grüßten und ansprachen und sich miteinander fteuten. Er fühlte, wie seine Augen heiß wurden . . Da öffnete sich die Tür, wid Helene Klar, die Sekretärin seines Chefs, trat ein, der einzige ihm wohlwollende Mensch im Geschäfte, der einzige, der so gar nicht befremdet tat.über sein undeutsches Wesen und die ostjüdischen Allüren oder gar versteckte, spitze Bemerkungen darüber machte. Er war wieder ruhiger geworden, während er mit Helene Klar sprach. Dann, als er Me Fragen beantivortet hatte, wandte er sich wieder seiner Arbeit zu. Doch sie blieb stehen, und er hörte sie sprechen: „Herr Münzer, weshalb sind Sie so sonderbar? Ich denke mir manchmal, es müsse Ihnen in Ihrem Leben etwas Furchtbares passiert sein, das Jhüen nicht aus dem Gedächtnis schwinden kann." Diese unerwarteten Worte versetzten ihn in stürmische Auftegung, rührteir sie doch an eine alte, immernoch blickeirde Wuiide. Aber er mußte antlvorten, und so sagte er: „Fräulein Klar, Ihre Frage hat mich überrascht. Ich konnte nicht erwarten, daß mail hier für mich so viel Teilnahme hat. Manchmal glaube ich, b'afjjjttan mich — wie soll ich mich ausdrücken! —, daß man mich wegen meiner schlechten Aussprache und ungewohnten Umgaugsfornien als einen Menschen zweiter Klasse betrachtet. Sic wissen, was ich sagen will! Weil ich kein Deutscher, sondern ein russischer Jude bin." „Wir machen keinen Unterschied)" erwiderte Fräulein Klar nachdenklich. Dann fügte sie hinzu: „Unsere östlichen Glaubensgenossen sind so merkwürdig empfindlich; sie wittern überall da Nichtachtung und Zurücksetzung, wo sie am wenigsten vorhanden sind." „Fräulein Klar, ich kenne den Schwerpunkt Ihres Einwandes gegen meine Behauptung," gab Adolf Münzer lebhaft zurück. „Sie werden auf die Wohltätigkeit, den Spezialität; Franke & Weber \ , (OeinhorRen. fc5ay41, J _ Nr. 6. Beistand in jeder BezielMNg Hinweisen, deren sich di ausländischen Juden von Ihrer Seite zu erfreue» haben. Doch läßt nicht die Form, in der das zuweilc, geschieht, den Geist der Liebe und Brüderlichkeit ver missen? Es ist. eine allzu große, unüberwindliche Ti stanz, die der deutsche Jude zwischen sich und den fremden Juden geschaffen hat. Freilich: wenn er bei europäisierten Herrn spielt, dann vergißt er, daß da< geheime, mrbewußte, vererbte Leid, das ihm wie nach düstcrnde Schatten aus den Augen leuchtet und sein dornenvolle Vergangenheit iuid die innige .Verwandt schast mit uns dokumentiert, ihn Lügen straft uni feilt Gebahrcn zur Lächerlichkeit stempelt." „Sic urteilen sehr hart," erwiderte Fräulein Kla ruhig. „Manches davon mag schließlich wahr sein aber nicht wahr," sagte sie dann in plötzlich veränder tem, lebhaften Ton, „wir wollen uns darüber nich streiten. Uebrigens ist cs Zeit, daß wir Schluß machen Es ist bereits 7 Uhr vorbei. Vielleicht machen Sii einen kurzen Spaziergang durch die Anlagen mit?" Bald darauf schritten sic beide dem Stadtparke zu Es wimmelte von Spaziergängern. Autos rasten in rn schein Tempo vorbei. Hellfarbige Kleider zeichneten fid freundlich vom Grün der Bäume ab, warfen in tauseni bunten, schillernden Farben die Strahlen her Sonn, zurück und wetteiferten mit der Pracht des Himmels der sich hoch oben in reinstem, zartem Blau wölbte Die zu Anfang recht lebhafte Unterhaltung dei beiden verstummte, als sie sich nach einiger Zeit au! einem von Menschen wenig begangenen Weg befanden Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach, die in Grunde dieselben waren und sich auf den anderen be zogen. Während Adolf Münzer seine Begleiterin betrachtete, erinnerte sie ihn immer stärker an seine Chajc Malke, die er auf so grausame Weise verloren, uni der unbändige, so oft gefühlte Schmerz darüber packt ihn mit solcher Gewalt, daß er meinte sterben zi müssen, wenn er nicht das schwer beladene Herz erleichterte. So begann er denn: „Da Sie mich fragten, weder , Grund meines scheuen Wesens sei, und ich' au- Jhrer Frage eine wirkliche Teilnahme herausgehört habe will ich Ihnen erzählen, wie cs kam, daß ich dagcworden, was ich nun bin. (Schluß folgt.) Spende». Beiin Frkft. Jsr. Fmbl. ginge» ein: I ü d. N a t i o » a l f o n d s. Familie Würzburger statt Telegramm Hochzeit Neu- »iann/Weisbcckcr 0,50 J Bei der Nationalsondskommission gingen ein: Martin Levigard (Büchse) 2,70 Heinrich Bing, Rödcrbergweg (Büchse) 4,60 Jt. Tachkemon i. S. H. 1,— Jl. Selmar Geis, Saly Geis gratulieren Joseph Oppenheimer zur Verlobung 1,— J Folgende 31 n t io nalsondsbü ch s e n wurden in M ainz durch Frl. Friedmanii, Weinberg, Prais und Herrn Gittler geleert:: Fricdmann (6,22), Lazarus (2), Schäfer (3,50), Lcvy (0,80), Schott (2), Vogel * (1,50), Fricdmann (5,77), Schwarzschitd (1), Weinberg (1,50), Epstein (1,50), Schiller (3,50), Gutschein (2,10), I. Rudowsli (0,75), M. Rudowski (1), Stciermann (1), Klarwein (3,04), Schupak (1,10), Jak. Aitekmann (3,80), Lemel (2), Kutzcr (2,20), Prais (1,30), Schapiro (1,95), W. Aitekmann (1,10) I. Aiteckmann (1,15), Mauer (1,05), Sadger (0,93)) Schliwkc (1,34), Gittler (2,40) Jf. Nr. hier, ( von de schreinc In straße des Un das D Meister Di Juden» tätige bricht Rahcl, eine T wirst in dil man v so, um sondcri szene, Vaterh W wirkun belehr! lieus wo rcl iiirgen tagabc S von H Vi Dac Tel. Uebe solide rein« Gtesta Str Allgemeine Mitteilungen. Samstag, den 14. Februar eröffnet die bekannt! Fabrik-Niederlage für Beleuchtiingsgegenstände Angnx Lei big. in der Gr. Friedbergerstr. 13—17. ihre neuer Ausstellungsräume. Die Jinien-Eiiirichtung ist entworfen von der Architektensirma H. G. Miller und O. Rumpel, Drneklnftanlase Ci. m. b. M. Taunusstrasse 77 Offenbach am Hain Fernsprecher 123 — UuüberlroAene Teppichrehugung mittelst Druckluft. — QnalitSt: Smyrna und Perser . 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