Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 2 (16.1.1914)
- Date
- 1914-01-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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grcroff artet IsraeMWS RantüfenBIaa. M .in Heus Ppogramm. 8er - HÜfsvÄceinsWlen niichtsi'zü llngunsteir M . HWöäisiHen geändAtt.(? Die Redämon.) , Mch weit rntHAdettder zur BeurteiWg der Sachlage sei äbtzr seine Betrachturtg deo^Dttttel, mit denen hie Zionisten' in Paläsiinck in Bezug auf . den Unterricht' diesen in. den HÜfsvereins- - schulen dürchzüsetzen suchen. Ohne ,jede vorherige offizielle .Ankündigung habt mitten. im Sentejter — unter Bruch der Ber- ' träge — ein Teil der Lehrer der Jaffaer Knabenschule seine Stellungen verlassen und gleichzeitig die Schüler — ohne vorherige Benachrichtigung der Eltern — veranlaßt, mit ihnen in eine neue Schule Mszuwandern. (? D. Redakt.) - Dr. Nathan schilderte darauf die Vorgänge,in Jerusalem und fuhr dann fort: „Es nülß aufs allerschärfft.e verurteilt wer- ' den, däß -Kehrör im! Senlestcr streiken, daß -Lehrer im Semester Forderungen aufstellen, deren Erfüllung'schon aus zeitlichen Gründen eine Un- »röglichkeit ist, daß. Lehrer eigenmächtig den Schulplan ändern, und daß Lchr'ör und Schüler zum /Teil gemeinsam sich zu Akten Hinreißen lassen, die auf das gröblichste gegen die guten ^Sitten, gegen deit Anstand, gegen die öffentliche Ordnung verstoßen. Und daß' das geschieht, ohne daß die offiziellen zionistischen Kreise zur Einkehr und zum Maßhalten mahiren, erscheint für die zukünftige Entwicklung Palästinas im höchsten Grade bedauerlich." Dr. Nathan schloß, indem er die.zionistische Parteileitung für alles, was aus denk Schulstreit entstehe, nroralisch als verantwortlich erklärte. Eine Krwi'ernng des Zion. AktionSkomitteeS. ‘ Dr. Nathans Behauptungen haben seitens des Zion. Aktions-Komitees sofort, eine Erwiderung gefunden. Es wendet sich zunächst gegen die Darstellung unter dein Gesichtswinkel einer rein pädagogischen Frage. Haben doch alle für Schulsachen in Pa- I lästina konrpetente Faktoren das System des Hilfsvereins entschieden verurteilt! Dann geht das 'Aktions-Komitee auf die Broschüre Tschlenows nüt folgenden Worten ein: „Sie ist im russischeil Original vor Ity-* Jahren erschienen und basiert auf den vor zwei 'Jahren in Palästina gesammelten Beobachtungen. Schon damals konstatierten Nahestehende, wie nud; die Schrift deutlich anführt, daß der Hilfsvereiu in seinen Schulen germanisierende Tendenzen zu -pflegen beginne. Herrn Dr. Tschlenow, der die Schulen nur vorübergehend besichtigte, konnte .das damals noch als eine non übertriebener Sorge für das Hebräische eingegebene Befürchtung erschei- ' neu. Seitdöm aber hat der Hilfsverein „große Fortschritte" in dieser Richtung gemacht, und die Beschlüsse des Kuratoriums haben jede Möglich- •; feit eines Zweifels beseitigt. Die über die Sachlage gut informierten Lehrer Palästinas erhoben aber, wie uns bekannt ist, sogleich nach'Grscheinen der russischen -Schrift eben wegen der jetzt von . Dr. Nathan ungezogenen Stelle ernste Borwürfe ' .gegen Herrn Dr. Tschlenow. ." - Mit Entschiedenheit iveist das Llktions-Koini- , tee die Behauptung zurück, als ob die von der ' zionistischen Bewegung unterstützte Forderung nach - gebührender Berücksichtigung der hebr. Sprache zu einem Konflikt Wischen Zionisten, und. religiösen Elementen geführt hätte. Nur einen Gegensatz ^habe der Sprachenstreit. aufgezeigt: „den Gegensatz zwischen der arbeitenden Bevölkerung,, zu der die Kolonisten, die Arbeiter und, die Wächter in den Kolonien und alle produktiven und.gebildeten Elemente in den Städten gehören, einerseits rmd der zum Glück immer einflußloser werdenden Schicht der an das stete Alnwsennehmen gewöhn- - ten Chalukahi-Elemente andererseits, die keine eigene kkeberzeugung haben und sich die Meinung jedes „Wohltäters" zu eigen machen. Solche Elemente wußten die Gegner der freien Entwicklung der . hebräischen Sprache .für sich zu gewinnen. Jhre- Meinung aber als kkeberzeugung der religiö-, sen Bevölkerung ausMgeben, ist absurd rmd bedeutet eine Brüskierung des religiösen Juden- V. Zum Schluß nagelt die Erwiderung die Bezeichnung „Streik" für den Kanchf uni.das heilige .'Gut der hebräischen Sprache fest. Eine solche Be- >/zeichnung entWeche „denn. Standpunkt eines Üntepnehmers, der mit seinen Arbeitern in Lohnstreitigkeiten gerät, nicht aber dem einer gemeinnützigen jüdischen Organisation." I FRANZÖSISCH. Jede 2)ame kann sich I an dem 2^/2 monatig. GRATIS - KUR SU S I am Tage oder abends beteiligen. I Weserstr. 7 HOFIMl SC&OOl BOVanO. Tel. 1. 12428; | Brief aus Rußland. Wenn man die Maßnahmen der Regierung nach dem Beilisprozeß betrachtet, so liefert sie durch diese Maßnahmen den nachträglichen Beweis, daß sie den ganzen . Prozeß inszeniert hat. Die einfachen- Richter und sogar den Ersatzmann derselben hat. sie zuWirklichenStaat sräteu ernannt; dagegen, wer nur im geringsten nicht nach ihren Wünschen in dem Prozesse gehandelt hat, der ist bestraft worden. So wurde Rechtsanwalt M a r g v l i n der Ausübung seiner Praxis verlustig erklärt als Bestrafung dafür, daß er sich an den Recherchen zur Aufhellung des Prozesses beteiligt hat. Dem wackeren Brasul-Boruschkowski hängte man einen Majestätsbeleidigungsprozeß auf — er sei, als in einem Park zum dritten Male die Zarenhymne gespielt wurde, sitzen geblieben — und verurteilte ihn zu einem Jahre Gefängnis. Bier-, zig Petersburger Advokaten, die Beilis' Verteidiger begrüßten, werden.dafür demnächst aus der Anklagebank erscheinen. .Die medizinischeu Gesellschaften in Charkow und Wolog da sind wegen ihrer kritischen Analyse des blödsinnigen Sikorskischen Gutachtens geschlossen worden. Doch das sind nur einige Musterbeispiele, die die Reihe der Bestrafungen längst nicht erschöpfen. Inzwischen ist Beilis, das Opfer des Prozesses, nach Palästina abgefahren. Möge er dort ein ruhiges, glückliches Leben finden und möge ihn das Aufblühen des Landes unserer Väter für die Jahre des Leidens reich entschädigen! Ihn hat das Geschick aus der russische Hölle geführt, — doch die Millionen, die Zurückbleiben Müssen und der Willkür einer verrotteten Beamtenschaft preisgegeben sind'? Jeder Tag bringt Nachrichten, die diese Willkür illustrieren. So hat Gouverneur Gicrs in Minsk dieser Tage mit einem Federstrich 5*00 jüdische Pächtcrfa Milien aus ihren Wohnsitzen verjagt.und damit 500 der bestverivaüeten ländlichen Wirtschaften vernichtet. In Nikolajew wurden die j ü d. M u s i k a n t e n plötzlich ausgewiesen, und in Kiew sind plötzlich h u n d e r t e j ü d. Metzger, die stets dort wohnten, ihres Wohnrechtes für verlustig erklärt worden, da sie nach einer neuerlichen Senatserlänterung keine Handwerker IBehagiiel, Goethestrasse 271 Inventur-Verkauf I in Kristall-, Tafel-n.Kaffee Servicen. | jtus aller Wett. Deutsches Reich. Frankfurt a. SB- Von hiesiger orthodoxer Seite soll im Frühjahr eine Gesellschaftsreise nach Poläsliiin unternommen werden. Ab Frankfurt 26. Febr., ab Triest 27 Febr. Tauer: fünf Wochen. Berlin. Unter Vorsitz Rabbiners Prof Tr. Güttin a n n - Berlin.. fand hier die Generalverjainmtung der Gesellschaft.' zur Förde rnng der Wissen - s ch a f t d c S I ubcn tu m s statt. In seiner Einleirnngsrede gedachte Dr. Gilttmailil zuerst des abwesenden Vorsitzenden, Prof. Dr. Philipps»», dessen Bescheidenheit es' ihm, falls er anwesend wäre, verbieten würde, die großen Verdienste zu rühme», die er sich um die Gesellschaft erworben habe. Bon der lebhaften Zustimmung der Bersaininlung begleitet, wünschte er, daß er seiner Familie, dem Judentum und der Gesellschaft noch laiige Zeit in nnvermindertcr Kraft und Frische, erhalten bleiben möge. Der. Redner pries dann die Bedeutung, welche die Pflege der Wissenschaft sür die Erhaltung und gedeihliche Fortentwickelung des Judcntuins habe, und gedachte dann des soeben verstorbenen Professors Wilhelm Bacher-Bndavesr. der durch sein Agadawerk die Welt des Talmuds den christlichen Gelehrten erschloß. Die Versammlung wandte sich dann dem Geschäftsbericht zu und wählte hernach den bisherigen Ausschuß wieder. Es folgte der Vortrag des Geheimrats Prof. Dr. H. Cohen über; „Die religiösen Bewegungen der Gegenwart." Der Vortragende schilderte die Kämpfe des modernen Protestantismus m» die Person und die Bedeutung des Stifters der christliche» Religion. der er die unzweideutige Gotteslehre des Judentums gcgenüberstellte. Er charakterisierte tw, Gefalw, die der Judsnleit von dem Eindringen zeitgenössischer Geistesstcömungen in ihre Milte drohen und wies mit Betonung ans die Sittenlehre des Judentums und seinen messia- - ischen Glauben hi». Er sprach von den Kämpfen um das Zcreinonialgesetz ,l,,d erklärte; die Beibehaltung der hebräischen GebctSspeachr in> Gottesdienst ans geschichtlichen,, religiösen und >i. Fetischen Gründen für .wtwe big. In der am folgenden Tage abgehaltenen Sitzung, wurde der Arbeitsplan für das neue Geschäftsjahr festgelegt. In dieser Sitzung überbrachte Direktor Dr. Adler- Frankfurt a. M. eine Einladung des Vorstandes der dortigen. israelitischen Gemeinde an die Gesellschaft, welcher der Allsschilß zu seiner Sitzung im nächsten Sommer Folge leisten wird: mit der Sitzung des Ausschusses soll eine außerordentliche Mitgliederversammlung verbunden werden. Berlin. Pros. De Hirschberg, der berühmte Berliner Augenarzt, gibt in der „Berlinee Klin. Wochenschrift" der Hoffnung Ausdruck, daß der 1 12. Intern. Opbtalogenkongreß in Petersburg mangels Teilnehmerzahl nicht zustande, kviiiiucn werde, da Juden der Eintritt in Rußland verboten ist, und die Zurücknahme dieses Verbotes für die Delegierten während der Dauer des Kongresses den jüd. Delegierten keine Beraulassung gibt, nach Rußland zu kommen. Offenbaeher Druckluft - Anlage Ottenbach a. ■. Telefon 123. (Anschluss mit Frankfurt). Bewährteste TaPDlchralnlBnns. 100.000 qm jährlich sowie unfibertroffene Betten- und Bettseck-rare lnignnx mittelst Druckluft und Wasser dampf. Richlaud. Petersburg. Anläßlich ihres 50 jährigen Bestehens hielt die Gesellschaft zur Verbreitung der Bildung unter den Juden Rußlands (Mcfizei Haskalah) niiter dem Vorsitze des Wirklichen Geheimen Rates Jakob den Mardechar Halperin. ehemaligen Direktors im Justizministerium, eine glänzende Festsitzung ab. Dem berühmten greisen Gelehrten Dr. Harkavi wurde eine stürmische Ovation dargebracht, ebenso dem berühmten Verteidiger Dr. Grnsenberg. Ilnläßiich des Jnbiläuiiis haben die Erben Barons Günzbnrg n. a. .">0000 Rbl. für den Lehrerfonds gestiftet. ' -,, ' Russisches Informationsu.Uebdnetzungs-BunaK I. Weinstein, Ä tür Landg.-B«*. Frankfort a.M. o. Wiesbaa. “*—'-IHsta. Telepfi. n 9831 I. Ein Gelübde. Roman aus dem jüdischen Eemeindeleben. Von S. Luß-Mannheim, . (Fortsetzung.) , „Die Hauptsache ist, daß man fein Wort, einlöft," fuhr der alte Leib fort, der gern alte Geschichten erzählte und kein Ende finden konnte, wenn er: einmal angefangeu hatte. „Ta har hier einer gewohnt, man hat ihn nur den alten Baruch geheißen, er hat keine Kinder gehabt, »nd die Familie ist längst ausgestorben. Dieser Baruch ist in den Napoleomscheu Zeiten', einmal in den Berdacht der Spionage gekommen, und es war lange zweifelhaft, ob er nicht schwer gestraft würde, da hat er das Gelübde getan, er wolle einen goldgestickten Sammetvorhang für die heilige Lade stiften, wenn die Sache gut ansginge. Gut ausgegangen ist sie, aber den Borhang hat er nicht sticken lassen? Wißt Ihr, ivcnn man einem Menschen etwas schuldig ist und kann'« nicht bezahlen oder will's nicht bezahlen, dann schämt man sich vor chm und weicht ihm aus, wenn man ihn von weftem sicht und sucht chm aus dem Wege zu gehen, aber unserem Herrgott kann man nicht aus dem Wege gehen, er sieht einen, und weim er sich hundert Klafter tief in den Erdboden versteckt. Wnin man den Baruch an sein Gelübde erinnerte, dann hat er Witze gemacht: aber als cs. zu Ende ging, da wußte er nicht, wohin er gchen sollte, er komüe nicht leben und nicht sterben, hat sich nach der Wand zugedreht und nach dem Fenster gestarrt, und hat geächzt und gestöhnt, bis er sich am Ende aufgesetzt hat, imd seine Frau mußte 300 Taler an den Parnes zahlen, der auch mit am Bett war, und der Parnes mußte versprechen, daß er gleich nach Baruchs Tod für das Geld den versprochenen Vorhang machen lassen wolle.