Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 52 (31.12.1913)
- Date
- 1913-12-31
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Brief aus Palästina. (Schluß.) Tie Lehrer, mit David Hellin an der Spitze, der schon seit. 2 5 Jahrein seines Amtes als Lehrer in der Lämel-Schule und seit Eröffnung des Lehrerseminars in dieser Schule waltet, wären voll überzeugt, daß Dr. Nathan die Vollmacht zur Entscheidung "in dieser Frage in Händen habe und warteten seine Antwort in Ruhe ab. Sie Letzten, abgesehen vom! Lehrerseminar, dessen 9 0 lschuler zur Teilnahme am. Unterricht nicht .zu bewegen waren, in den beiden anderen Schulen den Unterricht in gewohnter Weise fort. Doch unerwartet ließ Dr. Nathan erst am!). Dez>. abends Herrn .Hellin die Mitteilung zugehen, daß nur der geschäftsführendcAus-. schuß des Hilfsvcroins allein die Entscheidung fällen kann und er die Lehrer bis dahin von der Ausübung ihres Amtes dispendiere. Warum Dr. Nathan diese Antwort nicht schon am .6. Dez. erteilt hach ist unerfindlich, — es sei denn, daß er Zeit gewinnen wollte und. eine friedliche Beilegung der Angelegenheit nicht beabsichtigte. Und nun noch mehr: am Bormitta g desse l.b e n Ta ge s eröffnete Dr. Nathan das Lehrerseminar und die Handelsschule (mit ca. 15 Schülern, die Versprechungen mürbe gemacht hatten), ohne Dr. .Hellin als .Prorektor dieser Anstalten davon zu benachrichtigen. Dieses rücksichtslose Borgehen gegen einen Mann, der sich um das Gedeihen und den guten Namen der Hilfsvereinsschulen durch seine unermüdliche und segensreiche Arbeit 'für diese Schulen so verdient gemacht hat, versetzte diesen in die Lage, noch am selben Tage seine Demission einzureichen. Einige Lehrer der Lämelschulc .und der Mädchenschule, welche vom Briefe Nathans keine Kenntnis hatten, unterrichteten am. 10.. Dezember weiter, — und da geschah das Unerhörte: während des Unterrichts, in Gegenwart aller Schüler, teilte Dr. Cohn.einem Lehrer, Grzätltmigi'n. aus Mbit und Mmud. Von M. Pulvermann. Alexander vor der Pforte des Paradieses. , Auf seinen Eroberungszügen befand sich Alexander einst in einer unabsehbaren Wüste, wo keine Spur menschlichen Wesens anzutreffen war. So weit das Auge reichte, nichts als eine öde, trostlose Fläche, nur von himmelhohen, zerklüfteten Felsen unterbrochen, deren schaurige Abgründe und Vorsprünge Angst und Beben emflößten. Nach langer, /mühseliger Wanderung gelangten sie zu einem fieien Platz und waren überrascht, in dieser Wüstenei einen grünen Rasen mit einem kristallklaren Bächlein, zu finden. Alexander befahl, die Zelte aufzuschlagen, und nachdem er sich mit dem kühlen Wasser erquickt hatte, schien es ihm, als ob die heißen, fieberhaften Gluten sich plötzlich abgekühlt hätten. Immer und immer wieder kehrte' er zu dem Bache zurück und trank mit einer solchen Gier, als wollte er sich für ewige Zeiten damit sättigen. In seinem Innern hatte bisher ein mächtiges Feuer gelodert, von seinem Ehrgeiz angefacht, nach jehem Trünke aber schien es mehr und mehr zu verlöschen: Ihm war es auch, als ob alle seine Eröberungsgedanken aus seinem Innern geflohen und an deren Stelle die reinste Glückseligkeit getreten wäre. „Ach!" rief er voller Wonne, „wenn das Wasser hier, nachdem es sicherlich schon eine lange Wanderung durchgemacht hat, so köstlich schmeckt, wie entzückend erst muß esan der Quelle sein! O, Freunde, lasset Ms den Stromeslauf rückwärts verfolgen, bis wir zu der köstlichen Stätte gelangen! Kriegsgenossen, folget mir. Nur noch diese eine Tat wollen wir vollbringen imd dann unsere Ruhmeszüge beschließen!" Und sie zogen weiter, durch schaurige Abgründe und finstere Täler; sie zogen weiter, bei Tag und bei Nacht, in Hitze und Frost, schmachtend in der Glut tßld erstarrendin der Kälte; sie zogen weiter, mit wehenden" Fahnen und blitzenden Waffen; siä zogen wei- Joseph Rivlin, Sohn einer in orthodoxen Kreisen angesehenen Jerusalemer Familie, seine Entlassung mit und forderte ihn auf, sofort die Klasse zu verlassen. Dieser empörende Vorgang ' versetzte Lehrer wie Schüler in unbeschreibliche Aufiegung, — und gleichzeitig mit ihrem von ihnen . geschätzten Lehrer verließen sämtliche Schüler die .Klasse. Diese Aufregung überging blitzartig auch auf die anderen Klassen. Es entstand ein solcher Tumult, daß alle Klassentüren und - Fenster abgeschlossen wurden. Eine große Menschenmenge sammelte sich rasch um die Lämelschule' an, die den Wirrwarr noch vergrößerte, sodaß Polizei aufgeboten werden mußte. Dieses geschah am Vormittag. Ulm Nachmittag wiederholten sich ähnliche Szenen in der Mädchenschule, aber in noch schrecklicherer Weise. Mit bewaffneten Polizisten kamen dorthin der . deutsche Konsul und Dir. Eohn, .mrd während des Unterrichts jagten sie sämtliche Lehrer und Lehrerinnen aus den Klassen. Die kleinen Mädchen, die durch den Anblick von bewaffneten Soldaten in Schrecken versetzt wurden, fingen laut zu schluchzen an. 'Die Folgen dieser Handlungsweise blieben nicht aus. Einige Tage darauf wurden in Jerusalem drei neue Schulen eröffnet mit Hebräisch als Unterrichtssprache: ein Lehrerseminar mit 90 Schülern, eine .'Mädchen- und/Knabenschule, deren Schülerzahl von Tag zu Tag wächst und bald 300 erreichen wird, sämtliche noch vor kurzem 'Zöglinge der Hilfsvereinsschulen. In den neu eröffneten hebräischen Schulen wird auch die deutsche Sprache eingehend unterrichtet werden. Diesen Schulen sind schon große Summen aus Palästina, Rußland und Deutschland zur Verfügung gestellt worden, und-man hofft auf weitgehendes Interesse für das neue hebräische Schülwerk und dessen Förderung bei allen Juden der großen Diaspora. Es ist im Interesse der jüdischen Sache zu bedauern, daß es so kommen mußte. Hätte aber Dr. Nathan die Sachlage nicht durch die Brille ter, ob auch mancher Krieger hinsank, ob auch mancher Feldherr dem törichten Beginnen widerriet; sie zogen weiter, Tage, Wochen und Monate, ohne Rast und ohne Ruhe, von dem einen Verlangen beseelt, nur ein einziges Mal aus der göttlichen Quelle nach Herzenslust zu trinken, bis sic vor einer himmelhohen Mauer standen, die über und über mit Rosen bedeckt war, von einer Pracht und Herrlichkeit, wie sie solche noch nie vorher gesehen hatten. Am Fuße der Mauer erblickten sie auch das Wasser schäumend und perlend aus der Quelle sprudeln, deren Zugang aber von einem Engel mit einem, feurigen Schwert bewacht war. „Wer bist Du?" rief dieser mit donnerähnlicher Stimme. „Wer bist Du, der die heilige Stille mit verderbenbringender Waffe stört?" Und der siegesfiohe Alexander antwortete: „Ist denn Alexanders Ruhm hier unbekannt? Weißt Du es denn nicht, daß der Sieg sich an meine Fersen geheftet, daß alles sich meinem Willen beugen muß? Wohlan! Ich bin hier, um mir auch dieses herrliche Land mit der wunderbaren Quelle zu erobern und untertänig zu machen!" „Du willst etwas unternehmen, das Dir nicht gelingen wird! Mann des Blutes und der Sünde, gehe von dannen! Dieses ist die Stätte heiliger Liebe, seligen Friedens, nimmer wird es Dir gehören! Dieses ist die Pforte der Gerechtigkeit, nur Froimne ziehen da ein!". Kaum waren diese Worte verhallt, als die ganze Natur in Aufruhr geriet. Heulend und pfeifend raste der Sturm über Mensch und Tier, betäubendes Krachen ertönte, grelle Blitze schossen durch die Lust, Hagelschauer und Regenströme gingen nieder; die Schleusen des Himmels schienen sich geöffnet zu haben. Doch Alexander blichunerschrocken stehen,, bis die Elemente sich wieder beruhigt hüten. Dann sprach er flehend: „Bist Du ein Bote Gottes, zu dem sie in .Zion und Jerusalem beten, so wisse, daß auch ich mein Haupt in Demut vor ihm gebeugt habe. Die Weisen dort haben mich gelehrt, „daß die Gerechten aller Völkerschaften Anteil >haben am ewigen Leben". Ist mir aber doch der, Eingang hier verwehrt, so gib mir wenigstens eine Lehre, die mir als Andenken air diesen wunderbaren Ort dienen soll." des Direktors Cohn. und" einer winzigen auf „Schnorrerei" angewiesenen Clique gesehen, und der Intelligenz der jüdischen unabhängigen Bevölkerung Konzessionen gemacht, so würde dm Hilfsverein der deutschen Juden jetzt anders in Palästina dastehen. Sein eigenes Werk hat er mit eigenen Händen zerstört imd dem sintergang geweiht. Auch das Technikum wird so lange von Nichtsii.pendiaten boykottiert werden, bis dich Kuratorium seine Beschlüsse zu Gunsten der hebst. Sprache ändert. Auch die ehrlich meinende Orthodoxie Palästinas ist.über die letzten Vorgänge verstimmt und hauptsächlich die sephardischön, bucharischen und jemenitischen Juden, denen das Hebräische die einzige Verständigungssprachvmit ihren Glaubensgenossen bildet. Auch dessen Muh der Hilfsverem eingedenk sein, daß die wachsende Einwanderung und Kolonisation der Inden -in Palästina solche Elemente bringen wird, die stets für das Hebräische eintreten werden, wenn sie auch nichts dagegen haben werden, daß man gleicht zeitig ihren Kindern eine europäische Mltursprache beibringon .soll. Die Schule der Zukunft. Bon Lehrer Adolf Rothschild-Achim-Bremen. In dem Kampf um die konfessionell jüdische Volksschule zwischen Lehrerverband und Gemeindvbund, der auf beiden Seiten mit ziemlicher Heftigkeit geführt worden ist, ist ein Waffenstillstand etzrgetreten. Zeit und Gelegenheit dürsten daher nicht ungeeignet sein, etwas über die Schule.der Zukunft, die Einheitsschule, zu Hören, die die gesamte deutsche Lehrerschaft erstrebt. Es gibt heute fast keine Versammlung der fortschrittlich gesinnten Lehrerschaft, in welcher nicht Beittäge zur Lösung dieser Frage geliefert werden. Meine Aufgabe möge, es sein, hier in KürK die Einheitsschule, wie sie von dem verdienstvolle» Während er sprach, wurde ein Schädel über die Mauer geworfen, der zu Alexanders Füßen rollte und dort liegen blieb. „Siehe her," sprach der Engel ". „Hier ist eine Wage. Auf der einen Schale liegt das Auge, das einst in diesem Schädel sprühte und glänzte; es.'ist Mr von geringem Gewicht; aber siche, ich lege auf die andere Schale diesen schweren Goldklumpen, aber die Schale mit dem Auge bleibt dennoch zur Erve gesenkt. Ich häufe noch mchr Gold als Gegengewicht; die andere hebt sich immer noch nicht. Ich füge noch mehr hinzu, wahrlich, ein Schoch, wie ihn noch kein Erdenmensch besessen, doch das Auge hat noch immer das Gegengewicht. So könnte ich noch mehr Schätze darauf legen, aber die Schale mit dem Auge blWt noch immer am Boden hasten und hebt sich nicht um Haaresbreite. Und tnut sieh weiter: Ich lege anstatt des vielen Goldes nur eine einzige Handvoll Erde, und die Schale mst dem Auge schnelltffederleicht empor." ErstaMt und verwundett bettachtele Alexander diesen VorgMg. „Ich will Dirdas Rätsel lösen," fuhr der Engel fort. „Solange das menschliche Auge geöffnet ist, da ist der Mensch in seiner Habgier und Goldsucht unersättlich und alle Schätze der Welt sind' ihm immer noch nicht genug. Hat man aber erst eine Schanstl Erde auf ihn geworfen, da. wird er leichteraß ent Sandkorn, da sind alle seine Bedürfnisse befriedigt und seine Habgier ist gestillt. Daran denke auch Du! Du. hast bisher als Welteneroberer, als Länderstürmer gelebt, und je mchr Du errungen, desto mehr wolltest Du erringen Jcht bist Dn auch hier erschienen, um womöglich ein Stück Himmel <üs Siegesttophäe heimzutragen. Wer wie lange denn noch, und ein Leines Stückchen Erde, kaum vier Ellen groß, ist alles, was Dir von Deinen Eroberungen geblieben" Er sah Mexmders zerknirschte und niedergeschlagene Miene und fuhr milder fort: „Hier, nimm diesen Schädel als Erinnerung mit, auf daß er Dich stets gemahne, fortan nur als Gottesgeschöpf zu leben, dmnü auch Du würdig befunden werdest, daß dereinst auch Dtt die Pfotten des Himmels sich erschließen" Beschämt Md gebessett zog Alexander mst seinem Heere ab. C$9B