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Neue jüdische Presse · 1914-01-16 · Heft 2 (16.1.1914) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 2 (16.1.1914)
Date
1914-01-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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+ 1 + TBchnnt wöchentlich am Freitag. - »irrtril.hr. In Frankfurt a. M. Ml. Vri der Post abonniert W Pfg, frei «n« pro Monat rnehr. — Bei Zusendung durch \t Deuischlaich und Oesterreich. Ungarn Ml. l.M), I Rubel, für alle übrigen bander All Linket. Stummer» koste« IO ff9. Redaktion und Expedition: Frankfurt «. M. n Cnngeftr. 7. Fernsprecher Amt l. 10507. Aeraw-geöer: Kal» $*i». -uf»rti-n»»rei« für die fünfgespalten« PeMzeile SS Pla.. für die Rellamezeile Ml. I. . Bei Wiedtrholuirarn«ttfprech«ider Aabarp LteUM'«nacbole und .Gesuche. Wohnung-inskrat«, Heirat«. Aunvmen u Hstg. die sechßaeivaltem Petitzett« «chne -tden Rabatt. Platz, und Latum.Korschrist ohne BerbindttchßoU. Rnnvnct'U'Anttabiue bei der Kxped. und ma.Anlwuent-Vnreaus IfoniD 6ci dem P iftscherkamt in Frankfurt a. Lt. Unter Re. 4804 Kr»tt„. 1» 18. lewes 5«71 16. 1914) für* * Irduanunirt; im brüten Alte derselben Oper, Mck wrr d«ib.i fühlte, »velchc' dunkle Schatten sich Per aus das Orchester senken, weich tiefer Ahgrund sich Pier Doi utt* auf tut, der nHtb »ächchM» WOB mir eigentlich mit dieser Nachtseite der m# Steh* meinen, mm l»er hier die Metze Jfo und für die Wagner die passende Form AkMden hat. EBie ganz besonbete Mdeutung aber erlchsßt Wagner «ür nns, sobald wir sein Kerhältnis znn« Judentum und gu den Judo» ln der Musik ins Auge fassen. Mo» keimt M Genüge Wagners Haß gegenüber den IM» ÜN allgemeine,« und ganz besonders gegenüber der jüdischen Musik, die wir mit weit größerem Rechte als die Munt der Juden bezeichnen könnten; denn diese von Wagner mit solcher Heftigkeit befehdete jüdische Musik haue sehr wenig von eigen» sich I ü d i s ch e m a n s i ch nnd beruhte auf den dem Judentum ganz fremden Grundlagen. Mahr ist es allerdings, daß Meyer beer Mweilri» emen Kar-!en jüdischen Ing verrät, überall da. nämlich» wo er religiöse Themen aitjchlägt, m6 \ in seinem „Propheten" mit besonderer Schürt hervvitrüt und daß in Mendelssohns meickep Äyßtk stch i'iit echt jüdischer Ton vernehmen mßt; trotzdem aber trägt ihre Musik im großen unb ganze» einer, ntchtjüdischen Charakter, weil nicht KN Mdischer Quelle geschöpft. Wagners Spür sinh hat Wer überall den Juden herauserkannt, imd nur molken der Meinung Ausdruck gebe«, daß bie.stw Wagnerfche Haß gegen die inusilalisckw.Seeles des Juden kein ordinürrr AmißinitisrnuS wirr, wie es aus bvut ersten Blick den Anschein ljaben löstnte, sondern daß hier»»« auch prinzipielle Momente mm großer Bedentuug rnilspielten. die mit penr Antifemitls ,u»s als solchem nichts Gemeinsames hatten. In drN! ersten fahren seines «Uftretens mochte Konturre»5 niitgeredet Hoden; Meyerbeer beherrschte alle europäischen Bühnen, MendÄssod» alte Äonzertsüle. Lpäter alter, als iWanger be reits den Gipfel seiner Macht erklimmen hatte, jltdenjicher von allen weiten, änderte er keines wegs seine Meinung in Bezug aus das jüdische Clement in der Musik. Natürlich lügt es ganz nttd gor nicht in unserer Absicht, die Tatsache in Abrede zu Kelle», baff in der KttMigen Fvrm seiner Poimnit viel grober, gnneiner AntiftmÜis inns enthalten mar; mir meinen aber, daß sein A « t i? g 0 n i s ,n n v eine n g a » z an deren 11 r f M r u ii ß halte, nnd daß, nenn Wagner nicht, dieser Iltdenhasser von Hanse aus genesen märe, sein Be rin«! tu is Hum Judentum m der Musik nicht diesen gehässigen Ausdruck .rugeuontmen und seine Polemik sich in beit Grenzen der Anständigteil ln w egt hätte, daß er aber im Grunde seines Wesens derselbe Gegner des Judentums geblieben;vare, weil der ganze Charakter der jüdischen Musil ihm gegen den Ltrich ging.^- Wagrrer fühlte sich abgküoßen durch jenes stark hervvrrredenlx p e r sö n! i ch e Clement, das der Jude überall in seine X'ogit hineinttögt Er jühlie sich aligernider! von diesem «mverbesser ttcken Melodiker. diesen» ewigen ^tngsnnq.Men *: Und dem glaub'. I! U'!> aimamn'H;u cur ne n, dar; u j] i! i' c '?■ Abneigung wenige! der Nidwlie« Mchck «Iv jolilici ^alt, als de»r M i s ch <1, a i n . 1 r ■ Hüdbch««' und Naiüdische», in der Musik tv; niaifanat nom-amNen. •ürt au? der,'« W n )f \ t l J <> t t a (t ‘ t tn-i uttju r Aed.ck, •«(•?» JNtMr t, fttaR» verietmum» ,»« z»»k»t»« Bon Tr. R. Lkligmann. Gobatt» wir aus W-ägnrr zn sprechen kommen, 'Men mir «ns vor Augen halten, daß wir es «ich» mit einem Nur-Musi irr zu tun haben, »Beds-nkung sich in diesen oder jenen musika- PttdnktiÄneu erschöpft, sonder»« daß wir os» einer fetter großen liünstternaiure« stehen, die in ihttm Innern die geistige Physiogn,n,ie dm* f/rngfu Schalters nnderspi(gelten und zugDch den LrempeL ihrer eigenen Individualität de« künstlerifchü« Äwirmionen einer ganzen Epoche .ritßgedrückt haben. Unter diesem knltnrhistorischetr Gesichtswinkel grsthm, Muß Wagner zu de»« grossen nmsitaiischen dersen gtzähtr werden. Nicht ans rein kstnstterG schm AMüPen <*»a, nicht daß der Wen der Hßgutr'schen Schöpfungen sich mit der Größe, eines Aach, eims Mozart oder Berthevei' je meffon kömte, sonder«r weil er Mich der« Letztgenannten den mnsttalischen Ausdrnck für eine ganze ge? schichttrche Periode gesunde« hat. Hören wir den Bach ausspracheu, so verbinden nix a»»ge,^ ÄiMlich damü die Borste'.lang von jener l'Mi religiösen Idee, die Jahrhunderte hindurch das D«mA der Masse»! lEtzerrschte, der Name Mzart »reckt in unserer MnMdungskrafl das Wh der eleGntter» Tatorts aus den» 17. und IR I<^Hrrchert mit ihrem seine» u,td sp,elerische.a Geich und ist die Rede von Beethoven, sv «nüssen >ckr «umittkürtich an »eile große und eiuste 0)e. »eMßM denken, iie die Tchiiclle des ltt. Iah, as betreten hat, einer iEeneration, ti1: eben iHMretsnehi'« eine, dunklen und verborg,!^ ne« 'Zuttrnft überstaud, ein bisch «, zwar aug'k ßHe«, aber nock; voller Vertrauen in die eigene lßestcktung der .üröste. Und ähnlicheruv»,'e vorhütt stck mk Wag »«er, Mkn nrusilalisckw Idee»! von M 'HWDch^BestkrbutzfPezi der gattzen verstoss.' AcheMivir vottgejLMl sind, einer tseueratioii», an «i.sen Enevulssen aller An, zugleich Lpriren geistige« Ermüdung 'eigie;;tu waren die Erwanutlgen gespanru getvesen. Allein tmt eng erwies |t(f; das Maß ter Er '«g. als daß sich ,'i»l gewisses G esu hi dtzr äuschurm .nicht elnswllM sollte, eitler Enttäuschoh all der fehlgescUagottim Hosfnuirge», die 'Wm auf di, HulUtr der Gesamtheit u>w diepif des ^IudündtUlttis M'l/egt lmtte. Ni,c. so et i ltvnd ein streben nach einer üiückkeh, n,,- Natur. Tiefes Zehne» und; Wat uv und Aalnrlichlt it istKbrigcns eine Erscheiuuug. oie fast regelrnößig a« dem 'We'rdrprlirkl jeder uullurveriode austaucht, die bereits ulte ihre Msglichteits« <rxs Wpft hak und au der OGeuzc ihres >lörtu,'ns anMongt «st co «mv es mit riechen!a««d im T Inhkhundert v. Ehr., «rährend der philoie Plüsche»! Bewegung der Euuiier, die allen >tttuiir wrmalismus «\m ii«1;. abziischülieln suchten; jo vekWlL es sich mu Frankreich in der Mitte des ist. 3nßrhunderrs, als Rousseau die gebildeten krffi mifforrvTtr, 'u,n Instaude der Wildheit ztrkÜHnkehrrn, und »e,ne z.'ehre alkgenreine Per tottuunfi intiv«tinn« b,gann Und dock« besteht tiefe Trskereu? '.»tischen den moderne» Be nwbungrn ani Ende des verflossenen nnd an« Ansang dvs anbrerlienden Iahtk-nnderks und solche,« kenkenPn. j|-jr u'ir sie bei Rousseau itud den Ehnikern geaahrtn«. und mu dürfen keinestnegs w ckne», mir den artteien kcnianktvegS neriuech sein. Rousseau nnd die E»t»tiker m-am« in dieser Beziehung »nverglei«chli«i! naiver und aufrirchti' ger, und wenn sie von der Rückkehr zur Natur redeten, so erstanden sie es in buchstäblichem Zinne, der Ltadi mit ihre,»« ganzen HabitnS den Rücken zu kehren, Iras Icch aller äußerer nnd iunetft, körperlicher und geistiger Kultur ei« für alle Mal von sich abzirschüttelu, um ein neues K.'eben i«- mitten der freien Natur zu beginnen nach Ar« des prinntinen, von der.Nultur «koch ganz ««««berührten MerisckMN. Ter moderne Me»tsch aber dentt ganz utid gar nicht bava», sein inlinrrUeS Mitten zu rerlasscu, nn» die Natur don ausxusuchen, ivo sie sich auch in Wahrheit befindet, dem« er «st sich der Tatsache wohl brivnßt, daß seine eigene Zeele ein gut Ztück Natur beherbergt, diese n«o derue -Leole, die nur mit einer ganz dünnen Hank voit Intellekt und Moral überzogen ist, und daß ma»> ein volles kulturelles Gebert führen kann, ohne dabei de« Wilden zu verleugne»«, in der Art. wie man es führt. Im Munde des '.modernen Menßchen hat die Rückkehr zur Natur und Natürlichkeit ainen ganz anderen Sinn «»ud ttne g«v«,z andere. Bedeutung. Ta«nit will er nur alle die hallchewnßten. dümmerhafte« und iuslinktiveu Prozesse bezeichne«, die sich in seinem In««cru abspielen: „zur Natur zurückkehrrn" besagt ihm nichts atlderes, als sich alle»« bltttden und chaotische» Mächte» seines eigeuen individuellen Wesens anSlieftr»«. Er meine dcnnit das Oichversente» in jene« Abgrtlnd der inenschttch.it Leele, umhin teilt Straljl «er Berntlnft und Bcsi»»nung mehr gelangt. Bei Rousseau und den lLyniker» Hut der Begriff der Nauir nnd Natürlichkcil eine genau «imgtcnzle inhaltliche Bedeutung gelabt, sie hatten eine ganz klar«' Borstettung davon, »ras sie alzepliereu nnd »ras sie veriverstm ivoltten. m»d vor allen Tinge» verwarfen sie alles, was »tat: von jeher «»iS Bildung ui bezeichnen gewohnt war. Ten« »»oder nen Mensch«» hi«'gegen bedc'Uter Natürlichleit mir eine gervisse allgenu'ine Jo rin, i» die üch jeLx'r beliebig«' Inhal» präge«« läßt: s'e besitzt «tu ihn n«n den Wert aiicr geirissen Methode, die er von aus eu he« an die Moni sestattonen des Be le.->. lebe ns l.eranbringt, ohne »n«h ihren« initerru »N'halte tt« tragen. Tiefe besttht für ihn tu den« instilt« ve»« Eharatter irgend eines Ltrebens, dein eleine nt >« re n Drang, dttrch dem sich letzteres u)eltnng verschafft. Der «noderne Mensch ist bereil, jedes in den« großen .Nulturprozefse der Menschheit entstandene Bestreben gut zu heißet», nnsern es mir den von ihn« gestellte»» Iordernnget« der Urirüch-- sigkeit, Lpontanitat, Eternentaren!i»id Ehaotiscinu genügt. Und für diese Tendenzen des »nvder» «t e «i Mensch«"»« hat Wagner einen scharfen in n s i k a l i s <1: e u;’l n s d r u ck gesnnden. Er schuf eine u:ut!ba*bavc mnsttattsci.e Lprache für alle die verirorren«"«. diunmerigen Gefühle, die m den ge heimsten Tresen der Zeele nistet«, ton und ve rnegnttgslos, wie behext durch eilten bösen, teuflischett Ja über. Wagner tat» »mb erlöste sie von diese»» indem er ihnen eine krästtge, ausdrltcksvolte Lpracix verlieh, die für «nnsikalisch verivöhltte £fvrnt eilten elwas befremdenden .»lang holien «noch»«'. d,e aber eine nngestüine i^eivalt in sich barg, Ge Macht der Tiefe, des Dunkels, der Nachtseite der menschlitsten Seele. Wer einmal mit der gehörigen Kamilittilig der Musil mm meiten Akt in T'olpngrin lattschtt, den« Barspiel zum ersten Akt i» »ästter!>im»nernilg nnd dem

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