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Neue jüdische Presse · 1914-01-23 · Heft 3 (23.1.1914) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 3 (23.1.1914)
Date
1914-01-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Paul Nathans Rechtfertigung. 3« seiner soeben erschienenen Broschüre.. Es scheint so, als ob der Sprachenkamps in Palästina doch nicht so rasch beendet sein ivkrd, als man es aus Grund der Ereignisse in Palästina annehmen dürfte. Ter eigentliche Kampf selbst, der, dessen Streitobjekt die Schulen Palästinas sind, ist ja allerdings .so gut wie beendet. An Stelle der Hilfsvereinsschulcn, die von säst allen ihren Lehrern und dem größten Teil ihrer Schüler verlassen sind, sind neue gegründet, und nun, da das zu ihrer Erhaltung nötige Geld bereits gesichert ist, ist die Existenz derselben fundiert. Nachdem aber die Hauptschlacht geschlagen ist, scheint ein heftiger Rachefeldzug einsctzen zu wollen, der den Leitern des Hilfsvereins für die in Palästina erlittene Niederlage Genugtuung verschaffen soll. Herr Tr. Paul Nathan hat soeben eine Broschüre erscheinen lassen, die auf 62 Seiten eine Darstellung des Streites gibt, und die von den schwersten und beleidigendsten Beschuldigungen gegen die Zionisten wimmelt. Es ist unmöglich, im Rahmen eines Zeitungsartikels auf die äußerst geschickt uud wirkungsvoll geschriebene Broschüre Paul Nathans cinzugehen; es wird Aufgabe der zionistischen Leiter und vor allem der Führer des Kampfes in Palästina selbst sein, auf die große Zahl schwerster Vorwürfe, die Dr. Paul Nathan gegen sie in der Broschüre erhebt, zu erwidern. Vor allem wird es notwendig' sein, an Ort jmd Stelle die von Tr. Paul Nathan erzählten Tatsachen zu prüfen. Von vornherein aber müssen wir schon jetzt. sagen, daß wir keinesfalls all das, was in dieser Broschüre erzählt wird, ohne weiteres glauben können. Wir wollen danrit keinerlei Zweifel etwa in die Glaubwürdigkeit eines Mannes von der Bedeutung Paul Nathans setzen. Aber es tvar von Anbeginn an unsere Meinung, daß Paul Äkathan gar nicht der eigentliche Führer im Kampfe sei, daß er mehr der Verführte als der Führer ist; verführt durch den famosen Vertreter des Hilfsvereins in Jerusalem, durch Ephraim Cohn. Und so glauben wir denn auch, daß die gesamte Darstellung der Situation in Palästina, die Dr. Paul Nathan gibt, eben von ihm durch die Brille Ephraim Cohns gesehen ist. Daß aber, wenn auf der einen Seite Ephraim Cohn und einige seiner ihm ergebenen Gefolgsleute stehen, auf der anderen aber Männer wie David Pellin, wie Lipschitz, wie Dr. Turos, wie Dr. Lurjeh und viele andere, Männer, die in der gesamten Judenheit als reine und charakterfeste Idealisten bekannt sind, die ihre ganze Lebensarbeit für ihre Ideale hingegcben haben, daß wir dann den letzteren mehr Vertrauen schenken, ist für jeden, der auch nur ein wenig die Verhältnisse kennt, sonnenklar. Dr. Paul Nathan kennt eben die Verhältnisse nicht. Trotz seiner jahrelangen Arbeit als Leiter des Hilfsvcreins, trotz seiner einigen Reisen nach Palästina, er kennt die Verhältnisse dennoch nicht. Er Hat es eben nie für nötig gefunden, mit Heu leitenden Männern Palästinas in innigen Konnex zu treten; was er an Information haben wollte, ließ er sich durch Ephraim Cohn geben, und so kennt er nur das Palästina, das ihm E. lohn zu schildern beliebt hat. Wie wenig Dr. Paul Kathan die tatsächlichen Verhältnisse kennt, geht ms seiner Broschüre immer wieder hervor. Wir vollen schon garnicht davon sprechen, daß seine Darstellung des Ausgangspunktes im' Kainpfe, >er TechnMmsfrage, davon zeugh wie wenig Sinn er für die .ganze große Bedeutung des Hebräischen in Palästina besitzt, wie wenig er versteht, daß ein deutsches Technikum mit einer Lrutschm Mittelschule notwendigerweise den ganzen hebräischen Entwicklungsgang Palästinas um Jahre wieder zuruckwerfen muß. Aber auch seine Darstellung der Verhältnisse in den Hilfsvercinsschulen selbst entspricht einfach nicht deir Tatsachen. Es ist einfach unrichtig, wenn Dr. Paul Nathan behauptet, daß die Hilfsvereinsschulen bis zuletzt Hebräisch« Schulen gewesen sind; ist eine Schule, in der — wie in der Lämelschule — Mathematik, Physik, Geographie, Naturwissenschaft deutsch und lediglich die jüdischen Fächer hebräisch unterrichtet werden, eine rein hebräische Schule zu nennen? Es ist auch einfach unrichtig, daß in deir letzten Jahren keine Aendcrung im Programme per Schulen eingetreten ist. Noch vor zwei, drei Jahren wurde Mathematik und Physik ani Lehrerseminar hebräisch unterrichtet, im letzten Jahre aber deutsch; früher wurde Pädagogik hebräisch unterrichtet, zuletzt aber deutsch. Und diese Beispiele lassen sich mehren, mehren vor allem auch durch Tatsachen, die für den ganzen Geist, der in der letzten Zeit in die Schicken kam, bezeichnend sind. Ist es denn kein Symptom für den stärker werdenden deutschen Einfluß in den Schulen, wenn Ephraim Cohn die Seminaristen dringend ermahnt, unter sich deutsch und . nicht Hebräisch zu sprechen? Woher wäre denn auch die in den letzten zwei Jahren in Palästina immer stärker werdende Unzufriedenheit mit den Hilfsvereinsschulen zu erklären, wenn nicht so, daß in ihnen eine starke Tendenz zur Verdeutschung und zur Zurückdrängung des Hebräischen bemerkbar gewesen wäre? Waruni sollen denn dieselben zionistischen Kreise, die anfangs die Schulen des Hilfsvereins so freudig begrüßt und unterstützt haben, plötzlich anderen Sinnes geworden sein? Dr. Paul Nathan weiß eben nicht, daß die Erregung.über die Hilfsvercinsschulen nicht über Nacht entstanden ist, sondern bereits lange besteht und nun durch die Kuratoriunisbeschlüsse betreffs des Technikums zum Ausbruch gekommen ist. Herr Ephraim Cohn wird ihm wohl kaum davon berichtet haben» welche starke . Unzufriedenheit im letzten Jahre unter den Schülern des Lehrerseminars, unter dem größeren Test der Lehrer vorgeherrscht hat. Und so kommt cs, daß Dr. Paul Nathan nun, da all diese Unzufriedenheit und Erregung zum heftigen Äusdruck gekommen ist, dem Ganzen verständnislos gegenüberstcht und in diesem wahrhaft heiligen Kampf um die höchsten Güter des paläsUnensischen Judentums nur böswillige Hetze und engherzigen Fanatismus sieht. Es mag wohl richtig sein, daß j)er Kampf gegen die Hilfsvereinsschulen in.manchen Einzelheiten zu heftig geführt nnd manches in ihm getan wurde, was lieber hätte unterbleiben sollen. Aber demgegenüber darf nicht vergessen werden, welche Bedeutung dieser Kainpf für das junge Palästina hat. Wer es versteht, daß es - sich für Palästina um die Wahrung eines seiner.heiligsten Prinzipien und Ideale handelt, wird es auch entschuldigen können, wenn die Kämpfenden manchmal Mittel benutzt haben, deren mansich in solch geistigen Kämpfen lieber nicht .bedient. Aber wenn wir solche einzelne Mißgriffe zugeben, so müssen wir es doch, auf Las schärfste zurückweisen, wenn Dr. Paul Nathan den' Eindruck zu erwecken sucht, als ob die Führer Les Kampfes von vornherein darauf ausgingen, mit Len unerlaubtesten und» verwerflichsten Mitteln zu arbeiten. Dr. Paul Nathan, der ja den „Hacheruth" so gut zn zitieren weiß, wird wohl auch in tzieser Zeitung die häufigen Auftufe des „Merkas hamorim" gelesen haben, in denen derselbe auch vor der geringsten Gewalttätigkeit warnt und diejenigen, die sich solcher unerlaubter Mittel bedienen, als Verräter an der heiligen Sache brandmarkt. Bon Seite» der Führer dä Kampfes ist also durchaus korrekt und xprnehm gekämpft worden. Dagegen kann man dasselbe nicht immer von Ephraim Cohn behauchten. Polizei herbeigeholt hat doch schließlich Ephraim Cohn und nicht David Pellin, und trotz aller feierlichen Erklärungen des Hilfsvereins, daß kein Lehrer dabei mißhandelt worden ist, — uns liegen die Darstellungen von Männern vor, an deren Worten nicht der geringste Zweifel z» hegen ist und die ganz anderes berichten. Doch'wir wollen nicht weiter aus 'Einzelheiten eingehen. In der Hauptsache liegt die ganze Angelegenheit doch sehr klar, und die ungeheure Begeisterung, die der Kampf Jungpalästinas in allen Kreisen des Judentums ausgelöst hat, die seltene Opferwilligkeit, mit der von allen Seit« die Spenden zur Unterstützung der neuen Schule» dargebracht wurden, der einmütige Sturm des Protestes gegen das Vorgehen des Hilfsvererns haben bewiesen, daß sich das Judentum über den Fall klar ist. Und.mag in Einzelheiten auch gefehlt worden sein — und wo geschähe es nicht in solch erbitterten Kämpfen? —, daß im Prinzips im Wesen das gesamte nationale Judentum, das gesamte Judentum, dem die gesunde Entwicklung Palästinas und der hebräischen Sprache heftig uni» teuer ist, auf Seiten der Kämpfer in Palästina steht, ^darüber herrscht wohl heute kein Zweifel mehr. Und daran werden auch alle geschickten taktischen Kampfmittel des Hilfsvereins nichts ändern; daran wird auch die Broschüre des Herrn Dr. Paul Nathan, so klug sie geschrieben, so aufrichttg sie auch gemeint ist, nichts ändern. Er ist eben in diesem Kampfe der falsch Unterrichtet^ der Verführte. Vielleicht wird man ihm deshalb nicht die Hauptschuld beimessen an ccklem, aber unseren Standpunkt in dieser Sache zu ändern, vermag er deswegen gewiß nicht. Zum Lprachenstreit in Palästina. Jerusalem, 18. Jan. (Depesche au das Zionistische Aktionskomitee.) Ehrenabschneiderische Brrleumdung in Nathanberichten, daß ich die Schüler der Lämelschule vier Tage nach Ueberreichung des Memorandums oder sonstwie aufgefordert hätte, in damals nicht einmal geplante neue Knabenschuleüberzutreten, weise ich doller Entrüstung als bodenlose Lüge zurück. David Pektin. Haifa, 18.' Jan. (Depesche.) Finkelstein, der Direktor des Technikums, stationiert seit einigen Tagen Gendarmen vor dem Gebäude des Technikums. Die Juden Haifas sind in furchtbarer Erregung über diese gänzlich unbegründeten prodo katorischen Maßnahmen. Waad Hachinuch. Berlin, .19. Jan. Der Hilfsverein der D eutschen Inden teilt strlgendes offizielles Schreiben Les Leutschen 'Generalkonsuls in Jerusalem an Direktor Ephraim Cohn mit: „Auf Ihr ge fl. Schreiben vom 31. Dczbr. erwidere ich ergüb. Nachstehendes: Meine Unterredung mit Frl.

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