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Neue jüdische Presse · 1914-01-30 · Heft 4 (30.1.1914) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 4 (30.1.1914)
Date
1914-01-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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zu Nr. 4 des Frankfurter IsraeliMm MmilimklaM. Die Falaschas.*) ^Berichterstattung Dr. Faxtlovxtch's über seine dritte Reise in Abessinien.! I. . . . Ter erste Falaschaforscher war Louis M a r l u s, ein in T e s s a u iin 'Jahre 1798 geborener Gelehrter. Dieser opferte seine .ganze Heit dem Studium der Falaschas; aber die Intensität entriß ihn dem Werke und. dein Leben. Sein Nachfolger >var nicht glücklicher als er. F.ilosseno.Kuzzatto, Sohn des berühmten. Professors Samuel Tavid Luzzatto aus' Padua, hat den 'Forschungen über die Falaschas zum Opfer fallen müssen. Ties Problem 3x1 lösen, war für diesen jungen Gelehrten das Ideal seines Lebens. Alle Anstrengungen der Seinigen, die ihxx dieser für ihn zu schweren Aufgabe 'entreißen wollten,, waren erfolglos: er hatte sich sein Ziel gesteckt und für dieses kämpfte er hartnäckig. Wenige Stunden vor dem Tode, auf dem Leidensbette, war er noch dabei, sein Werk zu schreiben: „Memoire sur les Juifs d’ Abyssinie." Biel glücklicher in diesem Unternehnien war Professor Joseph .v> a l e v y aus P a r i s. Im Jahre 1868 wurde dieser mit einer Mission in Abessinien betraut, nur axx Ort und Stelle die Verhältnisse der Falaschas zu studieren, dieser Juden, die seit Jahrhunderten von uns in so inerlwürdiger Weise getrennt sind. - Nachdem Halevn xnonatelang in der Wüste umhergeirrt xind die härtesten Entbehrungen gelitten Halle, gelang es ihm, in .das Land der Falaschas vorzudringen. Ihm gebührt die Ehre, der erste Jixde gexoesen zu. sein, der die Falaschas aufsuchte und ihnen persönlich den briiderlichen Gruß der Juden Europas brachte. Prof. Joseph Halsvy hätte sein Unternehmen vollbringen können, und das Resultat seiner Reise wäre ersprießlicher gexoesen, f wenn unvorhersehbare Umstände seine Bestrebungen nicht gehömmt hättexx: Abessinien xvar chaxnals von Bürgerkriegen zerfleischt und von Aufständen gegen die exxglische Expedition dxxrchzittert. Prof, Halsvy xvxxrde der Spionage beschuldigt, vcr das Militärtribunal eines ciugeborencu Häuptlings. geführt und zur Füsilieruug verurteilt. Tas Eintreten der Falaschxxs rettete ihm das Leben, unter der Bedingung aber, sofort das Land zu verlassen. Dieser Zwischenfall in Abessinien xxxxd hanptsächlich feixte Rückkehr nach Europa in einem wenig günstigen Augenblick -erschütterten-'' seinen ganzen Aktionsplän zu Guxxsten der fernen Brüder. Tie Epoche des französisch-deutschen Krieges xvar der Erlösungsbexregung der Falaschas nicht sehr günstig: diese Abenteuer und viele andere Mißerfolge, die er in dieser Kampagne erprobte, brachen seine ganze Zähigkeit, und er xvxxrde gezwungen, die Fortsetzung des llnternehinens und die persönliche Lösung dieses Problems auszugeben. Aber nenn diese Hindernisse und sein vorgerücktes Alter ihm. nicht erlaubten, sich wieder nach Afrika zu begeben, so hat er doch nie axxfaehört, sich init der Falaschafrage zu beschäftigen. In seinen Kursen der äthiopischen Sprache an der Pariser Universität hat er seine Hörerschaft in die Keiiutnis der.Geschichte, der Sitten und der Regigicn der Falaschas eingeiveiht. lieber die Falaschas zu sprechen, xvar für ihxx immer ein bevorzugtes Thema, nud er hat nie die Gelegenheit vernachlässigt, seinen jüdischen Schülern die Idee zu suggerieren, dieses von ihm begonnene Werk zu verwirklichen. Tie von einigen seiner Schüler unternommenen Initiativen, die keinen Erfolg hatten, haben ihn bei iveiteixr nicht entiixiitigt. Tiefer tapfere Kämpfer der Jalascharegenpration hat nie gczxvcifelt, eines Tages einen Nachfolger für sein Ideal zu finden xind Zeuge der Verwirklichung seines Traumes zu ' feixt. Tr. Jacques Fafflovitch. ~) Die in Florenz irscheiiieude „La Scttimana Jsraeiitica", die von Dr. Margnlics gegründet xvxxrde, beginirt». bt.it Bericht von Dr. Faitlovitch, der dieser Tage tu Florenz eingetroffen ist, über seine dritte Abessinienreise in einer Serie von Artikeln zu veröffentlichen. Wir geben Miseren Leser» die '.Hvtifet im Auszug wieder. Aus der „Agudas Aisroel"-Bewegurrg. Mal«;. Aus Initiative Referendars Dr. Max O p p c n h e i in e r ixnd Rabbiners Dr. B 0 n d i ist hier eine Iugendgruppe init 40 Mitgliedern gegründet worden. Eine Mädcheiigruppe mit fast 50 Mitgliedern besteht bereits seit einigen Wochen. Zürich. Zwecks Gründung einer Jugendgrupve sand hier eine von 200 .Herren und Damen besuchte Versammlung statt. Es hielten Ansprachen M a x M a n - n e s, Rabb. Korn fei xr, cand. phil. I s a c Nobel. 3 c (m a Dreifuß, Gabriel F ii r st und Joseph Erlanger (Luzern). Nach einer längeren Debatte schlossen sich dann die »leisten der Anwesenden der Jugendgruppe an. StantSlau ,Ga>izien). Nach einer glänzenden Bersammluug, an der Taufende teilnahinen, ist hier eine große Ortsgruppe gegründet worden. Czernowitz. Aus Einladung Öberrabv. Dr. Josef R 0 s c n f e l d hotten sich iin Jüd. Nationalhause mehr als 2000 Personell ciiigeflxnden. Tie Ausführuilgen des ehrwürdigen Redners fanden hegeisterrcn Wiederhall. Die Konstituierung der Ortsgruppe wird nächster Tage vorgenommen. In Lcreth wurde eine Orr s g r 11 p v e mir Ravb. A j ch k e n a s y als Präsidenten gegründet. Parts. Kommandant L i v m a n veröffentlicht soeben mitcr deiil Titel „Agondath Israel. Vers ln Renaissaixre Juivc" seine» letzten Sommer gehaltenen Vortrag. Gehört cs in unseren Tagen schon zu den Seltenheiten, daß ein höherer Offizier sich mamihast zum Giailben drr Väter bekennt, so muß es als ein überaus erfreuliches Symptom bezeichnet werden, daß nunniehr auch in Frankreich sich neues jüdisches Lebe» zeigt. Kommandant Lipxnaxx ist ein thoratreuer Jude. Im Zusammenschlüsse mit den Gesetzestreucn der andere» Länder sieht er de» Weg, der zurück zur Thora fiil/rt. New Dorf. Die P ooaganda für die Agudas Jisroel hat hier, veranlaßt durch die Anwesenheit der Herren Rabbiner W a l k i 11 uuö Dr. M cier Hilde s h e i m c r, große Dimensionen angenommen. In kurzer Zeit fanden 16 große Versammlungen statt. Wie in Europa, so ist auch hier die gesetzcstrcuc Jugend für den Zusammenschluß begeistert . ' Bei der Zahl der Inden Newyoris — eine Million — und ihrer Zersplitterung dürfte» einige Jahre ziclbewußter 'Arbeit erforderlich sei», um alle in Betracht koniiiiiiideii Kreise zu gewinnen. Leider fehlt es hier an einer fronxmen Intelligenz: eine solche könnte die Massen höhere» Zielen zuführeu und aus ihnen eine jüdische Gemeinschaft gestalten,' wie sie die Geschichte noch nicht kennt. New Nork, 12. Jan Rabb Walkin und Dr. Hildesheimer haben ihre hiesige Propaganda mit großem Erfolge abgeschlossen: sie betuchen jetzt die größeren Gcmciiiden ini Inland. Hicr hak sich ein ständiges Orgaiiisationskomitee gebildet. Adresse: Office of „Agudas Jisroel", 165 East Broadivati, Newoork. Aus de» Bereiueu. Berlin. Der Verein „Freunde derTaubst n m >» r » — Jedide Jtiniw" — Adresse: Ad. Salomon, Ehnrlottciiburg 2, Kiicsebeckstr. 35/:>6 nimmt zum Avril wieder taildstniiime jüdische minder aus. München. Auf Einladung des „Bereirrs jüd. Akademiker" spracht Lehrer Max Strauß von hier über „W a 11 dort u st d e r Jugend und deren erzieherisch e W i r k ii 11 g f ü r Schule n n d Ha 11 s". Ausgehend von der Betrachtung der Jugend, wie sie einst war und jetzt ist, kam der Redner zu der Anschauung, daß bei der ziiiiehmcndeii Miliar auch die Erziehung eine freiere Form aniiehmen müsse. Ganz besonders nötig sei jür Lehrer und Elter», allen neuen Bestrebungen, die zur Hebung des leiblichen und geistigen Wohles der Jugend beitragen können, die größte Anfmertsamlcil zuznwcnden. Ein vorzügliches Erziehungsmittel erblickt der Redner in der Wanderung. Im Laufe seiner diesbezüglichen Ansjül,rungeii bekannte er sich als Anhänger solcher jüdischer Wniidrrbiiiide, welche nicht nur das jüdische Selbstbcwußtscin heben, sondern es auch ermöglichen, daß die Teilnehmer in ritueller Hinsicht keinen Gefahren ansgesrtzt sind. Es würde zu weit führen, all die schönen Gedanken, welche der Redner zum Ausdruck brachte, wiederzugeben: es märe sehr zweckmäßig, wenn derartige Borträge durch Drucklegung einem weiteren Kreise zugänglich gemacht würden. Dem mir großem Beifall aufgenommenen Referate folgte eine sehr anregende Diskussion. Geilenkirchen. Anläßlich Kaisers Geburtstag hielt im „V c r e i 11 der i s r. Ingen d" Lehrer Froh m a n 11 eine patriotische Rede. Sodann sprach Mar Wolff- Cöln über „Moses Mendelssohn und seine Zeit". Aus -er Lehrerwett. Berlin. Der Zentralausschuß des Rabblnerder- Verbandes in Deutschland beschloß, die Frage der jüdischen Volksschule auf die Tagesordnung der nächsten Generalversammlung — Weihnachten in Berlin — zu setzen. Colmar. Qb-rrabbjner I. Weil feint am 7, Februar sein öOjä h r ig'es Am ts j ub il ä um. Czernowitz. Qberrabb. Dr. Josef Rofenfeld erhielt das R k ttc r i re u - des Fra nz I0 ses - O r de 11 s. Kraka«. Zn C z e n 0 w ist im 44. Lebensjahre Rabb. SiNIche Isachar Halberstam, ein Schwiegersohn des verstorbenen Belzer Rebbe, verschieden. Er war eine anerkannte Talmndgröße. Frankfurter Berichte. . Die Borgeschichte »er Zitmismnö. Au> lö. Januar hielt in der Zion. Vereinigung- Res. H. Wohlfarth einen Vortrag über „Die Vorgeschichte des Z i 0 n i s ni u s". Redner führte solgendes aus: Der Wiuisch, nach Zion, zurückzukehren, ist niemals erloschen. Im Talmud findet man sogar Ermahnungen, dafür energisch einzutreten. Wenn man de» Zionismus von seiner frühesten Entstehung an verfolgen will, so muß man drei Epochen unterscheiden: die erste Epoche von der Zerstörung des zweiten Tempels bis zum Jahre 15,00: diese Epoche ist rein national. Die zweite Epoche von 1500 bis zur Emanzipation. Das ist die Epoche des mystischen Zionismus. Endlich die dritte Epoche, der moderne Zionismus. In der ersten Epoche werden die zionistischen Versuche von dir Trauer des jüd. Volks über seine Zerstörung geleitet. Die zweite Epoche ist erfüllt von mcssianischen Gedanken. Dort greift die „Kabbalah" ein und tvill rin rein jüd."Dogma schaffen, ixn Gegensatz zur vorigen Epoche, die intellektuell und radikal mar. Zu dieser Zeit entstanden viele falsche.„Messtasse", u. a. Abraham Abulasia, David llrbeni, Sabbatei Zwi, Jakob Frank; doch alle ihre Versuche scheiterten. In der dritten Epoche xmn entstellt allmählich der „politisch-wirtschaftliche" Zionismus. Den Gedanken, Palästina zit besiedeln, wollte sogar der genialste Herrscher — Napoleon I. — realisieren, aber äußere Nmstände zwangen ihn, ans diesen Plan zu verzichten. - Im Jahre 1862 läßt Moses Heß sein Buch „Rom und Jerusalem" erscheinen. Seine Forderung läuft auf die Schaffung eines geistige"» Zentrums ans, nach der Art des Ächad - Haamismus. Kalischcr läßt seine beiden Bücher: „Drischas Zion" und „Rischon Lezion" erscheinen. Er beweist vom Standpunkte der Religion aus, daß es eines jeden Juden Pflicht ist, an seiner Selbstbefreiung zu arbeiten. Zu diesem Zwecke empfiehlt er die Kolonisation. Im Jahre 1835 wird in Prag eine Studentenverbindung im zionistischcn Sinne gegründet. Im Jahre 1861 gründet Kalischer in Frankfurt a. M. einen Kolonisatioxisverein. Die erste Kolonie „Miiweh - Jisroel" wird von Karl Netter gegründet. Auch Smolenskin tritt in seiner Zeitung, „haschachar" stark für den zionijtischeu Gedanken ein. Die Lage der Juden zu dieser Zeit war sehr prekär. Sie wurden überall von den Antisemiten bedrängt. Während nun die osteuropäischen Juden sich dadurch nur »och enger aneinander schließen, versuchen die westeuropäischeil alles Jüdische zu verleugnen, um ihren Unterdrückern zu schmeicheln. Da erscheint von Leo Pinsker ein Mahnruf an die Juden. Das- Buch ist bei keiner Klarheit und Originalität der Gedanken sehr bedexttend. Lilienblum kommt Pinsker zu Hilfe. Der Memeler Rabbiner Rüxf läßt fein Buch „Aruchas baß ami" erscheinen. Pinsker gründet schließlich eine Bereinigung unterm Namext „Chowelvci Zion". Achad Haam hat das Prograxnm dieses Vereins bemängelt, indem er sagte, der Schwerpunkt sei nicht auf das Materielle, sonder» ans das Geistige zu legen. --- Im Jahre 1882 gründete Nathan Birnbaum die „igadimali" und die Zeitung „Selbstemanzipation". Darauf wurde der. V. I. St. gegründet. Doch, die Tätigkeit der national-jüd. Partei war trotz ihres guten Programms wenig positiv. Es war deshalb ein Glück, daß Herzl auftrat und ersreren wie letzteren, was ihnen fehlte, gab. Kolew. Me Mische Rasse. Im Verein „Tiseres Bachurim" hielt Theo Harb n r g e r einen Vortrag über die jüdische Rasse. Er sprach zuerst von der weißen Rasse, die er — vom Gesichtspunkte der wirtschaftlichen und geographischen Beziehxxngen — in Nordalpine Völker, Alpine Völker und Völker des Mittelmeeres einteilte. Zu letzteren gehören die Inden, die durch treues Fejthaltext an der Tradition ihrer Väter allein imstande warext, ihre Rasse rein zu erhalten. Die Frage nach getvissen jüdischen Stammescigeiitümlichkeiteil bejahte der Redner (tief ausgeprägter Familiensinn, geistige Regsamkeit, Mäßigkeit). Es macht sich ferner bei oeir Juden infolge der langen Bedrüxkung. deren sie ausgesetzt waren, eine allgemeine Körperschwäche bemerkbar. Zn den Nerven- und Lungenkrankheiten stellen sie einen besonders großen Kontingent; während sie an venerischen Krankheiten verhältnismäßig geringer beteiligt sind. Die Juden stellen trotz ihrer großen Zerstrexturtg eine ziemlich einheitliche Masse dar, der ein axtsgeprägter Typxxs zu eigen ist. Wir haben die Pflicht, diese jüdischen Eigenarten möglichst zu fördern; da ein Aufgche» in fremde» Kulturen uxtbedingt verwerflich sei. Dies ist xmr so mehr zu wüxtschen, da die Juden eine so bedcittende Stellung im heutigen Leben einnehmen, xveshalb auch die Judensrage aufgehört hat, ein ixmerjüdisches Problem zu sein, soxtdern das Interesse der ganzen Kulturmenschheit in Anspruch nimmt. Axis der anschließeiwen Diskussion mögen hier die Ausführtxngen des Herrn Dr. May erwähnt sein. Seines Erachtens könne inan überhaupl nicht von einer jüdischen Rasse sprechen; nur die Baxtde des Glaubens verbänden die Juden' miteinander. Er spricht sich mit Entschiedenheit gegen die Assimilation der Juden aus, wünscht jedoch, daß die Nichtjuden sich zu den hohen Idealen des Judentums enrporringeu möchten. Was die schlechte Lage des jüdischen Volkes betreffe, so habe es schon schlimmere Zeiten gegeberr. Die Worte Dr. Mays wurden von den nachfolgenden Rednern lebhaft bekämpft. 48

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